Frankreich stoppt Trophäen-Importe. Deutschland importiert weiter
Manchmal reicht ein einziges Land, um eine Ausrede zu zerlegen. Am 3. August 2026 hat Frankreich sein Einfuhrverbot für Jagdtrophäen deutlich ausgeweitet. Künftig dürfen nicht nur Löwen, sondern auch Elefanten, Nashörner, Leoparden und weitere besonders bedrohte Arten nicht mehr als Trophäe ins Land gebracht werden.
Die Bearbeitung sämtlicher Einfuhranträge wurde bereits mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Das Verbot selbst soll im Herbst per Erlass in Kraft treten.
Für Deutschland ist das eine unbequeme Nachricht. Denn hierzulande lautet die Standardantwort auf jede Forderung nach einem Importverbot: Das gehe nur auf europäischer Ebene. Frankreich beweist gerade das Gegenteil.
Frankreich ist nicht das erste Land
Der Schritt reiht sich in eine Entwicklung ein, die seit zehn Jahren läuft.
Frankreich selbst hatte bereits 2015 als erstes europäisches Land die Einfuhr von Löwentrophäen untersagt. Es folgten die Niederlande 2016, Finnland 2023 und Belgien 2024, wo das Parlament im Januar einstimmig zustimmte. In Großbritannien hat das Unterhaus 2023 für ein Einfuhrverbot gestimmt, das Oberhaus blockiert es bislang. Das Europäische Parlament forderte schon 2022 in einer Resolution ein EU-weites Verbot.
Vier EU-Staaten haben also national gehandelt, ohne auf Brüssel zu warten. Das Argument, ein nationaler Alleingang sei rechtlich nicht möglich, ist damit erledigt.
„Frankreich beweist, dass ein nationales Importverbot rechtlich möglich und längst überfällig ist. Die Bundesregierung dagegen verschanzt sich hinter dem Verweis auf eine europäische Lösung, während Deutschland ungebremst der größte Trophäen-Importeur der EU bleibt”, kritisiert Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife.
Mehr als 18.000 Menschen aus dem Ausland reisen jährlich allein nach Afrika, um dort Wildtiere zu töten.
Deutschland: 6.422 Trophäen in zehn Jahren
Und hier wird es konkret. Die Zahlen, die Pro Wildlife zusammengetragen hat, sind der eigentliche Skandal an dieser Geschichte.
Zwischen 2016 und 2025 wurden Trophäen von mindestens 6.422 Tieren international geschützter Arten nach Deutschland eingeführt. Kein anderes EU-Land importiert mehr. Allein 2025 registrierten die Behörden 679 Einfuhrvorgänge.
Aufgeschlüsselt nach Arten sieht das so aus:

Der Punkt, der am meisten wehtut: Das Bundesumweltministerium kündigt seit 2021 an, die Trophäenimporte reduzieren zu wollen. Tatsächlich sind sie von 2021 bis 2026 um rund 56 Prozent gestiegen.
Und das gegen den erklärten Willen der Bevölkerung. In einer repräsentativen Ipsos-Umfrage 2026 sprachen sich 85,6 Prozent der Befragten für ein Importverbot aus. Ältere Umfragen kommen sogar auf 89 Prozent Ablehnung.
Was so ein Abschuss kostet
Auf Europas größter Jagdmesse, der „Jagd & Hund” in Dortmund, werden diese Reisen wie Pauschalurlaube verkauft. Die Preislisten liegen aus wie Speisekarten.
- Ein Affe ab 50 Euro
- Giraffen und Zebras ab 950 Euro
- In Gattern gezüchtete Löwen zwischen 4.000 und 12.000 Euro
- Ein Gepard für 4.000 Euro, obwohl weltweit weniger als 6.600 Tiere leben
- Ein vom Aussterben bedrohter Waldelefant in Kamerun ab 5.000 Euro
- Ein Savannenelefant ab 15.300 Euro
- Ein Breitmaulnashorn ab 24.000 Euro
Je seltener die Art und je imposanter Mähne, Stoßzähne oder Fell, desto höher der Preis. Verbände wie der Safari Club International führen dazu Rekordbücher und vergeben Medaillen.
Symbolbild. Am Ende der Reise hängt ein Kopf an einer Wand in Deutschland.
Warum Trophäenjagd dem Artenschutz schadet
Das häufigste Gegenargument lautet, die Jagd finanziere den Artenschutz. Beides stimmt nicht, und der biologische Teil ist der eindeutigere.
Regal-Funde direkt aufs Handy
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Jetzt kostenlos anmeldenTrophäenjäger suchen gezielt die stärksten und ältesten Tiere. Genau die sind für den Fortbestand einer Population am wichtigsten. Bei Elefanten steigt der Fortpflanzungserfolg der Bullen mit dem Alter, und ausgerechnet diese alten Bullen mit den großen Stoßzähnen sind am begehrtesten. Rund 800 Afrikanische Savannenelefanten werden Schätzungen zufolge jedes Jahr von Trophäenjägern getötet, während die Bestände in nur acht Jahren um etwa ein Drittel eingebrochen sind.
Bei Löwen kommt ein Effekt dazu, der selten erwähnt wird. Der begehrte Mähnenlöwe ist in der Regel der Chef eines Rudels. Wird er erschossen, übernimmt ein jüngeres Männchen und tötet alle Jungtiere seines Vorgängers. Ein einziger Abschuss kostet also weit mehr als ein Leben. Dieser Infantizid ist auch bei Leoparden, Bären und Affen dokumentiert.
In Namibia, einem der beliebtesten Ziele deutscher Jäger, gibt die Regierung sogar einige der letzten ausgewachsenen Bullen der Wüstenelefanten und Wüstenlöwen zum Abschuss frei.
Wird der Rudelführer erschossen, tötet sein Nachfolger in der Regel dessen Jungtiere. Ein Abschuss kostet also mehr als ein Leben.
Das Armutsbekämpfungs-Argument, nachgerechnet
Bleibt das ökonomische Argument: Die Jagd bringe Geld in arme Regionen. Auch dazu gibt es Zahlen, und sie sind vernichtend.
Nach einer Studie der Weltnaturschutzunion IUCN erhielt die lokale Bevölkerung im Durchschnitt 0,3 US-Dollar pro Person und Jahr aus dem Jagdtourismus, sofern sie überhaupt beteiligt wurde. Zum Staatshaushalt trägt die Großwildjagd demnach 0,006 Prozent bei. In den acht wichtigsten afrikanischen Jagdländern schafft sie rund 15.000 Teilzeitstellen, bei einer Gesamtbevölkerung von 140 Millionen Menschen.
Dem steht der Fototourismus gegenüber. Kenia hat die Jagd verboten und verdient rund eine Milliarde US-Dollar jährlich mit Safaris. Wäre Trophäenjagd erlaubt, brächte sie geschätzte 30 Millionen. Im Okavango-Delta in Botswana schafft der Fototourismus 39-mal mehr Arbeitsplätze als die Großwildjagd.
Ein lebender Elefant ist also nicht nur ethisch, sondern schlicht rechnerisch mehr wert als ein toter.
Wir lesen solche Berichte im Original und rechnen die Zahlen nach, statt Pressemitteilungen abzuschreiben. Wenn dir das etwas wert ist, kannst du This Is Vegan hier unterstützen.
Der deutsche Widerspruch
Es lohnt sich, kurz auf die Rechtslage zu schauen, weil sie schwer erträglich ist.
In Deutschland ist Trophäenjagd verboten. Das Tierschutzgesetz untersagt in § 17 das Töten eines Wirbeltiers „ohne vernünftigen Grund”, und Statusgewinn ist keiner. Erlaubt ist dagegen, Trophäenjagdreisen ins Ausland zu bewerben und zu verkaufen, und erlaubt ist, die Trophäe anschließend einzuführen.
Was hier strafbar wäre, wird also im Ausland eingekauft und danach ganz legal an die Wand gehängt. Wie streng dieselbe Norm ausgelegt wird, wenn es um Tiere im Inland geht, hat zuletzt das Verwaltungsgericht Bremen gezeigt, das einer Halterin sämtliche Tiere dauerhaft entzog.
Nach EU-Recht dürfen Mitgliedstaaten die Einfuhr geschützter Arten ohnehin nur genehmigen, wenn die Jagd nachhaltig und legal ist. Bei streng geschützten Arten wie Leoparden, Geparden und Elefanten muss sie sogar nachweislich zum Schutz der Art beitragen. In der Praxis fehlen diese Nachweise, genehmigt wird trotzdem.
Der Zusammenhang mit Social Media
Ein Aspekt, der in der Debatte oft fehlt und für uns dazugehört.
Die Trophäe ist nicht das eigentliche Produkt. Das Produkt ist das Bild. Der Jäger, der hinter dem erlegten Tier posiert, die Aufnahme für den Bekanntenkreis, das Foto in der Katalogwand auf der Messe. Ohne dieses Bild wäre der ganze Statusgewinn wertlos, der die Preise überhaupt erst nach oben treibt.
Damit gehört die Trophäenjagd in dieselbe Ökonomie wie andere Formen von Tierleid, die für Aufmerksamkeit produziert werden. Wie dieser Markt funktioniert und was Plattformen dagegen tun oder eben nicht tun, haben wir beim SMACC Global Summit auf Bali aus erster Hand mitbekommen: Klicks mit Tierleid.
Bemerkenswert ist, dass Unternehmen hier teilweise schneller sind als die Politik. eBay, mehrere Fluggesellschaften und Luftfrachtunternehmen haben Verkauf beziehungsweise Transport von Trophäen bereits untersagt. Dass wirtschaftlicher Druck oft schneller wirkt als Gesetzgebung, hat sich gerade erst wieder gezeigt, als Brittany Ferries den Lebendtiertransport beendete.
Was du tun kannst
Die Petition unterschreiben. Pro Wildlife sammelt Unterschriften für ein Importverbot nach Deutschland, zu finden über die Hintergrundseite der Organisation.
Die Messe zum Thema machen. Die „Jagd & Hund” in Dortmund ist der zentrale Marktplatz. Dutzende Organisationen fordern die Stadt seit Jahren auf, Trophäenjagdangebote dort zu untersagen. Öffentlicher Druck auf Messeveranstalter und Kommunen wirkt.
Beim Reisen genau hinsehen. Fototourismus finanziert nachweislich mehr Arbeitsplätze und mehr Schutzgebiete als die Jagd. Wer eine Safari plant, sollte prüfen, ob der Anbieter auch Jagdreisen vermittelt.
Und den größeren Rahmen sehen. Trophäenjagd ist die sichtbarste Form eines Umgangs mit Tieren, der sie zu Objekten macht. Wer den eigenen Anteil daran nachrechnen will, findet im Impact-Rechner eine konkrete Zahl. Warum viele Menschen diesen Widerspruch spüren und trotzdem daran festhalten, haben wir hier aufgeschrieben: Ich liebe Tiere, esse aber Fleisch.
Fachleute zu Artenschutz und Tierethik hörst du regelmäßig in unserem Podcast.
Häufige Fragen zur Trophäenjagd
Was hat Frankreich genau beschlossen?
Die Ausweitung des bestehenden Einfuhrverbots für Jagdtrophäen. Bislang galt es nur für Löwen, künftig auch für Elefanten, Nashörner, Leoparden und weitere besonders bedrohte Arten. Die Bearbeitung von Einfuhranträgen ist bereits ausgesetzt, das Verbot soll im Herbst 2026 per Erlass gelten.
Ist Trophäenjagd in Deutschland erlaubt?
Nein. Das Tierschutzgesetz verbietet das Töten von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund. Erlaubt sind allerdings die Vermarktung von Trophäenjagdreisen ins Ausland und die Einfuhr der Trophäen.
Wie viele Trophäen importiert Deutschland?
Zwischen 2016 und 2025 waren es Trophäen von mindestens 6.422 Tieren international geschützter Arten, allein 2025 gab es 679 Einfuhrvorgänge. Deutschland ist damit der größte Importeur der EU.
Finanziert Trophäenjagd den Artenschutz?
Die Zahlen sprechen dagegen. Nach IUCN-Angaben erhält die lokale Bevölkerung im Schnitt 0,3 US-Dollar pro Person und Jahr, der Beitrag zum Staatshaushalt liegt bei 0,006 Prozent. Fototourismus erwirtschaftet ein Vielfaches.
Welche Länder haben bereits ein Importverbot?
Frankreich (Löwen seit 2015, Ausweitung 2026), die Niederlande seit 2016, Finnland seit 2023 und Belgien seit 2024. Das Europäische Parlament forderte 2022 ein EU-weites Verbot.
Warum sind gerade die stärksten Tiere ein Problem?
Weil Trophäenjäger gezielt die ältesten und kräftigsten Individuen töten. Bei Löwen führt der Abschuss des Rudelführers dazu, dass sein Nachfolger dessen Jungtiere tötet. Bei Elefanten trifft es die Bullen mit dem höchsten Fortpflanzungserfolg.
Quellen: Pro Wildlife, Pressemitteilung „Frankreich stoppt Trophäen-Importe bedrohter Arten” vom 3. August 2026, sowie die Hintergrundseite „Trophäenjagd auf bedrohte Arten”. Die dort genannten Zahlen stützen sich unter anderem auf Studien der Weltnaturschutzunion IUCN, auf Murray (2017) zum Vergleich von Foto- und Jagdtourismus sowie auf eine repräsentative Ipsos-Umfrage 2026. Die abgebildeten Fotos sind Symbolbilder.
FAQ - Das fragen andere
Was so ein Abschuss kostet?
Warum Trophäenjagd dem Artenschutz schadet?
Was du tun kannst?
Was hat Frankreich genau beschlossen?
Ist Trophäenjagd in Deutschland erlaubt?
Wie viele Trophäen importiert Deutschland?
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