Vegan-Umfrage 2025: Community religionskritisch und politisch links
Wer vegan lebt, tickt weltanschaulich anders als das gängige Klischee vermuten lässt. Eine frische Auswertung der Vegan-Umfrage 2025 des Infoportals vegan.eu kommt zu dem Schluss, dass die große Mehrheit der Befragten mit Religion wenig anfangen kann und sich politisch klar am linken, progressiven Rand des Spektrums einsortiert. Das Bild von der esoterisch angehauchten Öko-Szene, das gerne bemüht wird, halten die Zahlen nicht aus.
Mehrheit hält Abstand zur Religion
Beim Thema Glauben fällt das Ergebnis deutlich aus. Gut 56 Prozent der Teilnehmenden gaben an, Religion abzulehnen oder entschieden abzulehnen. Ein knappes Drittel, rund 31 Prozent, bezog eine neutrale Position. Übrig bleibt eine kleine Gruppe von knapp 13 Prozent, die sich selbst als religiös oder sehr religiös beschreibt. Wirklich stark religiös verankert sehen sich gerade einmal 2,3 Prozent.
Spiritualität kommt besser weg, aber überzeugt auch nicht
Etwas durchlässiger wird das Bild, sobald es nicht um organisierte Religion, sondern um Spiritualität geht. Hier ordnet sich mit gut 41 Prozent der größte Teil in der Mitte ein. Knapp 32 Prozent winken ab, rund 27 Prozent können der spirituellen Seite etwas abgewinnen. Eine tragende Mehrheit findet sich also auch dafür nicht.
Für Guido F. Gebauer, den Psychologen und Mitgründer hinter der Erhebung, räumt das mit einem verbreiteten Vorurteil auf. Eine besondere Affinität zu Glaube, Spiritualität oder Esoterik lasse sich bei vegan lebenden Menschen schlicht nicht ablesen. Wenn überhaupt ein weltanschaulicher Trend erkennbar sei, dann laufe er in die andere Richtung, hin zu einer „religionskritischen, atheistischen oder agnostischen Grundhaltung”.
Glaube und Parteipräferenz hängen kaum zusammen
Spannend wird es dort, wo die Umfrage Religion und Politik gegeneinander hält. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Fast 94 Prozent der Unterschiede in den politischen Ansichten haben mit dem Verhältnis zu Religion oder Spiritualität nichts zu tun. Der stärkste einzelne Zusammenhang, den die Auswertung überhaupt findet, erklärt weniger als fünf Prozent. Er deutet lediglich an, dass religiös oder spirituell geprägte Teilnehmende eine Spur konservativer ticken, während sich Religionskritik eher mit progressiven Haltungen paart. Ein echter Erklärungsfaktor ist das nicht.

Ein Milieu, das politisch eng beieinanderliegt
Was die Befragten dagegen stark eint, ist ihre politische Grundausrichtung. Die vegane Zielgruppe erweist sich als bemerkenswert homogen, und diese Homogenität zieht klar nach links. Das deckt sich mit den Parteipräferenzen aus der Gesamtumfrage: Rund 40 Prozent nannten die Linke, gut 32 Prozent die Grünen, sieben Prozent die Tierschutzpartei. Union, SPD, FDP und AfD spielen in dieser Gruppe praktisch keine Rolle. Auch bei den Sorgen liegt ein Thema vorn, das anderswo hinten steht: Rund zwei Drittel benennen die Klimakrise als größte Bedrohung, während Migration kaum jemanden umtreibt.
Dass Ethik, Ernährung und Haltung zusammengehören, zieht sich als roter Faden durch die Szene. Wer sich fürs Detail interessiert, findet das etwa in unserer Studie zu Fleisch, Männlichkeit und veganen Männern oder in der Frage, was der eigene Verzicht fürs Klima wirklich bringt. Dass die politische Linke und der Veganismus historisch immer wieder Berührungspunkte haben, zeigt auch das Interview mit Heaven Shall Burn über Metal, Politik und Veganismus.

Was das für Marken und Kommunikation heißt
Für Unternehmen, die diese Menschen erreichen wollen, steckt in den Daten eine unbequeme, aber klare Botschaft. Wer vegane Kundschaft mit Räucherstäbchen-Romantik und spirituell aufgeladenen Versprechen anspricht, greift daneben. Was zieht, ist das Gegenteil: nüchterne, überprüfbare Argumente. Marken punkten mit belegbaren Fakten und mit Werten, die diese Gruppe ohnehin teilt, allen voran Klimaschutz, Tierwohl und soziale Gerechtigkeit. Genau diese evidenzbasierte Perspektive ist auch das, was wir im Plantbased Podcast mit Fachleuten diskutieren.
Zur Methodik
An der Erhebung beteiligten sich 2.161 vegan lebende Menschen zwischen 18 und 84 Jahren, der Großteil aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Durchgeführt wurde die Befragung zwischen April und September 2025 von vegan.eu gemeinsam mit der Kennenlern-Plattform Gleichklang.de, die wissenschaftliche Auswertung verantwortete Gebauer. Die kompletten Ergebnisse hat vegan.eu auf der eigenen Website veröffentlicht.
Schon den Plantbased-Podcast gehört?
Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.
Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.
Seit 2019 · This Is Vegan · unabhängig, vegan, manchmal unbequem
Mitmachen, nicht nur mitlesen
Wir finanzieren uns über Affiliate-Empfehlungen und die Community. Schau auf unseren Community Deals vorbei für exklusive Rabattcodes bei sorgfältig ausgesuchten plant-based Partnern. Du zahlst nichts extra, wir können weiterschreiben. Fairer Deal.
Oder folg uns einfach hier:
In eigener Sache
Dieser Tierschutz-Journalismus ist gratis und werbearm, weil Leser:innen ihn tragen. Schon 3 € helfen – für die Tiere, für die Sache.
Jetzt spendenUnsere Partner, die die Mission mittragen: Vriends 🌱





