Nur drei von 64 Unternehmen halten alle Tierschutzkriterien für Masthühner ein, die die Europäische Masthuhn-Initiative verlangt. Das zeigt der Masthuhn-Report 2026 der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, der am 4. November erschienen ist. Unter den Supermärkten liegt Aldi Süd vorn, Edeka und Lidl hängen hinterher. Zwei bekannte Hersteller haben ihre Zusagen in diesem Jahr ganz zurückgezogen: Nestlé und die Rügenwalder Mühle.
Kurz gesagt
- Untersucht: 64 Supermärkte, Hersteller, Fleischproduzenten, Caterer und Restaurantketten in Deutschland.
- Ergebnis: Nur Hans im Glück, 60 seconds to Napoli und Yorma’s erfüllen alle Kriterien. 45 Unternehmen haben mehr Tierschutz zugesagt, umgesetzt ist im gewichteten Schnitt rund 20 Prozent.
- Supermärkte: Aldi Süd erreicht mit 54 Prozent den besten Wert, Edeka und Lidl kommen auf je 26 Prozent.
- Rückzieher: Nestlé, die Rügenwalder Mühle und der Caterer Genuss & Harmonie sind 2026 aus der Initiative ausgestiegen. McDonald’s und Burger King haben nie eine Zusage gemacht.
- Größte Baustelle: die Zucht. Beim Umstieg auf langsamer wachsende Rassen liegt die Umsetzung im Schnitt bei 15 Prozent.
Inhalt7 Kapitel
- 01Was der Masthuhn-Report misst
- 02Supermärkte: Aldi Süd vorn, Edeka und Lidl hinten
- 03Nestlé und Rügenwalder Mühle steigen aus
- 04Gastronomie: Kleine Ketten liefern, McDonald’s und Burger King nicht
- 05Die größte Baustelle ist die Zucht
- 06Wie belastbar der Report ist
- 07Was der Report für die Hühner bedeutet
Was der Masthuhn-Report misst.
Der Report erscheint seit 2022 und prüft, wie weit Unternehmen die Kriterien der Europäischen Masthuhn-Initiative umsetzen. In Deutschland haben sich laut Stiftung mehr als 110 Lebensmittelunternehmen dazu verpflichtet. Die Initiative verlangt im Kern:
- höchstens 30 Kilogramm Tier pro Quadratmeter Stallfläche,
- langsamer wachsende, gesündere Zuchtlinien nach einem Bewertungsprotokoll der britischen Tierschutzorganisation RSPCA,
- mehr Sitzstangen und Beschäftigungsmaterial,
- höchstens einmal pro Mastdurchgang ein vorzeitiges Herausfangen eines Teils der Tiere,
- eine Betäubung ohne Kopfüberhängen und Elektrowasserbad, etwa mit mehrstufigem CO₂-Verfahren,
- regelmäßige Kontrollen durch unabhängige Dritte.
Bewertet wird auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent. 20 Prozent des Ergebnisses hängen an der Zusage, 12 Prozent am Fortschrittsbericht, 8 Prozent am Umsetzungsplan und 60 Prozent an der tatsächlichen Umsetzung in der Lieferkette. Dabei zählen Besatzdichte und Zuchtlinien zehnfach. Diese Gewichtung ist neu: 2025 machte die Umsetzung nur ein Drittel des Ergebnisses aus. Die Stiftung begründet die Änderung damit, dass viele Unternehmen ihre ursprüngliche Frist 2026 verpasst und auf 2030 verschoben haben. Alle bewerteten Unternehmen wurden vorab informiert und konnten öffentliche Angaben ergänzen.
Supermärkte: Aldi Süd vorn, Edeka und Lidl hinten.

Aldi Süd kommt mit 54 Prozent auf den besten Wert im Handel. Zusage, Umsetzungsplan und Fortschrittsbericht bewertet die Stiftung als nahezu vollständig, Betäubung und Kontrollen hat der Discounter fast komplett umgestellt. Bei den beiden wichtigsten Punkten, Besatzdichte und Zuchtlinien, steht Aldi Süd bei rund 23 Prozent. Das ist der höchste Wert im Handel und trotzdem weniger als ein Viertel. Nach eigenen Angaben verkauft Aldi Süd seit Anfang 2026 bei den Eigenmarken kein Frischfleisch aus Haltungsform 1 mehr und will bis 2030 alle Eigenmarken bei Hähnchenfrischfleisch und gefrorenen Naturprodukten umstellen.
Dahinter folgen Globus (48 Prozent), V-Markt (46), Penny und Rewe (je 42). Edeka und Lidl landen mit je 26 Prozent im unteren Mittelfeld. Lidl hat laut Report zugesagt, Haltungsform 3 zum Mindeststandard für Geflügelfleisch zu machen, allerdings nicht in allen Sortimentsbereichen. Positiv vermerkt die Stiftung, dass Lidl nur Frischfleisch von Hühnern annimmt, die mit CO₂ betäubt wurden. Einen Umsetzungsplan gibt es nicht, und der Fortschrittsbericht nennt nur den Anteil im Sortiment, nicht an den verkauften Mengen. Der Report zitiert dazu Zahlen aus dem Greenpeace-Supermarkt-Check: Im ersten Quartal 2025 stammten bei Lidl nur 3 Prozent des Hühnerfrischfleischs aus Haltungsform 3, 4 Prozent aus Bio und keines aus Haltungsform 4.
Gar keine Zusage haben die zur dänischen Salling Group gehörende Netto ApS, Famila Nordost und K+K Klaas & Kock. Neu dabei sind dafür Wasgau und Hit. Damit trägt laut Stiftung der größte Teil des deutschen Lebensmittelhandels die Initiative mit. Wer beim Einkauf selbst vergleichen will, bekommt vom Staat vorerst wenig Hilfe: Die Koalition hat den Start der Tierhaltungskennzeichnung gerade verschoben.
Nestlé und Rügenwalder Mühle steigen aus.
Bei den Lebensmittelherstellern liegen die Ergebnisse weit auseinander. Dr. Oetker erreicht 88 Prozent und hat die Umstellung laut Report fast abgeschlossen. Frosta kommt auf 64 Prozent und hat feste jährliche Etappenziele. Nestlé und die Rügenwalder Mühle stehen dagegen bei 0 Prozent, weil beide ihre Zusagen 2026 zurückgezogen haben.
Nestlé ist laut Report europaweit aus der Masthuhn-Initiative ausgetreten, nach mehreren Jahren, in denen der Konzern sie umgesetzt hatte. Als Grund nennt Nestlé Anpassungen im Sortiment, durch die der Anteil an Hühnerfleisch sinke. Die Stiftung nennt den Schritt einen Rückschritt für den Tierschutz, gerade mit Blick auf Größe und Marktmacht des Konzerns.
Bei der Rügenwalder Mühle fällt die Bewertung der Stiftung auffallend respektvoll aus. Das Unternehmen habe den deutschen Markt für pflanzliche Fleischalternativen nachhaltig geprägt, heißt es im Report. Umso schwerer sei der Austritt nachvollziehbar. Für die tierischen Zutaten, die Rügenwalder weiterhin verwende, wäre eine Vorreiterrolle wünschenswert. Eine öffentliche Begründung des Unternehmens haben wir nicht gefunden. Rügenwalder ist bei veganen Produkten einer der bekanntesten Namen im Kühlregal, zuletzt etwa mit den Mühlen Chunks und der Übernahme der Marke Endori. Tierische Zutaten verwendet das Unternehmen laut Report aber weiterhin.
Auch unter den Caterern gab es einen Rückzieher: Genuss & Harmonie ist ebenfalls ausgestiegen. Neu hinzugekommen ist dafür der Caterer Menü 2000. Unter den Fleischproduzenten liefern laut Report fünf von sieben bereits Ware, die den Kriterien entspricht. Rothkötter, einer der drei größten Produzenten in Deutschland, verweigert dagegen das Gespräch.

Gastronomie: Kleine Ketten liefern, McDonald’s und Burger King nicht.
Die einzigen drei Unternehmen mit 100 Prozent kommen aus der Gastronomie: die Restaurantketten Hans im Glück und 60 seconds to Napoli sowie die Imbisskette Yorma’s. Sie beziehen ihr Hühnerfleisch komplett nach den Kriterien der Initiative. L’Osteria erreicht 52 Prozent, Peter Pane 46 und Dean & David 42. KFC kommt auf 38 Prozent, Ikea auf 30, Domino’s auf 18 und Subway auf 12.
McDonald’s und Burger King stehen bei 0 Prozent, weil sie sich nie zu den Kriterien verpflichtet haben. Bei McDonald’s stammt das Hühnerfleisch aus Deutschland laut Report seit 2025 vollständig aus Haltungsform 2. Allerdings bezog die Kette 2023 nur 41 Prozent ihres Hühnerfleischs aus Deutschland, für den Rest sind keine Standards bekannt. Burger King benennt auf seiner Website immerhin Probleme in der Hühnermast und will in den nächsten Monaten mögliche Verbesserungen prüfen. Bei pflanzlichen Burgern ist die Kette übrigens weiter: Jeder fünfte Whopper ist pflanzlich.
Die größte Baustelle ist die Zucht.
Über alle 45 Unternehmen mit Zusage hinweg ist die Betäubung am weitesten umgestellt (51 Prozent), gefolgt von den Kontrollen (42 Prozent). Bei der Besatzdichte liegt der Fortschritt bei 21 Prozent, bei den Zuchtlinien bei 15 Prozent. Ausgerechnet dort, wo es am meisten um das Leiden der Tiere geht, bewegt sich also am wenigsten.
Heutige Masthühner sind auf schnelles Wachstum gezüchtet. Viele leiden laut Stiftung durch ihr hohes Körpergewicht unter Schmerzen, Erkrankungen und eingeschränkter Bewegungsfähigkeit. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Netflix-Doku, über die wir im Artikel zu Big Chicken berichtet haben. „Gerade beim Umstieg auf gesündere, langsamer wachsende Zuchtlinien besteht dringender Nachholbedarf“, sagt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung, in der Pressemitteilung.
Ein Hinweis für alle, die beim Einkauf auf Siegel achten: Die Haltungsformen 3 und 4 gelten mit zusätzlicher Gasbetäubung als ein Weg, die Initiative umzusetzen. Für Bio, also Haltungsform 5, gilt das laut Report nicht automatisch. Dort ist keine Liste zugelassener Zuchtlinien vorgeschrieben, schnell wachsende Rassen sind mit einem Mindestschlachtalter weiter erlaubt.
Wie belastbar der Report ist.
Der Report stammt von der Organisation, die die Masthuhn-Initiative in Deutschland selbst vorantreibt und Unternehmen bei der Umsetzung begleitet. Das ist kein Geheimnis, die Stiftung legt ihre Kriterien und Gewichtungen offen. Zwei Einschränkungen sollte man trotzdem kennen. Wegen der neuen Gewichtung sind die Gesamtwerte nicht direkt mit den Vorjahren vergleichbar, ein Unternehmen kann also schlechter dastehen, obwohl es nicht weniger getan hat. Außerdem beruht die Bewertung auf den Angaben der Unternehmen. Wer nur über den Anteil im Sortiment berichtet, sagt wenig darüber, wie viel Fleisch tatsächlich aus besserer Haltung verkauft wird.
Was der Report für die Hühner bedeutet.
In Deutschland werden laut Stiftung jedes Jahr rund 640 Millionen Masthühner geschlachtet, rund 1,75 Millionen am Tag. Für jedes einzelne dieser Tiere macht es einen Unterschied, ob es in einer Rasse aufwächst, deren Körper es tragen kann, ob es Platz hat und ob es vor dem Tod zuverlässig betäubt wird. Insofern ist jede umgesetzte Zusage ein Fortschritt, und jeder Rückzieher wie der von Nestlé und Rügenwalder ein Rückschritt.
Man sollte aber genau hinschauen, was „höhere Standards“ hier heißt. 30 Kilogramm pro Quadratmeter bedeuten bei einem Schlachtgewicht von 2,5 Kilogramm immer noch zwölf ausgewachsene Hühner auf einem Quadratmeter. Auch langsamer wachsende Rassen werden nach wenigen Wochen geschlachtet. Die Initiative macht das Leben der Hühner weniger qualvoll, ändert aber nichts daran, dass es mit wenigen Wochen endet. Die Albert Schweitzer Stiftung setzt sich deshalb nach eigenen Angaben auch für weniger Tierprodukte und mehr pflanzliche Angebote ein.
Dazu passt ein Detail aus der neuen internationalen Ernährungspyramide, die diese Woche vorgestellt wurde. Sie empfiehlt, rotes Fleisch eher durch Geflügel zu ersetzen. Für die Zahl der Tiere ist das die schlechteste Richtung, denn ein Huhn liefert nur einen Bruchteil des Fleischs eines Rinds. Wer Hühnerfleisch ersetzen will, findet inzwischen viele Alternativen, etwa die neuen Tenders von Planted, Sojaschnetzel und Erbsenprotein-Stücke, die es zum Beispiel bei KoRo gibt, oder pflanzliche Produkte von Veganz. Und wie wenig sich Konzerne bisher zu mehr pflanzlichem Eiweiß verpflichten, zeigt der Protein-Split-Report.
Quellen
Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt: Masthuhn-Report 2026 (PDF), Artikel zum Report und Pressemitteilung vom 4. November 2026. Die Zahlen zu Lidl stammen aus dem dort zitierten Greenpeace-Supermarkt-Check 2025, die Angaben von Aldi Süd und Nestlé aus dem Report.
FAQ - Das fragen andere
Was der Masthuhn-Report misst.?
Wie belastbar der Report ist.?
Was der Report für die Hühner bedeutet.?
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