Island entert ein Aktivistenschiff und verbannt die Crew aus dem Schengen-Raum

Islands Küstenwache hat Anfang August 2026 die „Bandero” geentert, ein Schiff der Captain Paul Watson Foundation. Der Kapitän wurde verhaftet, das Schiff beschlagnahmt. Wenige Tage später verfügten die Behörden die Ausweisung von 21 Crewmitgliedern samt Wiedereinreiseverbot.
Island ist eines von drei Ländern weltweit, in denen noch kommerzieller Walfang stattfindet.
Eine Klarstellung vorweg, weil sie in mehreren Schlagzeilen untergeht: Paul Watson selbst war nicht an Bord. Betroffen ist die Besatzung seiner Stiftung.
Was passiert ist
Die Bandero war für „Operation 86” nach Island gefahren, eine Kampagne, mit der die Stiftung die Finnwal-Jagd der Saison 2026 dokumentieren und stören wollte. Gejagt wird von Hvalur hf, dem letzten verbliebenen kommerziellen Walfangunternehmen des Landes.
Ein Patrouillenboot der Küstenwache forderte den Kapitän auf, die Motoren zu stoppen. Als das nicht geschah, flogen Polizeispezialkräfte per Hubschrauber zum Schiff, während sich eine taktische Einheit der Küstenwache mit Booten näherte. Kurz vor Mitternacht enterten sie die Bandero, verhafteten den Kapitän und übernahmen die Kontrolle.
Mehrere britische Crewmitglieder saßen anschließend fünf Tage lang auf dem Schiff fest, bevor sie unter Auflagen freigelassen wurden.
Warum das Einreiseverbot so hart wiegt
Hier liegt der eigentliche Nachrichtenwert, und er wird oft übersehen.
Für Crewmitglieder aus dem Europäischen Wirtschaftsraum gilt das Wiedereinreiseverbot nur für Island. Für alle anderen gilt es für den gesamten Schengen-Raum. Nach den vorliegenden Angaben stammen 14 der 21 von außerhalb, ihnen droht ein Einreiseverbot für zwei Jahre in sämtliche Schengen-Staaten.
Das ist eine erhebliche Sanktion. Wer international in der Meeresschutzarbeit tätig ist, kann für zwei Jahre nicht mehr nach Deutschland, Frankreich oder Spanien einreisen, unabhängig davon, was dort ansteht.
Damit verschiebt sich etwas: Aus einer nationalen Strafsache wird ein kontinentweites Berufsverbot auf Zeit, verhängt von einem einzelnen Land.
Der Hintergrund: Island und der Walfang
Island ist neben Norwegen und Japan eines der letzten Länder mit kommerziellem Walfang. Die Jagd auf Finnwale, die zweitgrößte Tierart der Erde, ist dabei besonders umstritten. Ein Großteil des Fleisches geht in den Export.
Die Sache schien schon einmal erledigt. Im Sommer 2023 setzte die Regierung die Saison kurzfristig aus, nachdem ein amtlicher Bericht dokumentiert hatte, wie lange die Tiere beim Töten leiden. Wir haben darüber berichtet: Island stoppt Walfang. Es war eine Aussetzung, keine Abschaffung, und die Jagd lief danach wieder an.
Genau das ist das Muster, das Kampagnen wie Operation 86 antreibt: Solange die Lizenzen bestehen bleiben, ist jede Pause ein Aufschub.
Zur Person und zur Methode
Paul Watson polarisiert, und das gehört dazugesagt. Seine Organisationen arbeiten mit direkter Konfrontation auf See, was ihm Verfahren in mehreren Ländern eingebracht hat. Ende 2024 saß er monatelang in Grönland in Auslieferungshaft, bis Dänemark einen japanischen Auslieferungsantrag ablehnte. Was dieser Fall über den Umgang mit Tierschutzaktivismus aussagt, haben wir damals aufgeschrieben: Paul Watson ist frei.
Wie er selbst über Methode, Risiko und Wirkung denkt, hat er uns im Interview erzählt: Der Robin Hood der Weltmeere. Ausführlicher gibt es das Gespräch in unserem Plantbased Podcast, wo er zu Gast war.
Man muss die Methode nicht teilen, um die Frage dahinter ernst zu nehmen. Und die lautet: Was passiert eigentlich, wenn Staaten geltendes Recht nicht durchsetzen, und wer springt dann ein?
Was jetzt offen ist
Ob die Ausweisungen in dieser Form Bestand haben, ist juristisch nicht entschieden. Gegen Einreiseverbote im Schengen-Raum gibt es Rechtsmittel, und der Fall dürfte die isländischen Gerichte beschäftigen.
Offen ist auch, was mit dem beschlagnahmten Schiff geschieht und ob die Kampagne in dieser Saison fortgesetzt wird.
Wir bleiben dran. Wer sehen will, wie industrieller Fischfang und Walfang zusammenhängen, findet in unserer Doku-Übersicht mehrere Filme dazu, jeweils mit Blood-Score, damit klar ist, was einen erwartet.
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Warum das Einreiseverbot so hart wiegt?
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Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.
Seit 2019 · This Is Vegan · unabhängig, vegan, manchmal unbequem
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