World Plant Milk Day: Warum Pflanzenmilch elftausend Jahre alt ist

Hafermilch wirkt wie eine Erfindung der letzten zehn Jahre. Dabei ist sie nur das jüngste Kapitel einer Geschichte, die vor rund elftausend Jahren am Amazonas beginnt. Heute, am 22. August, feiert die Welt genau das: den World Plant Milk Day.
Was ist der World Plant Milk Day?
Der weltweite Aktionstag für pflanzliche Milch, seit 2017 jedes Jahr am 22. August. Gegründet wurde er vom Designer und Kampagnenmacher Robbie Lockie, Mitgründer von Plant Based News. Die gemeinnützige Kampagne hat eine einfache Einladung: Tausche die Kuhmilch in deinem Alltag gegen eine pflanzliche und sieh, was ein einziges Glas verändert.
This Is Vegan ist exklusiver Medienpartner des World Plant Milk Day für den deutschsprachigen Raum. Robbie Lockie war außerdem gerade bei uns zu Gast, das Interview liest du hier. Alle Aktionen des Tages, die 7-Tage-Challenge und die komplette Zeitreise durch die Geschichte der Pflanzenmilch findest du auf worldplantmilkday.com.
Elftausend Jahre alt, und alle halten sie für einen Trend

Wer Pflanzenmilch für ein Hipster-Phänomen hält, hat elf Jahrtausende Menschheitsgeschichte gegen sich. Die Zeitleiste, die die Kampagne dieses Jahr zusammengetragen hat, liest sich wie eine Weltreise:
- Um 9000 v. Chr., Amazonas: Völker Brasiliens mahlen Paranüsse mit Wasser zu leite de castanha, einer cremigen Waldmilch.
- Um 5600 v. Chr., Peru: Die Erdnuss wird domestiziert, bis heute fließt sie dort als leche de maní.
- Um 3000 v. Chr., Pazifik: Austronesische Seefahrer tragen die Kokosmilch über den Ozean, die älteste durchgehend dokumentierte Pflanzenmilch.
- Um 2400 v. Chr., Ägypten: Am Nil entstehen milchige Getränke aus Erdmandeln. Die spanische Horchata de Chufa ist ihre direkte Nachfahrin.
- Um 1000 v. Chr., China: Bauern kochen und sieben Reis zu Reismilch. Gut tausend Jahre später zeugen Steinreliefs der Han-Dynastie von der Sojamilch-Herstellung.
- 10. bis 13. Jahrhundert, Bagdad: Ärzte des Abbasidenkalifats verordnen Mandelmilch als Heilmittel. Wenig später rühren Mönche in Frankreich und England sie in der Fastenzeit an, weil Kuhmilch verboten war.
- 16. Jahrhundert, Indien: Die Mogul-Küche verfeinert Badam Doodh, Mandelmilch mit Safran und Kardamom.
- 1990er, Schweden: Der Lebensmittelwissenschaftler Rickard Öste erfindet an der Universität Lund die Hafermilch. Der Rest steht heute in jedem Kühlregal.
Die Kampagne bringt es auf die Formel „Eine Tradition, kein Trend”, und die Geschichtsschreibung gibt ihr recht: In weiten Teilen der Welt war Pflanzenmilch nie die Alternative. Sie war zuerst da.
„Plant milk isn't a modern fad. From Egyptian tiger-nut to Han-dynasty soy, humans have pressed ‚milk' from plants for at least 5,000 years.”
World Plant Milk Day, Heritage-Projekt
Zu Deutsch: Pflanzenmilch ist keine Modeerscheinung. Von der ägyptischen Erdmandel bis zur Sojamilch der Han-Dynastie pressen Menschen seit mindestens 5.000 Jahren „Milch” aus Pflanzen. Die Kampagne bringt das inzwischen wörtlich aufs T-Shirt: „Plant Milk. Older Than The Pyramids.” Der Spruch hält der Prüfung stand, die Kokosmilch der austronesischen Seefahrer war schon über den Pazifik unterwegs, bevor in Gizeh der erste Stein lag.

Die Zahlen: Kuhmilch sinkt seit 30 Jahren

Der Blick nach Deutschland zeigt, wie sehr sich das Verhältnis dreht. 1995 trank jede Person hierzulande rechnerisch 62 Kilogramm Konsummilch im Jahr. 2025 waren es noch 45,1 Kilogramm, ein Rekordtief und ein Rückgang um mehr als ein Viertel in drei Jahrzehnten.
Ehrlich bleibt die Zahl nur mit ihrer Einordnung: Der Rückgang betrifft die Trinkmilch. Käse und Joghurtprodukte legen im selben Zeitraum zu, die Milchindustrie verschwindet also nicht, sie verschiebt sich. Am Trend beim Glas Milch ändert das nichts.
Und Pflanzenmilch wächst

Auf der anderen Seite des Kühlregals zeigt die Kurve nach oben. 632 Millionen Euro Umsatz machten Pflanzendrinks 2025 im deutschen Einzelhandel, ein Plus von 8,1 Prozent. Die verkaufte Menge wuchs sogar noch schneller, was bedeutet: Pflanzenmilch wird relativ günstiger. Gemessen an der Menge ist inzwischen fast jeder elfte verkaufte Liter Milch pflanzlich, und 38 Prozent der Haushalte haben 2025 mindestens einmal Pflanzenmilch gekauft.
Die vielleicht wichtigste Zahl kommt aus der YouGov-Shopper-Auswertung dieses Sommers: 78 Prozent der Milchkäufer kaufen beides, Kuhmilch und Pflanzendrink. Der Wandel läuft nicht als Lagerkampf. Er läuft über den ganz normalen Einkaufswagen.
Wie der Markt insgesamt dasteht, haben wir in der großen Marktanalyse aufgeschrieben.
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Welche Pflanzenmilch für was?

Hafer für den Kaffee, Soja fürs Protein, Erbse für den Neutralgeschmack, Mandel für Desserts: Welcher Drink wofür wirklich funktioniert, inklusive Nährwerten und Barista-Test, steht in unserem großen Pflanzenmilch-Guide.
Zur ehrlichen Beratung gehört ein Doppelhinweis. Wer Kuhmilch komplett ersetzt, sollte auf calciumangereicherte Sorten achten oder das Calcium anders decken, wie das geht, steht in unserem Calcium-Guide. Und: Bio-Pflanzendrinks dürfen in der EU nicht angereichert werden, dort braucht es andere Quellen. Beides ist lösbar, man muss es nur wissen.
Oder einfach selbst machen, wie vor 5.000 Jahren
Das älteste Rezept der Welt ist auch das einfachste: Nüsse oder Mandelmus, Wasser, mixen, fertig. Ein Esslöffel Mandel- oder Cashewmus auf 250 Milliliter Wasser ergibt in dreißig Sekunden eine frische Milch ohne Zusatzstoffe, und deutlich günstiger als jeder Tetrapak.
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Mitmachen am Aktionstag

Die Kampagne lädt zur 7-Tage-Challenge ein: eine Woche lang die Kuhmilch im Alltag gegen eine pflanzliche tauschen, mehr nicht. Anmeldung und alle Materialien gibt es auf worldplantmilkday.com. Die Argumente der Kampagne sind dieselben, die uns täglich beschäftigen: Die meisten Erwachsenen weltweit vertragen Laktose nicht, hinter jedem Liter Kuhmilch stehen eine Mutter und ihr Kalb, und Pflanzenmilch verursacht rund dreimal weniger Emissionen bei einem Zehntel der Landfläche.

Die Cap kommt vom Label VESH, und was draufsteht, ist Programm: „Speciesism”, einmal quer durchgestrichen. Das passt in diese Woche. Am 29. August, sieben Tage nach dem heutigen Aktionstag, ist der World Day for the End of Speciesism, und auch da machen wir mit.
Transparenz und Quellen
This Is Vegan ist exklusiver Medienpartner des World Plant Milk Day für den deutschsprachigen Raum. Die historische Zeitleiste stammt aus dem Heritage-Projekt der Kampagne, die Bilder in diesem Artikel nutzen wir mit deren Freigabe. Für diesen Artikel ist kein Geld geflossen, die Partnerschaft ist ideell.
Die Milchverbrauchszahlen stammen aus der Versorgungsbilanz Milch der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: 62 kg pro Kopf 1995, 45,1 kg 2025. Der Hinweis auf steigenden Käse- und Joghurtverbrauch stammt aus derselben Quelle. Die Pflanzendrink-Zahlen (632 Mio. Euro, plus 8,1 Prozent, 9,2 Prozent Mengenanteil, 38 Prozent Haushaltsreichweite) stammen von GFI Europe auf Basis von Circana- und NIQ-Homescan-Daten für 2025. Die 78 Prozent Doppelkäufer stammen aus einer YouGov-Shopper-Auswertung mit 1.007 Befragten, Feldzeit April 2026.
Der Artikel enthält gekennzeichnete Affiliate-Links. Gesundheitsbezogene Angaben ersetzen keine Ernährungsberatung.
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