Atze Schröder mit blau weiß gestreiftem T-Shirt und einer Brille vor einem grauen Hintergrund
Atze Schröder vegan nachhaltig podcast
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Viele kennen Atze Schröder als Ruhrpott-Ikone und Macho. Lebensinhalt: Frauen und Autos.

Yannick Haldenwanger von This Is Vegan durfte Atze Schröder und die Person dahinter nun ganz anders kennenlernen. Atze zeigte, dass er weitaus mehr zu bieten hat und deutlich reflektierter ist, als der derbe Comedy-Charakter und das Herz am rechten Fleck hat.

Atze Schröder ist Co-Host des Podcasts “Zärtliche Cousinen” zusammen mit Till Hoheneder. Zudem hört man ihn im wöchentlichen Podcast “Betreutes Fühlen mit Dr. Leon Windscheid. Hier spricht er über Themen wie Ängste, Depressionen, Polyamorie oder Einsamkeit.

In seiner Biographie “Blauäugig – mein Leben als Atze Schröder” lernt man ihn als einen ganz anderen Menschen kennen. Einen sehr emphatischen  Menschen.

Atze Schröder lebt vegan, gendert, fährt hauptsächlich Fahrrad und setzt sich für das Thema Nachhaltigkeit ein.

Der 8-fache Gewinner des deutschen Comedypreises verrät in diesem Podcast, was er tun würde, wenn er für einen Tag Politiker wäre, wie er resilienter geworden ist und was seine Ventile in stressigen Zeiten sind. Atze spricht darüber, welche neuen Wege er gehen möchte und warum auch er “der alte, weiße Mann” ist.

Zudem erzählt er, wie er Sophie Passmann zum Lachen gebracht hat, was er von Micky Beisenherz gelernt hat und warum er vegan lebt. Ja, das ehemalige Top-Testimonial eines Wurstherstellers lebt vegan und setzt sich für das Thema Tierschutz und Nachhaltigkeit ein. Wir sprechen über seine Beweggründe, seine Lieblingsrezepte, welche Restaurants er empfehlen kann und welche gesundheitlichen Folgen die Umstellung auf vegane Ernährung hat. Außerdem sprechen wir darüber, warum es manchmal Sinn macht das Gras für Blau zu halten.

In diesem Interview haben wir Auszüge aus dem Podcast. Alles Wissenswerte, ungekürzt gibt es hier im Plantbased Podcast.

Cover Postcast this is vegan mit Atze Schröder

Hallo Atze, vielen Dank, dass du dir Zeit für den Plantbased Podcast nimmst. Herzlich Willkommen!

Atze Schröder: Yannick – vielen Dank, dass ich hier sein darf.

Viele kennen dich als die Ruhrputt-Ikone und eher als Macho. Aber deine Biografie heißt “Blauäugig, mein Leben als Atze Schröder”. Wie bist du denn in Wirklichkeit?

Atze Schröder: Ach ja, Blauäugig trifft schon. Manche sagen auch naiv, leichtgläubig. Aber ich bin da gut mit gefahren. Ich bin so ein Sonntagskind, bin sonntags morgens um 6.04 Uhr geboren. Und irgendwie merke ich das in meinem eigenen Lebenslauf immer selbst an. Ich habe ziemlich viel Glück im Leben. Und viele Dinge sind mir einfach passiert.

Das heißt, dass auf jeden Fall auch ein paar Prozent Atze in dir stecken?

Atze Schröder: Ja, auf jeden Fall. Erstmal ist das zu 100 Prozent mein Humor, über den ich auch lachen kann. Also auch so grenzenauslotend. Und wir alle haben ja so unsere zwei Seiten. So ganz rudimentär kann man ja sagen, die ruhigere und vielleicht die etwas wildere. Und über den öffentlichen Atze kann ich die wilde Seite immer ganz gut ausleben.

Ich kann mir vorstellen, dass du dann auch oft mit Vorurteilen konfrontiert bist, dass die Menschen die Kunstperson hinter dir sehen und dich mit ihr assoziieren. Passiert dir das oft?

Atze Schröder: Oh ja, sehr oft. Eigentlich überwiegend. Und gerade, wenn ich jemanden neu kennenlerne. Jetzt in den letzten Wochen hatte ich hier und da mal mit Sophie Passmann zu tun. Und sie stolpert ja auch immer wieder da rein, dass sie mich mehr oder weniger als den Bühnen-Atze angesehen hat. Aber sie ist ja eine schlaue Frau und das endete dann immer tatsächlich im großen Lachen.

Ja, dafür bist du bekannt - für die Lacher. In einem deiner letzten Podcasts, “Betreutes fühlen”, hast du das Thema “Generation Snowflake” mit aufgenommen. Also, wie zerbrechlich Menschen sind, wie Schneeflocken. Und dass wir nicht mehr belastbar sind, dass wir schnell triggerbar sind. Das ist auch ein Thema, was dich beschäftigt. Ist es auch auf der Bühne ein Thema? Dass du Angst hast, was Falsches zu sagen?

Atze Schröder: Also es ist ein Thema, was mich privat beschäftigt. Nicht so sehr auf meine Person bezogen. Dadurch, dass ich nicht mehr ganz so jung bin, hat sich schon eine gewisse Resilienz herausgebildet. Aber das Thema beschäftigt mich eben. Und gerade so Sprüche zu dem Thema, “was uns nicht tötet, macht uns härter”, stimmt es oder stimmt es nicht? Und das stimmt ja eben auch nur bedingt. Und was den einen vielleicht härter macht, schädigt den anderen nachhaltig. Und deswegen gehe ich schon mit dem Thema immer um und überprüfe mich selbst aber auch. Und manches ist besser geworden und einiges Zerbrechliches ist auch in mir drin. Da habe ich wahrscheinlich gelernt, mich intuitiv zu schützen.

Weiß beige gestreiftes Tuch auf dem ein Handy mit Bildschirmschoner Breathe liegt, einer Trinkflasche und einem Notizblock mit einem Stift darauf

Ja, ich verstehe. Das heißt, was sind deine Ventile, um dich da zu schützen?

Atze Schröder: Sport – damit kann ich viel durch ausgleichen. Und man hat ja schon viel gehört. Natürlich bin ich ja ein typischer alter weißer Mann und habe schon viel gehört. Und vieles überhört man dann auch. Es gibt ja dieses Gleichnis von dem Esel, der sagt Das Gras ist blau.” Der Tiger sagt, “das gibt es doch gar nicht. Das ist doch grün.” Und der Löwe bestraft dann den Tiger, weil er ganz rudimentär erzählt, wenn du dich mit so einem Blödsinn beschäftigst. Und das gelingt mir immer besser, wenn jemand Blödsinn erzählt, der mich früher vielleicht noch aus der Bahn geworfen hätte, dann zu denken, naja, wenn du denkst, das Gras ist blau, dann ist es eben so.

Gibt es denn auch Punkte in deinem Alltag, wo du jetzt sagst, trotz der ganzen Resilienz und so weiter, vor denen du noch Angst hast?

Atze Schröder: Ach ja, das kommt immer mal wieder vor. Ich glaube, was uns allen so geht, ist, dass wir tagesformabhängig sind. An manchen Tagen sind wir wie ein rohes Ei und an anderen Tagen sind wir eben die Sonne selbst und da kann uns gar nichts erschüttern. Da könnte neben dir eine Bombe explodieren und du würdest so kurz wie so Schuppen von den Schultern streichen.

Da bewundere ich dich tatsächlich dafür, mit was für einer Selbstverständlichkeit du immer auf die Bühne gehst. Gibt es da irgendein Geheimrezept gegen Lampenfieber, das du hast, oder sagst du einfach "oft genug zu machen"?

Atze Schröder: Mit der Zeit wird man da lässiger. Und Erfahrung macht gelassen und Erfolg ja letztendlich auch. Ich komme aus einer Musikerfamilie, deswegen war das bei uns nie die Frage, Bühne oder nicht. Es war klar, dass man irgendwann auf der Bühne landen würde. Vor, ich würde jetzt mal sagen, fast Jahrzehnten, hat Micky Beisenherz mich mal gefragt, was kann man gegen Lampenfieber machen? Und dann habe ich ihm gesagt, „naja, sitzen da so viele Leute im Publikum, von denen du wirklich abhängig bist. Also wirklich auch mit deiner Laune abhängig?“ Und das verneigt man ja fast immer. Und das ist ein ganz gutes Hilfsmittel, um zu denken, naja, so schlimm ist das jetzt auch nicht, selbst wenn ich hier den größten Scheiß mache. Mut zum Scheitern, sagen wir mal.

Menschen sitzen in einem bestuhlten Raum und hören einen Vortrag auf der Veggie world an

Absolut. Ich habe noch eine weitere persönliche Frage, die ich unbedingt einbauen muss. Warum unbedingt? Du hast ja einen krassen Imagewandel hingelegt, auch die letzten Jahre. Du warst vom Schwiegermutter-Schreck, wenn ich es so bezeichnen darf, so ein bisschen zum Schwiegermutter-Liebling auch. Und passend dazu, meine Schwiegermutter, die Silvia, ist ein großer Fan von dir und deinen Podcasts. Ich habe sie gebeten, eine Frage mit zu geben und das hat sie gemacht.

Atze Schröder: Ganz liebe Grüße an Silvia – sie ist meine Rente.

Haha. Richte ich aus. Und zwar fragt sie: “Möchtest du mit dem Älterwerden deinem Leben einen besonderen Sinn geben und neue Wege gehen, die du bisher noch nicht gegangen bist?”

Atze Schröder: Also, da fange ich mal hinten an. Neue Wege gehen – immer. Das ist eine große Leidenschaft von mir. Sowohl Stärke als auch Schwäche, dass es immer was Neues wieder sein muss. Deswegen habe ich mit Nostalgie auch gar nichts am Hut. Also “für gestern gibt es nichts” hat mein Vater immer gesagt und möchte mich anschließen. Ich möchte mich schon weiterentwickeln und auch als Mensch reifen. Ich glaube, das ist auch “Mensch sein”, dass man selbst mit 80 oder 90 sich noch weiterentwickelt. Aber ich möchte da nichts schaffen. Ich möchte nichts hinterlassen. Wenn ich über ein Vermächtnis nachdenke, da ist nichts. Also wenn ich mal nicht mehr bin, möchte ich in Ruhe in Vergessenheit geraten.

Ich möchte ein Zitat aus deinem Programm passend zum Plantbased Podcast vorlesen: “Wenn ich ein Tier vögeln würde, würden sich alle aufregen. Doch wenn ich sie auffresse, würden alle “guten Appetit” sagen.” Wie kam es zu dieser Aussage? Ich meine, man kennt dich noch von der Werbung für Würstchen. Jetzt ernährst du dich und denkst auch bewusster. Wie kam es dazu?

Atze Schröder: Zu diesem Gag auf der Bühne kam es wegen “Black Mirror”. In der ersten Folge geht es glaube ich darum, dass der englische Ministerpräsident durch Umstände gezwungen ist, mit einem Schwein GV zu vollziehen. Und über diese Folge kam es dazu, dass ich gedacht habe, naja, das steht schon im Zusammenhang. Weil darüber würden sich alle aufregen. Wenn man das Tier aber tötet und aufisst, ist es ja normal für uns alle.

Und es war eine Entwicklung. Ich bin mit meiner Freundin zusammen, die schon lange, lange, lange im Veganen lebt und mir da sehr viele Denkanstöße geliefert hat. Allerdings auch sehr viel gutes Essen, muss ich dazu sagen. Plantbased Food. Ja, kam es da zum Umdenken. Und dann irgendwann fiel es mir fast wie Schuppen aus den Haaren, wie verrückt es ist, dass wir unsere Mitbewohner aufessen. Und wenn man, das kannst du wahrscheinlich bestätigen, wenn man einmal diesen Gedanken hat, dann denkt man, “wie konnte ich nur?!”. Es kommt einem dann so verrückt vor.

Ich hatte gestern eine Diskussion mit jemandem zum Thema “Organspende”. Und dass es ja diese Tattoos gibt, wo man sich als Organspender outet. Und dann sagt er, “ich habe noch ein bisschen Bedenken, weil ich weiß nicht, wenn ich mal tot bin mit meinen Organen, was wird denn dann?Und da habe ich auch nur gefragt, “isst du Fleisch?Ja.” “Dann brauchen wir nicht weitersprechen. Wenn du dir Organe von anderen Lebewesen einverleibst, dann brauchst du ja an der Stelle gar nicht mehr überlegen.”

Total. Wir machen uns das einfach auch nicht oft genug bewusst. Gut platziertes Marketing zeigt uns immer nur “die lila Kühe auf den Weiden”. Und man macht sich einfach oft keine weiteren Gedanken. Deshalb kann man das den Leuten auch gar nicht vorwerfen. Aber sobald man, diesen Step gegangen ist und darüber nachgedacht hat, dann gibt es kein Zurück mehr. Oder hattest du schon mal eine Situation, wo du jetzt gedacht hast, jetzt hätte ich gern wieder ein Stück Fleisch?

Atze Schröder: Nee, ich habe mich davon immer weiter entfernt. Das werden wahrscheinlich auch viele der Hörer:innen jetzt berichten. Sobald man diesen Entschluss fasst, entfernt man sich immer weiter davon. Und nach relativ kurzer Zeit hat man den Punkt erreicht, wo man es nicht mal essen könnte, weil man es eklig findet.

Und jetzt, wo wir so drüber sprechen – es ist ja auch total eklig. Wie gesagt, ich will keinen missionieren. Das muss jeder mit sich selbst abmachen. Aber unsere Mitbewohner, unsere Freunde aufzuessen, das ist schon echt eine verrückte Sache.

Vegane Mett angerichtet auf einer Vesperplatte mit Zwiebeln darauf verteilt und Essiggurken daneben
Zum Rezept: Veganer Mett-Igel

Du überzeugst dein Umfeld eher dadurch, dass du gutes Essen serviert. Oder was ist da dein Geheimrezept, um zu zeigen, dass vegane Ernährung eine gute Sache ist?

Atze Schröder: Ja, tatsächlich gutes Essen. Meine Freundin kocht da ungefähr 500.000 Mal besser als ich. Sie kocht wirklich auf einem sehr hohen Niveau. Und das alles vegan. Das ist schon sehr überzeugend. Wenn Leute am Tisch sitzen und den veganen Hackbraten oder sie macht vegane Gänsekeulen. Dann lachen erst alle immer. Und dann isst sie das. Und sie macht sie wirklich ganz knusprig mit Reispapier und Stäbchen drin. Quasi als Knochen. So ein Holzstäbchen mit Austernpilzen, die scharf angebraten sind. Das schmeckt richtig gut. Damit kann man gut überzeugen.

Und der gesundheitliche Aspekt kommt ja auch noch hinzu. Jetzt bin ich mit 58 in einem Alter, wo so die ganzen Freunde, Freundinnen schon ihre Zipperlein haben. Und bei mir war es auch so. Ich hatte zu hohen Blutdruck, so typisch für Männer in meinem Alter. Es hat keine drei Monate gedauert nach Fleischverzicht, bis der Blutdruck wieder normal war. An dieser Stelle sei auch nochmal eine vegane Doku empfohlen, die schon etwas älter ist: Gabel statt Skalpell. Da wird der gesundheitliche Aspekt auch so sehr beleuchtet. Und Leute, glaubt es oder nicht, meine Blutwerte sind so gut, wie sie zum letzten Mal, glaube ich, mit 25 waren. Ich habe so eine Kraft und so eine Energie. Und das alles mit pflanzlicher Ernährung.

Ich habe letztes Wochenende einen Podcast mit Patrik Baboumian aufgenommen - dem stärksten Mann Deutschlands (2011), auch ein Veganer. Er hat genau dasselbe gesagt, dass das das Essentielle ist. Viele, die intensiv Sport machen, denen geht es dann ans Herz. Oder die Arterien sind verkalkt. Das ist der größte Benefit, den man durch vegane Ernährung haben kann. Ich will jetzt gar nicht sagen, dass es das Allround-Mittel für alle Gesundheit ist. Das muss jeder mit dem Arzt oder der Ärztin abmachen. Aber gesunde Ernährung ist auf jeden Fall wichtig. Das heißt, du achtest auch eher auf Clean Eating. Habe ich das richtig verstanden? Oder bist du auch mal “Team Ersatzprodukte”?

Atze Schröder: Auswärts schon mal Ersatzprodukte. Hier zu Hause ist alles clean. Und wir essen viel Raw Food. Das macht echt eine Menge aus. Und wir waren jetzt gerade in Belgien. Und wir waren in Österreich, wir waren in Belgien, wir waren in Holland unterwegs. Und haben 3 Wochen lang auf so einem hohen Niveau vegan gegessen. Wir waren in Tirol. Wir waren in einem Resort in Tirol, wo es veganes Essen gibt. Und die machen die traditionelle Tiroler Küche, die machen aber dazu noch mediterrane Küche. Alles vegan. Und da sieht man mal, wenn Fantasie dabei ist bei den jungen Köchen, dann geht das viel besser. Und ich verstehe gar nicht, ich bin jetzt in Hamburg, warum es hier nicht noch mehr vegane Top-Restaurants gibt.

Das kann man auf einem Gourmet-Niveau so einfach machen. Da waren wir zuletzt und ich könnte jetzt ein Beispiel nach dem anderen bringen. Es gibt ein Sterne-Restaurant hier in Hamburg, das Bianc. Das ist das zweitbeste Restaurant. Die haben zwei Sterne. Es gibt noch ein Drei-Sterne-Restaurant von Kevin Fehling. Das ist ein Italiener, und der bietet auch vegetarische und vegane Küche an, aber auf Sternenniveau. Und das muss man erlebt haben. Also mit entsprechender Getränkebegleitung auch. Dann ein ganz tolles Beispiel.

Ich habe das jetzt in Antwerpen erlebt. Und zwar war das ein Kollektiv. Die haben sich so eine alte Fabrikanlage gekauft. Die kochen auch auf super Gourmet-Niveau. Die haben aber nebenan auch einen Kaffeeladen, wo sie eben den Kaffee biologisch aus biologischem Anbau anbieten. Machen mit dem Kaffeesatz wiederum, das kommt dir sicher sehr bekannt vor, die Pilze. Züchten auf dem Dach dieser Industrieanlage reines Gemüse. Das verkaufen sie im Innenhof auf dem Markt. Und so geht eins ins andere über. Und oft haben wir das ja schon erlebt, wenn es dann so auf so einem Öko-Niveau war, dass es nicht richtig schmeckt. Aber die Zeiten sind vorbei. Es ist alles so dermaßen lecker.

Tim Mälzer hat vor Jahren mal gesagt, “er möchte das Thema Vegan in Hamburg sexy machen.” Irgendwie hat er es vergessen. Vielleicht kommt er noch drauf. Mir tut es immer so leid, wenn ich in die Bullerei komme. Das ist ja sein Restaurant. Da gibt es sehr viel Fleisch zu essen. Und mir tut es immer so leid, weil er hat den Namen. Er ist beliebt, er ist sympathisch. Er hat eine große Fachkenntnis. Und die Leute, die dahin gehen, die könnte man doch auch mal verführen.

Cover mit Atze Schröder umfüllt von grünem Gemüse und der Aufschrift "Pflanzenfresser" in pink
Atze Schröder in einem Meer aus Grün. © PETA Deutschland e.V. / Marc Rehmeck

Atze, ich war überrascht, als ich mitbekommen hatte, dass du vegan lebst. In der "Veggie Bubble" bist du noch gar nicht so präsent und wirst noch immer von vielen mit dem "Bruzzler" assoziiert. Du könntest das Top-Testimonial für vegane Marken werden. Ist hier etwas in Planung?

Atze Schröder: Ich habe da gar nichts in Planung. Wie so oft vertraue ich da dem Leben. Und guck mal, was kommt oder nicht kommt. Ich habe keinen Ehrgeiz in diese Richtung. Eigentlich ist es ein ganz privates Thema für mich. Es hat mehr Öffentlichkeit bekommen dadurch, dass ich diese Aktion mit PETA eben auch gemacht habe. Erst mal will ich nie missionieren. Und zweitens sehe ich mich da auch nicht als Speerspitze.

Du machst aber dennoch relativ viel auf deinem Instagram-Channel. Jeden Donnerstag zum Thema Gründonnerstag hast du aufgezogen. Wo du über Themen wie Naturschutz, Klimawandel usw. aufklärst. Wie sind da die Reaktionen aus deiner Community?

Atze Schröder: Die sind eigentlich fast zu 100% positiv. Du hast immer mal ein paar Spinner, die dann anfangen zu schimpfen: „Jetzt gehörst du auch zu denen. Am Ende bist du noch geimpft usw.“ Aber das sind ja so Verluste, die man in Kauf nimmt. Aber überwiegend ist es positiv. Und ganz oft kann man auch anfragen, ob ich Unterlagen dazu habe, ob ich Links dazu habe, ob ich Rezepte habe.

On top hast du ein Nachhaltigkeits-Projekt ins Leben gerufen, das ich spannend finde: den Atze Wald. Was hat es damit auf sich?

Atze Schröder: Vor ungefähr 4 Jahren habe ich in der Barclays Arena in Hamburg gespielt. Es wurde kurz vor der Veranstaltung angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, für einen Fototermin an dieser Aktion teilzunehmen, die da heißt Fame Forest. Da bekommt jeder Künstler, der auftritt in der Barclays, der ausverkauft ist, einen Baum gespendet. Früher gab es so ein Award, ein Sold-Out-Award. Das fand ich so geil, die Idee. Da macht jeder gerne mit. Natürlich habe ich gesagt, „klar, mache ich auch mit“. Während der Veranstaltung, wenn man lange spielt, hat man zwischendurch auch Zeit, mal zu überlegen, habe ich darüber nachgedacht, wie geil das überhaupt ist. Kurz vor der Zugabe kam ich von der Bühne, habe einen Gläschen Sekt getrunken und war richtig in einer Champagnerlaune. Bin auf die Bühne gegangen und habe gesagt, „ein Baum ist mir viel zu wenig. Ich spende für jeden, der heute hier ist, einen Baum.“ Ohne, dass ich wusste, was das für Kosten sind und wie schwer das überhaupt umzusetzen ist.

Dann habe ich halt 10.000 Bäume gespendet. Dann begannen die Schwierigkeiten. Da habe ich aber eine große Hilfe gehabt, durch einen Verein. Das Geld hängt an den Bäumen, wo dieser eben so Obst, was von den Bäumen fällt, auf den Wiesen oft liegen bleibt, wieder verwertet mit Menschen, die schwer am Arbeitsmarkt zu integrieren sind, die von der Gesellschaft so ein bisschen vergessen wurden. Der hat mir dabei sehr geholfen. Dann haben wir mit der Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schleswig-Holstein ein Gelände ausgemacht in der Nähe von Hamburg, bei Bad Segeberg. Da haben wir die 10.000 Bäume gepflanzt. Da steht der Atzewald. Mittlerweile habe ich auch die Hamburger Online Marketing-Agentur OMR dazu begeistern können, da auch den OMR-Wald zu pflanzen. Da haben wir uns einfach zusammengetan, da gibt es viereinhalb Hektar, da ist noch ein bisschen Platz für Bäume.

Drei Männer und eine Frau stehen auf Feld mit Spaten in der Hand. Daneben eine grüne Schubkarre
OMR-Geschäftsleiter Jasper Ramm mit Atze Schröder, Jana Schmidt von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Jan Schierhorn von "Das Geld hängt an den Bäumen" (v.l.)

Cool, gut zu wissen mit OMR, mit dem Nachhaltigkeitsmanager Dominique Breuer, die machen auch viel in die Richtung, habe ich nächste Woche eine Podcast-Aufnahme und bin gespannt, was man da in einem Festival integrieren kann in dem Bereich.

Atze Schröder: Ja, da spreche ich ihn gerne auch nochmal auf den Wald an, weil das war eine tolle Aktion. Wir sind da mit so einem Bus hingefahren mit vielen Mitarbeitern von denen und da haben wir einen richtig schönen Tag gehabt und haben da Bäume gepflanzt.

Ja, coole Aktion und dass es aus so einer Sektlaune praktisch entstanden ist, ist auch super witzig. Ich habe jetzt noch ein Gedankenspiel, was ich gerne mit dir durchgehen würde. Stell dir mal vor, du wärst für einen Tag Politiker und dürftest alles ändern, was du willst. Was würdest du tun?

Atze Schröder: Naja, wo wir hier schon sprechen, ich sage das nicht, weil es jetzt so schön passt, aber Massentierhaltung und du merkst schon, ich bin ganz vorsichtig. Das soll jeder selber entscheiden, was er isst, aber das ganz große Problem ist die Massentierhaltung, sowohl beim Fleisch als auch bei der Milch. Und da entsteht so großes Leid. Und das würde ich verbieten, auf jeden Fall. Ställe über 50 Kühe und so weiter. Also da liegt ein großer Hase im Pfeffer und dann hätten wir eh schon nicht mehr so viel Fleisch. Da müssten sich die Fleischliebhaber auch ein bisschen rationieren und würden vielleicht auf dem Wege feststellen, dass es ganz gut geht. Damit fängt es an.

Das zweite, weiß ich nicht, also ich Politiker, um Himmels Willen. *lacht* Das ist so ähnlich wie “Kinder an die Macht”. Fahrräder liegen mir ja so am Herzen. Ich rede mich hier um Kopf und Kragen… Mein ganzes Image ist weg!

Abendstimmung in einer Straße von Berlin, Blick auf den Fernsehturm und ein Radfahrer überquert Kreuzung

Von Porsche gibt es auch Fahrräder. Ich bin ein großer Fahrradfreund. Ich bin mal von Münster aus mit dem Fahrrad auch nach Barcelona gefahren. Eine richtig große Tour. Kann ich auch nur jede:n zu anstiften. Ach so, und dann habe ich ein drittes. Und das setze ich jetzt wieder auf eins: Dadurch, dass unser damaliger Verteidigungsminister von und zu Guttenberg, mit seinen elf Vornamen, Johannes, Freiherr, Franz, von, alle Namen kriege ich nicht zusammen, Oliver Minzer, Rolf Gardiner, Pippi Lotta, Guttenberg hat doch damals die Wehrpflicht abgeschafft. Und dadurch wurde der Zivildienst ja auch abgeschafft, weil das ja miteinander verbunden ist. Und lässt sich ja nicht so einfach einführen, weil EU-Gesetze, Kinder- und Jugendarbeit usw. Aber das würde ich dann einsetzen, dass es wieder ein verpflichtendes, freiwilliges Sozialjahr gibt, und zwar für alle. Und das nicht nur mit 18, 19 nach dem Abi, sondern eben auch, wenn man in Rente geht. Also auch für alle Rentner. Das heißt jetzt nicht, dass ein Rentner den ganzen Park sauber machen muss, aber einmal die Woche eine Lesestunde oder zweimal die Woche für Kinder. Das ist jetzt nur so ein Beispiel. Aber das würde ich unbedingt wieder einführen, dieses freiwillige Sozialjahr am Anfang der Karriere und am Ende der Karriere sozusagen.

Ich habe Zivildienst im Krankenhaus damals gemacht und das hat mich unglaublich geprägt und auch gefestigt. Also war genau das Richtige. Gibt es noch einen dritten Punkt?

Atze Schröder: Das ist ein guter Start ins Leben, oder? Ich bereue es keine Sekunde, das gemacht zu haben. Ich kann es nur jedem empfehlen.

Ich dachte, wir hätten schon drei. Also, 1. Freiwilliges Soziales Jahr, dann 2. Massentierhaltung abschaffen und das dritte ist Fahrräder subventionieren.

Sehr gut. Das heißt, du fährst auch eher viel Fahrrad, wenig Auto?

Atze Schröder: Wenn ihr das alle nicht weitererzählt, verrate ich euch etwas: Ich habe gar kein Auto mehr.

Was?! Atze Schröder hat kein Auto?!

Atze Schröder: Pssst. Nicht so laut, dass es jede:r mitbekommt. Jein, muss ich sagen. Auf Tour habe ich natürlich einen Wagen. Mein Tourmanager holt mich dann mit so einem Leihfahrzeug irgendwo ab. Ich komme aus Hamburg, dann meistens angefahren ins Ruhrgebiet, nach Berlin oder München. Dann holt er mich mit dem Tourfahrzeug ab. Aber privat habe ich kein Auto.

Weißer Porsche von hinten mit schwarzem Kennzeichen

Atze, auf was dürfen wir uns in Zukunft von dir freuen?

Atze Schröder: Ich mit einem neuen Programm auf Tour komme, ab November. Das Programm heißt „Der Erlöser„. Kleiner hatte ich es mal wieder nicht.*lacht*  Die Idee dahinter ist, dass ich gedacht habe, nach der Pandemie, dass man doch eine große Verunsicherung an jeder Ecke spürt in Deutschland. Egal woher sie kommt. Die Nach-Pandemie-Zeit, Krieg, eine Krise jagt die nächste. Da habe ich gedacht, es wäre doch geil, wenn so wie früher sich mal wieder einer hinstellen würde und sagen würde, hier werft mal alle Sünden auf mich. Ich bin an allem schuld. Wie das genau auf der Bühne aussieht, weiß ich noch nicht. Wir schreiben noch am Programm. Der Erlöser kommt auch zu euch.

Frau mit Kopfhöhrer lehnt sich an einen Pfosten

Am Ende darf jeder Gast 2 seiner Lieblingssongs auf unsere Plantbased Playlist auf Spotify packen. Welche möchtest du drauf machen und warum?

Atze Schröder:  Ganz aktuell ist es von Led Zeppelin, die ich erst spät im Leben für mich entdeckt habe. Vielleicht an dich noch der Tipp, sich mal damit zu beschäftigen. Ich habe früher mehr Jazz und Jazzfusion und so gehört. Und sehr viel selber Musik gemacht. Teilweise haben wir so viel gespielt, dass ich keine Musik mehr hören konnte. Und so ist Led Zeppelin ein bisschen an mir vorüber gegangen. Und ich habe nie verstanden, dass es mit Abstand die größte Rockband aller Zeiten ist. Und dass John Bonham, obwohl schon lange tot, immer noch der beste Drummer ist. Und es wird nie wieder einen besseren Rockdrummer geben, wenn man sich damit beschäftigt. Und deswegen nehme ich von Led Zeppelin – Kashmir, den Song Kashmir. Der ist sehr episch. Der Großteil der Band spielt den Dreivierteltakt, sehr bombastisch. Puff Daddy hat das auch mal irgendwann übernommen für einen Song. Und der Drummer spielt aber vier Viertel. Und mit sowas einen Hit zu haben, unglaublich. Und wenn du dann angefixt bist, dann hör dir alle Led Zeppelin Songs an und hör mal genau auf die Drums, wie genial das ist. Ich bin ja Schlagzeuger und meine Geschichte dazu ist, ich hätte einfach John Bonham eher in meinem Leben haben müssen. Dann wäre meine Karriere anders verlaufen. Aber dann wäre ich auch kein Komiker geworden.

Und der zweite Song, der zweite Song, der innere DJ verlangt natürlich jetzt nach einer Ballade. Da nehme ich von Passenger – Let Her Go. Und da geht es darum, dass ich immer gesagt habe, man muss Menschen auch gehen lassen können, ohne dass man zu sehr festhält. Und ich bin selber mal in so eine Lage gekommen, wo ich jemanden kennengelernt habe. Und da hat der Song mir sehr geholfen. Er hat eine große Bedeutung für mich. Vielleicht auch noch mal in den Text reinhören. Da geht es darum, dass jemand die Sachen immer nur liebt, wenn er sie gerade nicht hat. Du liebst den Schnee, nur wenn die Sonne scheint. Und machst deine Pläne, die aber eigentlich viel zu groß sind für dein Leben.

Mehr dazu im Plantbased Podcast:

Wenn du noch mehr über Atze Schröder erfahren möchtest und wissen willst, was sein absoluter Lieblings-Witz ist, dann höre jetzt in den neuen Plantbased Podcast rein.

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Danke für die Fotos an: Boris Breuer (Titelfoto) / Pexels: Anete Lusina, Mathias Reding, Ryan Millier, Giovanni Sánchez und OMR für das Atze Wald Foto

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