Alley Cats auf Netflix: Ricky Gervais lacht über Straßenkatzen, und meint es ernst
„Ricky Gervais Alley Cats“ läuft seit dem 7. August 2026 weltweit auf Netflix, auch in Deutschland mit deutscher Tonspur. Sechs Folgen zwischen 15 und 17 Minuten, Erwachsenen-Animation, freigegeben ab 16. Produziert hat Blink Industries in Großbritannien, erfunden hat sie Ricky Gervais, der auch die Hauptfigur spricht.
Die Streunerbande aus „Alley Cats“ mit dem verlorenen Kätzchen. Bild: Netflix
Der Zeitpunkt ist ein Zufall mit Ansage: Heute, am 8. August, ist Weltkatzentag.
Worum es geht
Gus ist der Anführer einer Bande verwilderter Katzen in einer britischen Kleinstadt. Der Alltag besteht aus Futtersuche, Revierstreit und dem Vermeiden von Ärger. Auf einem Friedhof stolpert die Truppe über ein verlorenes Kätzchen, und aus der Mäusejagd wird eine Heimreise quer durch die Stadt.
Die sechs Folgen heißen Verlaufen, Chaos, Kinder, Das Date, Mama und Zuhause. Zwischendrin: ein Tierarztbesuch, der die Stimmung kippen lässt, ein Fiebertraum nach Katzenschnupfen und eine Menge Katzenminze.
Sechs Folgen, viel Straße, wenig Sentimentalität. Bild: Netflix
Gesprochen wird die Bande von Leuten, die Gervais seit Jahren um sich hat: Diane Morgan als Olive, David Earl als Puke, Tom Basden als Ponce und Andrew Brooke als Fang, dazu Kerry Godliman, Tony Way, Jo Hartley und Natalie Cassidy. Wer „After Life“ mochte, erkennt den Ton nach zwei Minuten.
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Warum wir überhaupt darüber schreiben
Weil der Mann dahinter kein Zufallsgast beim Thema Tier ist.
Ricky Gervais lebt seit 2020 vegan. Öffentlich bestätigt hat er das im Januar 2022 bei Jimmy Fallon, auf die alberne Frage, wen er als Kannibale essen würde: „Well I’m vegan so it’s even worse for me.“ Im Januar 2026 hat er es im Podcast von Romesh Ranganathan noch einmal eingeordnet, beide vegan, beide aus demselben Grund.
Und er lässt Geld sprechen. Im Dezember 2025 hat Gervais 2.432.451 Pfund an 22 Tierschutzorganisationen weltweit verteilt, finanziert aus den Zusatzerlösen der Platinum-Tickets seiner Mortality-Tour. Vier Organisationen bekamen je 150.000 Pfund, siebzehn je 100.000, die restlichen 132.000 gingen an Nowzad, eine Organisation, die Tiere aus Kriegsgebieten holt. 2018 hatte ihm Humane Society International bereits den Cecil Award für seine Kampagnen gegen die Trophäenjagd verliehen. Was daraus politisch geworden ist, haben wir hier aufgeschrieben: Frankreich stoppt Trophäen-Importe, Deutschland importiert weiter.
Die Spende hat mit „Alley Cats“ nichts zu tun, sie kam aus der Tour. Aber sie erklärt, warum jemand mit diesem Vorleben ausgerechnet eine Serie über Streuner macht.
Wo die Komödie und die Realität auseinandergehen
„Alley Cats“ ist Comedy und will nichts anderes sein. Die Katzen fluchen, saufen Katzenminze und behandeln den verlorenen Nachwuchs mit der Zärtlichkeit einer Baustellenkolonne. Das ist der Witz, und er funktioniert stellenweise gut.
Nur ist das echte Leben einer freilebenden Katze eine ziemlich kurze Angelegenheit. In Deutschland leben nach Schätzungen rund zwei Millionen Katzen auf der Straße, während die Katze gleichzeitig das beliebteste Haustier des Landes ist. Das erste Tierschutz-Barometer von Humane World for Animals hat das Kapitel dazu treffend überschrieben: „so geliebt wie ignoriert“. Alle Zahlen und woher sie kommen, stehen in unserem Text zum Weltkatzentag: Zwei Millionen Straßenkatzen, Deutschlands verstecktes Problem.
Der Tierarztbesuch in Folge zwei ist in der Serie eine Pointe. Draußen ist er der Unterschied zwischen einem Sommer und einem Leben.
Das ist kein Vorwurf an die Serie. Eine Zeichentrickkomödie muss keine Kampagne sein, und Gervais hat für Kampagnen ein eigenes Budget. Wer nach den sechs Folgen aber wissen will, was aus Kätzchen wird, die niemand sucht, findet die Antwort eher bei den Vereinen als auf Netflix. Zwei Einstiege dazu: Auslandstierschutz seriös erkennen und warum die deutschen Tierheime vor dem Kollaps stehen.
Lohnt sich das Anschauen?
Wenn du Gervais magst, ja. Der Ton ist derselbe wie immer, trocken, respektlos, mit einem weichen Kern, den er erst im letzten Moment zeigt. Sechs Folgen à Viertelstunde sind an einem Abend weg.
Wenn du ihn nicht magst, ändert die Serie daran nichts. Die internationale Kritik ist verhalten, der Hollywood Reporter hält ihr vor, zwischen Albernheit und Existenzangst zu pendeln, ohne eines von beidem ganz zu treffen. Das trifft es ganz gut.
Auf unserem Blood-Score, mit dem wir in der Übersicht der besten Vegan-Dokus die Härte des Bildmaterials bewerten, wäre die Serie eine glatte Null. Sie ist gezeichnet, es fließt kein Blut, und der Tierarzt bleibt off-screen. Als Fernsehabend mit Menschen, die bei Tierthemen sonst abschalten, ist das brauchbar.
Wer nach mehr Substanz sucht: Am 5. August ist auf Netflix eine Doku gestartet, die genau das liefert, was „Alley Cats“ bewusst auslässt. Unsere Einordnung dazu: Big Chicken, 28 Tage Hähnchen und ein Film, der zu früh bremst.
Und falls dich beim Zuschauen die Frage beschäftigt, ob eine Katze überhaupt pflanzlich ernährt werden kann: Wir haben die Studienlage dazu nüchtern durchgesehen, inklusive der Stellen, an denen sie dünn wird. Können Katzen vegan leben?
FAQ - Das fragen andere
Warum wir überhaupt darüber schreiben?
Wo die Komödie und die Realität auseinandergehen?
Lohnt sich das Anschauen?
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