Klimaschutz

UN-Hochseeschutzabkommen: Deutschland tritt bei, ab 21. Oktober gelten die Regeln

Deutschland ist dem UN-Hochseeschutzabkommen beigetreten, 94 Staaten haben ratifiziert. Was das Abkommen regelt, was ab 21. Oktober gilt und wann die ersten Schutzgebiete kommen.

Meeresschildkröte taucht an der Küste an der Wasseroberfläche auf
Ein Seehund schwimmt im klaren Wasser, im Hintergrund sind Meeresstrukturen sichtbar, im Kontext der Verhandlungen zum Meeresschutzabkommen.
Inhalt9 Kapitel
  1. 01Deutschland ist seit dem 22. September dabei
  2. 02Was ist das Hochseeschutzabkommen?
  3. 03Warum die Hohe See Schutz braucht
  4. 04Was regelt das Abkommen konkret?
  5. 05Welche Staaten mitmachen und welche nicht
  6. 06Was das Abkommen für das Klima bedeutet
  7. 07Wann die ersten Schutzgebiete kommen
  8. 08Was du selbst tun kannst
  9. 09Kennst du schon unseren Plantbased Podcast?

Aktualisiert am 24. September 2026: Deutschland ist dem Abkommen beigetreten, inzwischen haben 94 Staaten ratifiziert. Die erste Vertragsstaatenkonferenz ist für Januar 2027 geplant.

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Die Hohe See beginnt dort, wo die Wirtschaftszonen der Küstenstaaten enden, und sie gehört keinem Staat. Einen Vertrag, der die Artenvielfalt dort schützt, gab es bis Anfang 2026 nicht. Seit dem 17. Januar 2026 ist das UN-Hochseeschutzabkommen in Kraft, nach über 20 Jahren Verhandlungen. Es gilt für Meeresgebiete, die zusammen rund die Hälfte der Erdoberfläche ausmachen.

Am 22. September 2026 ist auch Deutschland beigetreten. Hier steht, was das Abkommen regelt, was sich ab dem 21. Oktober für deutsche Schiffe und Forschungsteams ändert und wann die ersten Schutzgebiete kommen könnten.

Deutschland ist seit dem 22. September dabei.

Bundesumweltminister Carsten Schneider hat die Ratifizierungsurkunde am Rande der UN-Vollversammlung in New York hinterlegt. Er nennt das Abkommen „den größten internationalen umweltpolitischen Erfolg der letzten Jahre“. Die Regeln für die Umsetzung in Deutschland hat der Bundestag schon im Frühjahr 2026 mit dem Hochseeschutzgesetz beschlossen.

Verbindlich wird das Abkommen für Deutschland 30 Tage nach dem Beitritt, am 21. Oktober 2026. Ab dann müssen sich deutsche Organisationen und Personen daran halten, zum Beispiel Schiffe unter deutscher Flagge und deutsche Forschungsteams auf hoher See. Dazu gehören Umweltverträglichkeitsprüfungen für Vorhaben auf der Hohen See und Regeln für den Umgang mit Proben von Meerestieren und Meerespflanzen.

Was ist das Hochseeschutzabkommen?

Das Abkommen trägt den offiziellen Namen „Agreement on Marine Biological Diversity of Areas beyond National Jurisdiction“, kurz BBNJ-Agreement. Es ergänzt das UN-Seerechtsübereinkommen und schafft erstmals einen verbindlichen Rahmen für den Schutz der biologischen Vielfalt in internationalen Gewässern.

Die Hohe See beginnt dort, wo die nationalen Wirtschaftszonen enden, etwa 200 Seemeilen (rund 370 Kilometer) vor den Küsten. Das Gebiet dahinter gilt nach dem Seerecht als gemeinsames Erbe der Menschheit.

Meer

Warum die Hohe See Schutz braucht.

  • Die Hohe See macht rund die Hälfte der Erdoberfläche aus.
  • Das entspricht etwa zwei Dritteln der Meeresfläche.
  • Bis zum Abkommen war nur rund 1 Prozent davon geschützt.

Die Ozeane sind für das Leben an Land unverzichtbar. Sie produzieren etwa die Hälfte des Sauerstoffs, nehmen rund ein Viertel des vom Menschen verursachten CO2 auf und speichern etwa 50-mal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre.

Bedroht sind sie durch Überfischung, Verschmutzung, Tiefseebergbau und den Klimawandel.

Was regelt das Abkommen konkret?

Das BBNJ-Abkommen basiert auf vier zentralen Säulen:

1. Schutzgebiete auf der Hohen See Erstmals können Meeresschutzgebiete in internationalen Gewässern eingerichtet werden – mit Fischereiverboten und geschützten Zonen, in denen sich die Natur erholen kann.

2. Umweltverträglichkeitsprüfungen Bevor Aktivitäten wie Tiefseebergbau oder industrielle Fischerei genehmigt werden, müssen ihre Auswirkungen geprüft werden. Das gilt sogar für Aktivitäten in nationalen Gewässern, wenn sie internationale Gebiete beeinträchtigen könnten.

3. Genetische Ressourcen Die Nutzung von Meeresorganismen für Forschung und Industrie soll fair geregelt werden – auch Länder ohne eigene Forschungskapazitäten sollen profitieren.

4. Technologietransfer Wissen und Technik sollen geteilt werden, damit alle Länder am Meeresschutz teilhaben können.

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Welche Staaten mitmachen und welche nicht.

Stand 22. September 2026 haben 94 Staaten das Abkommen ratifiziert, darunter China, viele kleine Inselstaaten und zahlreiche EU-Staaten, dazu die EU selbst. In Kraft getreten ist es, nachdem die Schwelle von 60 Ratifizierungen erreicht war. Für einen internationalen Vertrag ging das ungewöhnlich schnell.

Fabienne McLellan, Geschäftsführerin der Meeresschutzorganisation OceanCare, nannte das Inkrafttreten im Januar „ein starkes Zeichen für den Multilateralismus“ und das Abkommen „eine Rettungsleine für die Erhaltung der Hochsee“.

Es gibt auch Kritik. Die USA haben das Abkommen unter Trump nicht ratifiziert. Die Meeresbiologin Angelika Brandt vom Senckenberg Forschungsinstitut weist auf fehlende Sanktionsmechanismen hin. Wie die Regeln durchgesetzt und wie sie finanziert werden, ist noch offen.

Was das Abkommen für das Klima bedeutet.

Die Ozeane puffern einen großen Teil der Erderhitzung ab. Laut Weltklimarat haben sie seit 1970 mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärme im Klimasystem aufgenommen, und sie nehmen 20 bis 30 Prozent des vom Menschen ausgestoßenen CO2 auf.

Geschädigte Meeresökosysteme verlieren einen Teil dieser Fähigkeit. Das Abkommen soll Schutzgebiete ermöglichen, in denen sich die Natur erholen kann.

Wann die ersten Schutzgebiete kommen.

Die erste Vertragsstaatenkonferenz, die sogenannte Ozean-COP, soll im Januar 2027 in New York stattfinden. Dort geht es um die Umsetzung, etwa um die Finanzierung und die Verfahren, nach denen Schutzgebiete beantragt werden. Die ersten Meeresschutzgebiete werden nach Angaben des Bundesumweltministeriums voraussichtlich erst bei späteren Konferenzen ausgewiesen. Deutschland arbeitet nach eigenen Angaben schon jetzt mit Partnern in Afrika, Südamerika und Asien an ersten Vorschlägen.

Bis 2030 sollen laut Weltnaturabkommen von 2022 insgesamt 30 Prozent der weltweiten Meeresfläche geschützt sein.

Schildkroete plastik im Meer

Was du selbst tun kannst.

Laut Weltbiodiversitätsrat IPBES belastet die direkte Nutzung von Meerestieren, vor allem die Fischerei, die Ökosysteme im Meer am stärksten. Der wirksamste eigene Beitrag ist deshalb, keinen Fisch zu essen. Wie groß das Problem ist, zeigen unsere Berichte über Überfischung in der EU und über den Handel mit Haifischflossen.

  • Plastik vermeiden, denn ein großer Teil landet im Meer.
  • Klimafreundlich leben, weil die Erwärmung die Ozeane zusätzlich belastet.
  • Politischen Druck machen, damit die Schutzgebiete tatsächlich kommen.

Ob das Abkommen die Hohe See wirklich schützt, entscheidet sich bei der Umsetzung. Die beginnt im Januar 2027.

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Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was ist das Hochseeschutzabkommen?
Das Abkommen trägt den offiziellen Namen „Agreement on Marine Biological Diversity of Areas beyond National Jurisdiction“, kurz BBNJ-Agreement.
Warum die Hohe See Schutz braucht.?
Die Hohe See macht rund die Hälfte der Erdoberfläche aus.Das entspricht etwa zwei Dritteln der Meeresfläche.Bis zum Abkommen war nur rund 1 Prozent davon geschützt.Die Ozeane sind für das Leben an Land unverzichtbar.
Was regelt das Abkommen konkret?
Das BBNJ-Abkommen basiert auf vier zentralen Säulen:1. Schutzgebiete auf der Hohen See Erstmals können Meeresschutzgebiete in internationalen Gewässern eingerichtet werden – mit Fischereiverboten und geschützten Zonen, in denen sich die Natur erholen kann.2.
Was das Abkommen für das Klima bedeutet.?
Die Ozeane puffern einen großen Teil der Erderhitzung ab. Laut Weltklimarat haben sie seit 1970 mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärme im Klimasystem aufgenommen, und sie nehmen 20 bis 30 Prozent des vom Menschen ausgestoßenen CO2 auf.Geschädigte Meeresökosysteme verlieren einen Teil dieser Fähigkeit. Das Abkommen soll Schutzgebiete ermöglichen, in denen sich die Natur erholen kann.
Wann die ersten Schutzgebiete kommen.?
Die erste Vertragsstaatenkonferenz, die sogenannte Ozean-COP, soll im Januar 2027 in New York stattfinden. Dort geht es um die Umsetzung, etwa um die Finanzierung und die Verfahren, nach denen Schutzgebiete beantragt werden. Die ersten Meeresschutzgebiete werden nach Angaben des Bundesumweltministeriums voraussichtlich erst bei späteren Konferenzen ausgewiesen.
Was du selbst tun kannst.?
Laut Weltbiodiversitätsrat IPBES belastet die direkte Nutzung von Meerestieren, vor allem die Fischerei, die Ökosysteme im Meer am stärksten. Der wirksamste eigene Beitrag ist deshalb, keinen Fisch zu essen.