Lidl in Deutschland hat den Anteil pflanzlicher Proteinquellen im Sortiment auf 13,8 Prozent gesteigert. Das steht im Nachhaltigkeitsbericht 2025, den der Discounter jetzt veröffentlicht hat. Ein Jahr zuvor waren es 11,3 Prozent. Der Fortschritt ist echt. Ein Blick in die Methodik zeigt aber, wie viel die Zahl auslässt.
Kurz gesagt
- Der Wert: 13,8 Prozent pflanzliche Proteinquellen im Geschäftsjahr 2025 (1. März 2025 bis 28. Februar 2026), plus 2,5 Prozentpunkte
- Das Ziel: 20 Prozent bis 2030, langfristig orientiert sich Lidl an der Planetary Health Diet mit 60 zu 40 im Jahr 2050
- Der Haken: Milch und Käse fließen nicht in die Rechnung ein, und der Anteil pflanzlicher Molkereialternativen sinkt seit zwei Jahren
- Der Preis: Laut ProVeg-Preisstudie 2025 war der pflanzliche Warenkorb bei Lidl 18 Prozent günstiger als der tierische
- Das Sortiment: rund 1.000 vegane Artikel, viele davon unter der Eigenmarke Vemondo
Inhalt6 Kapitel
Was im Bericht steht.
Seit 2022 misst Lidl in Deutschland, wie sich pflanzliche und tierische Proteinquellen im Sortiment verteilen. Diesen sogenannten Protein-Split berechnet der Discounter nach einer Methode des WWF. Die Kennzahlentabelle im neuen Bericht zeigt drei Jahre:
- 2023: 11,8 Prozent
- 2024: 11,3 Prozent
- 2025: 13,8 Prozent
Der Sprung von 2,5 Prozentpunkten folgt also auf ein Jahr, in dem der Anteil leicht gesunken war. Gegenüber 2023 liegt das Plus bei 2 Punkten. Lidl weist außerdem darauf hin, dass einige Werte rückwirkend angepasst wurden und deshalb von früheren Berichten abweichen.
Das selbst gesetzte Ziel lautet: 20 Prozent pflanzliche Proteinquellen bis 2030. Geht es im Tempo des letzten Jahres weiter, ist das erreichbar. Als langfristige Richtschnur nennt Lidl die Planetary Health Diet. Sie strebt für das Jahr 2050 ein Verhältnis von 60 Prozent pflanzlichen zu 40 Prozent tierischen Proteinquellen an. Bis dahin ist der Weg weit, heute liegt das Verhältnis bei ungefähr 14 zu 86.
Was die Zahl misst und was nicht.
Für den Protein-Split zählt Lidl auf der tierischen Seite Eier, Fisch, Geflügel, rotes und verarbeitetes Fleisch. Auf der pflanzlichen Seite stehen Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Algen und vegane Ersatzprodukte für Fleisch, Fisch und Ei. Gemessen wird nach der Wareneingangsmenge in Kilogramm, über Eigenmarken und Markenartikel aus dem festen Sortiment und aus den Aktionen. Getränke und Nahrungsergänzungsmittel bleiben außen vor.
Beim Lesen der Methodik fällt einiges auf:
- Milchprodukte fehlen. Milch, Joghurt und Käse sind in der WWF-Methode eine eigene Kategorie und tauchen im Protein-Split nicht auf. Ein großer Teil der tierischen Produkte im Kühlregal ist also gar nicht eingerechnet.
- Die Milchalternativen schrumpfen. Für pflanzliche Molkereiprodukte weist der Bericht einen eigenen Wert aus. Er fiel von 6,6 Prozent (2023) über 6,0 auf 5,8 Prozent.
- Fertiggerichte sind noch unklar. Produkte, die tierische und pflanzliche Zutaten mischen, lassen sich laut Lidl erst auf Zutatenebene sauber zuordnen. Diese Auswertung soll der nächste Schritt sein.
Hinzu kommt: Es geht um Kilogramm Ware, nicht um Gramm Eiweiß. Ein Kilo veganer Aufschnitt zählt so viel wie ein Kilo Salami, auch wenn der Eiweißgehalt verschieden ist. Für einen Vergleich über die Jahre taugt die Kennzahl trotzdem, solange Lidl sie gleich erhebt.
Wie sich Lidl im Vergleich zu anderen Händlern schlägt, hat ProVeg in einem Report untersucht. Danach haben in Deutschland nur Lidl und Rewe überhaupt ein Ziel für den Protein-Split veröffentlicht. Mehr dazu in unserem Artikel Nur 2 von 32: Kaum ein Konzern hat ein Ziel für mehr pflanzliches Protein.
Vegan ist bei Lidl günstiger.
Ein Grund für den Zuwachs dürfte der Preis sein. Seit Oktober 2023 kostet ein Großteil der Produkte der veganen Eigenmarke Vemondo nicht mehr als das tierische Vergleichsprodukt. Die ProVeg-Preisstudie vom Oktober 2025 hat acht Händler und zwölf Produktkategorien verglichen, darunter Aufschnitt, Bratwurst, Käse und Pizza. Bei Lidl war der pflanzliche Warenkorb 3,51 Euro oder 18 Prozent günstiger als der tierische, der größte Abstand unter allen Händlern. Im Jahr davor lag Lidl noch bei minus 3 Prozent. Nur bei Netto war der pflanzliche Einkauf teurer.
Zur Einordnung: ProVeg ist kein neutraler Beobachter. Die Organisation setzt sich für pflanzliche Ernährung ein, und Lidl nennt sie im Bericht als Partner. Gemeinsam mit dem ProVeg Incubator hat Lidl 2025 einen Wettbewerb für pflanzlichen Käse ausgerichtet, das Siegerprodukt steht seit Februar 2026 in den Filialen. An den erhobenen Preisen ändert das nichts, es gehört aber zur Vollständigkeit dazu.
Laut Bericht führt Lidl rund 1.000 vegane Artikel. Die Eigenmarke Vemondo wurde 2025 zum fünften Mal in Folge bei den V-Label Awards ausgezeichnet.
Tierethische Einordnung.
Ein Discounter dieser Größe misst sein Sortiment, legt ein Ziel fest und veröffentlicht die Zahlen jedes Jahr. Die meisten Konkurrenten tun das nicht. Auch die Preisangleichung bei Vemondo war ein wirksamer Schritt, weil sie den Griff zur pflanzlichen Variante für alle erleichtert, die aufs Geld achten müssen.
Trotzdem stammen bei Lidl weiter rund 86 Prozent der erfassten Proteinquellen von Tieren. Dahinter stehen Hühner, Schweine, Rinder und Fische. Kühe, deren Milch zu Käse und Joghurt wird, kommen in der Rechnung gar nicht vor. Und das Ziel für 2050 sieht weiter 40 Prozent tierische Proteinquellen vor. Lidl spricht im Bericht von „bewusster Ernährung“ und meint damit Gesundheit und Klima. Die Tiere, um die es eigentlich geht, kommen in diesem Kapitel nicht vor.
Ein Supermarkt ändert sein Sortiment, wenn sich die Nachfrage ändert. Insofern sind 13,8 Prozent auch eine Aussage über die Kundschaft. Jeder Einkauf, der statt Hack zur Linsenpackung greift, schiebt die Zahl weiter.
Was du tun kannst.
- Hülsenfrüchte in den Einkaufswagen. Linsen, Bohnen und Kichererbsen sind die günstigsten pflanzlichen Proteinquellen im Laden. Ideen findest du in unseren Rezepten für Linseneintopf, Linsen-Dal und Kichererbsensalat.
- Für Abwechslung sorgen. Wer öfter mit Hülsenfrüchten kocht, findet in einem veganen Hülsenfrüchte-Kochbuch neue Ideen.
- Angebote nutzen. Welche veganen Produkte gerade reduziert sind, zeigen unsere veganen Wochenangebote.
- Nachfragen. Händler reagieren auf Kundschaft. Wer im Markt oder beim Kundenservice nach mehr pflanzlichen Produkten fragt, wird gehört.
Häufige Fragen.
Was ist der Protein-Split?
Der Protein-Split gibt an, wie sich pflanzliche und tierische Proteinquellen im Sortiment eines Händlers verteilen. Lidl erhebt ihn nach einer Methode des WWF und misst dafür die eingekaufte Menge in Kilogramm.
Wie hoch ist der Anteil pflanzlicher Proteine bei Lidl?
Im Geschäftsjahr 2025, also vom 1. März 2025 bis 28. Februar 2026, lag er laut Nachhaltigkeitsbericht bei 13,8 Prozent. 2024 waren es 11,3 Prozent, 2023 11,8 Prozent.
Welches Ziel hat Lidl?
Lidl will den Anteil pflanzlicher Proteinquellen bis 2030 auf 20 Prozent steigern. Langfristig orientiert sich der Discounter an der Planetary Health Diet, die für 2050 ein Verhältnis von 60 zu 40 zugunsten pflanzlicher Proteinquellen vorsieht.
Ist vegan bei Lidl günstiger?
Laut ProVeg-Preisstudie vom Oktober 2025 ja. Der pflanzliche Warenkorb war bei Lidl im Schnitt 18 Prozent günstiger als der vergleichbare tierische. Verglichen wurden jeweils die günstigsten Produkte in zwölf Kategorien, ohne Sonderangebote.
Quellen ●
Nachhaltigkeitsbericht 2025 von Lidl in Deutschland, Kennzahlen S. 77, Methodik S. 66 bis 70. Ziel für 2030 laut lidl.de/bewusstessen. ProVeg-Preisstudie 2025. Foto: Peter Dyllong / Pexels. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.
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