Weniger Haushalte in Deutschland kaufen Fleisch, doch im Einkaufswagen landet insgesamt mehr davon. Das zeigen neue Daten von YouGov und dem Sinus-Institut zum Weltvegetariertag am 1. Oktober. Gleichzeitig greift gut ein Drittel der Haushalte zu Fleischersatz, und bei Tofu und Falafel wächst der Umsatz um 38 Prozent. Wir haben uns die Zahlen genauer angesehen und ordnen sie ein.
Die Zahlen auf einen Blick
- 93 Prozent der Haushalte kauften von Januar bis Juli 2026 Fleisch oder Geflügel, zwei Prozentpunkte weniger als 2022
- die gekaufte Fleischmenge stieg um 3 Prozent
- 35 Prozent der Haushalte kauften mindestens einmal Fleischersatz, so viele wie seit 2022 nicht
- Tofu, Falafel und ähnliche Produkte: plus 38 Prozent Umsatz, vegane Wurst und Co.: plus 6 Prozent
- 28 Prozent der Befragten nennen sich Flexitarier
Inhalt7 Kapitel
Weniger Käufer, mehr Fleisch.
Die Kaufdaten stammen aus dem YouGov-Haushaltspanel, das die Einkäufe privater Haushalte erfasst. Von Januar bis Juli 2026 haben 93 Prozent der Haushalte Fleisch oder Geflügel gekauft. 2022 waren es noch 95 Prozent. Gleichzeitig stieg die gekaufte Menge laut YouGov um 3 Prozent. Einen eigenen Vergleichszeitraum nennt YouGov für dieses Plus im Text nicht.
Etwas weniger Haushalte kaufen also Fleisch, aber die, die kaufen, nehmen mehr mit. Die Überschrift, die YouGov seiner Mitteilung gegeben hat, lautet trotzdem „Deutschland reduziert Fleischkonsum weiter“. Mit den eigenen Mengendaten passt das nur bedingt zusammen. Zurück geht vor allem die Wurst: Die Käuferreichweite sank auf 95 Prozent, der Absatz um 2 Prozent.
Beim Fleisch selbst liegt Geflügel mit 35 Prozent des Absatzes vorn, Schweinefleisch folgt mit 32 Prozent. Wie sich der Pro-Kopf-Verbrauch über die Jahre entwickelt hat, zeigt unsere Übersicht zum Fleischkonsum in Deutschland.

Viele wollen weniger, wenige wollen verzichten.
Neben den Kaufdaten hat YouGov im August 2.023 Menschen zwischen 18 und 75 Jahren befragt. 27 Prozent der Fleischessenden wollen demnach in nächster Zeit weniger Fleisch essen, nur 2 Prozent mehr. 43 Prozent stimmen der Aussage zu, dass es ihnen guttun würde, weniger Fleisch, Wurst und Fisch zu essen.
Aus dieser Gruppe kann sich allerdings nur gut jede fünfte Person vorstellen, komplett vegetarisch zu leben (22 Prozent), vegan sogar nur 14 Prozent. YouGov-Expertin Petra Süptitz sieht darin vor allem „die wachsende Bedeutung flexitarischer Ernährungsweisen“. Jan Hecht vom Sinus-Institut fasst die Botschaft, die bei vielen ankommt, so zusammen: „Du musst deine Ernährung nicht komplett umstellen.“
28 Prozent der Befragten beschreiben sich selbst als Flexitarier. Im Einkaufswagen zeigt sich das bisher kaum: Die Fleischmenge steigt, und 93 Prozent der Haushalte kaufen weiter Fleisch. Zwischen Selbstbild und Kassenzettel liegt offenbar noch ein gutes Stück Weg.
Tofu und Falafel wachsen am stärksten.
35 Prozent der Haushalte haben 2026 mindestens einmal Fleischersatz gekauft, so viele wie seit 2022 nicht. Spannend ist, wo das Wachstum stattfindet. Produkte, die Fleisch nachahmen, also vegane Wurst, Schnitzel oder Hack, legten beim Umsatz um rund 6 Prozent zu. Die sonstigen Fleischersatzprodukte wie Tofu und Falafel wuchsen um 38 Prozent.
58 Prozent der Befragten haben schon einmal Fleischersatz gegessen, weitere 8 Prozent können es sich vorstellen. Gekauft wird vor allem von Menschen aus den Sinus-Milieus der Postmateriellen und Neo-Ökologischen. Die Postmateriellen stellen 12 Prozent der Bevölkerung, aber 20 Prozent der Käufer und 34 Prozent des Umsatzes mit Fleischersatz. Wachstum sehen die Forschenden bei den Konsum-Hedonisten und Adaptiv-Pragmatischen, also bei Menschen, denen Genuss und Alltagstauglichkeit wichtiger sind als Weltanschauung.

Zu teuer, zu viele Zusatzstoffe.
Zwei Vorbehalte bremsen laut Umfrage: 61 Prozent finden vegetarische und vegane Ersatzprodukte zu teuer, 64 Prozent haben den Eindruck, dass sie zu viele Zusatzstoffe enthalten. Beides lässt sich teilweise auflösen.
Beim Preis hilft der Blick auf Aktionen und Eigenmarken. Jede Woche sammeln wir die veganen Angebote im Supermarkt, und in unserem Ratgeber zeigen wir, wie vegan günstig funktioniert. Bei den Zusatzstoffen hilft die Zutatenliste weiter. Naturtofu besteht meist nur aus Sojabohnen, Wasser und einem Gerinnungsmittel. Eine Auswahl guter Hersteller findest du in unserer Liste unabhängiger Tofu-Marken. Wer Tofu fester und knuspriger mag, presst ihn vor dem Braten aus, zum Beispiel mit einer Tofupresse. Ungekühlt und lange haltbar gibt es den Bio-Seitan von KoRo, Falafel lassen sich aus einer Falafel-Mischung in wenigen Minuten selbst machen.
Auch „frei von Zusatzstoffen“ auf der Packung heißt nicht automatisch kurze Zutatenliste, weil Aromen und Hefeextrakt rechtlich keine Zusatzstoffe sind. Ein aktuelles Beispiel haben wir bei den neuen Produkten von Billie Green durchgerechnet. Alle aktuellen Neuheiten im Kühlregal sammeln wir unter Neu & vegan.
Was die Zahlen für die Tiere bedeuten.
Für die Tiere zählt am Ende nicht, wie viele Menschen sich als Flexitarier bezeichnen, sondern wie viel Fleisch gekauft wird. Und diese Menge ist laut YouGov gestiegen. Dazu kommt die Verschiebung hin zum Geflügel, das inzwischen den größten Anteil am Fleischabsatz hat. Für ein Kilo Hähnchenfleisch sterben deutlich mehr Tiere als für ein Kilo Schweine- oder Rindfleisch, weil ein Masthuhn nur wenige Kilo wiegt und nach wenigen Wochen geschlachtet wird. Wer Schwein durch Hähnchen ersetzt, weil es als die bessere Wahl gilt, erhöht damit die Zahl der getöteten Tiere. Wie Geflügel geschlachtet wird und welche Methoden die EU gerade neu zulässt, haben wir am Beispiel der Betäubung mit Stickstoffschaum beschrieben.
Die gute Nachricht steckt in den 38 Prozent Wachstum bei Tofu und Falafel. Wer diese Produkte kauft, kocht offenbar anders und sucht mehr als eine Kopie der Wurst. Weniger Fleisch zu essen ist ein Anfang. Für die Tiere ändert sich aber erst etwas, wenn es auf dem Kassenzettel auch wirklich weniger wird.
Wie belastbar die Daten sind.
Die Kaufdaten stammen aus einem Haushaltspanel, das Einkäufe für zu Hause misst. Was in Kantinen, Restaurants oder an der Imbissbude gegessen wird, ist darin nicht enthalten. Die Aussagen zu Absichten und Einstellungen stammen aus einer Onlinebefragung, also aus Selbstauskünften. YouGov und Sinus verkaufen Markt- und Zielgruppendaten, die Mitteilung zum Weltvegetariertag ist auch Werbung für diese Studien. In einigen Medienberichten wird die Zahl von 22 Prozent Vegetarier-Interesse auf alle bezogen, die weniger Fleisch essen wollen. Laut YouGov gilt sie für die 43 Prozent, die sagen, weniger Fleisch würde ihnen guttun.
Häufige Fragen.
Essen die Deutschen weniger Fleisch?
Laut YouGov-Haushaltspanel kaufen etwas weniger Haushalte Fleisch als 2022 (93 statt 95 Prozent), die gekaufte Menge ist aber um 3 Prozent gestiegen. Deutlich zurück geht vor allem Wurst.
Wie viele Menschen in Deutschland sind Flexitarier?
In der YouGov-Umfrage vom August 2026 bezeichnen sich 28 Prozent der Befragten als Flexitarier.
Wie viele Haushalte kaufen Fleischersatz?
35 Prozent der Haushalte haben 2026 mindestens einmal Fleischersatz gekauft, so viele wie seit 2022 nicht.
Wann ist Weltvegetariertag?
Jedes Jahr am 1. Oktober. Er eröffnet den Vegetarian Awareness Month, am 1. November folgt der Weltvegantag.
Quellen ●
YouGov, „Ernährungstrends: Deutschland reduziert Fleischkonsum weiter“, 28. September 2026. Kaufdaten: YouGov Consumer Panel Germany, Januar bis Juli 2026, private Haushalte. Befragung: YouGov-Omnibus, 2.023 Personen von 18 bis 75 Jahren, 14. bis 24. August 2026, ausgewertet nach Sinus-Milieus. Hinweis auf die Studie über einen Bericht der Lebensmittel Praxis. Die Links zu Amazon und KoRo sind Affiliate-Links.


