Werden Pflanzendrinks jetzt teurer? Die geplante Zuckersteuer trifft Hafer, verschont Kuhmilch

Ein Haferdrink ohne ein Gramm zugesetzten Zucker könnte bald besteuert werden. Kuhmilch mit ihrem natürlichen Milchzucker bliebe steuerfrei. So steht es im Eckpunktepapier des Bundesfinanzministeriums zur geplanten Zuckersteuer, und genau an dieser Stelle bekommt der Plan gerade politischen Gegenwind.
Werden Pflanzendrinks jetzt teurer?
Noch nicht. Das Eckpunktepapier des Bundesfinanzministeriums ist kein Gesetzentwurf, der Vorschlag ist auch innerhalb der Bundesregierung umstritten. Nach den bisherigen Eckpunkten würden aber Hafer-, Mandel-, Soja- und Reisdrinks ohne zugesetzten Zucker künftig besteuert, während Kuhmilch mit ihrem natürlichen Laktosegehalt ausgenommen bleiben soll. Update, 27. August: Finanzminister Klingbeil stellt klar, dass zuckerfreie Getränke nicht betroffen sein sollen, und nennt die Hafermilch-Passagen einen fachlichen Arbeitsstand. Entschieden ist weiterhin nichts, Details unten im Text.
Die ernährungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Dr. Zoe Mayer, fordert, die Steuer an zugesetztem Zucker auszurichten statt an der Produktkategorie.
Der wunde Punkt: gleicher Zucker, ungleiche Steuer

Der Zucker in einem ungesüßten Haferdrink ist nicht zugesetzt, er entsteht verarbeitungsbedingt, wenn die Stärke des Hafers aufgespalten wird. Der Zucker in Kuhmilch ist ebenfalls nicht zugesetzt, Laktose ist von Natur aus drin. Zwei Getränke, vergleichbare Zuckergehalte, beide ohne Zuckerzusatz, aber nur eines davon soll nach den Eckpunkten besteuert werden. Genau diese Schieflage kritisiert Zoe Mayer:
„Der Kulturkampf um pflanzliche Ersatzprodukte scheint sich mit der Zuckersteuer fortzusetzen.”
Dr. Zoe Mayer, ernährungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion
Ein ungesüßter Haferdrink mit demselben natürlichen Zuckergehalt wie Milch würde nach den Eckpunkten steuerpflichtig, obwohl der enthaltene Zucker ebenfalls nicht zugesetzt ist, so die Abgeordnete.
Ein Muster, das sich wiederholt
Neu ist die Ungleichbehandlung nicht. Auf Kuhmilch gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent, auf Pflanzendrinks der volle von 19 Prozent. Für eine Absenkung hatten sich unter anderem REWE, vly, Berief und Oatly per Petition eingesetzt, passiert ist bislang wenig. Aus Mayers Sicht setzt sich mit der Zuckersteuer dasselbe Muster fort: Produkte mit vergleichbarem Nährwertprofil werden je nach tierischer oder pflanzlicher Herkunft unterschiedlich behandelt.
„Damit setzt sich die strukturelle Diskriminierung von pflanzlichen Alternativen fort, die wir bereits bei der Mehrwertsteuer sehen.”
Dr. Zoe Mayer
Ihre Forderung an das Bundesfinanzministerium: die Steuer gezielt an zugesetztem Zucker ausrichten statt an der Produktkategorie. Damit wäre der gesundheitspolitische Zweck erfüllt, ohne ausgerechnet die Produkte zu verteuern, die viele Menschen aus Klima- oder Tierschutzgründen wählen.
Wie verbindlich ist das alles?

Wichtig für die Einordnung: Das Eckpunktepapier basiert auf Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit und befindet sich noch im politischen Verfahren. Einen konkreten Gesetzentwurf gibt es bislang nicht, und der Vorschlag ist auch innerhalb der Bundesregierung umstritten. Ob, wann und in welcher Form die Steuer kommt, ist offen. Für den Einkauf ändert sich vorerst nichts.
Update: Klingbeil rudert bei der Hafermilch zurück
Nachdem die weitergehenden Pläne öffentlich geworden waren, hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil laut tagesschau klargestellt: Getränke ohne Zucker sollen von der Steuer nicht betroffen sein, auch mit Süßstoff gesüßte Limonaden wie Cola Zero nicht. Die Unterlagen, nach denen auch Hafer- und Mandeldrinks, Säfte aus Konzentrat sowie alkoholfreies Bier und Wein besteuert würden, bezeichnete er als fachlichen Arbeitsstand, weder politisch abgestimmt noch in der Koalition beschlossen.
Dazu kommt ein Rechenargument, auf das die tagesschau hinweist: Ungesüßte Haferdrinks liegen häufig unter 4,5 Gramm Zucker je 100 Gramm und damit unter der untersten Stufe des diskutierten Staffelmodells. Selbst eine erweiterte Zuckersteuer würde den Hafermilch-Kaffee also wahrscheinlich kaum teurer machen. Ob Säfte aus Konzentrat, Milchmischgetränke oder pflanzliche Alternativen am Ende einbezogen werden, ist allerdings weiterhin offen, und genau auf diese Offenheit zielt Mayers Kritik.
Was die Steuer kosten würde

Der interne Vorschlag sieht gestaffelte Sätze pro Liter vor: 26 Cent ab 4,5 Gramm Zucker je 100 Milliliter, 32 Cent ab 7 Gramm, 38 Cent ab 10 Gramm. Für die Ein-Liter-Flasche Cola oder Fanta hieße das: von 1,69 Euro auf 2,07 Euro. Eine 1,5-Liter-Flasche eines besonders zuckerhaltigen Getränks würde rechnerisch 57 Cent teurer, sofern Hersteller die Abgabe voll an die Kundschaft weitergeben. Das Agrarministerium kritisiert die Sätze als höher als von der Expertenkommission vorgeschlagen.
Kommen soll die Steuer ab 2027, als Teil eines Sparpakets für die gesetzlichen Krankenkassen. Wie viel sie einbringt, hängt am Zuschnitt: Die Koalitionsvereinbarung nennt rund 650 Millionen Euro jährlich, das Agrarministerium kam bei den weitergehenden Vorschlägen auf rund zwei Milliarden, Branchenverbände rechneten mit fast vier. Kritiker fürchten deshalb, dass am Ende eher der Haushalt profitiert als die Gesundheit.
Die Debatte reiht sich in eine Serie steuer- und kennzeichnungsrechtlicher Auseinandersetzungen um pflanzliche Produkte ein, von der neu aufgeflammten EU-Debatte um ein Bezeichnungsverbot für Veggie-Burger und Wurst bis zur Forderung nach einer ermäßigten Mehrwertsteuer auf Pflanzendrinks.
Der Kontext: Pflanzendrinks sind längst Alltag

Worüber hier entschieden wird, ist kein Nischenprodukt mehr: 632 Millionen Euro Umsatz machten Pflanzendrinks 2025 im deutschen Einzelhandel, fast jeder elfte verkaufte Liter Milch ist inzwischen pflanzlich, und 78 Prozent der Milchkäufer kaufen längst beides. Die ganzen Zahlen samt Quellen stehen in unserem Artikel zum World Plant Milk Day. Und welcher Drink wofür taugt, klärt unser großer Pflanzenmilch-Guide.
Wir verfolgen das Gesetzgebungsverfahren weiter und melden uns, sobald aus den Eckpunkten ein Entwurf wird.
Zoe Mayer im TIV-Podcast
Wie Zoe Mayer über Tierschutz, Veganismus und ihren Alltag im Bundestag denkt, haben wir mit ihr in einer ganzen Podcast-Folge besprochen. Ein Klick auf das Vorschaubild startet den Player, vorher lädt hier nichts von YouTube. Das schriftliche Interview mit Zoe Mayer gibt es außerdem zum Nachlesen.
Transparenz und Quellen
Grundlage dieses Artikels sind das Eckpunktepapier des Bundesfinanzministeriums zur geplanten Zuckersteuer, das auf Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit basiert, sowie die Stellungnahme von Dr. Zoe Mayer (Bündnis 90/Die Grünen), Stand 27. August 2026. Die Zitate stammen aus dieser Stellungnahme. Ein Gesetzentwurf liegt noch nicht vor; Angaben zur möglichen Ausgestaltung können sich im Verfahren ändern. Die Staffelsätze, Preisbeispiele, die Klarstellung von Minister Klingbeil und die Einordnung zum Zuckergehalt von Haferdrinks stammen aus der Berichterstattung von tagesschau/WDR und ARD-Hauptstadtstudio vom 25.08.2026 (Update eingearbeitet am 27.08.2026). Die Marktzahlen (632 Mio. Euro, 9,2 Prozent Mengenanteil, 78 Prozent Beides-Käufer) stammen von GFI Europe und YouGov und sind im verlinkten Artikel belegt.
Die Bilder in diesem Artikel sind Symbolbilder aus unserer Mediathek.
FAQ - Das fragen andere
Wie verbindlich ist das alles?
Was die Steuer kosten würde?
Schon den Plantbased-Podcast gehört?
Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.
Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.
Seit 2019 · This Is Vegan · unabhängig, vegan, manchmal unbequem
Mitmachen, nicht nur mitlesen
Wir finanzieren uns über Affiliate-Empfehlungen und die Community. Schau auf unseren Community Deals vorbei für exklusive Rabattcodes bei sorgfältig ausgesuchten plant-based Partnern. Du zahlst nichts extra, wir können weiterschreiben. Fairer Deal.
Oder folg uns einfach hier:
In eigener Sache
Dieser Tierschutz-Journalismus ist gratis und werbearm, weil Leser:innen ihn tragen. Schon 3 € helfen – für die Tiere, für die Sache.
Jetzt spendenUnsere Partner, die die Mission mittragen: Vriends 🌱






