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Nur 2 von 32: Kaum ein Konzern hat ein Ziel für mehr pflanzliches Protein

Schalen mit Linsen, Bohnen, Kichererbsen und Getreide von oben fotografiert
Foto: MART PRODUCTION / Pexels

Vegane Produkte hat inzwischen fast jeder große Händler, Caterer und Hersteller im Angebot. Ein messbares Ziel, wie viel Pflanzliches am Ende verkauft werden soll, hat fast keiner. Das zeigt eine neue Analyse von ProVeg: Von 32 untersuchten Unternehmen haben sich nur zwei auf ein Verhältnis von pflanzlichem zu tierischem Protein festgelegt. Wir zeigen, wer vorn liegt, wer nichts vorweisen kann und warum man die Ergebnisse trotzdem mit Vorsicht lesen sollte.

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Kurz gesagt

  • Produkte ja: 28 von 32 Unternehmen haben ihr pflanzliches Angebot ausgebaut
  • Ziele kaum: Nur Lidl und Rewe haben ein Protein-Split-Ziel, neun haben ein Sortimentsziel, zwei ein Umsatzziel
  • Preis und Platz: Preisanreize für Pflanzliches fand ProVeg bei drei Unternehmen, bessere Platzierung bei zwei
  • Einschränkung: Ausgewertet wurden nur öffentliche Angaben. „Nicht gefunden“ heißt nicht „gibt es nicht“
Inhalt9 Kapitel
  1. 01Was ProVeg untersucht hat
  2. 02Supermärkte: Lidl und Rewe vorn
  3. 03Kantinen: 15 Millionen Essen am Tag, kein Mengenziel
  4. 04Fleischkonzerne mit Umsatzzielen
  5. 05Preis und Platz: die ungenutzten Hebel
  6. 06Was man über den Report wissen sollte
  7. 07Tierethische Einordnung
  8. 08Was das für deinen Einkauf heißt
  9. 09Häufige Fragen

Was ProVeg untersucht hat.

Der Report heißt „Proteinvielfalt mit System“ und ist im Oktober 2026 erschienen. ProVeg hat dafür 32 Unternehmen aus vier Bereichen angesehen: Supermärkte und Discounter, Betriebskantinen und Caterer, Systemgastronomie und Lebensmittelhersteller. Ausgewertet wurde, was die Firmen zwischen Januar 2020 und Juli 2026 selbst veröffentlicht haben, also Nachhaltigkeitsberichte, Pressemitteilungen und Websites.

Für jedes Unternehmen hat ProVeg neun Fragen mit Ja oder Nein beantwortet. Sechs betreffen Maßnahmen: neue Produkte, Kommunikation, gesellschaftliches Engagement, Preisanreize, Platzierung und Schulungen. Drei betreffen Ziele: für das Sortiment, für den Umsatz und für den sogenannten Protein Split.

Der Protein Split ist die wichtigste Kennzahl in dieser Debatte. Er gibt an, wie viel der verkauften proteinreichen Lebensmittel pflanzlich ist und wie viel tierisch. Wer ihn misst und ein Ziel dafür setzt, legt sich fest. Mehr Veganes ins Regal zu stellen reicht dann nicht mehr, im Verhältnis muss weniger Tierisches verkauft werden.

Supermärkte: Lidl und Rewe vorn.

Im Handel ist das Bild am klarsten. Alle sieben untersuchten Ketten haben ihr pflanzliches Sortiment erweitert, werben dafür und engagieren sich in Initiativen. Danach trennt sich das Feld.

Händler Preisanreize Platzierung Ziel laut ProVeg
Lidl ja ja Protein Split
Rewe nicht gefunden ja Protein Split
Kaufland ja nicht gefunden keines gefunden
Aldi Süd nicht gefunden nicht gefunden Sortiment
Aldi Nord nicht gefunden nicht gefunden keines gefunden
Edeka nicht gefunden nicht gefunden keines gefunden
Netto Marken-Discount nicht gefunden nicht gefunden keines gefunden
Quelle: ProVeg, „Proteinvielfalt mit System“, Stand der Daten Juli 2026

Lidl ist das einzige Unternehmen im ganzen Report, bei dem ProVeg fünf von sechs Maßnahmen und ein Protein-Split-Ziel gefunden hat. Rewe folgt mit Platzierung und Protein-Split-Ziel. Bei Aldi Nord, Edeka und Netto steht außer den drei Basismaßnahmen nichts in der Tabelle. Wie hoch die Ziele von Lidl und Rewe sind und bis wann sie erreicht sein sollen, nennt der Report nicht.

Kantinen: 15 Millionen Essen am Tag, kein Mengenziel.

Die Betriebsgastronomie erreicht in Deutschland nach Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung täglich mindestens 14,73 Millionen Menschen. Kaum ein Bereich hätte mehr Einfluss darauf, was auf den Tellern landet.

ProVeg hat sechs Konzerne mit eigenen Kantinen untersucht: Audi, BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, Siemens und die Gastronomie der Deutschen Bahn. Drei davon haben ein Sortimentsziel, keiner hat ein Ziel für Protein Split oder Umsatz. Bei Volkswagen und Siemens fand ProVeg in keiner der neun Kategorien etwas. Das überrascht vor allem bei VW, wo die Currywurst in der Kantine vor ein paar Jahren eine bundesweite Debatte ausgelöst hat.

Bei den großen Caterern sieht es etwas besser aus. Apetito, Aramark, Klüh und Sodexo haben laut Report Sortimentsziele. Dussmann ist das einzige der 32 Unternehmen, das sein Personal zu pflanzlicher Küche schult.

Fleischkonzerne mit Umsatzzielen.

Das auffälligste Ergebnis steht in der Tabelle der Hersteller. Ein Umsatzziel für pflanzliche Produkte hat ProVeg nur bei zwei Unternehmen gefunden, und beide verdienen ihr Geld mit Fleisch: die PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört, und die Premium Food Group, die bis 2025 Tönnies hieß. Bei Nestlé, Dr. Oetker, Ferrero, dem Deutschen Milchkontor und der Molkerei Müller fand ProVeg neue Produkte, aber keine Ziele.

Man kann das als Fortschritt lesen. Man kann es auch so lesen: Für die größten Schlachtkonzerne des Landes sind pflanzliche Produkte ein zweites Standbein, das sie planen wie jedes andere Geschäft. An der Zahl der geschlachteten Tiere ändert ein Umsatzziel für Veggie-Wurst erst einmal nichts.

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Preis und Platz: die ungenutzten Hebel.

Was Menschen kaufen, hängt stark davon ab, was es kostet und wo es steht. Genau hier passiert laut Report am wenigsten. Preisanreize, also pflanzliche Produkte zum gleichen oder niedrigeren Preis als das tierische Gegenstück, fand ProVeg nur bei Lidl, Kaufland und Burger King. Eine gezielt bessere Platzierung nur bei Lidl und Rewe.

Wie viel Platzierung ausmachen kann, belegt ProVeg mit Zahlen des Good Food Institute. In einer Simulation wählten Menschen pflanzliche Gerichte um 56 Prozent häufiger, wenn sie im normalen Menü standen und nicht in einer eigenen vegetarischen Rubrik. Wurde das pflanzliche Gericht als Standard gesetzt, stieg die Auswahl von 31 auf 82 Prozent. Es sind Simulationen und keine echten Verkaufszahlen, die Richtung ist aber eindeutig.

Was man über den Report wissen sollte.

Die Zahlen sind eingängig, haben aber Grenzen. Vier davon sind wichtig.

  • Es zählt nur, was öffentlich ist. ProVeg hat ausgewertet, was Unternehmen selbst kommunizieren. Der Report sagt ausdrücklich, dass intern umgesetzte Maßnahmen fehlen können. Bei McDonald’s und KFC steht in allen neun Spalten ein Strich, auch bei „Produkt“, obwohl zumindest McDonald’s mit dem McPlant einen pflanzlichen Burger im Programm hatte. Das spricht eher für Lücken in der Erhebung.
  • Ja oder Nein sagt nichts über die Höhe. Ein Sortimentsziel kann „ein paar Gerichte mehr“ bedeuten oder „die Hälfte pflanzlich“. Der Report nennt keine Zielwerte und keine Fristen.
  • Die Auswahl ist nicht begründet. Warum genau diese 32 Unternehmen untersucht wurden und zum Beispiel Rügenwalder Mühle fehlt, erklärt der Report nicht.
  • ProVeg ist kein neutraler Beobachter. Die Organisation setzt sich für pflanzliche Ernährung ein und berät Unternehmen dabei. Der Report wirbt für diese Beratung. Ob untersuchte Firmen zu den Kunden gehören, steht nicht darin.

Tierethische Einordnung.

Der Report spricht von „Proteinvielfalt“. Das Wort ist klug gewählt, weil es niemandem etwas wegnimmt. Es beschreibt aber auch das Problem. Solange Pflanzliches nur zusätzlich ins Regal kommt, ändert sich für Tiere wenig. Entscheidend ist, ob am Ende weniger Fleisch, Milch und Eier verkauft werden. Genau das misst der Protein Split, und genau deshalb scheuen ihn die meisten Unternehmen.

Bemerkenswert ist eine Empfehlung an Kantinen. Begriffe wie „vegan“ sollten sie laut ProVeg eher vermeiden und stattdessen kleine, unauffällige Piktogramme nutzen. Für den Absatz mag das stimmen, denn das Wort schreckt manche Gäste offenbar ab. Wer vegan lebt, weil er Tiere nicht als Ware sieht, liest so einen Satz trotzdem mit gemischten Gefühlen. Ein Schnitzel aus Erbsen, das niemand mehr vegan nennen soll, rettet Tiere. Aber es erklärt niemandem, warum.

Was das für deinen Einkauf heißt.

Ein Unternehmensziel ersetzt keine eigene Entscheidung, aber es zeigt, wo sich etwas bewegt. Wer mit seinem Einkauf Druck machen will, kann dort kaufen, wo pflanzliche Produkte nicht teurer sind als tierische, und in der Kantine nachfragen, wenn das vegane Gericht fehlt oder versteckt ist. Günstige pflanzliche Proteinquellen brauchst du dafür ohnehin nicht vom Konzern. Linsen, Bohnen und Kichererbsen gibt es überall, einen Überblick findest du in unserem Artikel über Hülsenfrüchte. Größere Mengen bekommst du zum Beispiel bei Amazon.

Wie viel Geld inzwischen in pflanzliche und kultivierte Proteine fließt, zeigt unser Artikel zu den Investitionen in alternative Proteine.

Häufige Fragen.

Was ist der Protein Split?

Das Verhältnis von pflanzlichen zu tierischen proteinreichen Lebensmitteln im Verkauf eines Unternehmens, gemessen an den verkauften Mengen.

Welche Supermärkte haben ein Protein-Split-Ziel?

Laut ProVeg haben in Deutschland nur Lidl und Rewe ein solches Ziel veröffentlicht.

Welche Unternehmen wurden untersucht?

32 Unternehmen, darunter Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto und Rewe, die Kantinen von Audi, BMW, Mercedes-Benz, VW, Siemens und der Deutschen Bahn, sechs Caterer, sechs Ketten der Systemgastronomie und sieben Hersteller.

Wer steckt hinter dem Report?

ProVeg, eine Organisation, die sich für pflanzliche Ernährung einsetzt und Unternehmen dazu berät.

Quellen ●

ProVeg: „Proteinvielfalt mit System: Von Einzelmaßnahmen zur strategischen Steuerung“, Oktober 2026, 25 Seiten. Alle Zahlen und Tabellen stammen aus diesem Report. Die Einordnung ist unsere eigene. Foto: MART PRODUCTION / Pexels. Der Link zu Amazon ist ein Affiliate-Link, als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Dieser Artikel ist keine Kooperation.

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