Aglaja Brix im Interview: Vivi aus den Pfefferkörnern kämpft heute für die Tiere

Vier Staffeln lang jagte sie als Vivien „Vivi“ Overbeck“ Verbrecher durch die Hamburger Speicherstadt. Aglaja Brix gehörte zur allerersten Generation der Pfefferkörner und blieb länger dabei als jedes andere Kind aus dem Original-Cast. Heute lebt sie in Berlin und kämpft an einer anderen Front: für die Tiere.
Sie ist vegane Tierrechtsaktivistin, arbeitet als Fotografin und steht als DJ in Berliner Clubs am Pult. Für den Plantbased Podcast hat Yannick mit ihr gesprochen, remote zwischen Bali und Berlin, über zwei Stunden lang. Es ging um einen geplatzten McDonald’s-Werbespot mit fünf, einen Babybären am Pfefferkörner-Set, ihren Ruf als „Set-Diva”, ein Covershooting mit Nina Chuba und die Frage, warum das Wort Speziesismus auf jedes Plakat gehört.
Hier kommt das Gespräch in der Lesefassung.
Wer ist Aglaja Brix? ●
- Jahrgang 1990, geboren in Hamburg, lebt heute in Berlin
- Spielte Vivi in der ersten Generation der Pfefferkörner, vier Staffeln lang
- Seit Geburt vegetarisch aufgewachsen, heute vegan und Tierrechtsaktivistin
- Fotografin, fotografierte unter anderem Nina Chuba für ein Glamour-Cover
- DJ mit Faible für Techno, erster Gig im Berliner About Blank
- Instagram: @aglaja_brix
Die ganze Folge mit Aglaja Brix anschauen
Das komplette Gespräch gibt es als Video auf YouTube. Ein Klick auf das Vorschaubild startet den Player, vorher lädt hier nichts von YouTube.
Vom Kindermodel zum Pfefferkorn
Du standest schon mit vier vor der Kamera. Wie kam es dazu?
Aglaja: Das wurde mir in die Wiege gelegt, vor allem durch meine Mutter. Ich bin mit ihr zu zweit aufgewachsen, wir sind bis heute ein starkes Team. Sie war immer schon ein kreativer Mensch, hat Modedesign studiert, viel genäht, sich für Kunst interessiert. Und sie ist schon sehr früh vegetarisch geworden, lange bevor das irgendwer cool fand.
Im Krankenhaus, in dem ich geboren wurde, hat sie eine Frau kennengelernt, deren Tochter einen Tag später zur Welt kam. Die beiden haben sich super verstanden, und diese Frau war Model, weltweit gebucht. Als ich drei, vier war, meinte sie irgendwann zu meiner Mama: „Deine Kleine ist so süß, hat so tolles Haar, vielleicht hat sie ja Lust auf Kindermodeling?” Meine Mama hat mich gefragt, und als Kind bist du natürlich so: „Ja Mama, ich probier alles aus!” Dann kamen die erste Kids-Agentur, kleine Werbespots, Fotojobs. Mit sieben, acht hatte ich meine erste Fernsehrolle. Und danach ging es los mit den Castings für die Pfefferkörner.
Ständig performen als Kind, das klingt auch nach Stress. Wie blickst du zurück?
Aglaja: Ich kann mit allem Ernst sagen: Ich habe fast nur gute Erinnerungen. Aber ein Punkt ist mir wichtig, den sage ich in jedem Interview: Es braucht einen guten Background. Meine Mutter war immer am Set dabei, hat mich ernst genommen, hat mich vor Dingen geschützt. Wenn es eine Situation gab, in der ich mich nicht wohlgefühlt habe, hat sie gefragt: „Willst du das?” Und wenn ich Nein gesagt habe, sind wir gegangen. Das gab es genau zweimal.
Eine dieser beiden Situationen hatte mit McDonald's zu tun. Erzähl.
Aglaja: Da war ich fünf, höchstens sechs. Ich war für einen McDonald’s-Werbespot gecastet und hatte vorher klar gesagt: Ich mache das, aber ich beiße nur in einen Veggie-Burger. Ich war ja von Geburt an vegetarisch. Die Produktion meinte: gar kein Problem, du kriegst deinen Veggie-Patty. Dann saß ich in der Maske, meine Mama neben mir, und jemand von der Produktion kam rein: „Tut mir leid, wir haben den Veggie-Patty doch nicht organisieren können. Aber du musst ja nur kurz reinbeißen und kannst es gleich wieder ausspucken.”
„Meine Mama guckte mich an: Willst du es machen? Ich so: Nö. Zack, weg waren wir.“ ●
Aglaja: Klar war das Geld dann weg. Aber es war meine Entscheidung, und meine Mutter hat sie mitgetragen. Aus heutiger Sicht würde ich sowieso nie wieder mit meinem Gesicht Werbung für McDonald’s machen.
Pfefferkörner: Set-Diva, eine nachgebaute Kanalisation und ein Babybär
Vier Staffeln Vivi, erste Generation. Welcher Moment vom Dreh ist dir bis heute am liebsten?
Aglaja: Es gab die Folge „Bombenstimmung”, da verliert Vivi ihren Hund Cola und hört ihn irgendwann aus einem Gulli bellen. Für die Szenen in der Kanalisation sind vorher tatsächlich Leute aus dem Filmteam in echte Schächte gestiegen, in kompletten Schutzanzügen. Da schickst du natürlich kein kleines Mädchen in Sommerklamotten rein. Also haben sie bei uns im Speicher ganz unten im Keller eine komplette Kanalisation nachgebaut, eine der ganz wenigen gebauten Kulissen überhaupt, sonst haben wir immer an echten Orten gedreht.
In dieser Folge gab es eine Szene, in der Vivi völlig verzweifelt ist, sich hinsetzt und anfängt zu weinen. Der Regisseur hat mich einfach spielen lassen, hat lange nicht Cut geschrien. Das ganze Team stand dabei, und einige hatten danach Tränchen in den Augen. Das war einer meiner schönsten Drehtage überhaupt.
Und die dunkelste Erinnerung?
Aglaja: In der zweiten oder dritten Staffel wurde mit einem echten Babybären gedreht. Das fand ich schon als Kind schrecklich. Wildtiere gehören weder in menschliche Hand noch an ein Set. Die Produktion wusste, dass ich das furchtbar finde, und hat mich bewusst aus einigen Szenen rausgehalten, damit ich das nicht miterleben muss. Das sind für mich wirklich düstere Erinnerungen an die Zeit, eigentlich die einzigen.
Du hattest am Set den Ruf als „Set-Diva”. Zu Recht?
Aglaja: Ich habe halt Dinge angesprochen. Alle wussten: Ich bin vegetarisch, ich will kein Leder tragen, ich will nichts, das an Tieren getestet wurde. In der Maske hatte ich von Anfang an mein eigenes Fach, nur für Aglaja, mit Body-Shop-Produkten, weil es damals kaum tierversuchsfreie Alternativen gab. Ich konnte mich schon immer artikulieren, auch wenn es um Sachen ging, bei denen ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe. Durch diese „Extrawurst” haben mich Erwachsene am Set schnell als Set-Diva abgestempelt. Im Nachhinein sehe ich das positiv: Die Diven dieser Welt waren die größten, einflussreichsten Frauen. Fuck off, dann bin ich halt gerne eine Diva.
Wie viel Sinn Tierversuche überhaupt ergeben, haben uns übrigens Fachleute im Detail erklärt: Tierversuche: Experten beantworten die wichtigsten Fragen.
Pfefferkörner-Reunion: Als Aglaja Nina Chuba fotografierte
Hast du noch Kontakt zu anderen Pfefferkörnern?
Aglaja: Zu Leuten aus meinen Staffeln, meiner Crew, hatte ich teilweise lange Kontakt, heute eher sporadisch. Die Wege trennen sich irgendwann, wie nach der Schulzeit. Aber es gibt eine wirklich witzige Geschichte: Wir bekamen als Fotografen mal eine Anfrage vom Glamour-Magazin für ein Covershooting mit einem Upcoming Star namens Nina Chuba. Wir haben sie gegoogelt, ihren Hit gecheckt, und dann kam raus: Sie war auch bei den Pfefferkörnern, nur eine spätere Generation. Am Shooting-Tag standen wir uns dann gegenüber, ohne uns je begegnet zu sein, und waren beide sofort so: „Pfefferkörner!” Sie vor der Kamera, ich dahinter. Die Creative Bubble ist klein, am Ende trifft man sich immer wieder.
Warum vegan? „Ein Elefant plus ein Elefant? Freunde!”
Du hast seit deiner Geburt kein Fleisch gegessen. Gab es trotzdem einen Schlüsselmoment?
Aglaja: Meine Mutter war schon lange vegetarisch, als ich geboren wurde. Für mich war das normal. Sie hat mir früh und kindgerecht erklärt, was Fleisch und Wurst eigentlich sind. Es gibt eine Anekdote, die ich liebe: Ich hatte als Kleinkind einen Untersetzer mit Tierchen und Rechenaufgaben drauf. Meine Mom wollte mit mir rechnen üben und fragte: „Guck mal, ein Elefant plus noch ein Elefant, was ist das?” Ich gucke sie an und sage: „Freunde.”
„Tiere waren für mich einfach Freunde. Sie haben das gleiche Recht, den gleichen Wert. Ich kenne das nicht anders.“ ●
Aglaja: Bei Milch und Eiern hat es länger gedauert, weil das in den 90ern abgetan wurde: Dafür stirbt ja kein Tier. Bis man die Connection macht: Das ist genau dieselbe Industrie. Als mir das Kükenschreddern bewusst wurde, habe ich kein Ei mehr gegessen. Dann kam Leder, dann Wolle, eins nach dem anderen. Jedes Mal, wenn dieser Aha-Effekt da war, habe ich es direkt aus meinem Leben verbannt.
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Jetzt kostenlos anmeldenViele Flexitarier hören hier zu. Erklär mal: Was ist das Problem mit Milch?
Aglaja: Milchindustrie, Eierindustrie, Fleischindustrie, Lederindustrie: Das ist alles dieselbe Industrie. Und ich würde so weit gehen zu sagen, dass die Milchindustrie das Krankeste ist, was die Menschheit hervorgebracht hat. Einer anderen Spezies die Muttermilch zu klauen, die Babys dafür zu töten oder in Gefangenschaft zu weiteren Milchmüttern zu machen: Das ist absurd. Kein Mensch braucht das, wir sind alle nach zwei, drei Jahren abgestillt.
Eine Kuh kann 25 bis 30 Jahre alt werden. In einem Mastbetrieb sind es höchstens fünf, sechs Jahre, dann wird sie aussortiert. Ich habe auf vielen Lebenshöfen Kühe gesehen, die wirklich Mütter sein dürfen, an denen ihre Kinder säugen. Da ist nichts riesig, nichts kurz vorm Platzen. Diese hochgezüchteten Euter werden täglich von Maschinen malträtiert. Es ist leider eine Mordindustrie.
Du hast mal in einem Reel erklärt, dass nicht mal Gemüse automatisch vegan ist.
Aglaja: Das ist vielen nicht bewusst, weil es nie deklariert wird. Als Düngemittel werden oft Kot aus den Tierindustrien und Schlachtabfälle eingesetzt: Blutmehl, Horn, Federn. Das landet indirekt in unserem veganen Essen. Es gibt ein Siegel für bio-veganen Anbau, aber noch viel zu wenige Höfe nutzen es. Gerade im Bio-Bereich wird viel Tierausbeutung betrieben, weil Höfe sagen: Wir verzichten auf chemische Dünger, also nehmen wir tierische. Ich habe Freunde in Brandenburg, die bio-vegan anbauen, von denen habe ich meine Gemüsekiste.
Aktivismus auf Instagram: „Tiere haben nur unsere Stimme”
Warst du mal beim Straßenaktivismus dabei?
Aglaja: Ich habe es ein paar Mal mitgemacht, aber es war nicht meins. Was du da an Frust und Hass abbekommst! Wir standen mit Aufklärungsmaterial über Pelz da, und Leute rennen schreiend vorbei: „Aber ihr tragt doch Lederschuhe!” Ohne zu wissen, dass wir gar kein Leder tragen. Die wollen einfach irgendwas Falsches an dir sehen, kein Gespräch. Großen Respekt an alle, die da ruhig bleiben. Ich kriege bei sowas einen Herzkasper. Deshalb mache ich es anders: positiv, über meinen Kanal.
Inzwischen machst du regelrechten Video-Aktivismus auf Instagram. Wie kam das?
Aglaja: Ich hatte eine Zeit lang mit einem kleinen Team ein veganes Lifestyle-Magazin, bewusst fernab von Schlachthausbildern: Fashion, Travel, Interviews. Die Idee war, dass Leute es in die Hand nehmen, es geil finden und erst dann checken: Moment, das ist ja alles vegan. Das Magazin hat sich Anfang 2022 aufgelöst, und ich habe auf Instagram weitergemacht. Ein Freund, der jetzt mein Social-Media-Manager ist, hat mich positiv gepeitscht: „Fangen wir jetzt mit den Videos an. Die Leute wollen Nahbarkeit.” Und er hatte recht.
Das Schöne ist: Meine Community kannte das alles schon von mir. Ich habe sogar Nachrichten von Leuten bekommen, die durch mich schon zu Pfefferkörner-Zeiten vegetarisch und später vegan geworden sind, weil ich damals auf Autogrammkarten über Tierschutz und Tierversuche geschrieben habe. In all den Jahren gab es vielleicht einen einzigen negativen Kommentar.
„Solange diese Industrie existiert, kann es gar nicht genug Accounts geben, die das sichtbar machen. Tiere haben keine eigene Stimme. Sie haben nur unsere.“ ●
Was rätst du Leuten, die selbst mit Online-Aktivismus anfangen wollen?
Aglaja: Einfach mal anfangen. Ich habe selbst zwei, drei Monate gebraucht, um mich einzufühlen. Nicht das perfekte Setting suchen, das aufwendige Setup fliegt eh raus. Schreibtisch, Kamera, fertig. Direkt in die Kamera reden, mit den Leuten interagieren, das generiert gerade die Reichweite. Und ganz wichtig: eine eigene Handschrift. Klar kannst du ChatGPT nach Formulierungen fragen, aber die ersten Gedanken müssen von dir kommen.
Wie groß das Thema Tierleid auf Social Media wirklich ist, haben wir uns hier genauer angesehen: Warum Tierquälerei auf Social Media boomt.
Fotografie und KI: „Warum kann KI nicht die Wäsche waschen?”
Du bist Fotografin. Wie hart trifft KI eure Branche gerade?
Aglaja: Ich will da nichts schönreden. Nach Corona und der Wirtschaftskrise hat die Fotografiebranche mit KI noch mal richtig gelitten. Models werden einmal bezahlt, und dann wird ihr Gesicht über Jahre KI-generiert weiterverwendet. Unsere Fotoagentur, eigentlich ein gutes Management, hat viele Leute entlassen, uns auch. Mit den Worten: KI ersetzt einfach so viel. Nur Fotografie würde ich heute niemandem mehr empfehlen. Wenn, dann gekoppelt mit Video, mit Bewegtbild. Du bist mittlerweile Image-Maker, nicht mehr nur Fotograf.
Was ich dabei so krass finde: KI ersetzt ausgerechnet unsere künstlerischen Tätigkeiten. Warum kann KI mir nicht die Wäsche waschen und den Flur putzen? Da hätte ich sie lieber. Go for it, KI.
Techno statt Tatort: erster Gig im About Blank, Traum von der Fusion
Schauspiel, Fotografie, Aktivismus, und dann legst du auch noch auf. Wie kam die Musik dazu?
Aglaja: Musik hat mich mein Leben lang begleitet. Als Teenager erst Hip-Hop, dann Rock, und mit ungefähr 16 stand ich bei einem Berlin-Trip das erste Mal auf einem Industrial-Floor. Ganz typische Geschichte: Wo findet man die Liebe zur Technomusik? Natürlich in Berlin. Meine Stärke war schon immer die Track Selection. Ich habe seit Jahren Playlists gepflegt, jeden krassen Track sofort gespeichert. Ein Kumpel aus der veganen Szene, selbst Producer, hat mir dann die ersten Gigs auf seinen Partys verschafft. Mein allererster Gig überhaupt war direkt in einem richtigen Berliner Club: im About Blank.
Wie nervös warst du?
Aglaja: Es gibt wenige Situationen in meinem Leben, in denen ich so aufgeregt war. Herzrasen, trockener Mund. Aber sobald der erste Track läuft, bist du drin, und dann bockt es so heftig. Für mich sind Sets wie eine Reise: Ich schaue, dass es eine Kurve kriegt, dass Leute Tracks hören, die sie nicht erwarten. Genau dafür bekomme ich bis heute das beste Feedback.
Was steht auf deiner DJ-Bucketlist ganz oben?
Aglaja: Ganz klar: Fusion Festival. Ich war seit 2012 fast jedes Jahr dort, es ist für mich one of a kind. Kein Handy-Gefilme auf den Dancefloors, keine Werbung, dicke Food-Meilen mit geilem veganen Essen, wie ein riesiger Zauberwald. Wenn ich mir einen Wunsch aussuchen darf: Tanzwüste, langsam bei Dämmerung. Mit einer kleinen Bühne gebe ich mich aber auch zufrieden.
Veganes Dinner mit Pythagoras, Philip Wollen und Gorilla-Dame Koko
Gedankenspiel: Du darfst drei bekannte Persönlichkeiten zum veganen Dinner einladen. Wen und warum?
Aglaja: Einmal Pythagoras, der griechische Philosoph. Er gilt geschichtlich als der erste Vegetarier, das erste Wort für Vegetarier war „pythagoreisch”. Von ihm gibt es ein Motto, das habe ich mir aufgeschrieben: „Solange der Mensch Tiere schlachtet, werden Menschen einander töten. Wer Mord und Schmerz sieht, kann nicht erwarten, Liebe und Freude zu ernten.”
Dann Philip Wollen, ein australischer Tieraktivist. Er war früher Banker in sehr hoher Position, ist eines Tages mit einem Kunden in dessen Schlachtanlage gegangen, und was er dort erlebt hat, hat ihn direkt vegan und aktivistisch gemacht. Sein Geld nutzt er bis heute, um Aktivismus zu unterstützen. Seine Rede „Animals Should Be Off the Menu” dauert nur etwa zehn Minuten, aber ich kriege Gänsehaut, wenn ich nur darüber rede. Die sollte wirklich jeder gesehen haben.
Und als Dritte: Koko, die Gorilla-Dame, die mit Menschen über Gebärdensprache kommuniziert hat. Ich würde sie fragen, was sie vom Menschen hält und von der ganzen Mensch-Tier-Beziehung. Wobei: Wer sagt uns eigentlich, dass unsere Art von Sprache die klügere ist? Tiere kommunizieren über Körpersprache und Gesichtsausdrücke. Trotzdem, einmal eine Antwort aus einem nichtmenschlichen Kopf hören, das wäre was.
Und was tischst du den dreien auf?
Aglaja: Mein Lieblingsgemüse ist Süßkartoffel, die geht einfach immer. Also Stuffed Sweet Potato, ein bisschen mexikanisch mit Bohnen und Mais, gerne Räuchertofu-Geschnetzeltes obendrauf. Damit kriegst du wirklich jeden. Und danach ein Dessert, ich bin absoluter Sweet Tooth: Mousse au Chocolat oder eine richtig gute Schokolade. Die Matcha-Schoki von Nucao ist gerade zu Recht gehypt.
„Meine allerbesten Freunde können nicht nicht-vegan sein”
Wie gehst du mit Freunden um, die nicht vegan sind und es wohl auch nicht werden?
Aglaja: Das ist für mich ein innerer Kampf, ehrlich. Meine allerbesten Freunde können nicht nicht-vegan sein. Es ist ja keine Diät und kein Trend, sondern eine komplette ethische Haltung, die alle Lebensbereiche betrifft: was wir tragen, worin wir schlafen, womit wir putzen, wofür wir zahlen. Ich habe Freunde, die ich wirklich gern habe und die nicht vegan sind, aber da ist immer so ein Druck im Herzen.
Eine Sache ziehe ich konsequent durch: Ich setze mich nicht an einen Tisch, an dem totes Tier gegessen wird. Das sage ich vorher, auch bei Familientreffen, und es wird akzeptiert. Dann wird eben alles vegan gemacht. Morgen heiraten Freunde von mir, die selbst nicht vegan leben, und das komplette Hochzeits-Catering ist vegan. Den Gästen, die es nicht betrifft, sagen sie es nicht mal. Ich unterstütze übrigens auch am liebsten komplett vegane Läden, wenn ich essen gehe.
Falls du es ihr gleichtun willst: Die 15 besten veganen Restaurants in Berlin haben wir hier gesammelt.
Noch ein Gedankenspiel: Du darfst 2026 eine Pfefferkörner-Folge schreiben. Welches Verbrechen deckt die Bande auf?
Aglaja: Die Frage beantwortet sich fast von selbst: Die Pfefferkörner leisten Aufdeckungsarbeit in Schlachthäusern und Mastanlagen und lösen ihren großen Fall selbst, weil das Veterinäramt leider nicht viel für die Tiere tut.
Dass genau solche Aufnahmen real vor Gericht landen, zeigt der Fall, über den wir hier berichtet haben: Schlachthofprozess: Diese Aufnahmen sollten verschwinden.
Was willst du den Menschen da draußen zum Schluss mitgeben?
Aglaja: Ich lebe schon mein Leben lang mit einem gewissen Weltschmerz, und das Ohnmachtsgefühl wird bei den heutigen News nicht kleiner. Trotzdem: Bei sich selber anfangen ist schon eine Form von Aktivismus. Jeder kann so viel bewegen. Nicht verzagen.
Und ich möchte allen ein Wort mitgeben: Speziesismus. Das haben viele nicht auf dem Schirm, dabei ist es die am weitesten verbreitete und am meisten akzeptierte Diskriminierungsform der Welt. Es gibt Leute, die sitzen am Tisch und sind gegen Rassismus, gegen Homophobie, für Feminismus, und am Ende steht da trotzdem eine Milchpackung. In Clubs hängen Plakate: no racism, no sexism, no homophobia. Aber Speciesism steht nie drauf.
„Speziesismus ist die am meisten akzeptierte Diskriminierungsform der Welt. Das Wort muss viel populärer werden.“ ●
Aglaja: Mein Wunsch für die Zukunft? Eine vegane Welt, ein pflanzliches Ernährungssystem weltweit. Dass es das Wort „Nutztiere” nicht mehr gibt und Tiere den gleichen Wert zugeschrieben bekommen. Der Planet profitiert davon sowieso. Wir Menschen, die Tiere, die Natur: Wir sind am Ende eins.
Warum übrigens ausgerechnet Fleisch bei vielen Männern so fest im Selbstbild sitzt, erklärt diese Untersuchung erstaunlich gut: Männlichkeit auf dem Teller.
Mehr aus dem Plantbased Podcast ●
So ist dieses Interview entstanden ●
Yannick hat mit Aglaja Brix im Mai 2026 für den Plantbased Podcast gesprochen, remote zwischen Bali und Berlin, gut zwei Stunden lang. Für die Lesefassung haben wir das Gespräch gekürzt und sprachlich geglättet, ohne Aussagen zu verändern. Die komplette Folge findest du oben im Player und auf YouTube. Alle Fotos stammen von Aglaja Brix und aus ihrem privaten Archiv.
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Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.
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