Aktivisten filmten die Gaskammer, jetzt ist die Anlage abgerissen

Der Schlachthof von Pilgrim’s im nordenglischen Ashton-under-Lyne ist abgerissen. Rund 70 Jahre lang wurde dort geschlachtet, zuletzt etwa 750.000 Schweine im Jahr, das waren ungefähr sieben Prozent aller britischen Schweineschlachtungen. Die letzte Schicht lief im Juli 2023, inzwischen steht auf dem Gelände nichts mehr.
In der EU wird der Großteil der Schweine mit CO2 betäubt. Symbolbild. Foto: Mark Stebnicki (Pexels)
Bekannt wurde die Anlage durch etwa zwei Minuten Videomaterial.
Was auf den Aufnahmen zu sehen war
Im Februar 2021 filmten der australische Tierrechtsaktivist Joey Carbstrong und sein Team heimlich in der CO2-Betäubungsanlage. Es waren die ersten Aufnahmen aus einer arbeitenden britischen Gaskammer für Schweine überhaupt. Der Guardian veröffentlichte sie im Mai 2023 in einer exklusiven Recherche.
Zu sehen sind Tiere, die in der Gondel in Panik geraten, schreien und sich gegen die Wände werfen. Pilgrim’s bestritt, dass das Material die eigene Anlage zeige. Die Schließung wenige Wochen später begründete das Unternehmen mit ungünstigen Marktbedingungen und fehlenden Modernisierungsmöglichkeiten.
Ob die Aufnahmen die Ursache waren oder nur der letzte Anstoß, lässt sich von außen nicht beweisen. Was sich sagen lässt: Zwischen Veröffentlichung und letzter Schlachtung lagen gut zwei Monate.
Warum CO2 überhaupt eingesetzt wird
Die Betäubung mit Kohlendioxid gilt in der Industrie als effizient, weil sie in großen Gruppen funktioniert und ohne Fixierung der einzelnen Tiere auskommt. Die Schweine werden in Gondeln in einen Schacht gefahren, in dem eine hohe CO2-Konzentration steht.
Das Problem ist unstrittig und seit Langem beschrieben: Kohlendioxid bildet auf den Schleimhäuten Kohlensäure. Die Tiere erleben in den Sekunden bis zur Bewusstlosigkeit Atemnot und Schmerz. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat das mehrfach festgestellt.
Trotzdem wird der Großteil der Schweine in der EU so betäubt, weil es kein Verfahren gibt, das bei diesen Durchsatzmengen ähnlich zuverlässig und ähnlich billig ist.
Wo Deutschland in derselben Frage steht
Wir haben das hier ausführlich verfolgt, weil in Oldenburg genau diese Praxis vor Gericht stand. Was das Verfahren offengelegt hat und wie das Urteil ausfiel, steht in unseren beiden Texten dazu: Was der Schlachthofprozess über die CO2-Betäubung offenlegt und was das Urteil aus Oldenburg wirklich bedeutet.
Der Vergleich der beiden Länder ist unbequem. In Großbritannien hat verdecktes Bildmaterial eine Anlage aus dem Markt gedrängt, ohne dass ein Gericht etwas feststellen musste. In Deutschland hat ein Gericht etwas festgestellt, und die Praxis läuft weiter.
Beides sagt dasselbe über den Hebel: Es ist nicht das Tierschutzrecht, das diese Anlagen schließt. Es ist die Sichtbarkeit und die Wirtschaftlichkeit.
Was daraus folgt
Der Abriss in Ashton-under-Lyne ist kein Sieg, den man feiern kann. Die 750.000 Schweine im Jahr sind nicht verschwunden, sie werden woanders geschlachtet, vermutlich in moderneren Anlagen mit demselben Verfahren.
Was er zeigt, ist trotzdem etwas wert: Anlagen dieser Art halten öffentliche Aufmerksamkeit schlecht aus. Sie sind darauf gebaut, dass niemand hinsieht. Deshalb ist die Arbeit von Leuten, die dort hineingehen, so schwer zu ersetzen, und deshalb ist es kein Zufall, dass die Branche in mehreren Ländern versucht, genau das unter Strafe zu stellen.
Wie viele Tiere dabei jedes Jahr durch deutsche Schlachthöfe gehen, haben wir hier zusammengetragen: Wie viele Tiere werden geschlachtet. Und warum bei Tierschutzverstößen so selten überhaupt etwas passiert, steht in unserer Auswertung zum Freispruch von Innsbruck.
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Was auf den Aufnahmen zu sehen war?
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Wo Deutschland in derselben Frage steht?
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