DOBE.: Aljosha Muttardi gründet ein Modelabel mit Haltung
Aljosha Muttardi hat mit DOBE. ein eigenes Modelabel gegründet. Der Name steht für „Do Better“, und die ersten Teile tragen Sätze, die man in diesem Herbst nicht oft genug sehen kann: „Protect All Animals“, „FCK Fascism“, „The world is more beautiful because queer people are in it“. Dazu gibt es Socken mit Gendersternchen und ein Lesezeichen in Form seines Hundes Henry.
Viele kennen Aljosha aus „Queer Eye Germany“ auf Netflix oder vom YouTube-Kanal „Vegan ist ungesund“. Er ist Arzt, Aktivist und seit Mai 2026 auch Buchautor. Jetzt also Kleidung. Wir haben uns die Kollektion, die Motive und das Kleingedruckte zur Produktion genau angesehen. Read this article in English.
Was ist DOBE.?
DOBE. ist das Modelabel von Aljosha Muttardi. Der Shop verkauft vegane Statement-Shirts aus Bio-Baumwolle (47,90 bis 49,90 Euro), ein Cap, Socken mit dem Aufdruck „*innen“ und ein Lesezeichen in Hundeform. Die Shirts werden laut Shop auf Vorbestellung in Izmir in der Türkei genäht, die Lieferzeit liegt zum Start bei etwa 30 Tagen. Geliefert wird nach Deutschland, in die EU und in die Schweiz.

„Do Better“ statt perfekt
Angekündigt hat Aljosha den Shop im September auf Instagram, „Werbung in eigener Sache“ stand über der Story. Auf der Website erklärt die Marke, was der Name bedeuten soll: „Wir glauben nicht an Perfektion. Wir glauben daran, es besser zu machen.“
Der Satz, der am meisten hängen bleibt, steht ganz unten im Markentext: „Und ja: Wenn du anderen Menschen ihre Grundrechte absprechen möchtest, bist du hier falsch.“ Eine Modemarke, die sich ihre Kundschaft über Werte aussucht, ist ungewöhnlich. Genau das macht DOBE. aber interessant.

Auch im Nacken jedes Shirts steht ein Leitsatz: „Wir müssen nicht perfekt sein, wir müssen nur anfangen.“ Wer Aljosha länger folgt, erkennt darin seine Art, über Veganismus zu sprechen. Lieber einladen als belehren.
„Wir glauben nicht, dass ein Hoodie die Welt verändert. Aber er kann Gespräche anstoßen, Gemeinschaft schaffen und zeigen, wofür wir stehen.“ ●
Die Motive: was auf den Shirts steht und was es bedeutet
Zum Start gibt es vier Motive, jeweils in zwei Farben, dazu drei Accessoires. Alle Shirts sind oversized geschnitten und aus schwerer Bio-Baumwolle mit 240 g/m².
Protect All Animals
Drei Wörter, gesetzt in einer ruhigen Serifenschrift auf der Brust. Das Motiv kommt ohne Tierbild und ohne Ausrufezeichen aus, und gerade das macht es stark. Der Satz ist bewusst weit gefasst: alle Tiere, also auch die, die wir essen, melken oder zu Pullovern verarbeiten. Das Shirt gibt es in Off-White mit schwarzer und in Rosa mit weißer Schrift, jeweils für 47,90 Euro.


Team Oat Milk
Das verspielteste Teil der Kollektion. Große, runde Bubble-Buchstaben in Lavendel sitzen auf dem Rücken, vorne bleibt das Shirt schlicht. Hafermilch ist längst mehr als ein Getränk, sie ist so etwas wie das Erkennungszeichen einer Generation, die im Café ganz selbstverständlich „mit Hafer, bitte“ sagt. Das Motiv nimmt den Kulturkampf ums Frühstück mit Humor. Erhältlich in Off-White und Schwarz für 47,90 Euro.

Queer & Beautiful
„The world is more beautiful because queer people are in it“: Die Zeilen legen sich im Bogen um eine schimmernde Weltkugel in Regenbogenfarben. Auf den Produktfotos trägt Aljosha dieses Shirt selbst. Im Interview mit queer.de hat er erzählt, wie lange er gebraucht hat, das Wort „schwul“ für sich anzunehmen, weil er so viel verinnerlichte Queerfeindlichkeit mit sich herumgetragen habe. Das Motiv sagt das Gegenteil von Scham, und zwar sehr laut. Schwarz, 47,90 Euro.


FCK Fascism
Das politischste Motiv ist das leiseste in der Gestaltung. Auf dem Rücken steht in einer Handschrift, die aussieht wie eine schnell notierte Liste: „fck fascism, fck the patriarchy, fck racism, love dogs“, darunter ein kleines Herz. Die Schrift ist gestickt, deshalb kosten die beiden Varianten in Off-White und Rosa mit 49,90 Euro etwas mehr. Dass zwischen Faschismus und Rassismus die Liebe zu Hunden steht, ist typisch Aljosha: ernst in der Sache, warm im Ton.
Den Schriftzug „fck fascism“ gibt es außerdem klein gestickt auf einem rosa Cap aus Bio-Baumwolle für 42,90 Euro.


Socken *Innen
Unser Lieblingsteil. Weiße Tennissocken mit zwei schwarzen Streifen, und wo sonst ein Markenlogo sitzt, steht „*innen“. Das Gendersternchen ist in Deutschland zum Reizwort geworden, einige Bundesländer haben es in Schulen und Behörden untersagt. Dass Aljosha ausgerechnet daraus ein Paar Socken macht, ist ein kleines, sehr alltagstaugliches Statement: Wer mitgemeint sein will, trägt es jetzt auch am Knöchel. Die Socken bestehen zu 85 Prozent aus Bio-Baumwolle, dazu kommen Polyamid und Elastan, damit sie sitzen. Preis: 15,90 Euro, sie sind sofort lieferbar.


Lesezeichen Henry
Und dann ist da noch Henry. Das gestanzte Papier-Lesezeichen zeigt einen langgezogenen Hund, dessen Kopf oben aus dem Buch schaut. Henry ist Aljoshas Hund, und wer unser Interview mit ihm gelesen hat, weiß, wie viel er ihm bedeutet. Als er mit Samara Eckardt in einem Schweinezuchtbetrieb war, hielt er ein krankes Ferkel im Arm. „In diesem Ferkel, das ich dann auf dem Arm hatte, habe ich meinen Hund Henry gesehen“, erzählte er uns. Für 5,90 Euro ist das Lesezeichen das günstigste Teil im Shop und passt gut zu Aljoshas Buch „Gut wird's hier nicht mehr, aber besser“.

Warum solche Statements gerade jetzt wichtig sind
Man kann Statement-Shirts belächeln. Wir finden: In einer Gesellschaft, die sich spürbar weiter spaltet, sind sie gerade wichtiger geworden. Viele Menschen haben Angst, weil sie queer sind, weil sie eine Migrationsgeschichte haben, oder weil sie sich für Tiere und Klima einsetzen und dafür angefeindet werden. Für diese Menschen muss man einstehen, und manchmal fängt das damit an, sichtbar zu zeigen, auf welcher Seite man steht.
Die Zahlen geben diesem Gefühl recht. Laut den Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität, die Bundesinnenministerium und Bundeskriminalamt im Juni 2026 vorgestellt haben, registrierte die Polizei 2025 bundesweit 2.377 queerfeindliche Straftaten, rund 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Bereich „sexuelle Orientierung“ stieg die Zahl um 17 Prozent. Das BKA geht außerdem von einer großen Dunkelziffer aus: Nach einer EU-Befragung, die das Amt in seinem Lagebild zur Sicherheit von LSBTIQ* zitiert, werden 87 Prozent der körperlichen oder sexuellen Übergriffe auf queere Menschen gar nicht erst angezeigt, bei Hassrede sind es sogar 96 Prozent.
Aljosha selbst hat im Mai im Gespräch mit queer.de gesagt, was man als Motto über die ganze Kollektion schreiben könnte:
„Ich glaube fest daran, dass es besser werden kann, aber nicht von allein. Demokratie und Fortschritt sind hart erkämpft und können schnell verloren gehen.“ ●
Ein Shirt ersetzt kein Engagement. Es kann aber jemandem in der U-Bahn signalisieren: Hier sitzt jemand, bei dem du sicher bist. Und es macht klar, dass Tierrechte, Antirassismus und queere Rechte zusammengehören. Genau diese Verbindung zieht Aljosha seit Jahren, und DOBE. macht sie tragbar.

Wie vegan und fair ist DOBE.? Ein ehrlicher Blick
Laut Shop sind alle Produkte zu 100 Prozent vegan, also ohne tierische Materialien und ohne tierische Stoffe in der Veredelung. Die Shirts bestehen aus Bio-Baumwolle, die nach GOTS zertifiziert sein soll. Der Stoff kommt aus Griechenland, genäht wird bei Hoodie Hoo in Izmir. Die Näherei wird von einer Frau geführt, Geschäftsführerin ist Hale Özyaka. Nach eigenen Angaben arbeiten dort mehr als 90 Menschen auf über 4.000 Quadratmetern, die Produktion wird jährlich extern auditiert.
Dazu gehört auch, was wir nicht überprüfen konnten. Eine GOTS-Lizenznummer oder den Namen der Prüfstelle nennt der Shop nicht, und auf der Seite der Produktionsstätte selbst sind keine Zertifikate aufgeführt. Wir haben die Angaben deshalb als Angaben des Shops wiedergegeben. Betrieben wird der Shop von der Hoodie Hoo Agency GmbH aus Essen im Auftrag von Aljoshas Management, so steht es im Impressum. Das ist bei Creator-Marken ein übliches Modell.
Für das Konzept spricht, dass die Shirts erst nach der Bestellung produziert werden. Das verhindert Überproduktion, die in der Modebranche ein riesiges Problem ist. Außerdem bittet der Shop ausdrücklich darum, nicht mehrere Größen zu bestellen, nur um sie zurückzuschicken. Wer schon mal gesehen hat, wie viele Retouren im Müll landen, weiß, dass dieser Hinweis kein Detail ist.
Protect All Animals: warum vegane Kleidung mehr ist als Baumwolle
Ein Shirt aus Baumwolle ist fast automatisch vegan. Bei Kleidung insgesamt ist das anders. Für Wolle werden Schafe gezüchtet und geschoren, bei Merinowolle aus Australien ist das schmerzhafte Mulesing bis heute nicht verboten. In Daunenjacken stecken die Federn von Gänsen und Enten, und Leder ist die Haut getöteter Tiere. Welche Materialien tierisch sind und woran man das erkennt, haben wir in unserem Ratgeber Warum Wolle nicht vegan ist zusammengefasst.
Deshalb ist ein Satz wie „Protect All Animals“ auf einem Shirt mehr als eine Parole. Er erinnert daran, dass Mode eine Branche ist, in der jedes Jahr sehr viele Tiere für Material sterben. Dass auch große Ketten umdenken können, zeigt etwa C&A, das angekündigt hat, ab Juli 2025 auf Leder und neu gerupfte Daunen zu verzichten. Kleine Labels wie DOBE. zeigen, dass es von Anfang an ohne geht.
Aljosha Muttardi im Plantbased Podcast
Im Mai 2026 war Aljosha zum zweiten Mal bei uns im Plantbased Podcast. Er spricht darüber, wie „Vegan ist ungesund“ wirklich zu Ende ging, über seine ADHS-Diagnose, über das Gefühl, nie gut genug zu sein, und über sein Buch „Gut wird's hier nicht mehr, aber besser“. Die ganze Folge kannst du hier ansehen:
Unser erstes Gespräch aus dem Jahr 2024 gibt es auch als Lesefassung: „Wir leben in einem kaputten System“: Aljosha Muttardi im Interview. Darin geht es um seinen Weg zum Veganismus, um Aktivismus-Burnout und um den Besuch im Schweinezuchtbetrieb. Sein Buch haben wir außerdem in unsere Liste der besten Bücher über Tierethik und Veganismus aufgenommen.
So ist dieser Artikel entstanden ●
Alle Angaben zu Produkten, Preisen, Materialien und Produktion stammen aus dem Shop dobe-shop.com und dessen Impressum, Stand 11. September 2026. Die Produktfotos stammen von DOBE. und wurden von DAKIEKSTE fotografiert, die Screenshots zeigen Aljoshas öffentliche Instagram-Stories. Die Zahlen zu queerfeindlichen Straftaten stammen aus der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität 2025 (BMI/BKA) und dem BKA-Lagebild. Aljosha Muttardi war 2024 und 2026 Gast in unserem Plantbased Podcast. Dieser Artikel enthält keine Affiliate-Links, wir verdienen an Käufen im DOBE.-Shop nichts.
FAQ - Das fragen andere
Warum solche Statements gerade jetzt wichtig sind?
Wie vegan und fair ist DOBE.? Ein ehrlicher Blick?
Schon den Plantbased-Podcast gehört?
Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.
Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.
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