Captain Paul Watson, Gast im Plantbased Podcast Sarah Connor, Gast im Plantbased Podcast Mia Healing, Gast im Plantbased Podcast Dr. Mark Benecke, Gast im Plantbased Podcast Aljosha Muttardi, Gast im Plantbased Podcast +22

Bisher 99 Folgen mit Menschen wie Captain Paul Watson, Sarah Connor oder Mia Healing

Alle Folgen hören →
Das Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg an einem bewölkten Tag
Switch Language

Es gibt Studien, die etwas beweisen, das viele längst ahnen. Diese hier ist so eine, und sie liefert eine Zahl dazu: EU-Abgeordnete mit privaten finanziellen Interessen im Agrar- und Lebensmittelsektor stimmten rund dreimal häufiger gegen als für Umweltschutzmaßnahmen. Nachzulesen im Fachjournal Food Policy, peer-reviewt.

Read this article in English.

Was die Studie gemacht hat

Ein Team um Joaquín Villa-García Liria hat 113 EU-Abgeordnete untersucht, die in der Wahlperiode 2019 bis 2024 zeitweise dem Agrarausschuss COMAGRI angehörten, und ihr Verhalten bei 11 namentlichen Abstimmungen zu vier umweltpolitischen Dossiers ausgewertet.

Ergebnis: Wer selbst oder über nahe Angehörige finanziell am Sektor beteiligt war, stimmte 3,01-mal häufiger im Sinne landwirtschaftlicher Interessen gegen den Umweltschutz, auch wenn man Partei, Ideologie und Wahlkreis herausrechnet.

Das Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg an einem bewölkten Tag
Im Europäischen Parlament entscheidet sich, wie streng Umweltauflagen für die Landwirtschaft ausfallen. Symbolbild.

Um welche Gesetze es ging

Die vier Dossiers, die das Team ausgewertet hat, gehören zu den wichtigsten agrarumweltpolitischen Vorhaben der vergangenen Wahlperiode:

  • die Verordnung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln
  • das Renaturierungsgesetz (Nature Restoration Law)
  • die Industrieemissionsrichtlinie
  • ein Kommissionsvorschlag zur Vereinfachung der GLÖZ-Standards, also jener Umweltauflagen, an die Agrarsubventionen geknüpft sind

Wer die vergangenen Jahre verfolgt hat, erkennt das Muster: Die Pflanzenschutzmittel-Verordnung wurde zurückgezogen, das Renaturierungsgesetz nur knapp und abgeschwächt beschlossen, und die Industrieemissionsrichtlinie nahm in ihrer Endfassung Rinderbetriebe von neuen Auflagen aus und verkleinerte den Kreis der erfassten Schweine- und Geflügelbetriebe.

Infografik: Abgeordnete mit Agrar-Finanzinteressen stimmten 3,01-mal häufiger gegen Umweltschutz
Quelle: Villa-García Liria et al., Food Policy (2026). Grafik: This Is Vegan
Grafik weiterschicken
TelegramMessengerE-Mail

Was als finanzielles Interesse zählt

Die 32 betroffenen Abgeordneten wurden über offizielle Interessenserklärungen, eine Datenbank zu Nebeneinkünften und zusätzliche Recherchen identifiziert. Gemeint sind damit konkrete Dinge: ein eigener landwirtschaftlicher Betrieb, Anteile an einem Fleisch- oder Molkereiunternehmen, oder eine bezahlte Position im Aufsichtsgremium eines Agrar- oder Lebensmittelkonzerns. Auch Beteiligungen naher Familienangehöriger wurden erfasst.

Wichtig für die Einordnung, und das betonen die Autor*innen selbst: Es geht hier nicht um nachgewiesene Regelverstöße. Alles, was erfasst wurde, war formal deklariert oder öffentlich auffindbar. Genau das ist der Punkt.

Einmal pro Woche das Beste aus dem Magazin

Neue Tests, Rezepte und echte Recherchen, dazu die Rabattcodes unserer Partner. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

„Auch ohne formale Verstöße gefährden starke und dauerhafte Verbindungen zu sektoralen Interessen die Legitimität von Gesetzgebungsprozessen und tragen zur Schwächung dringend notwendiger politischer Reformen angesichts der drängenden Klima- und Umweltherausforderungen im Agrar- und Lebensmittelsystem bei.”

aus der Studie in Food Policy

Der überraschendste Befund: der Wahlkreis zählt nicht

Traktorenkolonne mit Protestschildern in einer verschneiten Innenstadt
Anfang 2024 prägten Bauernproteste die Debatte. In dieser Phase wurde die Lockerung der GLÖZ-Standards beschleunigt behandelt. Symbolbild.

Man könnte annehmen: Abgeordnete aus ländlichen Regionen stimmen agrarfreundlich, weil ihre Wählerinnen und Wähler das erwarten. Genau das ließ sich nicht belegen. Der Anteil landwirtschaftlicher Betriebe im Wahlkreis hatte keinen statistisch signifikanten Effekt auf das Abstimmungsverhalten. Das ist ein bemerkenswerter Unterschied zur Forschung über den US-Kongress, wo ländliche Wahlkreise als starker Treiber für Agrarprotektionismus gelten.

Was dagegen zählte: die Ideologie. Abgeordnete, deren nationale Parteiprogramme umweltpolitisch ausgerichtet waren, stimmten mit höherer Wahrscheinlichkeit für die Reformen. Und die Ausschusskontrolle: Lag die Federführung bei COMAGRI, fielen die Abstimmungen deutlich umweltfeindlicher aus. Dieser Effekt konzentrierte sich auf den GLÖZ-Vorschlag, das einzige der vier Dossiers unter Regie des Agrarausschusses, das Anfang 2024 im Zuge der europaweiten Bauernproteste und kurz vor der Europawahl im Eiltempo behandelt wurde.

Die Ausnahme, die alles infrage stellt

Ein Detail macht diese Studie deutlich interessanter als eine reine Skandalgeschichte. Das Muster zeigte sich in nahezu allen Fraktionen, mit einer Ausnahme: Bei Grüne/EFA gab es vier Abgeordnete mit finanziellen Verbindungen zum Biolandbau. Sie stimmten durchgehend für Umweltschutzmaßnahmen.

Für die Autor*innen ist das ein Beleg dafür, dass landwirtschaftliche und ökologische Interessen nicht zwangsläufig im Widerspruch stehen. Die Trennlinie zwischen beiden sei, wie sie schreiben, „möglicherweise größtenteils eine politische Wahrnehmung”. Anders gesagt: Es kommt nicht darauf an, ob jemand von Landwirtschaft lebt, sondern von welcher.

Traktor sprüht Pflanzenschutzmittel über ein Feld, Luftaufnahme
Die Verordnung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln gehörte zu den ausgewerteten Dossiers. Symbolbild.

Was ein EU-Abgeordneter dazu sagt

Für uns ist dieser Befund kein abstrakter Politikwissenschafts-Fund. In einer der kommenden Folgen unseres Podcasts spricht der EU-Abgeordnete Sebastian Everding genau das aus, was die Studie nun in Zahlen fasst: dass in Brüssel Menschen über Agrarumweltrecht abstimmen, die vom Ergebnis persönlich profitieren. Es ist ein Unterschied, ob man so etwas als Eindruck aus dem Parlamentsalltag schildert oder ob es peer-reviewt schwarz auf weiß steht. Beides zusammen ergibt ein deutliches Bild. Wann die Folge erscheint, erfährst du auf unserer Podcast-Seite.

Was daraus folgen müsste

Milchkühe stehen in einem langen Stall der Intensivhaltung
Die Industrieemissionsrichtlinie nahm Rinderbetriebe in der Endfassung von neuen Auflagen aus. Symbolbild.

Die Autor*innen fordern strengere Transparenz- und Interessenkonfliktregeln in der EU-Agrarpolitik. Das klingt technisch, wäre aber wirksam: Wer über Auflagen für einen Sektor abstimmt, an dem er verdient, müsste das mindestens offenlegen müssen, im Zweifel sich enthalten. In vielen nationalen Parlamenten und in der Privatwirtschaft ist genau das längst Standard.

Für uns als Magazin ist der Befund auch deshalb relevant, weil er eine häufige Frage beantwortet: Warum bewegt sich in der EU-Agrarpolitik so wenig, obwohl die wissenschaftliche Lage eindeutig ist? Ein Teil der Antwort steht jetzt in einem Fachjournal. Ein anderer Teil zeigt sich in der laufenden Debatte um Bezeichnungsverbote für pflanzliche Produkte, wo dieselben Mehrheiten am Werk sind, und in der Ungleichbehandlung pflanzlicher Alternativen bei Steuern und Abgaben.

Wir ordnen Agrarpolitik ein, ohne dass es trocken wird. Unser Newsletter ist kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Transparenz und Quellen

Grundlage ist die peer-reviewte Studie von Villa-García Liria et al., erschienen im Fachjournal Food Policy: zur Studie bei ScienceDirect. Erstautor Joaquín Villa-García Liria forscht im Rahmen des PLAN'EAT-Projekts in Wageningen. Zusammenfassung und deutsche Übersetzung der Zitate über die Berichterstattung von vegconomist, ergänzende Angaben zur Industrieemissionsrichtlinie über die Berichterstattung von Sentient Media. Stand: 28. August 2026.

Wichtig: Die Studie weist statistische Zusammenhänge nach, keine individuellen Regelverstöße. Die erfassten Beteiligungen waren deklariert oder öffentlich zugänglich. Einzelne Abgeordnete nennen wir nicht, weil die Studie ihre Aussagen auf Gruppenebene trifft.

Bilder: Stock (EU-Parlament, Traktoren, Feld, Stall), This Is Vegan (Infografik). Für diesen Artikel ist kein Geld geflossen.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was als finanzielles Interesse zählt?
Die 32 betroffenen Abgeordneten wurden über offizielle Interessenserklärungen, eine Datenbank zu Nebeneinkünften und zusätzliche Recherchen identifiziert. Gemeint sind damit konkrete Dinge: ein eigener landwirtschaftlicher Betrieb, Anteile an einem Fleisch- oder Molkereiunternehmen, oder eine bezahlte Position im Aufsichtsgremium eines Agrar- oder Lebensmittelkonzerns.
Was ein EU-Abgeordneter dazu sagt?
Für uns ist dieser Befund kein abstrakter Politikwissenschafts-Fund. In einer der kommenden Folgen unseres Podcasts spricht der EU-Abgeordnete Sebastian Everding genau das aus, was die Studie nun in Zahlen fasst: dass in Brüssel Menschen über Agrarumweltrecht abstimmen, die vom Ergebnis persönlich profitieren.
Was daraus folgen müsste?
Die Industrieemissionsrichtlinie nahm Rinderbetriebe in der Endfassung von neuen Auflagen aus. Symbolbild. Die Autor*innen fordern strengere Transparenz- und Interessenkonfliktregeln in der EU-Agrarpolitik. Das klingt technisch, wäre aber wirksam: Wer über Auflagen für einen Sektor abstimmt, an dem er verdient, müsste das mindestens offenlegen müssen, im Zweifel sich enthalten.
Über 75.000 Menschen folgen This Is Vegan auf YouTube, Instagram und dem Sparradar Vegan Alarm.

Schon den Plantbased-Podcast gehört?

Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.

Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.

Seit 2019 · This Is Vegan · unabhängig, vegan, manchmal unbequem


Mitmachen, nicht nur mitlesen

Wir finanzieren uns über Affiliate-Empfehlungen und die Community. Schau auf unseren Community Deals vorbei für exklusive Rabattcodes bei sorgfältig ausgesuchten plant-based Partnern. Du zahlst nichts extra, wir können weiterschreiben. Fairer Deal.

Oder folg uns einfach hier:

In eigener Sache

Dieser Tierschutz-Journalismus ist gratis und werbearm, weil Leser:innen ihn tragen. Schon 3 € helfen – für die Tiere, für die Sache.

Jetzt spenden

Unsere Partner, die die Mission mittragen: Vriends 🌱

Please install and activate Powerkit plugin from Appearance → Install Plugins. And activate Opt-in Forms module.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletter Mehr News