Veganer Leberkäse auf Social Media: Die Marke mit den meisten Followern löst am wenigsten aus

Zur Wiesn verkaufen sich vegane Leberkäse-Produkte so gut wie nie. Eine Agentur hat nachgezählt, wie die Marken dahinter auf Facebook, Instagram und TikTok laufen, und das Ergebnis dreht die übliche Logik um: Der Account mit den meisten Followern löst am wenigsten aus. Die spannendere Frage stellt die Auswertung allerdings nicht.
Bevor es um Followerzahlen geht, das Praktische zuerst: Alle veganen Gerichte der Festzelte mit Preisen, die Snacks an den Standln und die Bestell-Tipps haben wir auf zwei Seiten zusammengefasst. Das PDF gibt es kostenlos, wenn du dich für unseren wöchentlichen Newsletter einträgst. Alle Angaben ohne Gewähr: Die Zelte können Karten und Preise jederzeit ändern.

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Die Social-Media-Agentur webnetz aus Lüneburg hat für den Zeitraum März bis September 2026 die Auftritte der bekanntesten deutschen Marken mit veganem Leberkäse im Sortiment ausgewertet: Greenforce, Hupsi Leberkas, Die vegane Fleischerei, Vantastic, Wheaty und Die Pflanzerei. Gezählt wurden Follower, Reaktionen und auf TikTok Impressionen.
Gleich vorweg, damit du die Zahlen richtig einordnen kannst: Das ist eine Agentur-Auswertung und keine unabhängige Studie. webnetz verkauft Social-Media-Beratung, solche Rankings sind auch Eigenwerbung. Die Methodik ist nicht offengelegt, die Zahlen sind gerundet. Interessant sind sie trotzdem, weil sie ein Muster zeigen, das man sonst selten schwarz auf weiß sieht.
Instagram: Reichweite ist nicht Resonanz.
Die meisten Follower auf Instagram hat Greenforce mit rund 81.000, gefolgt von Die vegane Fleischerei (44.000), Hupsi Leberkas (38.000), Vantastic (21.000) und Wheaty (9.000).
Bei den Reaktionen steht die Rangliste kopf. Vorne liegt Hupsi Leberkas mit rund 136.000, dahinter Die vegane Fleischerei (85.000). Greenforce kommt auf 11.000, Die Pflanzerei auf 6.000, Wheaty auf 5.000. Greenforce hat also gut doppelt so viele Follower wie Hupsi Leberkas und kommt auf ungefähr ein Zwölftel der Reaktionen.

Facebook läuft weitgehend leer.
Auf Facebook führt Vantastic die Followerliste mit 44.000 an, vor Greenforce (22.000), Wheaty (17.000), Hupsi Leberkas (13.000) und Die vegane Fleischerei (5.000). Bei den Reaktionen liegt wieder eine kleine Marke vorn: Die vegane Fleischerei mit 20.000, dann Hupsi Leberkas (18.000), Wheaty (5.000), Die Pflanzerei (2.000) und Greenforce mit 500.
In der Summe der jeweiligen Top 5 stehen 101.000 Facebook-Followern 193.000 auf Instagram gegenüber, bei den Reaktionen sind es 45.000 zu 243.000. Facebook bringt also gut die Hälfte der Reichweite, aber nicht einmal ein Fünftel der Resonanz.
TikTok: von sechs Marken ist eine übrig.
Der deutlichste Befund steht am Ende der Auswertung. 2025 waren laut webnetz noch alle untersuchten Marken auf TikTok aktiv, Greenforce kam damals im Vergleichszeitraum auf 23 Millionen Impressionen. 2026 ist nur noch Hupsi Leberkas dort präsent: rund 40.000 Follower, 66 Beiträge, 9 Millionen Impressionen. Im Vorjahreszeitraum waren es etwa 500.000, also ungefähr das Achtzehnfache an Zuwachs. Die Pflanzerei veröffentlichte im Analysezeitraum genau einen Beitrag mit rund 1.000 Impressionen.

Was die erfolgreichen Accounts anders machen.
webnetz führt die hohe Resonanz von Hupsi Leberkas auf nahbaren Content, Humor, bayerisches Lokalkolorit und Food Challenges zurück, dazu auf KI-generierte Formate, etwa ein Reel, in dem eine KI-Figur auf Bayerisch Leberkas isst. Bei Die vegane Fleischerei sind es Festival-Videos, in denen Besucherinnen und Besucher veganen Leberkäse vor der Kamera bewerten, und Erklärformate zum Proteingehalt.
Dass Masse allein nichts bringt, zeigt Die Pflanzerei: Die Marke veröffentlichte laut Auswertung mehr als doppelt so viele Instagram-Beiträge wie Hupsi Leberkas, ohne vergleichbare Resonanz.
Interessant ist die Erklärung für den schwachen Vantastic-Account. Die Marke gehört zum Onlineshop velivery, der früher selbst Vantastic Foods hieß. Vantastic wird laut webnetz inzwischen vor allem als Eigenmarke dieses Shops geführt und über dessen Kanäle beworben, der eigene Account bleibt entsprechend blass. Aus 44.000 Followern wird so gut wie nichts gemacht.
Wem die veganen Leberkäse-Marken gehören.
Die Auswertung misst Reichweite und Reaktionen. Die Frage, die sie nicht stellt, ist für uns die interessantere: Wer steckt eigentlich hinter diesen Marken? Wir haben die Impressen und Handelsregisterangaben durchgesehen, und das Bild ist gemischter, als die Produktnamen vermuten lassen.
Vantastic, der Account mit den meisten Facebook-Followern, gehört zu einem Fleischkonzern. Die Vantastic GmbH sitzt in Nabburg in der Oberpfalz, Geschäftsführer ist Michael Ponnath. Die Marke gehört laut eigener Darstellung des Unternehmens seit 2017 zur Ponnath family group, einem Fleisch- und Wurstwarenhersteller, der sich auf eine Firmengeschichte seit 1692 und rund 1.300 Beschäftigte beruft. Auch der Onlineshop velivery, über den viele vegane Produkte in Deutschland verkauft werden, gehört dorthin: Ponnath übernahm 2017 die Mehrheit am Shop absolute vegan empire, 2022 folgte die vollständige Übernahme und die Umbenennung.
Hupsi Leberkas, die Marke mit der mit Abstand höchsten Resonanz, ist selbst kein veganes Unternehmen. Hinter ihr steht die HUPSI Leberkas GmbH aus Königsbrunn bei Augsburg, produziert wird nach eigenen Angaben in einer Metzgerei in München. Neben dem veganen Leberkäse stehen dort Wagyu-Leberkäse, Salami und Currywurst aus Fleisch im Sortiment. Die vegane Linie ist eine Ergänzung, nicht das Geschäftsmodell.
Rein pflanzlich arbeiten dagegen Greenforce (Greenforce Future Food AG, München), Die vegane Fleischerei (Friends not Food GmbH aus Dresden, inzwischen mit zehn Standorten und Franchise-Modell) und Die Pflanzerei, die ihren Sitz allerdings in Wien hat und damit als einzige der Marken nicht aus Deutschland kommt.
Ein Sonderfall ist Wheaty: Die Marke gehört zur Topas GmbH in Kernen im Remstal, die seit 1993 ausschließlich bio-vegane Fleischalternativen herstellt. Im Februar 2026 wurde Topas vom britischen Tofu-Hersteller The Tofoo Co übernommen, an dem seit 2024 der Wachstumsinvestor Comitis Capital beteiligt ist. Kein Fleischkonzern also, aber auch kein unabhängiger Familienbetrieb mehr.
Nichts davon macht ein Produkt automatisch schlechter. Ein veganer Leberkäse aus einer Metzgerei rettet dieselben Tiere wie einer aus einem rein veganen Betrieb. Wer sein Geld aber bewusst dorthin lenken möchte, wo es nicht am Ende in einem Fleischkonzern landet, sollte die Eigentümerstruktur kennen. Wie schwierig das inzwischen geworden ist, haben wir für eine andere Warengruppe aufgeschrieben: Wem gehört dein Tofu?
„Oktoberfest” und „Wiesn” sind geschützte Marken.
Ein Detail, das für kleine Marken teuer werden kann: Die Begriffe „Oktoberfest” und „Wiesn” sind beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum als Marken zugunsten der Landeshauptstadt München eingetragen, die das Fest seit 1810 veranstaltet. Wer Produkte damit bewirbt, braucht eine Lizenz. Ohne sie drohen Abmahnungen. Das erklärt, warum viele Hersteller im September mit „Wiesn-Zeit” arbeiten, ohne das Wort direkt aufs Etikett zu schreiben.
Worum es bei der Wiesn eigentlich geht.
Bei aller Freude über Followerzahlen lohnt der Blick auf das, was hinter dem Produkt steht. Für das Oktoberfest 2025 zählte der Tierschutzverein München rund 350.000 Brathähnchen, 130 Ochsen, 44 Kälber und etwa 22 Tonnen Fisch. Dazu Schweine als Haxn, Würstl und Wammerl, für die die Statistik gar keine Zahl nennt.
Ein veganer Leberkäse ersetzt nicht nur ein Produkt, er ersetzt ein Tier, das sonst dafür gestorben wäre. Genau deshalb ist es keine Nebensache, ob diese Produkte sichtbar werden oder in einem verwaisten Facebook-Account verstauben. Kommunikation, die Leute erreicht, verschiebt Kaufentscheidungen. Und die Zahlen der Wiesn zeigen, wie viel Verschiebung da noch möglich ist: Rund 51.000 veganen Gerichten standen 2025 Hunderttausende Portionen Fleisch gegenüber. Welche veganen Gerichte es 2026 in welchem Zelt gibt und was sie kosten, steht in unserem Oktoberfest-Guide für die Wiesn 2026.
Selber machen schlägt jeden Werbeetat.
Der günstigste Weg zu veganem Wiesn-Essen führt an allen Marken vorbei. Diese drei Rezepte decken das komplette Programm ab:
- Veganer Leberkäse mit Kartoffelsalat, der Klassiker, um den sich die ganze Auswertung dreht
- Vegane Weißwurst mit Obazda für das Frühstück vor dem Zelt
- Vegane Lebkuchenherzen zum Verschenken oder Selberessen
Wenn du wissen willst, wie sich Die vegane Fleischerei abseits von Social Media schlägt: Wir haben über ihre Expansion nach Leipzig geschrieben.
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So haben wir recherchiert ●
Grundlage sind die Social-Media-Auswertung der Agentur webnetz zum Oktoberfest 2026 (Analysezeitraum März bis September 2026, veröffentlicht am 15. September 2026 auf webnetz.de) sowie die ausgeschriebenen Einzelwerte, die vegconomist am 16. September 2026 daraus veröffentlicht hat. vegconomist gehört seit 2026 zum ProVeg e.V. und ist damit für uns keine unabhängige Quelle, deshalb haben wir die Zahlen an der Primärquelle gegengeprüft. Es handelt sich um eine Agentur-Auswertung ohne offengelegte Methodik, nicht um eine wissenschaftliche Studie; die Werte sind gerundet und beziehen sich jeweils auf die Top 5 einer Plattform, weshalb einzelne Marken nur in einer der beiden Ranglisten auftauchen. Die Tierzahlen stammen vom Tierschutzverein München e.V. auf Basis der Münchner Statistik für 2025. Stand: 18. September 2026.
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