News

Basler Schlachthof: Tiertransporter fährt auf Mahnwache zu, Basel Animal Save erstattet Strafanzeige

Vor dem Bell-Schlachthof in Basel ist ein beladener Tiertransporter auf eine Mahnwache zugesteuert. Basel Animal Save erstattet Strafanzeige gegen den Fahrer.

Roter Tiertransporter fährt über einen rot markierten Velostreifen, ein Aktivist in Warnweste weicht zur Seite aus
Standbild aus dem Video von Basel Animal Save

Vor dem Schlachthof der Bell AG in Basel ist am Freitagmorgen, 6. November 2026, ein mit lebenden Schweinen beladener Tiertransporter auf mehrere Tierrechtsaktivistinnen und -aktivisten zugesteuert. Sie hielten dort eine bewilligte Mahnwache ab. Die Gruppe Basel Animal Save wirft dem Fahrer vor, er habe versucht, sie zu überfahren, und erstattet Strafanzeige. Das Unternehmen Bell gehört zum Coop-Konzern.

Kurz gesagt

  • Was: Ein Tiertransporter aus Luzern soll vor dem Basler Bell-Schlachthof auf eine Mahnwache zugefahren sein. Mehrere Menschen mussten laut Basel Animal Save zur Seite springen.
  • Beleg: Ein Video der Gruppe zeigt, wie der Lastwagen über einen geschützten Velostreifen in Richtung der Aktivisten fährt.
  • Folgen: Basel Animal Save erstattet Strafanzeige und fordert, dass der Fahrer nicht mehr eingesetzt wird.
  • Bell: Das Unternehmen verweist auf das externe Transportunternehmen und will die Sache mit ihm klären.
Inhalt5 Kapitel
  1. 01Was die Aktivisten schildern
  2. 02Was Basel Animal Save fordert
  3. 03Bell verweist auf die Drittfirma
  4. 04Wer hinter Basel Animal Save steht
  5. 05Was das für die Tiere bedeutet

Was die Aktivisten schildern.

Nach Darstellung von Basel Animal Save fuhr der Fahrer seinen beladenen Lastwagen gezielt auf die Gruppe zu. Mehrere Menschen mussten sich mit einem Satz nach hinten oder zur Seite retten, heißt es in der Stellungnahme der Gruppe, die uns vorliegt. Dabei habe der Transporter auch einen durch eine Verkehrsinsel geschützten Fahrradstreifen befahren und so Unbeteiligte gefährdet. Für die geladenen Schweine habe durch das Manöver ebenfalls eine erhebliche Verletzungsgefahr bestanden.

Das Video, das die Gruppe aufgenommen hat, dauert 17 Sekunden. Es zeigt, wie der Transporter auf dem roten Velostreifen Richtung Gehweg zieht, während Menschen in Warnwesten ausweichen. Danach biegt er auf das Schlachthofgelände ab, vorbei an Schildern mit der Aufschrift „Stop killing animals“.

Olivier Bieli, Leiter von Basel Animal Save, sagte blue News, der Fahrer habe seinen Lastwagen als Waffe genutzt. Nach dem Aussteigen habe er die Gruppe ausgelacht. Gegenüber 20 Minuten betonte Bieli, so etwas sei in über acht Jahren noch nie passiert. Die Lastwagenfahrer sind normalerweise immer rücksichtsvoll. Unser Protest richtet sich auch nicht gegen sie. In der Stellungnahme schreibt er: Wir sind zutiefst schockiert darüber, dass man für das Einstehen für Tierrechte, um sein eigenes Leben fürchten muss.

Für den Fahrer gilt die Unschuldsvermutung. Seine Sicht kennen wir nicht, seinen Namen nennen wir nicht. Ob die Anzeige bereits eingegangen ist und ob die Behörden ermitteln, ist bisher nicht öffentlich bekannt.

Was Basel Animal Save fordert.

  • Bell und das Transportunternehmen sollen den Fahrer ab sofort nicht mehr einsetzen.
  • Die Fahrer sollen speziell geschult werden, damit es künftig nicht zu Unfällen kommt.
  • Die Gruppe möchte die Tiere kurz auf dem Schlachthofgelände dokumentieren dürfen, wenn die Transporter an der Pforte parken und stillstehen. Dann müsste niemand mehr am Straßenrand neben fahrenden Lastwagen stehen.
  • Die Behörden sollen den Vorfall eingehend prüfen.

Um den Zugang auf das Gelände hat Basel Animal Save nach eigenen Angaben schon mehrfach gebeten, die Schlachthofleitung lehnte jedes Mal ab. Die Gruppe dokumentiert die Anlieferung seit über acht Jahren. Es gehe dabei ausschliesslich um die unfreiwilligen Opfer, niemals um die Fahrer.

Einmal pro Woche das Beste aus dem Magazin

Neue Tests, Rezepte und echte Recherchen, dazu die Rabattcodes unserer Partner. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Bell verweist auf die Drittfirma.

Bell-Mediensprecher Jan Kirchhofer sagte 20 Minuten, das Unternehmen setze sich immer für Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme ein. Weil der Transport von einer Drittfirma durchgeführt worden sei, werde Bell den Vorfall mit dieser klären. Welche Konsequenzen das haben könnte, ist offen.

Silberner Tiertransporter fährt in das Gelände des Schlachthofs Basel ein, davor zwei Aktivistinnen in Warnwesten und ein Schild mit der Aufschrift Stop killing animals
Einfahrt zum Schlachthof Basel: Hier dokumentiert Basel Animal Save seit über acht Jahren die Anlieferung der Tiere. Video: Basel Animal Save

Wer hinter Basel Animal Save steht.

Olivier Bieli ist für uns kein Unbekannter. Mit seiner Frau Rebecca betreibt er seit 2012 den Gnadenhof Papillon in Munchhouse im Elsass, nur wenige Kilometer von Basel entfernt. Dort leben Pferde, Schweine, Schafe, Ziegen, Hühner und viele weitere Tiere, die aus der Nutzung gerettet wurden. Wir haben die beiden schon 2020 besucht, nachzulesen in unserem Interview mit Olivier Bieli.

Zum Weltvegantag 2026 haben wir Spenden für den Lebenshof gesammelt. Das Video von einem unserer Besuche auf dem Hof:

Im Plantbased Podcast spricht Olivier über Zoos, Haustiere und darüber, warum er auch mit Jägern und Metzgern redet, die auf seinem Hof stehen:

Lieber unterwegs hören? Die Folge gibt es auch auf Spotify.

Was das für die Tiere bedeutet.

Die Debatte dreht sich jetzt um das Fahrmanöver. Der eigentliche Vorgang läuft unterdessen weiter. Im Anhänger, auf den die Mahnwache zeigt, stehen Schweine, die wenige Minuten später getötet werden. Dass ein Ausweichmanöver laut den Aktivisten auch die Tiere im Laderaum gefährdet hat, sagt viel darüber, wie sie hier bewegt werden: als Ladung, die möglichst ohne Verzögerung ankommen soll.

Mahnwachen wie die von Animal Save sind oft der einzige Moment, in dem diese Tiere überhaupt jemand ansieht. Die Teilnehmenden schauen hin, filmen und erzählen später von ihnen. Ein Schlachthof, der Aufnahmen auf seinem Gelände ablehnt, schiebt diese Öffentlichkeit an den Straßenrand. In Deutschland hat der Bundestag gerade eine Kamerapflicht für große Schlachthöfe beschlossen, die Aufnahmen bekommen dort aber nur die Behörden zu sehen. Was Menschen über Schlachthöfe wissen, stammt meist von Leuten wie denen, die in Basel zur Seite springen mussten.

Bell gehört zu den größten Fleischverarbeitern der Schweiz. Wer dessen Produkte nicht kauft, finanziert diese Lieferkette nicht mit. Und wer bei einer Mahnwache dabei sein will: Abstand zur Fahrbahn halten, eine laufende Kamera und ein zweiter Blickwinkel helfen, falls es doch einmal brenzlig wird. Wie lange so ein Verfahren dauern kann, zeigt die Strafanzeige gegen Suisseporcs wegen Ferkeltransporten.

Wir bleiben an dem Fall dran. Abonniere den Newsletter, kostenlos und jederzeit kündbar.

Quellen

Stellungnahme von Basel Animal Save (Olivier Bieli) und Video der Gruppe, beides liegt der Redaktion vor. Berichte von 20 Minuten, blue News und Blick. Transparenzhinweis: Wir kennen Olivier Bieli seit unserem Besuch auf dem Gnadenhof Papillon 2020 und haben mehrfach über den Hof berichtet.

Häufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was die Aktivisten schildern.?
Nach Darstellung von Basel Animal Save fuhr der Fahrer seinen beladenen Lastwagen gezielt auf die Gruppe zu. Mehrere Menschen mussten sich mit einem Satz nach hinten oder zur Seite retten, heißt es in der Stellungnahme der Gruppe, die uns vorliegt. Dabei habe der Transporter auch einen durch eine Verkehrsinsel geschützten Fahrradstreifen befahren und so Unbeteiligte gefährdet.
Was Basel Animal Save fordert.?
Bell und das Transportunternehmen sollen den Fahrer ab sofort nicht mehr einsetzen. Die Fahrer sollen speziell geschult werden, damit es künftig nicht zu Unfällen kommt. Die Gruppe möchte die Tiere kurz auf dem Schlachthofgelände dokumentieren dürfen, wenn die Transporter an der Pforte parken und stillstehen. Dann müsste niemand mehr am Straßenrand neben fahrenden Lastwagen stehen.
Wer hinter Basel Animal Save steht.?
Olivier Bieli ist für uns kein Unbekannter. Mit seiner Frau Rebecca betreibt er seit 2012 den Gnadenhof Papillon in Munchhouse im Elsass, nur wenige Kilometer von Basel entfernt. Dort leben Pferde, Schweine, Schafe, Ziegen, Hühner und viele weitere Tiere, die aus der Nutzung gerettet wurden. Wir haben die beiden schon 2020 besucht, nachzulesen in unserem Interview mit Olivier Bieli.
Was das für die Tiere bedeutet.?
Die Debatte dreht sich jetzt um das Fahrmanöver. Der eigentliche Vorgang läuft unterdessen weiter. Im Anhänger, auf den die Mahnwache zeigt, stehen Schweine, die wenige Minuten später getötet werden. Dass ein Ausweichmanöver laut den Aktivisten auch die Tiere im Laderaum gefährdet hat, sagt viel darüber, wie sie hier bewegt werden: als Ladung, die möglichst ohne Verzögerung ankommen soll.

Du willst unsere Meldungen in den Google-Top-Stories weiter oben sehen? Füge This Is Vegan bei Google als bevorzugte Quelle hinzu.