Der Schweinepreis ist wieder auf 1,45 Euro pro Kilogramm gefallen, und die Fleischbranche schlägt Alarm. Seit acht Monaten schreiben viele Betriebe rote Zahlen, von der Mast bis zum Wursthersteller, berichtet die Lebensmittel Zeitung. „Wenn das so weitergeht, überlebt das keiner“, zitiert sie den Manager eines Fleischverarbeiters. Schuld soll der Handel sein. Die amtlichen Zahlen zeigen aber vor allem ein anderes Problem: In Deutschland werden mehr Schweine gemästet, als der Markt aufnimmt.
Kurz gesagt: Wie hoch ist der Schweinepreis aktuell?
Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) notiert seit dem 23. September 2026 1,45 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht, 15 Cent weniger als in der Vorwoche. Kostendeckend wären laut der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) über 2 Euro. Pro Schwein fehlen den Mästern damit gut 55 Euro.

Inhalt8 Kapitel
Der Schweinepreis 2026 im Überblick.
Der Preis ist im Laufe des Jahres gestiegen und wieder gefallen. Heute steht er genau dort, wo er im Januar stand:
| Zeitpunkt | VEZG-Preis (€/kg Schlachtgewicht) | Fehlbetrag je Schwein laut ISN |
|---|---|---|
| Anfang Januar | 1,45 | über 50 Euro |
| Mai (Jahreshoch) | 1,675 | k. A. |
| Anfang Juli | 1,40 | rund 60 Euro |
| Mitte August | 1,60 | rund 40 Euro |
| 23. September | 1,45 | gut 55 Euro |
Bei rund 900.000 Schlachtschweinen pro Woche summieren sich die Verluste laut ISN auf knapp 50 Millionen Euro pro Woche. Die ISN vergleicht die Lage mit der Corona-Zeit. Damals habe es aber staatliche Hilfen gegeben, heute nicht.
Fleischbranche gegen Handel.
Schlachtunternehmen und Verarbeiter werfen dem Lebensmittelhandel laut Lebensmittel Zeitung „schamlosen Preisdruck“ vor. Die Discounter hätten ihre Spanne bei Frischfleisch seit 2020 von 17 auf 31 Prozent erhöht, bei Kochschinken von 12 auf 30 Prozent. Höhere Kosten für Löhne, Energie und bessere Haltungsformen ließen sich nicht an den Handel weitergeben. Diese Spannenzahlen stammen aus der Branche selbst und sind nicht unabhängig belegt.
Der Handel widerspricht. Es gebe in Europa erhebliche Überkapazitäten und einen veränderten Konsum, die Hersteller böten selbst großzügige Mengenrabatte an. Die Marge liege auf dem Niveau von vor zehn Jahren. Einen festen, mehrmonatigen Basispreis, wie ihn Teile der Fleischbranche vorschlagen, hält der Handel für kartellrechtlich schwierig.
Wie hart der Ton ist, zeigt ein aktueller Fall: Laut ISN hat EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen die Verträge im Regionalprogramm „Bauernschätze“ gekündigt. Die ISN nennt das „Handelspraktiken unter aller Sau“.

Das Kernproblem: zu viele Schweine.
Unabhängig vom Streit um die Spannen zeigen die Statistiken: Die Nachfrage wächst nicht, die Produktion schon.
- Bestand: Im Mai 2026 lebten in Deutschland 21,0 Millionen Schweine in Ställen, 0,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (Statistisches Bundesamt).
- Schlachtungen: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 22,2 Millionen Schweine geschlachtet. Die Fleischmenge lag mit 2,1 Millionen Tonnen 0,5 Prozent über dem Vorjahr.
- Verzehr: Rechnerisch aß jede Person in Deutschland 2025 rund 28,3 Kilogramm Schweinefleisch, kaum mehr als in den Vorjahren (BLE). Zum Vergleich mit anderen Fleischsorten: Fleischkonsum in Deutschland.
- Europa: In der EU wurde bis April 2,2 Prozent mehr Schweinefleisch erzeugt, Dänemark schlachtete im ersten Halbjahr 8,3 Prozent mehr. Spanien kann wegen eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest weniger exportieren, und China nimmt deutsches Schweinefleisch seit 2020 nicht mehr ab.
Mehr Fleisch trifft auf eine Nachfrage, die nicht mitwächst, und das drückt den Preis. Gleichzeitig konzentriert sich die Haltung immer weiter: Die Zahl der Schweinebetriebe ist seit 2016 um 40 Prozent auf 14.700 gesunken. Ein Betrieb hält heute im Schnitt 1.400 Tiere, 2016 waren es 1.100.
Was sich 2027 ändert.
Die Branche fürchtet laut Lebensmittel Zeitung, dass neue Regeln ab 2027 die Lage verschärfen. Gemeint sind vor allem:
- Initiative Tierwohl: Der Ferkelfonds endet am 31. Dezember 2026. Ab 2027 soll der Tierwohl-Aufschlag direkt über den Markt bezahlt werden, und schon die Ferkel müssen aus teilnehmenden Betrieben stammen. Die VEZG empfiehlt 7,50 Euro Aufschlag pro Mastschwein, verbindlich ist das nicht.
- Staatliche Tierhaltungskennzeichnung: Nach der Verschiebung durch den Bundestag gilt sie ab 1. Januar 2027 für frisches Schweinefleisch im Handel.
- Handel: Aldi Süd, Lidl und Rewe wollen bis 2030 Frischfleisch nur noch aus den Haltungsformen 3 und 4 verkaufen.
Ein Fleischmanager rechnet in der Lebensmittel Zeitung im schlimmsten Fall mit einem Strukturbruch: Die Schlachtzahlen könnten auf 450.000 Schweine pro Woche sinken, etwa die Hälfte des heutigen Niveaus.
Was der Preiskampf für die Schweine heißt.
In der Debatte kommen Mäster, Schlachter und Händler zu Wort. Über die Tiere spricht dabei kaum jemand. Dabei tragen sie die Folgen jedes Preiskampfs zuerst: Wenn jeder Cent zählt, wird am Platz im Stall, an Beschäftigungsmaterial und an der Zeit für das einzelne Tier gespart. Die Branche sagt selbst, dass sich die Kosten für bessere Haltungsformen derzeit nicht an den Handel weitergeben lassen. Tierwohl droht so zum ersten Posten zu werden, an dem gespart wird.
Ein Schwein lebt in der Mast rund sechs Monate. Eine Sau bringt in der konventionellen Haltung mehrmals im Leben Ferkel zur Welt, oft wochenlang in einem Kastenstand oder einer engen Abferkelbucht. Rund 850.000 Schweine pro Woche werden in Deutschland geschlachtet, auch dann, wenn ihr Fleisch unter den Kosten verkauft wird. Wie viele Tiere es übers Jahr sind, zeigt unser Überblick Wie viele Tiere werden geschlachtet? Wie riskant die großen Anlagen für die Tiere sind, haben wir zuletzt bei den Stallbränden im August beschrieben.
Aus Sicht der Tiere ist das Szenario, vor dem die Branche warnt, eine Verbesserung: Eine Halbierung der Schlachtzahlen hieße jede Woche Hunderttausende Tiere weniger, die gemästet, transportiert und getötet werden. Für die Menschen, die davon leben, ist es eine Existenzfrage. Es braucht deshalb einen Weg, der beides berücksichtigt.

Ausstieg fördern statt Überproduktion retten.
Die ISN fordert eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage, damit Betriebe schlechte Jahre überstehen. Das würde das bestehende System stabilisieren, samt der Überproduktion, die den Preis drückt.
Die Niederlande gehen einen anderen Weg. Dort zahlt der Staat Tierhaltern, die freiwillig aufhören. Über die ersten beiden Programme gingen 1.517 Anträge ein, davon 567 von Schweinehaltern, fast ein Fünftel aller niederländischen Schweinebetriebe. Im August 2026 hat die EU-Kommission weitere 715 Millionen Euro genehmigt. Der niederländische Schweinebestand ist bis Mai um 5,3 Prozent gesunken. In Deutschland gibt es kein vergleichbares Bundesprogramm. Dabei würden laut einer Umfrage von agrarheute 60 Prozent der befragten Schweinehalter gegen eine Prämie aufhören.
Wir halten das für den ehrlicheren Weg. Wer aussteigen will, sollte dabei unterstützt werden, statt mit Steuergeld eine Produktion am Laufen zu halten, die keinen Markt mehr hat. Flächen und Know-how lassen sich für Hülsenfrüchte, Gemüse und pflanzliches Eiweiß nutzen, für das die Nachfrage wächst. Warum Hülsenfrüchte dafür so gut geeignet sind, steht in unserem Hülsenfrüchte-Guide. Und solange Fleisch mit 7 Prozent Mehrwertsteuer begünstigt wird, Haferdrink aber mit 19 Prozent besteuert ist, subventioniert der Staat die Überproduktion zusätzlich: Sieben Prozent auf Fleisch, neunzehn auf Haferdrink.
Häufige Fragen zum Schweinepreis.
Wie hoch ist der Schweinepreis aktuell?
Seit dem 23. September 2026 notiert die VEZG 1,45 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht. Das ist so niedrig wie zu Jahresbeginn.
Warum ist der Schweinepreis so niedrig?
Vor allem wegen des Überangebots: Deutschland und andere EU-Länder erzeugen mehr Schweinefleisch, als der Markt aufnimmt, während Exporte nach China und aus Spanien gebremst sind. Die Fleischbranche macht zusätzlich den Preisdruck des Handels verantwortlich, der Handel weist das zurück.
Was ist die VEZG?
Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch veröffentlicht jede Woche einen Preis für Schlachtschweine. Er gilt als Leitpreis für den deutschen Markt.
Wie viele Schweine werden in Deutschland geschlachtet?
Im ersten Halbjahr 2026 waren es laut Statistischem Bundesamt 22,2 Millionen, im Schnitt rund 850.000 pro Woche.
Tierhaltung, Politik und Markt, einmal pro Woche.
Recherchen und News für alle, die genauer hinschauen wollen. Kostenlos, mit einem Klick wieder abbestellbar.
Unabhängiger Journalismus über Tierhaltung finanziert sich nicht über die Fleischbranche. Wenn dir dieser Artikel geholfen hat, kannst du This Is Vegan mit einer Spende unterstützen.
So haben wir recherchiert ●
Anlass ist der Bericht „Die Fleischindustrie sieht rot“ der Lebensmittel Zeitung. Die Aussagen zu Handelsspannen, Basispreis und dem Szenario von 450.000 Schlachtungen pro Woche stammen aus diesem Bericht und sind dort Branchenvertretern zugeschrieben. Preise stammen von der VEZG und aus Meldungen der ISN vom 24. und 25. September 2026, der Wert für Juli aus agrarheute. Bestand und Schlachtungen stammen vom Statistischen Bundesamt (Pressemitteilungen vom 26. Juni und August 2026), der Verzehr aus der Versorgungsbilanz der BLE vom 7. April 2026. Die Angaben zu Europa und zu den Niederlanden stammen aus Berichten von top agrar, die zu 2027 von der Initiative Tierwohl, dem Bundestag und dem Handel. Den Wochenschnitt der Schlachtungen haben wir selbst aus den Halbjahreszahlen berechnet. Stand: 26. September 2026.