Energy-Drink-Dosen neben einem Schulranzen auf einem Tisch
Ab 2027 dürfen Händler in England solche Dosen nicht mehr an unter 16-Jährige verkaufen
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Ein Vierzehnjähriger greift auf dem Nachhauseweg an der Tankstelle zur Dose Monster, so selbstverständlich wie früher zur Cola. Genau dieses Bild will die englische Regierung ab 2027 verhindern. Ab dann dürfen Läden, Automaten und Onlineshops in England keine hochkoffeinhaltigen Energydrinks mehr an unter 16-Jährige verkaufen. Deutschland diskutiert das Thema seit Jahren, verlässt sich aber weiterhin auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller. Zeit, sich beide Seiten genauer anzuschauen, gerade weil zwei der meistverkauften Marken komplett vegan sind und deshalb bei manchen Eltern unter dem Radar durchgehen.

Was England konkret verbietet

Am 17. Juli 2026 hat die britische Regierung das neue Gesetz vorgestellt, in Kraft treten soll es im April 2027. Betroffen sind alle Getränke mit mehr als 150 Milligramm Koffein pro Liter, verkauft an Kund:innen unter 16 Jahren, egal ob im Supermarkt, am Automaten oder im Onlinehandel. Kaffee und Tee sind ausdrücklich ausgenommen, ebenso koffeinärmere Softdrinks wie Cola.

Die zuständige Abgeordnete Sharon Hodgson bringt die Begründung auf den Punkt: Tausende Kinder in England tränken solche Getränke täglich, die Belege für Angstzustände, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und schlechtere schulische Leistungen seien eindeutig. Der britische Getränkeverband kontert, seine Mitglieder hätten sich bereits seit 2010 freiwillig verpflichtet, nicht an unter 16-Jährige zu verkaufen oder zu vermarkten, offenbar mit begrenztem Erfolg. Litauen und die Niederlande haben ähnliche Regelungen schon vor England eingeführt.

Energy-Drink-Dosen neben einem Schulranzen auf einem Tisch

Der blinde Fleck: vegan heißt nicht koffeinarm

Hier wird es für uns als Vegan-Magazin interessant. Wir haben uns Red Bull und Monster Energy kürzlich einzeln angeschaut, und beide sind nach Zutatenliste komplett vegan, Taurin wird synthetisch hergestellt, keine tierischen Hilfsstoffe. Das Problem: Beide liegen mit rund 320 Milligramm Koffein pro Liter mehr als doppelt so hoch wie der neue englische Grenzwert. “Vegan” und “für Kinder unbedenklich” sind einfach zwei völlig verschiedene Fragen, die in der öffentlichen Wahrnehmung gerne verschwimmen. Wer sich fragt, was sonst noch in den beiden Dosen steckt, findet die vollständigen Checks bei Ist Red Bull vegan? und Ist Monster Energy vegan?.

Nahaufnahme einer beschlagenen Getränkedose mit Kondenswasser

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Wie es in Deutschland aussieht

Ein direktes Pendant zum englischen Gesetz gibt es hierzulande nicht. Deutschland setzt bislang auf dieselbe freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie, die in England gerade als unzureichend eingestuft wurde. Zahlen des Robert Koch-Instituts aus der EsKiMo-II-Studie zeigen, dass 8,9 Prozent der 12- bis 17-Jährigen innerhalb von vier Wochen Energydrinks konsumiert hatten. Bei rund einem Viertel davon, das entspricht 2,2 Prozent aller Jugendlichen in dieser Altersgruppe, überschritt allein dieser Konsum die als sicher geltende Koffeinmenge. Bis zu zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen trinken laut der Studie bei manchen Gelegenheiten einen Liter oder mehr auf einmal.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt als Richtwert maximal drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag für Kinder und Jugendliche. Eine einzige Dose Monster mit 500 Millilitern reicht bei einem 40 Kilogramm schweren Teenager schon aus, um an diese Grenze heranzukommen, ganz ohne dass an diesem Tag noch Cola oder Schokolade dazukommen.

Jugendlicher lernt abends am Schreibtisch mit einer Energy-Drink-Dose daneben

Ist Aufklärung genug, oder braucht es ein Verbot?

Genau daran scheiden sich die Geister, auch bei uns in der Redaktion. Die einen sagen: Ein Verkaufsverbot ist überfällig, freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie haben in den letzten 15 Jahren offensichtlich nicht gereicht, sonst bräuchte es jetzt kein Gesetz. Die anderen halten dagegen, dass Verbote Symptome bekämpfen statt Ursachen, und dass Aufklärung in Schule und Elternhaus nachhaltiger wirkt als ein Gesetz, das sich ohnehin leicht umgehen lässt, wenn ältere Geschwister oder Freund:innen kaufen.

Übrigens ist das nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass ein europäisches Land staatlich in Ernährungsfragen eingreift. Erst kürzlich haben wir über das EGMR-Urteil zu veganer Verpflegung in Haft und Klinik berichtet, und über die Reform der britischen Schulverpflegung. Der Staat mischt sich derzeit spürbar öfter beim Teller ein, mal um Rechte zu stärken, mal um Kinder zu schützen.

Regal mit verschiedenen Energy-Drink-Dosen im Supermarkt

Was du als Elternteil schon jetzt tun kannst

Auf ein Gesetz musst du nicht warten. Ein realistischer erster Schritt ist, mit älteren Kindern und Teenagern offen über Koffeinmengen zu sprechen, statt Energydrinks einfach zu verbieten, was erfahrungsgemäß den Reiz nur erhöht. Wer selbst noch am Anfang der veganen Ernährungsumstellung steht und generell mehr auf Zutatenlisten achten möchte, findet in unserem 30-Tage-Einsteiger-Plan eine gute Grundlage, die sich genauso gut auf die ganze Familie anwenden lässt.

Familie in der Küche mit alternativen Getränken statt Energydrinks

Und jetzt du: Findest du das englische Verkaufsverbot richtig, oder ist das übertriebene Bevormundung? Sollte Deutschland nachziehen, oder reicht Aufklärung? Und ganz ehrlich: Wie alt warst du, als du deinen ersten Energydrink getrunken hast? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare, wir sind gespannt auf die Diskussion.
Zur Einordnung: Dieser Artikel basiert auf Berichten von Deutsches Ärzteblatt und Watson, sowie auf Daten des Bundesinstituts für Risikobewertung und der RKI-Studie EsKiMo II. Stand: Juli 2026.
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FAQ - Das fragen andere

Was England konkret verbietet?
Am 17. Juli 2026 hat die britische Regierung das neue Gesetz vorgestellt, in Kraft treten soll es im April 2027. Betroffen sind alle Getränke mit mehr als 150 Milligramm Koffein pro Liter, verkauft an Kund:innen unter 16 Jahren, egal ob im Supermarkt, am Automaten oder im...
Wie es in Deutschland aussieht?
Ein direktes Pendant zum englischen Gesetz gibt es hierzulande nicht. Deutschland setzt bislang auf dieselbe freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie, die in England gerade als unzureichend eingestuft wurde.
Ist Aufklärung genug, oder braucht es ein Verbot?
Genau daran scheiden sich die Geister, auch bei uns in der Redaktion. Die einen sagen: Ein Verkaufsverbot ist überfällig, freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie haben in den letzten 15 Jahren offensichtlich nicht gereicht, sonst bräuchte es jetzt kein Gesetz.
Was du als Elternteil schon jetzt tun kannst?
Auf ein Gesetz musst du nicht warten. Ein realistischer erster Schritt ist, mit älteren Kindern und Teenagern offen über Koffeinmengen zu sprechen, statt Energydrinks einfach zu verbieten, was erfahrungsgemäß den Reiz nur erhöht.
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