Wem gehört dein Tofu? Diese Marken sind noch unabhängig [Übersicht]
Tofu kaufen war mal einfach. Seit die Unternehmensgruppe Theo Müller den Tofu-Pionier Berief übernommen hat, liest sich das Kühlregal wie eine Beteiligungsübersicht: Hinter freundlich gestalteten Pflanzen-Marken stehen Molkereikonzerne, Fleischhersteller und Finanzinvestoren. Wer wissen will, wo das eigene Geld landet, muss ins Handelsregister steigen. Haben wir gemacht.
Das Wichtigste in Kürze
Unabhängig sind unter anderem Taifun, Lord of Tofu, Tofu Nagel, Alberts, Wheaty/Veggyness, SOTO, Soyana, Vly und endori. Hinter Berief steht seit Juli 2026 der Molkereikonzern Theo Müller, hinter Alpro und Provamel Danone, hinter Simply V Hochland, hinter Garden Gourmet Nestlé.
Alle Einstufungen unten sind einzeln belegt, mit Links zu Handelsregister, Unternehmensangaben und Wirtschaftspresse. Wir halten diese Liste aktuell, Stand: 29. August 2026.
Direkt zur Gruppe springen: Unabhängige Marken · Konzern ohne Tiergeschäft · Fleisch- und Molkereikonzerne · Eigenmarken von Aldi, Lidl & Co. · Häufige Fragen
So haben wir einsortiert
Drei Gruppen, eine einfache Logik. Grün heißt: Die Marke gehört sich selbst, einer Gründerfamilie oder den eigenen Leuten. Gelb heißt: Da steht ein Konzern oder Investor dahinter, aber keiner, der sein Kerngeschäft mit Tieren macht. Rot heißt: Am Umsatz verdient ein Fleisch- oder Molkereikonzern mit.
Grundlage sind Handelsregisterdaten (über northdata.de), Impressen, Unternehmensangaben und Wirtschaftspresse. Jede Einstufung ist direkt an der Marke verlinkt. Was wir nicht belegen können, behaupten wir nicht. Und weil sich Eigentümerstrukturen ändern, steht unter dem Artikel das Datum des letzten Checks.
Grün: Diese Marken sind unabhängig
Die gute Nachricht zuerst: Ein großer Teil des Tofus im Bioladen und zunehmend auch im Supermarkt kommt von Betrieben, die sich selbst gehören. Klapp die Marken auf, die dich interessieren.
Taifun (und die frühere Zweitmarke Tukan)
Die Taifun-Tofu GmbH aus Freiburg, bis 2017 Life Food GmbH, wird vom Mitgründer Wolfgang Heck geführt; Gesellschafterin ist die eigene Holding, kein Konzern (Handelsregister via Northdata). Die Supermarkt-Zweitmarke Tukan mit identischen Rezepturen wird laut BioHandel zugunsten von Taifun aufgelöst.
Lord of Tofu
Familienbetrieb aus Lörrach, geführt als GbR von Dörte und Freddy Ulrich, mit eigener Tofurei (Impressum, Porträt in der Badischen Zeitung).
Tofu Nagel
Die TOFU Manufaktur Christian Nagel GmbH, 1984 in Hamburg gegründet, heute in Ramsen ansässig, wird von Johannes Puls-Nagel und Alexander Bauer geführt (Impressum, Handelsregister).
Alberts (Tempeh und Lupine)
Marke der mittelständischen Purvegan GmbH aus Ramsen, geführt von Alexander Bauer und Hermann Krämer (Unternehmensseite). Personell und örtlich mit Tofu Nagel verbunden, ein Konzern steckt hinter beiden nicht.
Wheaty und Veggyness (Topas)
Beide Marken gehören zur TOPAS GmbH aus Mössingen, dem Seitan-Spezialisten, den Klaus Gaiser 1993 gegründet hat. Heute führt mit Charles-Henry Debal die zweite Generation das Familienunternehmen.
SOTO
Die SOTO organic veggie food GmbH aus Bad Endorf ist ein Chiemgauer Familienunternehmen der Familie Schramm, gegründet 1988 (wer-zu-wem).
Soyana
Das Schweizer Unternehmen aus Schlieren gehört dem Gründer Walter Dänzer und bezeichnet sich ausdrücklich als unabhängig und eigenfinanziert.
Vly
Die Berliner VF Nutrition GmbH ist ein gründergeführtes Startup mit Wagniskapitalgebern, unter anderem ist Rocket Internet als Minderheitsinvestor beteiligt. Ein Fleisch- oder Milchkonzern ist nach öffentlich verfügbaren Angaben nicht darunter.
endori und The New Originals Company
Hinter der endori food GmbH & Co. KG aus Stegaurach stehen laut Handelsregister die Familien Büse und Wedel. Die verbundene The New Originals Company hat 2024 das Tofu-Werk im Eifelort Wiesbaum übernommen (The Plant Base).

Gelb: Konzern ja, Tiergeschäft nein
Hier wird es Ansichtssache. Diese Marken gehören Investoren oder Lebensmittelgruppen, aber keinem Unternehmen, das sein Kerngeschäft mit Fleisch oder Milch macht. Wer nur den Tierkonzern meiden will, kann hier zugreifen. Wer grundsätzlich keine Konzernstrukturen füttern will, schaut eine Gruppe höher.
Oatly
Börsennotiert, größter Aktionär ist laut SEC-Unterlagen ein Joint Venture des belgischen Investors Verlinvest mit dem chinesischen Staatskonzern China Resources, dazu kommt Blackstone als Großaktionär. Kein Molkereikonzern, aber eben auch kein Haferhof mit Handschlag-Kultur.
Joya und Natumi
Beide gehören über die Wiener Mona Naturprodukte zur US-amerikanischen Hain Celestial Group, einem Naturkost-Konzern (Unternehmensmitteilung, JUVE zur Natumi-Übernahme).
Naturli'
Die dänische Naturli' Foods ist eine Tochter der Dragsbæk-Gruppe, an der der norwegische Konsumgüterkonzern Orkla die Mehrheit hält (Just Food).
LikeMeat
Gehört seit 2020 vollständig zum LIVEKINDLY Collective, einer rein pflanzlichen Markengruppe (vegconomist). Zur Ehrlichkeit gehört die Vorgeschichte: Bis dahin hielt der Fleischkonzern heristo die Mehrheit an der Marke.
Viana (Tofutown)
Tofutown wurde 2024 von der britischen Vegan Food Group übernommen, einer rein veganen Unternehmensgruppe (Just Food). Das Wiesbaumer Tofu-Werk ging danach an die deutsche The New Originals Company, siehe oben.
Rot: Hier verdient ein Fleisch- oder Molkereikonzern mit
Die Produkte in dieser Gruppe bleiben vegan. Aber der Gewinn fließt in Unternehmen, deren Kerngeschäft Milch oder Fleisch ist. Genau das war der Aufreger bei der Berief-Übernahme durch Müller, und Berief ist kein Einzelfall.
Berief
Seit Anfang Juli 2026 vollständig Teil der Unternehmensgruppe Theo Müller, der Kauf wurde im Mai angekündigt und nach den Kartellfreigaben in Deutschland und Österreich vollzogen (vegconomist). Was das im Detail bedeutet, haben wir im großen Hintergrund-Artikel zur Übernahme aufgeschrieben.
Alpro und Provamel
Beide gehören seit der WhiteWave-Übernahme 2017 zum Molkerei- und Lebensmittelkonzern Danone. Die Bio-Marke Provamel wird laut BioHandel gerade durch „Alpro Bio” ersetzt.
Simply V
Die Käsealternativen-Marke gehört zum Allgäuer Käsekonzern Hochland und wurde inzwischen in die Hochland Deutschland GmbH integriert (Vegpool).
Garden Gourmet
Ist eine Marke von Nestlé, dem größten Lebensmittelkonzern der Welt mit erheblichem Milchgeschäft.
Rügenwalder Mühle
Der Sonderfall: Rügenwalder ist selbst ein Wurst-Hersteller, der parallel die bekannteste Veggie-Linie des Landes fährt. Seit Ende 2023 hält zudem die Kölner Zucker-Dynastie Pfeifer & Langen die Mehrheit (Handelsblatt). Wie groß der vegane Anteil dort inzwischen ist, zeigt unser Artikel zu Rügenwalders Veggie-Absatz.
Heirler
Die Reformhaus-Marke gehört über die Hügli-Gruppe seit 2018 zur Schweizer Bell Food Group, einem der größten Fleischverarbeiter Europas (BioHandel).
Und der Eigenmarken-Tofu von Aldi, Lidl und dm?
Die unbequeme Antwort: Wer Discounter- und Drogerie-Tofu produziert, verraten die Händler nicht. Belegt ist nur so viel: Berief betreibt mit der SOJA Food GmbH ein eigenes Vehikel für Handelsmarken (Handelsregister via Northdata) und produziert laut Augsburger Allgemeine für Eigenmarken von Drogerien und Discountern. Welches Produkt aus welchem Werk kommt, ist nicht öffentlich. Deshalb steht hier auch keine Liste mit „Aldi-Tofu kommt von X”. Wer beim Eigenmarken-Tofu sicher sein will, hat aktuell nur eine Option: Marken kaufen, deren Eigentümer offenliegen.
Warum Eigentum überhaupt eine Rolle spielt
Man kann diese ganze Debatte für Erbsenzählerei halten. Der Tofu bleibt schließlich vegan, egal wem die Fabrik gehört. Nur läuft die Rechnung dann über den Teller hinaus: Jeder Euro Gewinn stärkt das Unternehmen dahinter, seine Kredite, seine Lobbyarbeit, sein nächstes Investment. Bei einem Molkereikonzern fließt er in ein Geschäftsmodell, das auf der Nutzung von Tieren aufbaut.
Die Dimension dahinter ist keine Gefühlsfrage: Allein in Deutschland wurden 2025 rund 746 Millionen Landtiere geschlachtet, 48,5 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde plus 697,3 Millionen Hühner, Puten und Enten (Destatis), Fische nicht mitgezählt. Dass es sich dabei um empfindungsfähige Wesen handelt, ist wissenschaftlicher Konsens (New York Declaration on Animal Consciousness, 2024) und steht so auch im EU-Recht (Art. 13 AEUV).
Deshalb ist die Eigentümerfrage für viele keine Nebensache. Mit Reinheitszwang hat das wenig zu tun, mit der Frage, wo sich Marktmacht sammelt, umso mehr. Wer sein Geld lieber Betrieben gibt, die von Anfang an ohne Tiere wirtschaften, findet in der grünen Gruppe genug Auswahl. Und wer gerade erst anfängt, sich das alles zusammenzupuzzeln: Unser Einsteiger-Guide nimmt dich mit, ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Falls du den frisch gekauften Tofu direkt verarbeiten willst: Rührtofu und veganes Butter Chicken sind zwei gute Startpunkte.
Häufige Fragen
Ist Berief-Tofu jetzt nicht mehr vegan?
Doch. An den Produkten und Rezepturen ändert die Übernahme erstmal nichts, Berief soll laut vegconomist als eigenständige Einheit weiterarbeiten. Die Frage ist eine andere: Der Gewinn landet künftig bei einem Molkereikonzern. Ob das ein Ausschlusskriterium ist, entscheidet jede und jeder selbst.
Gehört Taifun zu einem Konzern?
Nein. Die Taifun-Tofu GmbH gehört über eine eigene Holding sich selbst und wird vom Mitgründer geführt. Das lässt sich im Handelsregister nachvollziehen, der Link steht oben bei der Marke.
Wer stellt den Tofu von Aldi, Lidl und dm her?
Das ist nicht öffentlich. Belegt ist nur, dass Berief über die SOJA Food GmbH Handelsmarken beliefert, ohne dass einzelne Produkte zuzuordnen wären. Händler wechseln ihre Lieferanten zudem regelmäßig. Seriös lässt sich hier nichts Genaueres sagen, und den Gefallen, es trotzdem zu behaupten, tun wir dir nicht.
Woran erkenne ich selbst, wem eine Marke gehört?
Drei Handgriffe reichen: Im Impressum der Markenwebsite steht die Betreiber-GmbH. Diese GmbH suchst du bei northdata.de, dort siehst du Gesellschafter und Beteiligungen. Und der Markenname plus „Übernahme” in der Nachrichtensuche gibt den Rest her. Dauert fünf Minuten und funktioniert bei jeder Marke, auch außerhalb dieser Liste.
Diese Liste bleibt aktuell
Eigentümerstrukturen ändern sich, gerade jetzt, wo Konzerne den pflanzlichen Markt als Wachstumsfeld entdeckt haben. Wir beobachten Übernahmen in der Branche laufend und tragen Änderungen hier nach, mit Datum. Am besten speicherst du dir diese Seite, und wenn dir eine Übernahme auffällt, die hier fehlt: Schreib uns.
Wem gehört was? Wir bleiben dran.
Übernahmen, Rückrufe, neue Marken: Wir verfolgen, was hinter den Produkten im Kühlregal steckt, und ordnen es jede Woche ein. Unser Newsletter ist kostenlos und jederzeit abbestellbar. Wenn dir diese Recherche etwas wert ist: Mit einer kleinen Spende hältst du solche Übersichten werbefrei am Leben.
Transparenz und Quellen
Die Einstufungen in diesem Artikel beruhen ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Quellen, jeweils direkt an der Marke verlinkt: Handelsregisterdaten (über northdata.de), Impressen und Unternehmensangaben der Hersteller, Pressemitteilungen sowie Berichte von BioHandel, JUVE, Just Food, Handelsblatt, vegconomist, Vegpool, Badische Zeitung und Augsburger Allgemeine. Eigene Presseanfragen an die genannten Unternehmen haben wir für diese Übersicht nicht gestellt. Die genannten Marken sind Eigentum der jeweiligen Inhaber und werden ausschließlich zur Berichterstattung genannt; auf die Abbildung von Logos verzichten wir bewusst. Recherche-Stand: 29. August 2026. Änderungen tragen wir mit Datum nach.
Bilder: Polina Tankilevitch / Pexels (Beitragsbild), This Is Vegan (Infografik).
FAQ - Das fragen andere
Und der Eigenmarken-Tofu von Aldi, Lidl und dm?
Warum Eigentum überhaupt eine Rolle spielt?
Ist Berief-Tofu jetzt nicht mehr vegan?
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