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Tierhaltungskennzeichnung: Koalition verschiebt das staatliche Haltungslogo erneut

Ein Schwein schaut aus einer dicht belegten Bucht nach oben
Schwein im Stall. Foto: Ken Chuang / Pexels

Das staatliche Haltungslogo für Fleisch kommt schon wieder später. Nach Informationen der Lebensmittel Zeitung hat sich die Koalition aus Union und SPD darauf verständigt, den Start des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes vom 1. Januar 2027 auf den 1. Oktober 2027 zu verschieben. Mit einer Übergangsfrist von drei Monaten würde es sogar erst zum 1. Januar 2028 greifen. Es ist die dritte Verschiebung eines Gesetzes, das seit 2023 beschlossen ist.

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Kurz gesagt

  • Neu: Start laut Lebensmittel Zeitung am 1. Oktober 2027, wirksam nach drei Monaten Übergang zum 1. Januar 2028
  • Das Gesetz: verpflichtet zu einem staatlichen Logo mit fünf Haltungsformen, zunächst nur für frisches Schweinefleisch aus Deutschland
  • Was sich ändern soll: Importware, Gastronomie und das sogenannte Downgrading sollen einbezogen werden
  • Der Streit: Elf Bundesländer und der Bauernverband wollen das Gesetz ganz abschaffen, Verbraucher- und Tierschutzverbände wollen es umsetzen
  • Noch offen: Beschlossen ist die neue Verschiebung erst, wenn der Bundestag zustimmt
Inhalt8 Kapitel
  1. 01Was die Koalition vereinbart hat
  2. 02Was im Gesetz steht
  3. 03Dreimal verschoben
  4. 04Wer das Gesetz abschaffen will
  5. 05Wer es umsetzen will
  6. 06Tierethische Einordnung
  7. 07Was du tun kannst
  8. 08Häufige Fragen

Was die Koalition vereinbart hat.

CDU/CSU und SPD hatten sich in den vergangenen Wochen bei dem Thema verhakt. Die SPD will am Gesetz festhalten, aus der Union und vor allem aus den Ländern kamen Forderungen, es ganz zu streichen. Jetzt gibt es laut Lebensmittel Zeitung eine grundsätzliche Verständigung: Das Gesetz bleibt, wird aber weiter überarbeitet und startet später.

Ziel sei eine Fassung, die auch den Anforderungen der EU genügt und sich in der Praxis umsetzen lässt. Ausdrücklich genannt werden: Fleisch aus dem Ausland soll einbezogen werden, ebenso der Verkauf außer Haus, also in Restaurants und Kantinen. Außerdem soll das sogenannte Downgrading möglich werden. Gemeint ist, dass Fleisch aus einer besseren Haltungsform auch als Ware einer niedrigeren Stufe verkauft werden darf, etwa wenn ein Schlachthof Teile eines Tieres nicht zum höheren Preis loswird. An der Überarbeitung sollen laut LZ die Professoren Achim Spiller und José Martínez von der Universität Göttingen mitwirken.

Offiziell ist das noch nicht. Eine Mitteilung der Bundesregierung gibt es bisher nicht, und wie bei den letzten Verschiebungen muss der Bundestag die neue Frist erst beschließen. Ohne Entscheidung würde das Gesetz am 1. Januar 2027 automatisch gelten.

Was im Gesetz steht.

Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz hat der Bundestag 2023 beschlossen, damals unter Agrarminister Cem Özdemir. Es schreibt ein staatliches Logo vor, das zeigt, wie die Tiere gehalten wurden. Dafür gibt es fünf Stufen:

  • Stall: der gesetzliche Mindeststandard
  • Stall+Platz: etwas mehr Platz und Beschäftigungsmaterial
  • Frischluftstall: offene Stallseiten mit Außenklima
  • Auslauf/Weide: Zugang ins Freie
  • Bio: Haltung nach der EU-Öko-Verordnung

Zunächst gilt die Pflicht nur für frisches Schweinefleisch von Tieren, die in Deutschland gehalten wurden. Weitere Tierarten und verarbeitete Produkte sollten später folgen. Genau diese Beschränkung auf deutsche Ware ist einer der Hauptkritikpunkte der Landwirtschaft: Importfleisch bräuchte kein Logo und hätte einen Vorteil.

Lange Reihen von Schweinebuchten in einer großen Stallanlage
Konventionelle Schweinehaltung, hier in einer Anlage in den USA. Foto: Mark Stebnicki / Pexels

Dreimal verschoben.

Ursprünglich sollte die Kennzeichnung ab dem 1. August 2025 gelten. Weil die Länder ihre Meldestellen nicht rechtzeitig aufgebaut hatten, verschob der Bundestag den Start im Juni 2025 auf den 1. März 2026. Am 15. Januar 2026 folgte die zweite Verschiebung auf den 1. Januar 2027, mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und der Linken. Die Grünen stimmten dagegen. Jetzt soll es der 1. Oktober 2027 werden.

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Wer das Gesetz abschaffen will.

Auf der Agrarministerkonferenz in Würzburg hatten Bayern und Sachsen-Anhalt beantragt, das Gesetz wieder aufzuheben. Laut dem Fachmagazin top agrar sprachen sich dort elf Bundesländer in einer Protokollerklärung dafür aus, darunter Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Statt des staatlichen Logos wollen sie die privatwirtschaftliche Kennzeichnung „Haltungsform“ des Handels gemeinsam mit der Wirtschaft weiterentwickeln.

Auch der Deutsche Bauernverband fordert inzwischen die Abschaffung. Hubertus Beringmeier, im Verband für die Tierhaltung zuständig, sagte der Lebensmittel Zeitung zufolge, seit über einem Jahr gebe es Vorschläge, Rechtsgutachten und Gesprächsangebote. Nun bleibe keine andere Wahl, als das Gesetz abzuschaffen, „um Schaden von der Wirtschaft abzuhalten“. Der Bundesverband Rind und Schwein verlangt, Importware, ein umfassendes Downgrading und die Gastronomie einzubeziehen.

Wer es umsetzen will.

Auf der anderen Seite stehen Verbraucher- und Tierschutzorganisationen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat Anfang Oktober mit weiteren Verbänden ein Papier veröffentlicht, das die sofortige Umsetzung fordert, so wie es im Koalitionsvertrag steht. „Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung muss kommen“, sagt Christiane Seidel, die beim vzbv das Team Lebensmittel leitet. Die Bundesregierung dürfe das Vorhaben „nicht weiter verschleppen und schon gar nicht ad acta legen“. Auch der Erzeugerverband Bioland lehnt die Abschaffung ab und will das Gesetz nachbessern.

Die Grünen hatten schon im Januar gewarnt, die geplanten Änderungen dürften kein Vorwand für eine weitere Verzögerung werden. Mit welcher Haltung die Grünen-Abgeordnete Zoe Mayer Tierschutzpolitik macht, hat sie uns im Interview erzählt.

Tierethische Einordnung.

Ein Logo allein verbessert keinem Schwein das Leben. Es macht nur sichtbar, wie dieses Leben aussah. Selbst das gelingt der Politik seit drei Jahren nicht. Ein großer Teil des Schweinefleischs in Deutschland stammt aus Ställen, die nur den gesetzlichen Mindeststandard erfüllen: Spaltenböden, kein Tageslicht im Freien, wenig Platz. Wer das auf der Packung lesen müsste, würde vielleicht anders einkaufen. Vermutlich ist genau das der Grund, warum sich Teile der Branche so wehren.

Gleichzeitig darf man das Gesetz nicht überschätzen. Auch Tiere aus „Auslauf/Weide“ oder „Bio“ werden jung geschlachtet, meist nach etwa einem halben Jahr. Die fünf Stufen beschreiben die Bedingungen, unter denen ein Tier lebt, und klammern die Frage aus, ob es überhaupt für unser Essen sterben sollte. Die ehrlichste Kennzeichnung bleibt die, bei der kein Tier auf der Packung steht. Wie sehr die Schweinebranche gerade unter Druck steht, zeigt auch unser Artikel zur Schweinepreis-Krise.

Ein Schwein schaut aus einer dicht belegten Bucht nach oben
Wie ein Schwein gelebt hat, erfährt man beim Einkauf bis heute nur aus freiwilligen Siegeln. Foto: Ken Chuang / Pexels

Was du tun kannst.

  • Pflanzlich einkaufen. Das ist die einzige Wahl, bei der du auf kein Logo angewiesen bist. Was es an Alternativen gibt, zeigt unser Vergleich veganer Burger-Patties.
  • Deinen Abgeordneten schreiben. Über die neue Frist muss der Bundestag abstimmen. Auf bundestag.de findest du die Abgeordneten deines Wahlkreises.
  • Hintergründe lesen. Warum die Haltung von Tieren keine Frage des Siegels ist, beschreibt Jonathan Safran Foer in „Tiere essen“.

Häufige Fragen.

Was ist das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz?

Ein Gesetz von 2023, das ein staatliches Logo für Lebensmittel tierischen Ursprungs vorschreibt. Es zeigt in fünf Stufen, wie die Tiere gehalten wurden: Stall, Stall+Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide und Bio. Zunächst gilt es nur für frisches Schweinefleisch aus deutscher Haltung.

Ab wann gilt die staatliche Tierhaltungskennzeichnung?

Nach aktuellem Gesetz ab dem 1. Januar 2027. Laut Lebensmittel Zeitung will die Koalition den Start auf den 1. Oktober 2027 verschieben, wirksam wäre die Pflicht dann nach drei Monaten Übergang ab dem 1. Januar 2028. Dafür braucht es noch einen Beschluss des Bundestags.

Was ist der Unterschied zur „Haltungsform“ im Supermarkt?

Das Siegel „Haltungsform“ mit den Stufen 1 bis 5 ist eine freiwillige Kennzeichnung des Handels, organisiert von der Initiative Tierwohl. Das staatliche Logo wäre dagegen gesetzlich vorgeschrieben und würde von Behörden kontrolliert.

Was bedeutet Downgrading?

Fleisch aus einer besseren Haltungsform darf als Ware einer niedrigeren Stufe verkauft werden. Das soll verhindern, dass Teile eines Tieres unverkäuflich werden, wenn sich für sie kein höherer Preis erzielen lässt.

Quellen ●

Bericht der Lebensmittel Zeitung vom 16. Oktober 2026, Tierhaltungskennzeichnungsgesetz im Wortlaut, Bundestag zur Verschiebung im Januar 2026, Verbraucherzentrale Bundesverband, top agrar zur Agrarministerkonferenz, Lebensmittel Praxis zu Bioland und Bauernverband. Fotos: Ken Chuang und Mark Stebnicki / Pexels. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

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