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Letzte Rettung vor dem Verbot: 70 Hunde von Hundefleischfarm in Südkorea befreit

Retter von Humane World for Animals trägt einen geretteten Jindo-Welpen von der Hundefleischfarm in Gangjin
Foto: Meredith Lee / Humane World for Animals

Kurz bevor Südkorea die Hundefleischindustrie endgültig verbietet, hat die Tierschutzorganisation Humane World for Animals mehr als 70 Hunde von einer Farm in Gangjin gerettet. Es ist ihre letzte große Rettungsaktion im Land und das Ende einer Mission, die 2015 begann. Die Freude darüber hat einen bitteren Beigeschmack: Von den Hunden auf den bereits geschlossenen Farmen ist nur ein Bruchteil lebend herausgekommen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rettung: Mehr als 70 Hunde von einer Farm in Gangjin, darunter Jindos, ein Deutscher Schäferhund, ein Corgi-Mix und ein Husky-Mix. Sie werden in den USA und Kanada vermittelt.
  • Das Verbot: Ab 7. Februar 2027 ist es in Südkorea verboten, Hunde für den Verzehr zu züchten, zu schlachten oder zu verkaufen. Es drohen bis zu zwei Jahre Haft.
  • Die Bilanz: 82 Prozent der registrierten Farmen haben schon geschlossen. Von rund 394.000 Hunden auf diesen Farmen kamen aber nur etwa 0,3 Prozent lebend heraus.
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Einer der letzten Hunde auf der Farm in Gangjin, kurz vor der Rettung. Foto: Meredith Lee / Humane World for Animals
Inhalt5 Kapitel
  1. 01Die letzte große Rettung
  2. 02Was das Verbot regelt
  3. 03Die bittere Zahl: 0,3 Prozent
  4. 04Warum Hunde, und warum nicht Schweine?
  5. 05Wie es weitergeht

Die letzte große Rettung.

Auf der Farm in Gangjin im Süden des Landes wurden nach Angaben von Humane World for Animals einst bis zu 1.000 Hunde im Jahr gezüchtet und geschlachtet. Als die Retter kamen, standen dort Reihen rostiger Käfige, die meisten leer. Auf dem Boden lagen alte Halsbänder und die Kieferknochen längst toter Hunde. Die Organisation hatte Anfang des Jahres von der Farm erfahren, nachdem sich eine Anwohnerin oder ein Anwohner an eine lokale Tierschutzgruppe gewandt hatte. Gemeinsam informierten sie die Behörden, die gegen den Betreiber wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz vorgingen.

Der 80-jährige Betreiber übergab die verbliebenen Hunde und verpflichtete sich schriftlich, nicht mehr in der Hundefleischindustrie zu arbeiten. Vor dem Flug wurden alle Tiere tierärztlich untersucht und unter anderem gegen Tollwut, Staupe und Parvovirose geimpft. Warum die Tollwutimpfung bei Tieren im Ausland so wichtig ist, haben wir zum Welttollwuttag beschrieben.

„Diese 70 Hunde gehören zu den allerletzten, die in dieser sterbenden Industrie leiden mussten“, sagt Sangkyung Lee, Kampagnenleiter von Humane World for Animals Korea. Seit 2015 hat die Organisation fast 3.000 Hunde von südkoreanischen Hundefleischfarmen geholt. Mit Gangjin endet diese Arbeit, künftig will sie vor allem beobachten, ob das Verbot eingehalten wird.

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Gerettet: Vor dem Flug in die USA kommen die Hunde in Transportboxen. Foto: Meredith Lee / Humane World for Animals

Was das Verbot regelt.

Das südkoreanische Parlament hat das Sondergesetz zum Ende der Hundefleischindustrie im Januar 2024 ohne Gegenstimme beschlossen. Es trat im August 2024 in Kraft, mit einer Übergangsfrist von drei Jahren. Ab dem 7. Februar 2027 ist es dann verboten, Hunde zum Verzehr zu züchten, zu töten, zu schlachten oder Hundefleisch zu verkaufen. Wer dagegen verstößt, riskiert bis zu zwei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe von bis zu 30 Millionen Won, laut Humane World for Animals rund 20.600 US-Dollar.

Als das Gesetz beschlossen wurde, zählte das Landwirtschaftsministerium 5.898 Betriebe in der Branche: 1.537 Farmen, 221 Schlachthöfe, 1.788 Händler und 2.352 Restaurants. Im Mai 2026 meldete das Ministerium, dass 1.265 der Farmen geschlossen haben, das sind 82 Prozent. 272 Farmen waren da noch in Betrieb. Im selben Monat kündigte das Ministerium Maßnahmen an, um die Schließung der übrigen Farmen zu beschleunigen, darunter Kontrollen vor Ort im Sommer.

Auch gesellschaftlich hat sich viel verändert. Laut einer Umfrage von Nielsen im Auftrag der Organisation haben 86 Prozent der Menschen in Südkorea kein Interesse daran, Hundefleisch zu essen.

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Die bittere Zahl: 0,3 Prozent.

So wichtig das Verbot ist, für die Hunde auf den Farmen kam es fast immer zu spät. Nach Zahlen des Landwirtschaftsministeriums, über die die Korea JoongAng Daily berichtet, lebten auf den bereits geschlossenen Farmen 393.857 Hunde. Etwa 381.000 von ihnen, rund 97 Prozent, wurden geschlachtet oder an andere Farmen weitergegeben. 9.358 Hunde kamen auf andere Farmen. Nur 623 wurden adoptiert und 498 an öffentliche Tierheime übergeben. Zusammen sind das 1.121 Hunde, also etwa 0,3 Prozent.

Insgesamt ist die Zahl der Hunde auf den Farmen laut Ministerium von rund 466.000 im Mai 2024 auf 20.000 bis 30.000 im Sommer 2026 gesunken. Das Ende einer Industrie bedeutet also nicht automatisch die Rettung der Tiere, die in ihr stecken. Viele Farmer haben ihre Hunde vor der Schließung noch verkauft oder schlachten lassen. Und selbst mit mehr Willen wären die Tierheime im Land kaum in der Lage gewesen, Hunderttausende große Hunde aufzunehmen, die ihr Leben in Käfigen verbracht haben.

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Reihen von Käfigen auf der Farm in Gangjin, auf der einst bis zu 1.000 Hunde im Jahr gezüchtet wurden. Foto: Meredith Lee / Humane World for Animals

Warum Hunde, und warum nicht Schweine?.

Viele Menschen in Deutschland reagieren auf Bilder von Hunden in Käfigen mit Entsetzen, und das zu Recht. Die Hunde auf den Farmen lebten laut der Organisation in kleinen, kahlen Drahtkäfigen, ohne ausreichend Futter, Wasser, Schutz oder tierärztliche Versorgung, und wurden mit Stromschlägen getötet. Doch vieles davon erleben auch Tiere hier bei uns. Schweine werden in Deutschland zu Millionen in engen Buchten gehalten und am Ende meist mit CO₂ betäubt, einem Verfahren, das sie in Panik und Atemnot versetzt. Was das für die Tiere bedeutet, zeigt unser Artikel zum Schlachthofprozess.

Ein Schwein ist nicht weniger leidensfähig als ein Hund. Dass wir das eine Tier streicheln und das andere essen, ist eine kulturelle Gewohnheit, keine biologische Tatsache. Warum sich dieser Widerspruch für viele so selbstverständlich anfühlt, haben wir in Ich liebe Tiere, esse aber Fleisch erklärt. Südkorea zeigt, dass sich solche Gewohnheiten ändern können, und zwar innerhalb weniger Jahre. Das Land hat zuletzt übrigens auch die Zucht von Bären für Gallensaft verboten.

Wie es weitergeht.

Die geretteten Hunde aus Gangjin kommen zunächst in ein Rehabilitationszentrum in den USA und werden dann an Familien in den USA und Kanada vermittelt. In Südkorea will Humane World for Animals die Umsetzung des Verbots beobachten. In anderen Ländern Asiens arbeitet die Organisation weiter gegen den Handel mit Hunde- und Katzenfleisch, nach eigenen Angaben in Vietnam, Indonesien und Indien sowie in China über eine Partnerschaft mit einer chinesischen Tierschutzorganisation.

Wer die Arbeit unterstützen möchte, findet Informationen auf der deutschen Seite von Humane World for Animals. Wie der Tierschutz für Hunde in anderen Ländern aussieht, zeigt unser Interview mit Nathan Goldblat über die Hunde-Mafia in Rumänien.

Quellen ●

Pressemitteilung von Humane World for Animals vom 30. September 2026. Zahlen zu Farmen und Schließungen: Mitteilung des südkoreanischen Landwirtschaftsministeriums vom 14. Mai 2026. Zahlen zum Verbleib der Hunde: Korea JoongAng Daily auf Grundlage von Ministeriumsdaten. Die Umfrage zu 86 Prozent stammt von Nielsen im Auftrag der Organisation. Fotos: Humane World for Animals. Dieser Artikel ist keine Kooperation.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was das Verbot regelt.?
Das südkoreanische Parlament hat das Sondergesetz zum Ende der Hundefleischindustrie im Januar 2024 ohne Gegenstimme beschlossen. Es trat im August 2024 in Kraft, mit einer Übergangsfrist von drei Jahren. Ab dem 7. Februar 2027 ist es dann verboten, Hunde zum Verzehr zu züchten, zu töten, zu schlachten oder Hundefleisch zu verkaufen.
Warum Hunde, und warum nicht Schweine?.?
Viele Menschen in Deutschland reagieren auf Bilder von Hunden in Käfigen mit Entsetzen, und das zu Recht. Die Hunde auf den Farmen lebten laut der Organisation in kleinen, kahlen Drahtkäfigen, ohne ausreichend Futter, Wasser, Schutz oder tierärztliche Versorgung, und wurden mit Stromschlägen getötet. Doch vieles davon erleben auch Tiere hier bei uns.
Wie es weitergeht.?
Die geretteten Hunde aus Gangjin kommen zunächst in ein Rehabilitationszentrum in den USA und werden dann an Familien in den USA und Kanada vermittelt. In Südkorea will Humane World for Animals die Umsetzung des Verbots beobachten.

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