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Schwein streckt die Schnauze zwischen den Metallstäben einer Stallbucht hindurch
Symbolbild. Schweine in einer Mastanlage. Foto: Adobe Stock
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Eine Warnanlage hat funktioniert. Sie hat den Eigentümer alarmiert, so steht es in den Berichten vom Dienstagabend. Als er zum Stall kam, schlugen die Flammen bereits aus dem Dach.

In Essen im Oldenburger Münsterland, Ortsteil Bevern, sind am 8. September rund 1.800 Schweine verbrannt. 150 bis 200 Einsatzkräfte waren vor Ort, sie konnten zwei benachbarte Ställe halten. Das brennende Gebäude war nicht mehr zu retten. Der Sachschaden liegt bei etwa zwei Millionen Euro, die Brandursache ist offen, die Polizei ermittelt.

Es ist der dritte Fall dieser Größenordnung innerhalb von 33 Tagen.

Die Serie

6. August, Ried bei Augsburg. Rund 1.600 Schweine sterben. Als wahrscheinliche Ursache gilt ein technischer Defekt an der Stromzufuhr eines Lüfters.

Anfang September, Bernsgrün in Ostthüringen. In einem Stall der Agrargenossenschaft sterben 800 bis 1.000 Jungtiere. Zehn Kälber aus einem angrenzenden Gebäude konnten gerettet werden. Es ist dort nach Angaben der Feuerwehr der vierte Brand auf dem Betriebsgelände seit Juni. Die Ermittlungen dauern an, ein 25-Jähriger geriet in den Blick der Behörden. Es gilt die Unschuldsvermutung, wir nennen deshalb keinen Namen und keine Details zur Person.

8. September, Essen bei Oldenburg. Rund 1.800 Schweine.

Zusammen sind das über 4.000 Tiere in fünf Wochen, gestorben durch Rauchgas oder Feuer, in Gebäuden, aus denen sie sich nicht selbst befreien konnten.

Brennende landwirtschaftliche Gebäude mit hoher Rauchsäule hinter einem Feld
Symbolbild. Ein Feuer in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Foto: Adobe Stock

Niemand zählt das systematisch

Wer wissen will, wie viele Tiere in Deutschland jährlich in Ställen verbrennen, findet keine amtliche Antwort. Eine bundesweit einheitliche Brandschadensstatistik für Tierhaltungsanlagen existiert nicht, freiwillige Feuerwehren erfassen so etwas nicht systematisch.

Was es gibt, sind Schätzungen und private Auswertungen:

  • Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft geht von rund 5.000 Bränden pro Jahr in deutschen Tierställen aus.
  • PETA kommt für 2025 auf etwa 70.000 tote Tiere bei Stallbränden im deutschsprachigen Raum und zählte für 2026 bis zum Spätsommer 25 öffentlich bekannte Fälle.
  • Die Albert Schweitzer Stiftung verweist auf mindestens 153.000 tote Tiere im Jahr 2021.

Die Zahlen stammen von Organisationen, die in dieser Debatte Position beziehen, und sie schwanken je nach Erhebungsweise erheblich. Genau das ist der Punkt: Wo der Staat nicht zählt, bleibt die Größenordnung Verhandlungssache.

Warum Ställe so brennen, wie sie brennen

Drei bauliche Gründe tauchen in fast jeder Fachbeschreibung auf.

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Die Dächer. Moderne Stalldächer werden überwiegend von Nagelplattenbindern getragen, einer leichten Holzkonstruktion. Ihre Statik versagt im Feuer sehr schnell. Wenn das Dach einstürzt, endet jeder Rettungsversuch.

Die Technik. Lüftungsanlagen, Heizstrahler, Fütterungsautomaten, ein hoher Staubanteil in der Luft. Technische Defekte und Kurzschlüsse gehören zu den häufigsten Auslösern.

Die Bauweise selbst. In der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung stehen keine konkreten Brandschutzvorschriften für Tierhaltungsanlagen. Sprinkleranlagen, Brandmeldeanlagen, Brandabschnitte, Flucht- und Rettungstüren: All das ist für Ställe im Bestand in der Regel nicht vorgeschrieben. Baurecht ist Ländersache, und Tiere gelten dort nicht als zu rettende Personen.

Der Deutsche Tierschutzbund fordert seit Jahren, Haltungssysteme und Brandschutz gemeinsam zu verbessern. PETA verlangt verschärfte gesetzliche Regelungen ausdrücklich auch für Bestandsbauten. Passiert ist bisher wenig.

Die Fluchtfrage, die keine ist

Schweine stehen dicht nebeneinander in schmalen Metallbuchten auf Spaltenboden
Symbolbild. Wer sich kaum bewegen kann, kann auch nicht fliehen. Foto: Adobe Stock

Bei einem Wohnhausbrand gilt die erste Minute den Menschen im Gebäude. Bei einem Stallbrand gibt es diese Option praktisch nicht. Mastschweine stehen zu Hunderten in Buchten, Sauen teilweise in Kastenständen, die Gänge sind für Menschen und Technik ausgelegt, nicht für die Evakuierung von tausend Tieren.

Selbst wenn eine Warnanlage rechtzeitig anschlägt, bleibt am Ende oft die Feststellung aus den Meldungen dieser Woche: Der Stall stand bereits in Vollbrand, als die ersten Kräfte eintrafen.

Deshalb greift auch die naheliegende Forderung nach mehr Brandmeldern zu kurz. Ein Melder verkürzt die Zeit bis zum Alarm. Er ändert nichts daran, dass sich Tiere in einem Vollspaltenstall nicht selbst in Sicherheit bringen können. Wer Fluchtchancen will, muss über kleinere Brandabschnitte, Ausläufe und Bestandsgrößen reden.

Was das über die Haltung sagt

Ein Stallbrand ist ein Unfall. Die Zahl der Opfer ist es nicht.

Dass bei einem einzigen Feuer 1.800 Tiere sterben, ist eine Folge davon, wie viele Individuen in einem Gebäude zusammengefasst werden und wie wenig Bewegungsfreiheit jedes einzelne hat. Beides ist eine Entscheidung, keine Naturkonstante. In der Berichterstattung erscheint der Schaden dann in Euro, und die Tiere erscheinen als Bestand.

Für die Schweine in Bevern war es kein Bestand. Es war eine Nacht, in der sich Rauch in einem geschlossenen Gebäude sammelte, aus dem sie nicht herauskamen.

Wenn dich das nicht loslässt: Höfe, die geretteten Tieren ein Zuhause geben, arbeiten fast alle spendenfinanziert. Auch unsere Arbeit hier kannst du über eine Spende unterstützen, wenn du magst.

Was du tun kannst

Der wirksamste Hebel ist der langweiligste: Nachfrage. Je weniger Tiere gemästet werden, desto weniger stehen in Gebäuden, die im Ernstfall zur Falle werden.

Darüber hinaus hilft Öffentlichkeit. Stallbrände laufen meist als Lokalmeldung mit Schadenssumme, die Tiere kommen im Nebensatz vor. Wer solche Meldungen teilt und nach dem Brandschutz fragt, verschiebt die Debatte.

Wie es in solchen Betrieben aussieht, wenn kein Feuer ausbricht, hat uns Samara Eckardt beschrieben, die undercover in der Tierindustrie gearbeitet hat. Wie selten Verstöße überhaupt geahndet werden, zeigt der eingestellte Prozess in Lahr.

Methodik und Quellen

Zum Brand in Essen bei Oldenburg stützen wir uns auf die Zusammenfassung von Vegpool und regionale Berichterstattung. Zum Fall in Bernsgrün: die Berliner Zeitung. Beim Datum weichen die Quellen ab, Vegpool nennt den 2. September, die Berliner Zeitung den 3. September, deshalb steht im Text „Anfang September”. Auch die Zahl der Tiere wird mit 800 bis 1.000 unterschiedlich angegeben.

Die Einordnung zu Brandschutz, Nagelplattenbindern und fehlender Statistik stammt aus einer Telepolis-Recherche und der Übersicht der Albert Schweitzer Stiftung. Die Jahreszahlen zu getöteten Tieren stammen von PETA und der Albert Schweitzer Stiftung, beide Organisationen sind in dieser Debatte Partei. Eine amtliche Statistik, an der sich das prüfen ließe, gibt es nicht.

Brandursachen sind in zwei der drei Fälle offen. Wir schreiben niemandem eine Schuld zu und nennen keine Namen von Betrieben oder Personen.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Warum Ställe so brennen, wie sie brennen?
Drei bauliche Gründe tauchen in fast jeder Fachbeschreibung auf. Die Dächer. Moderne Stalldächer werden überwiegend von Nagelplattenbindern getragen, einer leichten Holzkonstruktion. Ihre Statik versagt im Feuer sehr schnell. Wenn das Dach einstürzt, endet jeder Rettungsversuch. Die Technik. Lüftungsanlagen, Heizstrahler, Fütterungsautomaten, ein hoher Staubanteil in der Luft.
Was das über die Haltung sagt?
Ein Stallbrand ist ein Unfall. Die Zahl der Opfer ist es nicht. Dass bei einem einzigen Feuer 1.800 Tiere sterben, ist eine Folge davon, wie viele Individuen in einem Gebäude zusammengefasst werden und wie wenig Bewegungsfreiheit jedes einzelne hat. Beides ist eine Entscheidung, keine Naturkonstante.
Was du tun kannst?
Der wirksamste Hebel ist der langweiligste: Nachfrage. Je weniger Tiere gemästet werden, desto weniger stehen in Gebäuden, die im Ernstfall zur Falle werden. Darüber hinaus hilft Öffentlichkeit. Stallbrände laufen meist als Lokalmeldung mit Schadenssumme, die Tiere kommen im Nebensatz vor. Wer solche Meldungen teilt und nach dem Brandschutz fragt, verschiebt die Debatte.
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