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Gruppe weißer und brauner Gänse steht auf einem Hof im Freien
Für Stopfleber werden Gänsen und Enten über Wochen Futterrohre in den Hals geführt. Symbolbild. Foto: lizhnni (Pexels)
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Brasilien hat im August 2026 als erstes Land Lateinamerikas Produktion, Import und Verkauf von Stopfleber verboten. Der Kongress stimmte einstimmig zu. Damit ist Brasilien nach Indien erst das zweite Land der Welt, das über die Herstellung hinausgeht und auch das fertige Produkt an der Grenze stoppt.

Gruppe weißer und brauner Gänse steht auf einem Hof im Freien

Für Stopfleber werden Gänsen und Enten über Wochen Futterrohre in den Hals geführt. Symbolbild. Foto: lizhnni (Pexels)

Das klingt nach einer Randnotiz aus Südamerika. Für Deutschland ist es unangenehmer, als es aussieht.

Was Stopfleber ist

Foie gras entsteht durch Zwangsfütterung. Enten und Gänsen wird über zwei bis drei Wochen mehrmals täglich ein Rohr in die Speiseröhre geschoben und Maisbrei eingefüllt, bis die Leber auf das Sechs- bis Zehnfache ihrer normalen Größe anschwillt. Was auf dem Teller als Delikatesse verkauft wird, ist medizinisch eine Fettleber im Endstadium.

Deshalb ist die Herstellung in Deutschland verboten, und zwar deutlich. § 3 Nummer 9 des Tierschutzgesetzes untersagt es, einem Tier durch Zwang Futter einzuverleiben. Wer es trotzdem tut, riskiert zusätzlich eine Strafbarkeit nach § 17, weil längere oder wiederholte erhebliche Leiden zugefügt werden.

Und dann kommt das Aber

Das Verbot gilt für die Handlung, nicht für die Ware. Import und Verkauf sind in Deutschland erlaubt. Stopfleber liegt in Feinkostabteilungen, steht auf Restaurantkarten und wird zu Weihnachten beworben, obwohl niemand sie hier legal herstellen dürfte.

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In der EU sieht es ähnlich aus. 22 der 27 Mitgliedstaaten haben die Produktion untersagt. Frankreich, Ungarn und Bulgarien produzieren weiter, zusammen über 24.000 Tonnen im Jahr, und deutsche Unternehmen gehören zu den Hauptabnehmern. Frankreich hat die Stopfleberproduktion 2005 per Gesetz zum kulinarischen Kulturerbe erklärt und beruft sich im Streit um den Warenverkehr auf Artikel 36 des EU-Vertrags.

Wenn dir dieses Muster bekannt vorkommt: Wir haben vor wenigen Tagen genau dieselbe Konstruktion beschrieben, als Frankreich Trophäen-Importe gestoppt hat und Deutschland weiter importiert. Die Tat ist verboten, das Ergebnis der Tat darf über die Grenze. Nur sind die Rollen diesmal vertauscht.

Warum Brasilien Frankreich wehgetan hat

Nach Recherchen der US-Redaktion VegNews haben französische Diplomaten versucht, das brasilianische Gesetz zu verhindern, mit dem Argument, die Produktion sei nicht grausam. Ohne Erfolg. Der Zeitpunkt macht es für Frankreich zusätzlich bitter: Seit Januar 2026 ist das EU-Handelsabkommen mit vier südamerikanischen Staaten in Kraft, das Zölle auf Lebensmittel senkt. Ein Markt, der gerade geöffnet wurde, macht für dieses eine Produkt wieder zu.

Getragen hat die Kampagne die Organisation Animal Equality, die in Brasilien über 310.000 Unterschriften gesammelt hat. Eine Petition für ein US-Verbot liegt inzwischen bei über 442.000.

In den USA zeigt sich dabei dasselbe Muster wie in Europa: Kalifornien verbietet den Verkauf seit 2012, New York seit 2019, importiert werden darf trotzdem.

Was sich in Europa gerade bewegt

Am 27. März 2026 haben 40 Abgeordnete des Europäischen Parlaments aus 15 Ländern einen Brief an die zuständigen Kommissare unterschrieben. Ihre Forderung: Die Zwangsfütterung soll schrittweise abgeschafft und das ausdrücklich in der anstehenden Überarbeitung des EU-Tierschutzrechts festgeschrieben werden.

Diese Überarbeitung ist der Punkt, an dem es sich zu drücken lohnt. Sie ist seit Jahren angekündigt, mehrfach verschoben und sie entscheidet gleich über mehrere Themen, die wir hier regelmäßig behandeln, von der Käfighaltung bis zu den Zuchtlinien in der Hähnchenmast.

Was du tun kannst, ohne auf Brüssel zu warten

Stopfleber ist eines der wenigen Tierprodukte, bei dem fast niemand die Herstellung verteidigt, wenn er sie einmal gesehen hat. Das macht sie zu einem dankbaren Gesprächseinstieg, gerade an Feiertagen, an denen sie auf den Tisch kommt.

Praktisch hilft: nachfragen, wo sie herkommt. Restaurants, die sie führen, wissen erstaunlich oft nicht, dass ihre Herstellung in Deutschland strafbar wäre. Und im Handel ist sie ein Nischenprodukt mit hoher Marge und geringer Kundenbindung, also genau die Sorte Artikel, die eine Kette streicht, wenn sie dafür ein paar Beschwerden bekommt.

Wenn du wissen willst, wie die deutsche Rechtslage bei Tierschutzverstößen sonst aussieht: Wie selten Verstöße überhaupt verfolgt werden, haben wir am Freispruch nach dem getöteten Kater in Innsbruck durchdekliniert.

Wie wir gearbeitet haben: Die Angaben zum brasilianischen Gesetz stammen aus der Berichterstattung von VegNews vom 6. August 2026 und den Angaben von Animal Equality. Die deutsche Rechtslage haben wir am Wortlaut des Tierschutzgesetzes und an der juristischen Aufbereitung von Legal Tribune Online geprüft. Produktionsmengen und der Brief der Europaabgeordneten sind über die Albert Schweitzer Stiftung und Provieh dokumentiert. Wir sind keine Anwaltskanzlei, für Rechtsfragen im Einzelfall gilt das entsprechend.
Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was Stopfleber ist?
Foie gras entsteht durch Zwangsfütterung. Enten und Gänsen wird über zwei bis drei Wochen mehrmals täglich ein Rohr in die Speiseröhre geschoben und Maisbrei eingefüllt, bis die Leber auf das Sechs- bis Zehnfache ihrer normalen Größe anschwillt. Was auf dem Teller als Delikatesse verkauft wird, ist medizinisch eine Fettleber im Endstadium.
Warum Brasilien Frankreich wehgetan hat?
Nach Recherchen der US-Redaktion VegNews haben französische Diplomaten versucht, das brasilianische Gesetz zu verhindern, mit dem Argument, die Produktion sei nicht grausam. Ohne Erfolg. Der Zeitpunkt macht es für Frankreich zusätzlich bitter: Seit Januar 2026 ist das EU-Handelsabkommen mit vier südamerikanischen Staaten in Kraft, das Zölle auf Lebensmittel senkt.
Was sich in Europa gerade bewegt?
Am 27. März 2026 haben 40 Abgeordnete des Europäischen Parlaments aus 15 Ländern einen Brief an die zuständigen Kommissare unterschrieben. Ihre Forderung: Die Zwangsfütterung soll schrittweise abgeschafft und das ausdrücklich in der anstehenden Überarbeitung des EU-Tierschutzrechts festgeschrieben werden. Diese Überarbeitung ist der Punkt, an dem es sich zu drücken lohnt.
Was du tun kannst, ohne auf Brüssel zu warten?
Stopfleber ist eines der wenigen Tierprodukte, bei dem fast niemand die Herstellung verteidigt, wenn er sie einmal gesehen hat. Das macht sie zu einem dankbaren Gesprächseinstieg, gerade an Feiertagen, an denen sie auf den Tisch kommt. Praktisch hilft: nachfragen, wo sie herkommt. Restaurants, die sie führen, wissen erstaunlich oft nicht, dass ihre Herstellung in Deutschland strafbar wäre.
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Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.

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