Pflanzlich kaufen liegt im Trend: Warum Deutschland 2025 Europas Plantbased-Markt anführt

Pflanzlich kaufen liegt im Trend: Warum Deutschland 2025 Europas Plantbased-Markt anführt
1,71 Milliarden Euro haben wir in Deutschland 2025 für pflanzliche Lebensmittel im Supermarkt ausgegeben. Damit bleibt Deutschland der größte Markt für Pflanzenmilch, veganen Joghurt und Co. in ganz Europa. Klingt nach einer trockenen Zahl? Ist es nicht. Hinter diesem Wert steckt eine richtig spannende Geschichte darüber, was bei uns im Einkaufswagen landet, was wir dafür zahlen und welche Produkte gerade durch die Decke gehen, während andere ziemlich ins Straucheln geraten. Ich habe mir die brandneue Marktstudie des Good Food Institute Europe (GFI) angeschaut, die genau heute veröffentlicht wurde, und für dich das Wichtigste herausgeholt. Mit ein paar Erkenntnissen, die mich selbst überrascht haben.
Wenn du also wissen willst, welche pflanzlichen Produkte 2025 wirklich gefragt sind, wo du beim Einkauf am meisten sparst und warum dein Hafer-Drink immer noch teurer ist als Kuhmilch, obwohl er das eigentlich gar nicht sein müsste, dann bist du hier genau richtig. Am Ende verrate ich dir auch meine persönliche Einschätzung dazu, wohin die Reise geht.

Der Überblick: So tickt der deutsche Markt für pflanzliche Lebensmittel 2025
Fangen wir mit der großen Linie an. Die sechs wichtigsten Kategorien, die das GFI untersucht hat, sind pflanzliches Fleisch, Fisch, Milch, Käse, Joghurt und Sahne. Zusammen kamen sie 2025 auf einen Umsatz von 1,71 Milliarden Euro im Lebensmitteleinzelhandel. Das sind 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch deutlicher fällt das Plus bei der verkauften Menge aus: Hier ging es um 6,2 Prozent nach oben. Wir kaufen also nicht nur teurer, wir kaufen tatsächlich mehr.
Besonders schön finde ich diese zwei Zahlen aus dem Haushaltspanel: Fast jeder dritte Haushalt in Deutschland hat 2025 mindestens einmal pflanzliches Fleisch gekauft, bei Pflanzenmilch waren es sogar 38 Prozent. Pflanzlich ist also keine Nische mehr für ein paar Überzeugte, sondern Teil des ganz normalen Wocheneinkaufs für Millionen Menschen.

Interessant ist, wer dieses Wachstum trägt. 2024 hatten vor allem die günstigen Eigenmarken der Supermärkte und Discounter zugelegt, während Markenprodukte stagnierten. 2025 haben sich die Marken zurückgemeldet und sind wieder gewachsen. Das passt zu einem Bild, das viele von uns beim Einkaufen gerade spüren: Die heftige Lebensmittelinflation der Jahre davor lässt nach, und damit trauen sich viele wieder eher zum etwas teureren Markenprodukt.
Gewinner und Sorgenkinder: Diese Kategorien boomen, diese schwächeln
Jetzt wird es richtig spannend, denn der Markt ist alles andere als ein einheitlicher Block. Manche Kategorien feiern, andere kämpfen. Schauen wir uns das im Detail an.
Pflanzenmilch und Joghurt: die klaren Wachstumstreiber
Die Stars des Jahres sind eindeutig pflanzliche Milch und veganer Joghurt. Pflanzenmilch ist mit 632 Millionen Euro Umsatz die zweitgrößte Kategorie und legte um satte 8,1 Prozent zu. Joghurt setzte sogar noch einen drauf und wuchs beim Umsatz um 9,8 Prozent auf 174 Millionen Euro. Pflanzenmilch macht inzwischen 9,2 Prozent des gesamten Milchmarktes aus, ein neuer Höchstwert. Mein Tipp am Rande: Wenn du Barista-Varianten für den Schaum im Kaffee suchst, hast du heute die Qual der Wahl. Allein 55 der 275 untersuchten Milchprodukte sind mittlerweile Barista-Editionen.
Pflanzenfleisch: stabil, aber mit Knick bei der Menge
Pflanzenfleisch bleibt mit 751 Millionen Euro die umsatzstärkste Kategorie überhaupt. Der Umsatz hielt sich stabil, die verkaufte Menge ging allerdings leicht um 1,7 Prozent zurück. Der Grund ist aufschlussreich: Die Mengen der Eigenmarken sanken um 7 Prozent, obwohl diese Produkte 38 Prozent günstiger waren als Markenware. Markenprodukte legten dagegen zu. Beim Pflanzenfleisch entscheidet also nicht der Preis allein, sondern vor allem Geschmack und Textur. Wer einmal eine günstige Eigenmarke gekauft hat, die nicht überzeugte, greift beim nächsten Mal eher wieder zur vertrauten Marke. Eine Erkenntnis, die ich aus meiner eigenen Kühlschrank-Erfahrung sofort unterschreiben kann.

Tofu, Tempeh und Seitan: der heimliche Senkrechtstarter
Das hier ist meine Lieblingszahl aus der ganzen Studie. Tofu, Tempeh und Seitan werden offiziell gar nicht zum Pflanzenfleisch gezählt, weil sie keine direkte Fleischimitation sind. Trotzdem ist ihre verkaufte Menge zwischen 2023 und 2025 um beeindruckende 53 Prozent gewachsen. Der Hauptgrund liegt auf der Hand: Tofu kostet im Schnitt nur 6,57 Euro pro Kilo, während Pflanzenfleisch bei 14,35 Euro liegt. Für mich ist das ein wunderbares Zeichen dafür, dass viele von uns einfach Lust auf ehrliche, unkomplizierte Eiweißquellen haben. Tofu ist halt ein echtes Allround-Talent.
Käse, Sahne und Fisch: hier hakt es noch
Bei drei kleineren Kategorien war 2025 weniger zu feiern. Veganer Käse verlor 7,4 Prozent Umsatz, obwohl er deutlich günstiger geworden ist. Pflanzliche Sahne ging um 4,8 Prozent zurück. Und der vegane Fisch erlebte mit minus 22 Prozent Umsatz das schwierigste Jahr. Bei Fisch hat sich der Markt seit 2023 fast halbiert. Hier liegt der Knackpunkt klar bei der Produktqualität: Erste sensorische Studien zeigen, dass viele Verbraucher mit Geschmack und Textur der pflanzlichen Fischalternativen noch nicht zufrieden sind. Das ist die ehrliche Baustelle der Branche, und genau da muss die Entwicklung jetzt ansetzen.

| Kategorie | Umsatz 2025 | Umsatz vs. 2024 | Menge vs. 2024 |
|---|---|---|---|
| Fleisch | 751 Mio. € | +0,2 % | -1,7 % |
| Milch & Drinks | 632 Mio. € | +8,1 % | +7,7 % |
| Joghurt | 174 Mio. € | +9,8 % | +7,8 % |
| Käse | 85 Mio. € | -7,4 % | -0,5 % |
| Sahne | 53 Mio. € | -4,8 % | -6,7 % |
| Fisch | 14 Mio. € | -22,0 % | -29,4 % |
| Gesamt | 1.710 Mio. € | +3,1 % | +6,2 % |
Was kostet pflanzlich wirklich? Die Preisfrage ehrlich beantwortet
Eine der häufigsten Fragen, die ich höre: Lohnt sich pflanzlich überhaupt für den Geldbeutel? Die Antwort ist erfreulich differenziert. Bei Pflanzenmilch schrumpft der Preisabstand zur Kuhmilch Jahr für Jahr. 2023 war Hafer-Drink und Co. noch 15 Prozent teurer pro Liter, 2025 sind es nur noch 10 Prozent. Und jetzt kommt der Punkt, der mich wirklich aufregt.

Dieser Restaufschlag von 10 Prozent ist nämlich komplett selbst gemacht. Auf Pflanzenmilch werden 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig, auf Kuhmilch dagegen nur der ermäßigte Satz von 7 Prozent. Würde man beide gleich besteuern, wäre dein Hafer-Drink heute ungefähr genauso teuer wie Kuhmilch. Das ist kein Naturgesetz, sondern eine politische Entscheidung, die sich ändern ließe. Bei den Eigenmarken ist es übrigens schon so weit: Hafermilch von Aldi, Lidl und Co. ist mit rund 1,00 Euro pro Liter inzwischen sogar 14 Prozent billiger als das tierische Pendant.
Auch bei anderen Produkten holst du beim Sparen am meisten heraus, wenn du zur Eigenmarke greifst:
- Pflanzenmilch: Eigenmarken sind pro Liter teils günstiger als Kuhmilch, Markenware ist fast doppelt so teuer.
- Veganer Käse: Bei Eigenmarken zahlst du 2025 sogar 15 Prozent weniger als für tierischen Käse.
- Veganer Joghurt: Eigenmarken sind nahezu auf Augenhöhe mit Kuhmilch-Joghurt, nur noch 1 Prozent Aufschlag.
- Tofu: Einfacher Eigenmarken-Tofu liegt bei rund 5,36 Euro pro Kilo und ist damit eine der günstigsten Proteinquellen überhaupt.

Wie tickt die Generation, die pflanzlich kauft?
Wenn ich mir anschaue, wer diesen Markt antreibt, dann sind das zu einem großen Teil jüngere, trendbewusste Menschen, die Wert auf Genuss, Tierschutz und einen bewussten Lebensstil legen, ohne sich dabei verbiegen zu wollen. Eine aktuelle GFI-Studie zeigt: Nur etwa 7 Prozent der Menschen in Deutschland ernähren sich vegan, vegetarisch oder pescetarisch, aber satte 39 Prozent bezeichnen sich als Flexitarier, reduzieren ihren Fleischkonsum also bewusst. Und 38 Prozent der Erwachsenen wollen künftig noch mehr pflanzlich essen.
Das deckt sich genau mit dem, was ich im Freundeskreis erlebe. Die wenigsten wollen ein Etikett tragen. Sie wollen einfach gutes Essen, das schmeckt, das Tieren nicht schadet und das nebenbei besser fürs Klima ist. Genau diese entspannte Haltung macht den Markt so stark. Es geht nicht um Verzicht, sondern um eine erweiterte Auswahl. Pflanzliche Produkte sind dabei oft die spielerische, neugierige Wahl im Regal.

Die Sache mit den Namen: Darf veganes Schnitzel noch Schnitzel heißen?
Ein Thema, das die Branche 2025 stark beschäftigt hat und das auch viele von euch betrifft: Anfang Oktober 2025 hat das EU-Parlament dafür gestimmt, Bezeichnungen wie Burger, Wurst oder Schnitzel künftig für pflanzliche Produkte einzuschränken. Beschlossen ist damit noch nichts, denn die Mitgliedstaaten müssen erst zustimmen, und ein von foodwatch beauftragtes Rechtsgutachten hält das Verbot ohnehin für nicht vereinbar mit EU-Recht.
Spannend finde ich, wie breit der Widerstand ist. Aldi, Lidl, Burger King, Beyond Meat und Verbraucherschützer haben sich gemeinsam dagegen ausgesprochen. Ihr Argument leuchtet mir ein: Begriffe wie veganes Schnitzel geben uns Orientierung im Regal. Wir wissen sofort, was uns geschmacklich erwartet. GFI-DACH-Leiter Ivo Rzegotta nennt diese geplanten Kennzeichnungsbeschränkungen schlicht einen unfairen Wettbewerbsnachteil für pflanzliche Optionen. Ich sehe das ganz ähnlich, aber dazu unten mehr in meiner persönlichen Einordnung.

Was bedeutet das für die Zukunft? Das große Potenzial
Zum Schluss noch ein Blick nach vorne, der richtig Lust macht. Laut einer Studie von Systemiq kann der Sektor für pflanzliche und alternative Proteine in Deutschland langfristig bis zu 65 Milliarden Euro zur Wertschöpfung beitragen, bis zu 250.000 Arbeitsplätze schaffen und bis zu 8,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen. Vorausgesetzt, es gibt genug Investitionen und politische Unterstützung.
Deutschland liegt bei den öffentlichen Pro-Kopf-Investitionen in alternative Proteine in Europa derzeit nur im Mittelfeld. Da ist also noch ordentlich Luft nach oben. Der deutsche Handel macht beim Sortiment und bei der Preisgestaltung schon vieles richtig, wie die Zahlen zeigen. Jetzt liegt der Ball auch bei der Politik.
Häufige Fragen zum Markt für pflanzliche Lebensmittel
Wie groß ist der Markt für pflanzliche Lebensmittel in Deutschland 2025?
Die sechs Kernkategorien pflanzlicher Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Milch, Käse, Joghurt und Sahne) erzielten 2025 einen Umsatz von 1,71 Milliarden Euro im Lebensmitteleinzelhandel. Das ist ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber 2024. Deutschland ist damit der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa.
Welche pflanzlichen Produkte wachsen am stärksten?
Den größten Zuwachs verzeichneten 2025 veganer Joghurt mit plus 9,8 Prozent und Pflanzenmilch mit plus 8,1 Prozent beim Umsatz. Außerhalb der offiziellen Kategorien sticht zudem die Gruppe Tofu, Tempeh und Seitan hervor, deren verkaufte Menge seit 2023 um 53 Prozent gestiegen ist.
Ist Pflanzenmilch teurer als Kuhmilch?
Im Durchschnitt war Pflanzenmilch 2025 noch etwa 10 Prozent teurer pro Liter als Kuhmilch, 2023 waren es noch 15 Prozent. Dieser Restaufschlag liegt vor allem an der Mehrwertsteuer: Pflanzenmilch wird mit 19 Prozent besteuert, Kuhmilch nur mit 7 Prozent. Eigenmarken-Hafermilch ist mit rund 1,00 Euro pro Liter sogar günstiger als tierische Milch.
Warum verkauft sich veganer Fisch so schlecht?
Der Markt für pflanzlichen Fisch hat sich seit 2023 fast halbiert. Der Hauptgrund liegt in der Produktqualität: Sensorische Studien zeigen, dass viele Verbraucher mit Geschmack und Textur der Alternativen noch nicht zufrieden sind. Außerdem wurden mehrere Produktlinien eingestellt. Hier braucht es noch deutlich mehr Forschung und Entwicklung.
Darf veganes Schnitzel weiterhin so heißen?
Aktuell ja. Das EU-Parlament hat im Oktober 2025 zwar für eine Einschränkung von Begriffen wie Schnitzel, Wurst und Burger für pflanzliche Produkte gestimmt, doch endgültig beschlossen ist das noch nicht. Die EU-Mitgliedstaaten müssen erst zustimmen, und ein Rechtsgutachten hält ein solches Verbot für nicht vereinbar mit EU-Recht.
Wo kaufe ich pflanzliche Produkte am günstigsten?
Am meisten sparst du in der Regel bei den Eigenmarken von Supermärkten und Discountern. Bei Pflanzenmilch, veganem Käse und Joghurt sind die Handelsmarken oft deutlich günstiger als Markenprodukte und teils sogar billiger als das tierische Original. Rund ein Drittel des Umsatzes mit Pflanzenmilch und Pflanzenfleisch entfällt inzwischen auf Discounter wie Aldi und Lidl.
Mein Fazit: Ehrlich, optimistisch und mit einer klaren Bitte
Wenn ich auf diese Zahlen schaue, werde ich ehrlich gesagt ziemlich happy. Der Markt wächst, immer mehr Menschen probieren pflanzliche Produkte aus, und bei Milch und Joghurt sind wir nah an einem Punkt, an dem die pflanzliche Wahl einfach die normale Wahl wird. Das ist genau die Art von positivem Wandel, für die dieses Magazin steht.
Gleichzeitig will ich nichts schönreden. Bei Fisch und Käse hakt es beim Geschmack, und das müssen die Hersteller anpacken, statt nur am Preis zu drehen. Ein günstiges Produkt, das nicht überzeugt, kaufst du eben kein zweites Mal. Diese Lektion zieht sich durch die gesamte Studie. Qualität schlägt Preis, sobald das Geld bei den Leuten wieder etwas lockerer sitzt.
Und dann ist da die Politik. Es wäre so einfach, der pflanzlichen Ernährung faire Bedingungen zu geben: die Mehrwertsteuer auf Pflanzenmilch auf 7 Prozent senken und die geplanten Namensverbote für veganes Schnitzel und Co. einkassieren. Beides würde nichts kosten außer ein bisschen politischem Mut, und beides würde Millionen Menschen die bewusste Wahl erleichtern. Ich bleibe da optimistisch, weil der Trend so eindeutig ist. Wir stimmen längst mit dem Einkaufswagen ab, und die Richtung ist klar.
Probier in den nächsten Wochen ruhig mal eine Kategorie aus, die du noch nicht auf dem Schirm hattest. Vielleicht den Eigenmarken-Tofu, vielleicht einen Barista-Hafer-Drink. Du wirst überrascht sein, wie weit die Auswahl 2026 schon ist.
Schon den Plantbased-Podcast gehört?
Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.
Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.
Seit 2019 · This Is Vegan · unabhängig, vegan, manchmal unbequem
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