Good News: Island plant ein dauerhaftes Walfang-Verbot
Island könnte schon bald keinen kommerziellen Walfang mehr erlauben. Die Regierung hat angekündigt, im Februar 2027 einen Gesetzentwurf ins Parlament einzubringen, der das isländische Walfanggesetz grundlegend überarbeitet. Dabei soll ausdrücklich ein dauerhaftes Verbot der Waljagd geprüft werden. Tierschutzorganisationen sprechen von einem Meilenstein. Parallel läuft die Jagd aber noch: In diesem Sommer wurden bereits 80 Finnwale getötet. Read this article in English.
Verbietet Island jetzt den Walfang?
Noch nicht, aber der Weg ist eingeleitet. Laut Arbeitsprogramm der Regierung will Wirtschaftsministerin Hanna Katrín Friðriksson im Februar 2027 eine Komplettreform des Walfanggesetzes von 1949 vorlegen, mit besonderem Blick auf ein dauerhaftes Verbot. Die Regierungskoalition hat eine Mehrheit im Parlament, beschlossen ist das Gesetz aber erst nach einer Abstimmung im Althing. Bis dahin gelten die 2024 erteilten Fanglizenzen weiter.

Was die Regierung angekündigt hat.
Die Ankündigung steht in der Liste der Gesetzesvorhaben der isländischen Regierung für die Sitzungsperiode 2026/2027. Zuständig ist das Wirtschaftsministerium. Der Entwurf soll das Walfanggesetz vollständig überarbeiten. Grundlage ist ein Bericht einer Arbeitsgruppe aus dem Jahr 2025. Besonders berücksichtigt werden sollen die Argumente für ein dauerhaftes Verbot und die verfassungsrechtlichen Fragen, die daran hängen, etwa die Berufsfreiheit und das Eigentumsrecht der Walfangfirma.
Ministerin Hanna Katrín Friðriksson wurde im isländischen Nachrichtenportal Vísir deutlich: Sie sei persönlich der Meinung, dass die Argumente für den Walfang ausgedient hätten. Für Walprodukte gebe es keinen Markt, dazu komme der Tierschutz und ein unsicheres internationales Handelsumfeld. Laut Iceland Review geht die Regierung damit einen Schritt weiter als bisher. Zuvor hatte sie nur allgemein angekündigt, im Winter ein Gesetz zum Walfang vorzulegen.
Das ist wichtig, weil ein Gesetz mehr ist als eine Entscheidung im Ministerium. Bisher hing Islands Walfang davon ab, ob die jeweilige Regierung Lizenzen erteilt, verlängert oder die Jagd vorübergehend aussetzt. Ein Verbot im Gesetz würde diesen Weg dauerhaft schließen.
80 Finnwale in einem Sommer.

Wie dringend das ist, zeigt die laufende Saison. Im Juni 2026 hat Islands einzige verbliebene Walfangfirma Hvalur hf. zum ersten Mal seit drei Jahren wieder Finnwale harpuniert. Bis Anfang September waren es laut Iceland Review 80 Tiere, erlaubt sind in diesem Jahr 150. Finnwale sind nach dem Blauwal die zweitgrößten Tiere der Erde und werden auf der Roten Liste der IUCN weltweit als gefährdet eingestuft.
Die Organisation Humane World for Animals, früher bekannt als Humane Society International, berichtet zudem von Videoaufnahmen aus der Walfangstation im Hvalfjörður. Darauf sei zu sehen, wie mindestens sieben ungeborene Walkälber aus den Körpern ihrer getöteten Mütter geschnitten und weggeschleppt wurden. Diese Kälber werden nicht auf die Fangquote angerechnet.
Dass die Jagd mit großem Leid verbunden ist, ist gut dokumentiert. Die isländische Lebensmittel- und Veterinärbehörde MAST hatte 2023 ausgewertet, dass in der Saison 2022 von 148 getöteten Finnwalen 36 mehr als einmal getroffen werden mussten. Einzelne Tiere starben erst nach bis zu zwei Stunden. Die Behörde kam zu dem Schluss, dass das Töten zu lange dauerte, um die Ziele des Tierschutzgesetzes zu erfüllen. Die damalige Ministerin setzte die Jagd daraufhin im Sommer 2023 vorübergehend aus, wir haben damals darüber berichtet.
„Es gibt beträchtliche politische und öffentliche Unterstützung für dieses Gesetz.“ ●
Wendy Higgins, Sprecherin von Humane World for Animals (übersetzt)
Wer dafür ist und wer dagegen.
Humane World for Animals begrüßt die Ankündigung ausdrücklich. Es gebe ethische, tierärztliche, rechtliche und artenschutzbezogene Gründe, auf den Erfolg des Gesetzes zu hoffen, sagte Sprecherin Wendy Higgins laut The Animal Reader. Die Organisation fordert das isländische Parlament auf, die Chance zu nutzen.
Widerstand gibt es aus der Region um den Walfang. Vilhjálmur Birgisson, Vorsitzender der Arbeitergewerkschaft in Akranes, kritisierte im Gespräch mit Vísir, es sei äußerst ernst, einen ganzen Wirtschaftszweig zu verbieten. Nach seinen Angaben hängen in der Saison rund 200 Menschen vom Walfang ab, außerdem sieht er Eigentums- und Arbeitsrechte berührt. Genau diese verfassungsrechtlichen Fragen will die Regierung im Gesetzentwurf klären.
Offen ist auch, wie mit den bestehenden Lizenzen umgegangen wird. Die damalige Übergangsregierung unter Bjarni Benediktsson hatte im Dezember 2024 kurz vor ihrem Abschied Lizenzen für fünf Jahre erteilt, gültig bis 2029. Ob ein Verbot sofort greift oder Übergangsfristen enthält, entscheidet sich erst mit dem Entwurf.
Whale Watching statt Harpune.

Wirtschaftlich spielt der Walfang für Island kaum noch eine Rolle, das sagt inzwischen sogar die zuständige Ministerin. Ganz anders das Beobachten von Walen: Orte wie Húsavík im Norden leben zu einem großen Teil von Touristinnen und Touristen, die Wale lebend sehen wollen. Nach einem Verbot blieben weltweit nur noch Norwegen und Japan als Länder mit kommerziellem Walfang.
Wie hart der Konflikt um Islands Walfang geführt wird, zeigte sich erst im August: Die Küstenwache enterte ein Schiff der Captain Paul Watson Foundation und belegte die Crew mit Einreiseverboten. Die Hintergründe liest du in unserem Artikel Island entert ein Aktivistenschiff.
Tierethische Einordnung: Mütter, Kälber und ein Leben im Meer.

Finnwale können 80 bis 90 Jahre alt werden, sie leben in sozialen Beziehungen und verständigen sich mit tiefen Rufen über große Entfernungen. Die Bilder von ungeborenen Kälbern, die aus ihren Müttern geschnitten werden, machen sichtbar, was eine Fangquote nicht erfasst: Jeder getötete Wal ist ein Individuum, und manchmal sind es zwei.
Der Fall Island zeigt aber auch, dass sich Dinge ändern, wenn Menschen dranbleiben. Vor wenigen Jahren wirkte der Walfang dort unverrückbar. Heute spricht eine Ministerin offen davon, dass seine Zeit abgelaufen ist. Mehr zum Schutz der Meere findest du in unserem Artikel zum UN-Hochseeschutzabkommen und im Interview mit Meeresbiologe Robert Marc Lehmann.
Im Podcast: Sarah Connor über Orcas in Gefangenschaft.
Wale gehören ins Meer, nicht vor Harpunen und nicht in Betonbecken. Genau darüber hat Yannick mit Sängerin Sarah Connor im Plantbased Podcast gesprochen: über ihren Einsatz für Orcas, ihre Tränen im Delfinpark und warum niemand Tickets für Orca- und Delfinshows kaufen sollte. Die ganze Folge kannst du hier ansehen, die Lesefassung gibt es in unserem Interview mit Sarah Connor.
So haben wir recherchiert ●
Grundlage sind das Arbeitsprogramm der isländischen Regierung (Þingmálaskrá 2026/2027), Berichte von Iceland Review und Vísir vom 11. bis 14. September 2026 sowie die Stellungnahme von Humane World for Animals, zitiert nach The Animal Reader. Die Zahl der ungeborenen Kälber stammt von Humane World for Animals und ist nicht unabhängig überprüft. Die MAST-Auswertung zur Saison 2022 wurde 2023 veröffentlicht. Die Fotos sind Symbolbilder von Adobe Stock, sie zeigen keine in Island gejagten Tiere. Stand: 15. September 2026.
FAQ - Das fragen andere
Was die Regierung angekündigt hat.?
Wer dafür ist und wer dagegen.?
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