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Rügenwalder Mühle: 70 Prozent des Absatzes sind vegan oder vegetarisch

Rund 70 Prozent des Absatzes der Rügenwalder Mühle entfallen auf vegane und vegetarische Produkte.

Fertige vegane Frikadellen laufen bei der Rügenwalder Mühle über das Förderband
Vegane Frikadellen in der Produktion. Foto: Rügenwalder Mühle

Bei der Rügenwalder Mühle entfallen inzwischen rund 70 Prozent des Absatzes auf vegane und vegetarische Produkte. Ein Unternehmen, das 1834 als Fleischerei begann und jahrzehntelang für Teewurst stand, verkauft heute mehr Veggie als Wurst. Gleichzeitig verarbeitet es weiter 11.000 Tonnen Fleisch im Jahr. Beides gehört zusammen erzählt.

Inhalt7 Kapitel
  1. 01Die Verschiebung in Zahlen
  2. 0276 Prozent oder 91 Prozent? Beides stimmt
  3. 03Wo die Rechnung kippt: 11.000 Tonnen Fleisch
  4. 04Ein neues Ziel gibt es nicht mehr
  5. 05Warum das Geschäft trotzdem läuft
  6. 06Von der Fleischerei zum Veggie-Marktführer
  7. 07Was das für dich heißt

Die Verschiebung in Zahlen

Der Absatzanteil hat sich über Jahre verschoben, nicht in einem Sprung. 2021 lag er erstmals ein ganzes Jahr lang über der Hälfte. 2023 stand es 60 zu 40 zugunsten der veganen und vegetarischen Produkte. Aktuell nennt das Unternehmen ein Verhältnis von rund 70 zu 30.

Infografik mit dem Absatzanteil veganer und vegetarischer Produkte von 50 Prozent 2021 auf rund 70 Prozent heute sowie den verarbeiteten Mengen Fleisch und pflanzlichem Protein von 2023 bis 2025
Die Entwicklung in Zahlen. Grafik: This is Vegan
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76 Prozent oder 91 Prozent? Beides stimmt

Im Nachhaltigkeitsbericht steht, dass vegetarische und vegane Produkte 2025 bereits 76 Prozent des Produktportfolios ausmachen. An anderer Stelle war früher von 91 Prozent die Rede. Die beiden Zahlen messen Verschiedenes, und der Unterschied ist für uns der interessantere Teil.

Die 76 Prozent beziehen sich auf das gesamte Sortiment, Fleischprodukte eingerechnet. Die 91 Prozent beschreiben, wie viel des vegetarisch-veganen Sortiments tatsächlich vegan ist. Anders gesagt: Das Veggie-Regal des Herstellers ist zum allergrößten Teil vegan, das Vegetarische ist dort inzwischen die Ausnahme. Für alle, die konsequent pflanzlich einkaufen, ist das die relevantere Zahl.

Mitarbeiterin an einem großen Kutter, in dem die Masse für den Veganen Schinken Spicker verarbeitet wird
Am Kutter entsteht die Masse für den Veganen Schinken Spicker. Foto: Rügenwalder Mühle

Wo die Rechnung kippt: 11.000 Tonnen Fleisch

Jetzt der Teil, der in Pressemitteilungen selten oben steht. Dem Absatzanteil von 70 Prozent stehen Rohstoffmengen gegenüber, die ein anderes Bild zeichnen. 2025 verarbeitete die Rügenwalder Mühle nach eigenen Angaben rund 11.000 Tonnen Fleisch und knapp 3.000 Tonnen pflanzliche Proteine.

Das ist kein Rechenfehler und auch kein Widerspruch. Fleisch geht als Rohstoff nahezu unverändert ins fertige Produkt, während pflanzliches Protein nur einen Teil der Rezeptur ausmacht, der Rest sind Wasser, Öl, Gewürze und Bindemittel. Aus drei Tonnen Erbsen- oder Sojaprotein wird also deutlich mehr Ware als aus drei Tonnen Fleisch.

Trotzdem lohnt der Blick auf die Richtung. Die Fleischmenge sinkt langsam: rund 12.000 Tonnen 2023, 11.240 Tonnen 2024, rund 11.000 Tonnen 2025. Das sind über zwei Jahre etwa acht Prozent weniger. Die pflanzlichen Proteine legten im selben Zeitraum von rund 2.400 auf knapp 3.000 Tonnen zu, mit einem leichten Rücksetzer 2024.

Mitarbeiter befüllt eine Maschine mit der Grundmasse für vegane Frikadellen
Die Grundmasse für die veganen Frikadellen entsteht im industriellen Maßstab. Foto: Rügenwalder Mühle

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Ein neues Ziel gibt es nicht mehr

Bemerkenswert ist, was das Unternehmen für die Zukunft nicht festlegt. Ein neues, konkretes Ziel für den pflanzlichen Anteil an Produktion oder Rezepturen gibt es nach eigener Aussage aktuell nicht. Die erreichten 76 beziehungsweise 91 Prozent gelten als so stark, dass man auf eine neue Zielgröße verzichtet.

Neue Produkte sollen weiterhin von Beginn an vegan entwickelt werden. Das Fleischgeschäft bleibt aber ausdrücklich Teil des Unternehmens, das sich an dieser Stelle über seine Herkunft definiert.

Man kann das als ehrlich lesen. Man kann aber auch festhalten: Ohne Zielgröße gibt es nichts, woran sich das Unternehmen in drei Jahren messen lassen muss. Bei den Klimazielen ist das anders, dort hat sich die Rügenwalder Mühle über die Science Based Targets initiative festgelegt und will ihre direkten und energiebedingten Emissionen bis 2030 um 42 Prozent gegenüber 2023 senken. Als wichtigsten Hebel für die Emissionen in der Lieferkette nennt das Unternehmen genau die Verschiebung von tierischen zu pflanzlichen Rohstoffen.

Zwei Personen in Laborkleidung arbeiten in der Entwicklungsküche der Rügenwalder Mühle an neuen Rezepturen
In der Entwicklungsküche entstehen die Rezepturen. Neue Produkte legt das Unternehmen nach eigenen Angaben von Anfang an vegan an. Foto: Rügenwalder Mühle

Warum das Geschäft trotzdem läuft

Für das erste Quartal 2026 meldete die Rügenwalder Mühle ein Absatzplus von 8,5 Prozent. Der Gesamtmarkt für gekühlte Fleischalternativen wuchs im selben Zeitraum um rund 11 Prozent, der Hersteller blieb also hinter dem Markt zurück. In der warmen Küche lag er mit 18,5 Prozent Wachstum vor dem Markt, der dort 16,9 Prozent zulegte. In den ersten vier Monaten des Jahres brachte das Unternehmen drei neue vegane Produkte heraus.

Zum eigenen Kurs sagt das Management, der Erfolg der veganen und vegetarischen Produkte bestätige die frühen Entscheidungen, pflanzliche Ernährung bleibe ein Zukunftsmarkt mit großem Potenzial. Bemerkenswert ist der Nachsatz: Neue Wettbewerber im Markt seien eine Bereicherung, denn von einem wachsenden Markt profitierten alle.

Von der Fleischerei zum Veggie-Marktführer

1834 als Fleischerei gegründet, brachte die Rügenwalder Mühle 2014 ihre ersten vegetarischen Wurstalternativen heraus. Das war früh, und es war zu diesem Zeitpunkt ein Risiko: Ein Traditionsfleischer, der Veggie-Produkte ins Regal stellt, riskiert die eigene Stammkundschaft.

Zwölf Jahre später ist das Unternehmen Marktführer bei veganen und vegetarischen Wurst- und Fleischalternativen. Damit ist es einer der wenigen belastbaren Belege dafür, dass sich ein Fleischverarbeiter umbauen lässt, ohne dabei unterzugehen. Wer wissen will, wie sich das Sortiment im Regal schlägt, findet das in unserer Übersicht zu veganem Aufschnitt und im Schnitzel-Vergleich.

Was das für dich heißt

Uns interessiert dabei die 91 mehr als die 70. Wenn ein Hersteller sein Veggie-Sortiment fast vollständig vegan anlegt und neue Produkte gar nicht erst vegetarisch entwickelt, verschwindet das Ei aus der Zutatenliste, ohne dass jemand darüber reden muss. Genau das erspart den Blick auf das Kleingedruckte.

Was bleibt, ist die andere Hälfte der Geschichte. Ein Unternehmen, das jedes Jahr elftausend Tonnen Fleisch verarbeitet, ist kein pflanzliches Unternehmen. Es ist ein Fleischverarbeiter, der sein Geschäft zu großen Teilen umgebaut hat und den Rest behalten will. Diese Entwicklung ist echt und sie ist ungewöhnlich weit gegangen. Sie ist nur noch nicht zu Ende. Wie stark der pflanzliche Markt inzwischen insgesamt ist, zeigen die Zahlen zum deutschen Markt, und welche Marken bei Kundinnen und Kunden am besten ankommen, steht im Kunden-Award.

Woher die Angaben stammen

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der jüngste Launch: Aus dem veganen Geschnetzelten werden ab Oktober die Veganen Mühlen Chunks in drei Sorten, zwei davon neu und fertig mariniert. Zutaten, Nährwerte und Salzgehalt haben wir dort zusammengetragen.

Der Portfolio-Anteil von 76 Prozent, die knapp 3.000 Tonnen pflanzliches Protein, das SBTi-Klimaziel und das Zitat von Jörg Pfirrmann stammen aus der Pressemitteilung zum Nachhaltigkeitsbericht vom 29. Juli 2026, abgerufen am 14. August 2026. Der Absatzanteil von 70 zu 30, die 91 Prozent, die Fleischmengen und die Quartalszahlen hat das Unternehmen auf Nachfrage des Branchendienstes vegconomist mitgeteilt.

Alle Angaben zu Mengen und Anteilen sind Unternehmensangaben und von uns nicht unabhängig prüfbar. Wir geben sie als solche wieder.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Wo die Rechnung kippt: 11.000 Tonnen Fleisch?
Jetzt der Teil, der in Pressemitteilungen selten oben steht. Dem Absatzanteil von 70 Prozent stehen Rohstoffmengen gegenüber, die ein anderes Bild zeichnen. 2025 verarbeitete die Rügenwalder Mühle nach eigenen Angaben rund 11.000 Tonnen Fleisch und knapp 3.000 Tonnen pflanzliche Proteine. Das ist kein Rechenfehler und auch kein Widerspruch.
Warum das Geschäft trotzdem läuft?
Für das erste Quartal 2026 meldete die Rügenwalder Mühle ein Absatzplus von 8,5 Prozent. Der Gesamtmarkt für gekühlte Fleischalternativen wuchs im selben Zeitraum um rund 11 Prozent, der Hersteller blieb also hinter dem Markt zurück. In der warmen Küche lag er mit 18,5 Prozent Wachstum vor dem Markt, der dort 16,9 Prozent zulegte.
Was das für dich heißt?
Uns interessiert dabei die 91 mehr als die 70. Wenn ein Hersteller sein Veggie-Sortiment fast vollständig vegan anlegt und neue Produkte gar nicht erst vegetarisch entwickelt, verschwindet das Ei aus der Zutatenliste, ohne dass jemand darüber reden muss. Genau das erspart den Blick auf das Kleingedruckte. Was bleibt, ist die andere Hälfte der Geschichte.