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Robbie Lockie und Yannick Haldenwanger im Podcast-Studio auf Bali beim Gespräch für Folge 100 des Plantbased Podcasts
Aufgenommen auf Bali: Robbie Lockie zu Gast in Folge 100 des Plantbased Podcasts
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Wenn du in den letzten zehn Jahren irgendwo auf der Welt einen veganen Beitrag in deinem Feed hattest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Robbie Lockie etwas damit zu tun hatte. Als Mitgründer von Plant Based News baute er eines der größten veganen Medien der Welt auf, in Spitzenzeiten mit 85 bis 100 Millionen Impressionen im Monat. Nach fast zehn Jahren, stieg er aus und macht jetzt alles dafür, Fake News zu vermeiden und über Ernährung aufzuklären.

Warum, das erzählt er in Folge 100 unseres Plantbased Podcasts. Es geht um seine Kindheit in Simbabwe, um eine 105-jährige Großmutter mit Faible für Science-Fiction, um die Frage, warum wir beim Thema Essen so oft belogen werden, und um die vielleicht schwerste Übung im Aktivismus: trotz allem hoffnungsvoll zu bleiben.

Robbie und ich haben dieses Gespräch nicht remote geführt. Wir saßen uns auf Bali gegenüber, wo wir in den Wochen davor fast täglich zusammen am selben Holztisch gearbeitet haben, er an foodfacts, ich an This Is Vegan. Die 100. Folge mit ihm aufzunehmen war deshalb vor allem eins: eine Herzensangelegenheit.

Hier kommt  ein Teil des Gesprächs in der Lesefassung.

Wer ist Robbie Lockie?

  • Aufgewachsen in Simbabwe, lebte lange in London, heute zuhause auf der ganzen Welt
  • Mitgründer von Plant Based News, fast 10 Jahre lang eines der reichweitenstärksten veganen Medien der Welt
  • Gründer von foodfacts.org: gemeinnützige Faktenchecks rund ums Ernährungssystem, begleitet von einem unabhängigen Beirat aus Ärztinnen, Wissenschaftlern und Diätologinnen
  • Designer, Aktivist und überzeugt davon, dass KI die Tierrechtsbewegung schneller machen kann
  • Vegan, seit er die Tierindustrie nicht mehr ignorieren konnte, wie er sagt

Die ganze Folge mit Robbie Lockie anschauen

Das komplette Gespräch gibt es als Video auf YouTube. Ein Klick auf das Vorschaubild startet den Player, vorher lädt hier nichts von YouTube.

Lieber nur hören? Die Folge gibt es auch auf Spotify:

Das Gespräch haben wir auf Englisch geführt. Die deutschen Untertitel findest du direkt im YouTube-Player, hier kommt die übersetzte und gekürzte Lesefassung.

Aufgewachsen in Simbabwe: Gänse, Kunst und eine Oma mit Science-Fiction-Sammlung

Robbie, bevor wir über Plant Based News und foodfacts sprechen: Wo fängt deine Geschichte an?

Robbie: Ich bin in Simbabwe aufgewachsen, auf dem Land, in einer kleinen Stadt, die in einer Senke lag wie in einem riesigen Krater. Es war ein einfaches Leben. Wir sind in Seen und Flüssen geschwommen, ich bin auf Bäume geklettert und wieder herausgefallen, ständig draußen, ständig umgeben von Tieren. Schafe, Hühner, Kühe, eine Katze, in die ich vernarrt war, zwei Ratten, Hunde. Und eine Horde Gänse, die mich jeden Tag nach der Schule über den Hof gejagt hat. Ich hatte echt Angst vor denen.

Meine Eltern waren sehr jung, meine Mutter ist Künstlerin, und ich habe halbe Kindheitstage mit Farbe beschmiert auf ihrem Atelierboden verbracht. Und dann ist da meine Großmutter, sie ist heute 105. Sie war besessen von Science-Fiction und hat mir als Kind aus diesen dicken Romanen vorgelesen. Kreativität war bei uns nie ein Hobby, sie war einfach überall.

Und vom Kraterdorf ins Internet?

Robbie: 1999 habe ich an einer digitalen Publishing-Plattform mitgearbeitet, quasi einer Online-Zeitung in Simbabwe, eine der ersten im Land. Ich habe Layouts und Microsites gebaut und seitdem nie wieder aufgehört, Dinge im Internet zu bauen. Es ist verrückt, die Entwicklung zu sehen: von dieser ziemlich hässlichen Frühform des Webs bis heute, wo mit KI plötzlich alles möglich ist.

Plant Based News: bis zu 100 Millionen Impressionen im Monat

Plant Based News wurde unter deiner Mitgründung zu einem der größten veganen Medien der Welt. Wie groß war das wirklich?

Robbie: In Spitzenzeiten haben wir 85 bis 100 Millionen Impressionen im Monat erreicht, mit einem sehr kleinen Team. Das hat mir gezeigt, was möglich ist, wenn man Themen ernst nimmt, die sonst niemand ernst nimmt. Als wir angefangen haben, wurde über vegane Themen in den Mainstream-Medien entweder gelacht oder geschwiegen. Wir haben eine Lücke gefüllt, die riesig war.

Robbie Lockie und Yannick Haldenwanger beim gemeinsamen Co-Working an einem Holztisch in einer Villa auf Bali

Deshalb braucht es Fakten über Ernährung: „Jede Woche haben mir Leute geschrieben: Das ist falsch, das ist gelogen”

Nach fast zehn Jahren hast du Plant Based News verlassen und eine neue Plattform gegründet. Was war los?

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Robbie: Ende 2023 war ich zunehmend frustriert über die Menge an Falschinformationen über Ernährung und Gesundheit, in Social Media genauso wie in klassischen Medien. Jede Woche kamen Nachrichten von Freunden, Familie, Kolleginnen: Das hier ist falsch, das ist eine Lüge, bitte entkräftet das. Irgendwann dachte ich: Es muss einen systematischen Weg geben, damit umzugehen. Also habe ich mich aus dem Tagesgeschäft von Plant Based News zurückgezogen und meine ganze Energie in foodfacts.org gesteckt.

Was genau ist foodfacts?

Robbie: Eine gemeinnützige Organisation, getragen vor allem von Freiwilligen. Unsere Mission ist es, Ernährungs- und Medienkompetenz zu erhöhen. Die Leute sollen verstehen, was gute Ernährungswissenschaft ausmacht und wem sie vertrauen können. Denn Social Media ist voll mit selbsternannten Gesundheits-Influencern ohne jede Qualifikation. Leute, die eine Gelegenheit gewittert haben, Pillen, Wundermittel und Kurse zu verkaufen, die kein Mensch braucht. Dafür wird dann Panik geschürt, vor Glukose-Spitzen, vor Gemüse, vor Samenölen.

Und dagegen setzt ihr Faktenchecks?

Robbie: Jede Woche veröffentlichen wir Faktenchecks, Guides und Einordnungen, geprüft von einem unabhängigen Beirat aus Ärztinnen, Wissenschaftlern und Ernährungsfachleuten. Aber foodfacts ist bewusst breiter als nur Nutrition. Es geht um das ganze Ernährungssystem. In Großbritannien leben 68 Millionen Menschen, und fünfeinhalb Millionen Kinder davon in Ernährungsarmut, die teils bis zu zwei Mahlzeiten am Tag verpassen. In der Shrimp-Industrie stecken weltweit Sklaverei und Kinderarbeit. Wenn wir über eine Garnele auf dem Teller sprechen, sprechen wir über Gesundheit, Umwelt und Menschenrechte gleichzeitig.

Robbie Lockie mit Kopfhörern am Laptop bei der Arbeit an foodfacts, er zeigt ein Peace-Zeichen in die Kamera

Wie professionell Falschinformation im Ernährungsbereich inzwischen produziert wird, zeigt übrigens auch die Netflix-Doku Big Chicken, an deren Faktencheck foodfacts beteiligt war. Wir haben die Doku hier ausführlich besprochen.
Robbie Lockie spricht mit Mikrofon auf der Bühne eines Panels bei einem veganen Event

Die Millionen-Frage: Werbung kaufen oder das System verändern?

Angenommen, jemand gibt dir eine Million Euro für die Bewegung. Plakate in ganz Europa?

Robbie: Werbung kann mächtig sein, und eine Million wäre in einem Monat problemlos in Billboards investiert, die Millionen Menschen sehen. Aber die entscheidende Frage ist: Was passiert danach? Ändert jemand sein Leben, weil er ein Plakat gesehen hat?

Statt das Geld in einem Monat zu verbrennen, würde ich eine Organisation aufbauen, die Menschen dafür bezahlt, im System selbst zu arbeiten: in Universitäten, Schulen, Krankenhäusern, sogar Gefängnissen. Menschen, die vor Ort pflanzliche Verpflegung möglich machen. Echter Wandel braucht Leute, die Vollzeit an den Stellen sitzen, wo Essen entschieden wird. Ein Plakat allein schafft das nicht.

Und das Zweite: Dokumentationen. Ein guter Film wird millionenfach gesehen, lässt sich in viele Sprachen bringen und wirkt über Jahre. Diese Art von Bildungsinhalten hat eine Lebensdauer, von der jede Werbekampagne nur träumen kann.

Dokus wie What the Health oder Cowspiracy haben ganze Wellen ausgelöst. Siehst du das als effektivstes Werkzeug?

Robbie: Es ist eines der stärksten, weil ein Film Emotion und Information verbindet. Einmal produziert, arbeitet er für immer weiter.

Anmerkung der Redaktion: Welche Filme sich wirklich lohnen, haben wir in unserer großen Übersicht der besten veganen Dokus zusammengetragen.

„Menschen sind ein Parasit”? Über Wut, Misanthropie und Hoffnung

Wer sich täglich mit Tierleid beschäftigt, kann an Menschen verzweifeln. Wie gehst du damit um?

Robbie: Es ist sehr leicht, misanthropisch zu werden und zu denken: Menschen sind doch nur ein Parasit auf diesem Planeten, der alles tötet. Und das stimmt ja teilweise. Für mich beginnt es mit Akzeptanz: Leid, Krieg und Gewalt gab es auf der Erde immer, seit Anbeginn der Menschheit. Aber wenn du den großen Bogen betrachtest, verändern wir uns als Spezies. Trotz der Kriege, die gerade toben, werden wir aus der Vogelperspektive jeden Tag ein friedlicheres Wesen. Weniger Armut bedeutet weniger Gewalt.

Und dann ist es eine Frage der Perspektive. Wenn du dich jeden Tag ausschließlich in Leid vergräbst, wird es dich überwältigen, da gibt es keinen Zaubertrick dagegen. Was mich positiv hält, ist die Erinnerung daran, dass jeden Tag Menschen die Strände von Bali säubern, in London Müll sammeln und Obdachlose versorgen. Die Welt ist voll von freundlichen, motivierten Menschen, die eine bessere Welt für möglich halten. Es gibt Böses, klar. Aber es ist zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen.

Robbie Lockie und Yannick Haldenwanger schauen beim Co-Working auf Bali lachend in die Kamera

Speziesismus: 70 Milliarden Individuen, die niemand sieht

Du sagst, das Kernproblem heißt Speziesismus. Erklär das mal für alle, die das Wort zum ersten Mal hören.

Robbie: Schon unsere Sprache ist speziesistisch. Wir nennen einen Hund oder ein Huhn “es”, als wären sie Gegenstände. Aber ein Tier ist kein Objekt. Tiere träumen, sie empfinden Angst, sie haben Erinnerungen, Familien, Emotionen. Sie sind Individuen. Sie sind anders als wir, aber in allem, was wirklich zählt, sind sie uns gleich.

Wenn du Tiere einmal so siehst, begreifst du die Tragödie dahinter: Wir töten jedes Jahr über 70 Milliarden Landtiere. Fische zählt da noch niemand mit, die gehen in die Billionen. Jedes einzelne davon ein Individuum.

Für die meisten Menschen ist ein Schwein einfach Bacon. Sie sehen das Tier nicht, sie sehen die Packung im Supermarkt. Deshalb arbeite ich ständig daran, Tiere wieder als Einzelwesen sichtbar zu machen. Ihnen Namen zu geben verändert schon etwas. Es ist wie bei mir mit dem ADHS: eine schmerzhafte Erkenntnis, dass ich selbst die längste Zeit meines Lebens Teil davon war, ohne es zu sehen.

KI als Superpower: Vibe Coding zwischen Reisfeldern

Wir haben in den letzten Wochen fast täglich zusammen an diesem Holztisch gearbeitet, und du hast mich mit deiner KI-Begeisterung angesteckt. Was bedeutet KI für deine Arbeit?

Robbie: Vibe Coding ist eine Fähigkeit, die ich mir in den letzten Jahren angeeignet habe, und es fühlt sich an wie eine Superpower. Alles, was ich mir vorstellen kann, kann ich bauen. Für eine kleine Non-Profit-Organisation wie foodfacts ist das ein Gamechanger: Wir können mit einer Handvoll Freiwilliger Dinge umsetzen, für die man früher eine Agentur gebraucht hätte.

Mein wichtigster Tipp für alle, die anfangen: Frag die KI nicht einfach nach einer Antwort. Sag ihr, was du erreichen willst, und lass dir von ihr einen detaillierten Prompt dafür schreiben. Und lass sie dir vorher fünf Rückfragen stellen. Das Ergebnis ist eine ganz andere Qualität.

Und du hast es geschafft, dass diese Begeisterung ansteckend ist. Nach unserer ersten Session lief bei mir zu Hause plötzlich auch alles über Claude.

Robbie: Das ist das Schöne daran. Diese Werkzeuge sind für Aktivisten gemacht, wir wissen es nur noch nicht alle. Kleine Teams mit großen Missionen profitieren am meisten davon.

Zum Schluss: Was gibt dir nach 20 Jahren Aktivismus noch Hoffnung?

Robbie: Dass ich jeden Tag Menschen sehe, die sich entscheiden hinzuschauen. Die Bewegung ist größer, professioneller und klüger als je zuvor. Und mit jeder Person, die Tiere als Individuen erkennt, wird sie noch ein Stück größer.
Robbie Lockie lacht während eines Panel-Gesprächs auf der Bühne, Mikrofon in der Hand

Bonus: Sonnenaufgang auf 1.717 Metern

Ein paar Tage nach der Aufnahme standen wir um drei Uhr morgens auf und sind gemeinsam auf den Mount Batur gewandert, einen aktiven Vulkan im Nordosten Balis. Oben, auf 1.717 Metern, gab es Sonnenaufgang über dem Wolkenmeer, Blick auf den Mount Agung und ziemlich kalte Finger. Wer genau hinschaut: Hoodie und Mütze auf dem Foto sind von VESH, einem veganen Statement-Label, das ihr über unsere Community-Deals vergünstigt bekommt.

Robbie Lockie und Yannick Haldenwanger bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Mount Batur auf Bali, mit dem 1717-Meter-Schild und dem Mount Agung über den Wolken im Hintergrund

So ist dieses Interview entstanden

Yannick hat mit Robbie Lockie im Mai 2026 auf Bali für die 100. Folge des Plantbased Podcasts gesprochen, persönlich im Studio, fast zwei Stunden lang. Für die Lesefassung haben wir das englische Gespräch übersetzt, gekürzt und sprachlich geglättet, ohne Aussagen zu verändern. Die komplette Folge findest du oben im Player, auf YouTube (mit deutschen Untertiteln) und auf Spotify. Die Fotos stammen aus unserem gemeinsamen Co-Working auf Bali, aus dem Podcast-Studio, von Robbies Bühnenauftritten und von unserer Mount-Batur-Wanderung.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Die Millionen-Frage: Werbung kaufen oder das System verändern?
Angenommen, jemand gibt dir eine Million Euro für die Bewegung. Plakate in ganz Europa? Robbie: Werbung kann mächtig sein, und eine Million wäre in einem Monat problemlos in Billboards investiert, die Millionen Menschen sehen. Aber die entscheidende Frage ist: Was passiert danach? Ändert jemand sein Leben, weil er ein Plakat gesehen hat?
Zum Schluss: Was gibt dir nach 20 Jahren Aktivismus noch Hoffnung?
Robbie: Dass ich jeden Tag Menschen sehe, die sich entscheiden hinzuschauen. Die Bewegung ist größer, professioneller und klüger als je zuvor. Und mit jeder Person, die Tiere als Individuen erkennt, wird sie noch ein Stück größer.
Über 75.000 Menschen folgen This Is Vegan auf YouTube, Instagram und dem Sparradar Vegan Alarm.

Schon den Plantbased-Podcast gehört?

Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.

Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.

Seit 2019 · This Is Vegan · unabhängig, vegan, manchmal unbequem


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