Nahaufnahme eines Orang-Utans mit ausdrucksstarken Augen und rotbraunem Fell in Indonesien
Blick in die Seele: Die seltensten Menschenaffen der Welt kämpfen ums Überleben
Switch Language

Nach der tödlichen Flutkatastrophe auf Sumatra entzieht die Regierung Bergbau-, Palmöl- und Holzfirmen die Lizenzen. Profiteure: die vom Aussterben bedrohten Tapanuli-Orang-Utans.

Das Wichtigste in Kürze

  • Indonesien hat 28 Unternehmen die Genehmigungen für ihre Aktivitäten in der Batang-Toru-Region entzogen
  • Betroffen sind Bergbau-, Palmöl-, Holz- und Wasserkraftunternehmen
  • Die Maßnahme folgt auf die verheerenden Überschwemmungen durch Zyklon Senyar im November 2025
  • Sechs Unternehmen werden zusätzlich auf umgerechnet rund 284 Millionen Euro verklagt
  • Die Region ist der einzige Lebensraum der Tapanuli-Orang-Utans – der seltensten Menschenaffenart der Welt

Was ist passiert?

Ende November 2025 traf der seltene Zyklon Senyar auf die indonesische Insel Sumatra. Das Ausmaß der Zerstörung war beispiellos: Über 1.200 Menschen verloren ihr Leben, mehr als eine Million wurden vertrieben. Die Provinzen Nord-Sumatra, West-Sumatra und Aceh wurden von Sturzfluten und Erdrutschen verwüstet.

Doch die indonesische Regierung unter Präsident Prabowo Subianto machte schnell deutlich: Dies war keine reine Naturkatastrophe. Umweltminister Hanif Faisol Nurofiq erklärte vor dem Parlament, dass die Überschwemmungen und der Tod so vieler Menschen nicht allein auf natürliche Ursachen zurückzuführen seien.

Die Ermittlungen der Forest Area Enforcement Task Force konzentrierten sich auf die Wassereinzugsgebiete von Batang Toru und Garoga. Das Ergebnis: 28 Unternehmen hatten nachweislich gegen Umweltauflagen verstoßen und durch ihre Aktivitäten die kritische Vegetationsdecke in den Höhenlagen entfernt. Der Boden konnte den Rekordniederschlag nicht mehr aufnehmen – mit fatalen Folgen.

Die Konsequenzen: Lizenzentzug und Millionenklage

Am 21. Januar 2026 verkündete Staatssekretär Prasetyo Hadi die Entscheidung von Präsident Prabowo: Allen 28 Unternehmen wurden die Genehmigungen entzogen. Darunter sind 22 Inhaber von Forstwirtschaftslizenzen mit Konzessionen auf einer Gesamtfläche von über einer Million Hektar. Die restlichen sechs Unternehmen operieren in den Bereichen Bergbau, Plantagen und Wasserkraft.

Zu den prominentesten betroffenen Firmen gehören:

  • PT North Sumatera Hydro Energy (NSHE): Das chinesisch kontrollierte Unternehmen baut das umstrittene Batang-Toru-Wasserkraftwerk
  • PT Agincourt Resources: Betreiber der Martabe-Goldmine
  • PT Toba Pulp Lestari: Ein großer Zellstoffproduzent

Doch damit nicht genug: Das Umweltministerium hat zusätzlich Klage gegen sechs der Unternehmen eingereicht. Die Forderung: 4,8 Billionen Rupiah, umgerechnet etwa 284 Millionen Euro. Die Firmen sollen auf einer Fläche von 2.516 Hektar Umweltschäden verursacht haben.

Warum Wälder vor Fluten schützen

Die wissenschaftliche Erklärung für die verstärkte Flutwirkung ist eindeutig: Intakte Regenwälder funktionieren wie ein gigantischer Schwamm. Die Baumkronen fangen Niederschlag ab, der Waldboden speichert große Wassermengen, und die Wurzelsysteme stabilisieren die Hänge gegen Erdrutsche.

Wenn diese natürliche Schutzfunktion durch Abholzung wegfällt, passiert das Gegenteil: Regenwasser fließt unkontrolliert ab, der ungeschützte Boden erodiert, und selbst normale Regenfälle können zu zerstörerischen Sturzfluten werden.

Die indonesische Umweltorganisation WALHI schätzt, dass allein zwischen 2016 und 2025 rund 1,4 Millionen Hektar Wald in Aceh, Nord-Sumatra und West-Sumatra gerodet wurden – hauptsächlich für Bergbau, Palmöl- und Zellstoffproduktion.

Die Zahlen sind erschreckend: Laut dem Deforestation-Monitor Nusantara Atlas hat Sumatra seit 2001 insgesamt 4,4 Millionen Hektar Wald verloren – eine Fläche größer als die Schweiz.

Die Tapanuli-Orang-Utans: Weniger als 800 Tiere weltweit

Die Batang-Toru-Region ist nicht nur für den Hochwasserschutz bedeutsam. Sie ist der einzige Lebensraum einer der seltensten Tierarten der Welt: des Tapanuli-Orang-Utans.

Erst 2017 wurde diese Art als eigenständige Spezies wissenschaftlich beschrieben. Mit weniger als 800 Individuen ist sie der seltenste Menschenaffe überhaupt – noch seltener als Berggorillas oder Sumatra-Orang-Utans.

Die Tapanuli-Orang-Utans leben ausschließlich in einem fragmentierten Waldgebiet südlich des Toba-Sees. Genetische Studien zeigen, dass sie sich vor etwa 3,4 Millionen Jahren von anderen Orang-Utan-Populationen abspalteten und damit die älteste evolutionäre Linie aller Orang-Utans darstellen.

Die Flutkatastrophe hat diese ohnehin kritische Population zusätzlich getroffen. Schätzungen zufolge könnten zwischen 6 und 10 Prozent der verbliebenen Tapanuli-Orang-Utans durch die Überschwemmungen und Erdrutsche ums Leben gekommen sein.

Forscher berichten von einer gespenstischen Stille in Teilen des Waldes, wo zuvor regelmäßig Orang-Utans gesichtet wurden. Die Tiere mussten in immer entlegenere Gebiete fliehen – wenn sie überhaupt überlebten.

Internationale Reaktionen: Naturschützer begrüßen die Maßnahmen

Die Entscheidung der indonesischen Regierung wurde von Umweltschutzorganisationen weltweit positiv aufgenommen.

Amanda Hurowitz, Senior Director bei der Naturschutzorganisation Mighty Earth, bezeichnete die Entwicklung als den Moment, auf den sie lange gewartet haben. Das Batang-Toru-Ökosystem könne nun endlich durchatmen.

Glenn Hurowitz, CEO von Mighty Earth, lobte Umweltminister Hanif Faisol Nurofiq für sein entschlossenes Handeln. Die Suspendierung der Unternehmen, die Entwaldung vorantreiben, sei ein entscheidender Schritt, um eine Wiederholung dieser Katastrophe zu vermeiden.

Die Prabowo-Regierung habe nun die historische Chance, Batang Toru – und ganz Indonesien – auf einen neuen Kurs für Naturschutz und Wiederherstellung zu bringen, so Hurowitz weiter.

Was kommt als Nächstes?

Die indonesische Regierung hat bereits angekündigt, dass etwa 900.000 Hektar der Flächen, deren Lizenzen entzogen wurden, in dauerhafte Schutzwälder umgewandelt werden sollen. Dies ist Teil eines größeren Plans zur Wiederherstellung der ökologischen Integrität des Batang-Toru-Ökosystems.

Präsident Prabowo hat zudem ein massives Wiederaufforstungsprogramm angedeutet, das möglicherweise durch internationale Kohlenstoffzertifikate finanziert werden könnte. Unternehmen, die von Rohstoffgewinnung auf Landrehabilitierung und Ökosystemdienstleistungen umschwenken, könnten in den kommenden Jahren auf ein günstigeres regulatorisches Umfeld treffen.

Die vollständigen Umweltprüfungen sollen bis zu einem Jahr dauern, wobei die Untersuchungen der schwerwiegendsten Fälle bis März 2026 abgeschlossen sein sollen. Danach könnten strafrechtliche Verfolgung, Zivilklagen oder administrative Sanktionen folgen.

Fazit: Ein Wendepunkt für Indonesiens Umweltpolitik?

Die Entscheidung der indonesischen Regierung markiert einen potenziellen Paradigmenwechsel. Erstmals werden die Zusammenhänge zwischen industrieller Abholzung und Naturkatastrophen offiziell anerkannt und mit harten Konsequenzen für Unternehmen verbunden.

Die Botschaft ist eindeutig: In Zeiten des Klimawandels, der extreme Wetterereignisse häufiger und intensiver macht, kann rücksichtslose Umweltzerstörung nicht mehr toleriert werden. Die Kosten – menschlich wie wirtschaftlich – sind zu hoch.

Für die Tapanuli-Orang-Utans bedeutet diese Entwicklung vielleicht die letzte Chance auf Überleben. Mit weniger als 800 Individuen steht jeder einzelne geschützte Hektar Wald für das Überleben einer einzigartigen Art, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt.

Ob Indonesien diesen Kurs langfristig beibehalten wird, bleibt abzuwarten. Doch die Signale sind ermutigend: Manchmal braucht es eine Katastrophe, um echte Veränderung anzustoßen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind Tapanuli-Orang-Utans?

Tapanuli-Orang-Utans sind eine 2017 entdeckte Menschenaffenart, die ausschließlich in der Batang-Toru-Region auf Sumatra, Indonesien, vorkommt. Mit weniger als 800 Individuen sind sie die seltensten Menschenaffen der Welt.

Warum wurden die Unternehmensgenehmigungen entzogen?

Die indonesische Regierung kam nach Ermittlungen zu dem Schluss, dass die Abholzungs- und Bergbauaktivitäten der Unternehmen die Auswirkungen des Zyklons Senyar verschlimmert haben. Durch die Zerstörung der natürlichen Vegetationsdecke konnte der Boden die extremen Regenfälle nicht mehr aufnehmen.

Wie viele Menschen starben bei der Flutkatastrophe?

Bei der Flutkatastrophe durch Zyklon Senyar im November 2025 kamen in Indonesien über 1.200 Menschen ums Leben. Mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben.

Was bedeutet die Entscheidung für die Palmölindustrie?

Die betroffenen Unternehmen müssen ihre Aktivitäten in der Region einstellen. Die Regierung plant, etwa 900.000 Hektar in dauerhafte Schutzgebiete umzuwandeln, was die verfügbare Fläche für industrielle Nutzung dauerhaft reduziert.

Können sich die Tapanuli-Orang-Utans wieder erholen?

Bei konsequentem Schutz ihres Lebensraums ist eine Erholung der Population theoretisch möglich. Allerdings reproduzieren sich Orang-Utans sehr langsam. Wissenschaftler warnen, dass ein jährlicher Populationsverlust von mehr als einem Prozent das Aussterben der Art wahrscheinlich macht.

Kennst du schon unseren Plantbased Podcast?

Du möchtest einen Podcast über Veganismus, Ernährung, Klimaschutz, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Artenschutz… das volle Programm? Dann check mal unseren Plantbased-Podcast. Hier sprechen spannende Menschen aus der Veggie-Community über ihre Reise hin zu vegan und inspirieren so auch andere, sich damit auseinanderzusetzen. Jetzt auch als Videopodcast.

Jetzt reinschauen und Abo dalassen!

This Is Vegan unterstützen - so geht´s!

Auf der Seite findest du Affiliate-Links. Wenn Du deine Lieblingsprodukte über diese kaufst, erhalten wir eine Provision, womit du uns unterstützt.

Alternativ kannst du uns durch ein Abo auf Instagram, TikTok, YouTube (oder Kanalmitgliedschaft), Spotify, Apple Podcasts, LinkedIn oder Pinterest folgen, unseren Podcast hören, abonnieren und bewerten hier direkt unterstützen:

Jeder Cent hilft, unsere Vision voranzutreiben.

🙏🏽💚

Supported auch unsere Freunde und Partner.
👇🏼 Nur gemeinsam können wir etwas erreichen. 👇🏼

Quellen: Nikkei Asia, Jakarta Post, Mongabay, Mighty Earth, Wikipedia, Reuters, Guardian

Please install and activate Powerkit plugin from Appearance → Install Plugins. And activate Opt-in Forms module.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert