Nathan Goldblat im Interview über seine ProSieben-Doku Die Hunde-Mafia, hier mit gerettetem Husky-Mix aus rumänischer Tötungsstation.
Tierschutz-Creator Nathan Goldblat mit einem geretteten Hund während der Dreharbeiten zur Doku „How to kill a puppy – and get rich“. Im Plant Based Podcast spricht er offen über Rumäniens Tötungsstationen. © ProSieben/Joyn
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Nathan Goldblat über „Die Hunde-Mafia“, Rumäniens Tötungsstationen und seinen Weg zum Veganismus

Nathan Goldblat ist 26, macht seit 13 Jahren Social Media und hat in den letzten Monaten ein System ins Wanken gebracht, das jahrelang im Verborgenen Millionen verdiente: die rumänische Hunde-Mafia. Mit seiner sechsteiligen Doku „Die Hunde-Mafia: How to kill a puppy & get rich“ auf ProSieben und Joyn hat er ein Tabu in den Mainstream gehievt und damit Polizeirazzien, Schließungen und Spendenrekorde ausgelöst. Im Plantbased Podcast erzählt er, warum ihn dieses Thema komplett gebrochen hat, was er gegen die EU-Mitfinanzierung dieser Strukturen unternimmt und warum er trotzdem überzeugt ist, dass die vegane Bubble gerade explodiert. Ein Gespräch über Tierleid, Verantwortung und die Kraft, die hinter „Adopt, don't Shop“ steckt.

Das erwartet dich in diesem Interview

  • Erfahre, warum Nathan Goldblat 2022 sein erfolgreiches Social-Media-Business beinahe komplett über den Haufen warf.
  • Lies, wie eine illegale Welpenhändler-Aktion mit Jana Hoger von PETA Nathans gesamtes Leben veränderte.
  • Entdecke, wie das brutale Geschäftsmodell rumänischer Hundetötungsstationen wirklich funktioniert. Schritt für Schritt abgerechnet.
  • Erfahre, warum dein und mein Steuergeld über die EU-Kommission indirekt in diese Tötungsstationen fließt.
  • Lies, wie Ketamin aus diesen Stationen auf dem rumänischen Schwarzmarkt und sogar an Schulen landet.
  • Erfahre, warum Hunde dort mit Frostschutzmittel oder durch Erschlagen ihr Leben verlieren.
  • Lies, wie 130 Millionen Aufrufe auf Social Media eine ganze Tötungsstation zur Schließung brachten.
  • Entdecke, warum Nathan über die ProSieben-TV-Quote enttäuscht ist und wieso 1.000 Geräte über deutsche Sehgewohnheiten entscheiden.
  • Erfahre, warum „Adopt don't Shop“ innerhalb eines Jahres Rumänien komplett straßenhundefrei machen könnte.
  • Lies, warum Nathan trotz Mafia-Verstrickungen nachts vor seiner Haustür guckt, bevor er öffnet.
  • Erfahre, warum 860 Millionen Euro für Tötungen das Problem 35-mal hätten lösen können, wenn jemand Kastration statt Mord finanziert hätte.
  • Erfahre, wie Nathan zum Vegetarier wurde, später zum Veganer und warum er findet, dass jeder seinen Weg gehen darf.
  • Lies, warum die vegane Bubble laut Nathan gerade explodiert, auch wenn der Fleischkonsum in Deutschland tatsächlich wieder steigt.
  • Erfahre, welche drei veganen Promis Nathan zum Dinner einladen würde und warum.
  • Entdecke, welche Worte Nathan an die Community richtet, wenn der ganze Wahnsinn mal wieder zu viel wird.

Wer ist Nathan Goldblat?

Plantbased Podcast Folge 95 Cover mit Nathan Goldblat im Interview mit Yannick Haldenwanger über die Hunde-Mafia und Tierschutz

Nathan Goldblat, geboren 1999, ist Content Creator, Schauspieler und seit 2024 einer der lautesten Stimmen im deutschsprachigen Tierschutz. Seit seinem 13. Lebensjahr produziert er Inhalte für Social Media und hat mehrere Hunderttausend Follower auf Instagram, TikTok und YouTube. Nach einer einjährigen Weltreise Ende 2022 verlagerte er seinen Fokus auf Tierschutz und Aktivismus. Bekannt wurde er einem breiten Publikum durch seine sechsteilige Doku-Reihe Die Hunde-Mafia: How to kill a puppy & get rich, die ab dem 8. April 2026 auf Joyn und ab dem 15. April 2026 auf ProSieben lief. In Zusammenarbeit mit PETA, NGOs und Promis wie Hannes Jaenicke und Bianca Heinicke hat er rumänische Hundetötungsstationen ins Visier genommen. Mit messbarem Erfolg: Die größte privatisierte Tötungsstation Rumäniens wurde während der Dreharbeiten geschlossen. Nathan lebt vegan und engagiert sich für Adopt don't Shop sowie flächendeckende Kastrationskampagnen.

Folgen kannst du Nathan hier: Instagram, TikTok und YouTube

Vom Social-Media-Hype zum Tierschutz: Wie alles begann

Hey Nathan, schön dass du da bist. Stell dich für alle, die dich noch nicht kennen, mal kurz vor.

Nathan Goldblat: Hi, freut mich sehr hier zu sein, danke für die Einladung. Ich mache Social Media seit ich 13 bin, also seit 13 Jahren. In meiner Karriere habe ich schon vieles durchlebt. Ganz viel Schauspiel, sehr klassische Social-Media-Inhalte, immer sehr erfolgsgetrieben. Reichweite, Geld, das Übliche. Ende 2022 habe ich dann für mich entschieden, dass ich was ändern möchte. Ich wollte Dinge tun, bei denen es nicht nur ums Geld geht, sondern wo ich wirklich etwas bewege. Für Menschen, für Tiere, für mich selbst. Nach vielem Ausprobieren bin ich dann im Tierschutz gelandet.

Wie kam es konkret dazu, dass du eine Doku über rumänische Hundetötungsstationen gemacht hast? Und wie war der Pitch des Titels „How to kill a puppy & get rich“ bei ProSieben?

Nathan Goldblat: Tiere liebe ich schon mein Leben lang. Ich bin in einem sehr kleinen Dorf aufgewachsen, sechs Jahre Reiten, immer viele Tiere um mich herum. Nach meiner Weltreise war ich mit Jana Hoger von PETA Deutschland unterwegs, um illegale Welpenhändler zu überführen. Dabei wurde die ganze Rumänien-Situation an mich herangetragen, und das war so absurd, so nicht erklärbar dumm, dass sogar ein Kleinkind das verstehen würde. Ich konnte es nicht glauben.

Ich habe dann mit zwei befreundeten Creatorn, Jonas Ems und Levin Reyy, und PETA eine erste Reise nach Rumänien organisiert. Was wir dort gesehen haben, war wirklich komplett verrückt. Ich bin eigentlich kein besonders emotionaler Mensch, sehr rational und faktenbasiert. Aber dieses Thema hat mich komplett gebrochen. Unsere Videos liefen extrem gut: Das YouTube-Long-Video hat mittlerweile 1,2 Millionen Aufrufe, einzelne TikToks zwischen drei und acht Millionen. Es gab riesige Empörung, aber es hat sich nichts geändert. Gar nichts. Die EU-Kommission hat alles abgestritten, in Rumänien herrscht starke Korruption, und die Hunde-Mafia macht hunderte Millionen Euro Umsatz. Da brauchst du mehr als ein paar Influencer-Videos. Daraus wurde dann die Doku in Zusammenarbeit mit ProSieben und Joyn. Und ja, den Titel fanden sie tatsächlich sehr gut, das war eins der Argumente für die Umsetzung.

Hundetötungsstationen, EU-Gelder und ein Millionengeschäft

Du hast die EU am Rande erwähnt. Viele wissen gar nicht, was die EU damit zu tun hat. Erklär das mal.

Nathan Goldblat: Die rumänischen Hundetötungsstationen sind staatlich finanziert. Das Geld kommt aus dem rumänischen Staatshaushalt, der wiederum stark von der EU-Kommission subventioniert wird. Das heißt: Dein Steuergeld, mein Steuergeld, alles Steuergeld aus EU-Ländern fließt über die EU-Kommission unter anderem nach Rumänien. Und dort gibt es zweckgebundene Subventionen für Abfallmanagement und Straßenreinigung, und unter diese Kategorie fallen auch die Hundetötungsstationen. Manche werden tatsächlich von Abfallentsorgungsunternehmen betrieben. Wenn du in Rumänien deinen Hund verlierst und anrufst, landest du bei der Abfallbehörde. Das ist der Punkt, an dem es einfach ekelhaft makaber wird.

Daneben gibt es privatisierte Hundetötungsstationen. Das sind Unternehmen, deren einzige Aufgabe es ist, möglichst viele Hunde umzubringen und jeden Hund einzeln abzurechnen.

Eine Frau in deiner Doku sagt, dass die bis zu 400 Euro pro Hund bekommen. Und es wird sogar bei den Tötungen gespart. Was läuft da konkret ab?

Nathan Goldblat: Genau, gerade bei den Privatisierten wird jeder einzelne Schritt abgerechnet. Für das Einfangen gibt's Geld. Für die Unterbringung gibt's Geld, denn Hunde müssen 14 Tage in der Station bleiben, falls jemand seinen entlaufenen Hund sucht. Für Futter wird abgerechnet, das oft gar nicht gegeben wird, weil der Hund ja sowieso getötet wird. Der Hund kann dir ja nicht verraten, dass er die letzten Tage nichts bekommen hat. Für medizinische Versorgung wird abgerechnet, die nahezu nie stattfindet. In fast jeder Station, in der ich war, waren Hunde mit offenen Wunden, voller Flöhe und Zecken, völlig abgemagert. Und am Ende wird die sachgerechte Einschläferung abgerechnet, die natürlich teuer wäre.

Statt das Geld in die Tötung zu stecken, wird so billig wie möglich getötet: erschlagen, lebendig verbrennen, Frostschutzmittel spritzen. Das ist wie ein innerliches Verbrennen. Und das eigentlich verpflichtende Betäubungsmittel vor der Tötung, meistens Ketamin, wird stattdessen auf den Schwarzmarkt verkauft. In Rumänien bricht gerade ein richtiges Ketamin-Problem aus, das landet wohl sogar an Schulen. Das hat mir eine rumänische Abgeordnete erzählt. Wir kratzen hier nur an der Oberfläche. Ich habe sechs mal 30 Minuten Dokumentation dazu gedreht, und was da abgeht, kannst du dir nicht ausdenken.

Wenn das Thema dich frisst: Nathans persönliche Belastung

Real talk: Du hast dir das alles immer wieder reingezogen. Mich würde das brechen. Wie geht es dir mit der ganzen Sache?

Nathan Goldblat: Ich versuche, mich viel abzulenken, bin oft im Arbeitstunnel. Aber da ist auf jeden Fall ganz viel Trauer und Wut. Manchmal rede ich nur darüber, dann gibt's einen Trigger, die Bilder aus den Tötungen sind vor meinem inneren Auge, und dann fließen die Tränen. Es war einfach so wenig Zeit zur Verarbeitung. Ich habe das große Ziel vor Augen, das Ende der Hundetötungsgesetze in Rumänien, und konzentriere mich auf meine To-dos. Am Ende der Dreharbeiten war ich mit fünf bis acht und dann nochmal mit zehn bis fünfzehn Creatorinnen in den Tötungsstationen. Ich kannte irgendwann fast jeden Hund dort, und wusste, dass ich die meisten zurücklassen muss, weil es einfach nur sehr begrenzte Plätze gibt.

Und das ist auch ein super wichtiger Punkt: Wenn ihr euch einen Hund holt: Bitte, bitte, bitte adoptiert. Es gibt jede Rasse, in jedem Alter, in irgendeinem Tierheim oder einer Tötungsstation. Wenn alle in Deutschland für ein Jahr adoptieren statt kaufen würden, wäre Rumänien danach komplett straßenhundefrei. Nach einem Jahr. Jeder Hund, der beim Züchter gekauft wird, ist am Ende des Tages einer mehr in einer Tötungsstation, der getötet wird, weil kein Platz im Tierheim frei geworden ist.

Yannick Haldenwanger, Host vom Plantbased Podcast, mit seiner aus Bali geretteten Hündin Lucy, die er als eintägigen Welpen im Müll gefunden und adoptiert hat
Yannick mit Lucy. Wir haben sie auf Bali als eintägigen Welpen im Müll gefunden, aufgepäppelt und adoptiert. In diesem Sinne: Adopt. Don´t shop.

Adopt don't Shop und die schwierige Sache mit Influencern

Ich lebe selbst seit drei Jahren in Bali und habe hier zwei Hunde aus dem Müll adoptiert. Wenn Leute mich fragen, wo wir die gekauft haben, triggert mich das jedes Mal. Wie geht's dir mit dem Thema?

Nathan Goldblat: Das Verständnis für Adopt don't Shop ist in den letzten Jahren über Social Media in Deutschland enorm gewachsen. Aber ich erlebe das auch. Der erste Hund, den ich aus einer Tötungsstation geholt habe, war ein Husky mit zwei verschiedenfarbigen Augen. Victoria Müller hat ihn adoptiert. Optisch perfekt. Wenn du den kaufen würdest, würdest du dich dumm und dämlich zahlen. Und er saß da in der Tötungsstation. Ich glaube, was wichtig ist im Tierschutz: Verständnis haben für Menschen, die nicht von Anfang an alles richtig machen. Als ich mir früher meinen ersten eigenen Hund holen wollte, habe ich auch nicht ans Tierheim gedacht. Das war gar keine Option in meinem Kopf. Deswegen ist es so wichtig, aufzuklären, statt mit Hass zu reagieren.

Es gab ja eine Riesendiskussion, weil Christian Wolf und Jan Kraume bei dir dabei waren, also Marken, die Produkte mit tierischen Bestandteilen (Whey Proteinpulver etc.) machen. Was sagst du dazu?

Nathan Goldblat: Das ist ein riesiges Thema bei Content Creatorn. Viele haben Angst, sich öffentlich zum Tierschutz zu bekennen, weil dann alles, was sie jemals getan haben, an den Pranger gestellt wird. Tierschutz und der Weg zum veganen Leben sind ein Weg. Bei mir war es auch so: vegetarisch seit 2019, vegan jetzt seit knapp einem Jahr. Wenn wir gerade die Personen des öffentlichen Lebens, die anfangen sich damit auseinanderzusetzen, direkt mit so viel Hass entgegentreten, dann distanzieren die sich weiter davon. Und dann werden medial einfach noch weniger Tierschutzthemen behandelt. Wir schießen uns als Tierschützer:innen damit selbst ins Bein.

Konkret zu Christian: Unterstellen wir mal, er hätte das aus Greenwashing-Gründen gemacht. Trotzdem hat das dazu geführt, dass wir bei den Spenden von 50.000 auf über 250.000 Euro gesprungen sind. Mindestens 100.000 davon gehen auf den Tag mit Jan und Christian zurück. Die fließen zu 100 Prozent in NGOs in Rumänien. An diesem einen Tag haben wir 30 bis 40 Millionen Aufrufe generiert, und zwar mit informativem, aufklärendem Content in einer Zielgruppe, die sonst null Berührungspunkte mit veganen Themen hätte. Für den Tierschutz war das ein extrem erfolgreicher Tag.

Nathan Goldblat hält geretteten Welpen aus rumänischer Hundetötungsstation während der Dreharbeiten zur ProSieben-Doku Die Hunde-Mafia
Nathan Goldblat mit einem geretteten Welpen aus einer rumänischen Hundetötungsstation. Während der Dreharbeiten zu „How to kill a puppy – and get rich“ hat der Tierschutz-Creator unzählige Hunde aus dem System der Hunde-Mafia geholt – einer der wenigen Momente, in denen er trotz allem lächeln konnte. © ProSieben/Joyn

Empathie statt Hass: Warum Aktivismus auch zuhören muss

Eine Sache, die ich mir von der Tierschutz- und Vegan-Bubble wünsche: empathisch sein für Menschen, die noch nicht so weit sind. Wenn du sagst „du bist böse“, das bringt einfach nichts.

Nathan Goldblat: Voll. Ich finde zum Beispiel den Stil von der militanten Veganerin Raffaela echt anstrengend, aber ich glaube schon, dass das auch seinen Platz hat, weil es auf Social Media polarisiert und Menschen zum Nachdenken bringt. Wichtig ist trotzdem: Wenn wir mit jemandem über das Thema reden, dürfen wir nicht verharmlosen, was den Tieren in der Lebensmittelbranche angetan wird. Das ist Wahnsinn. Aber dieser Dauer-Hass im Internet: Wenn du das tagtäglich erlebst, hast du irgendwann keinen Bock mehr. Den Wut in uns selbst dürfen wir nicht zulassen, weil sie uns aufgefressen würde und uns davon abhält, das voranzubringen, was wir eigentlich wollen.

130 Millionen Aufrufe, Razzien und schlechte TV-Quoten

Die Doku ist am 15. April gestartet. Wie happy bist du mit dem Ergebnis und der Resonanz?

Nathan Goldblat: Ich finde das Endprodukt wunderschön. Es ist ein extrem schweres Thema, aber wir haben es geschafft, eine Doku zu produzieren, die man sich wirklich gut anschauen kann. Es fühlt sich fast an wie ein True-Crime-Krimi: Recherchearbeit nachts mit Tarnklamotten und Wärmebildkamera, Informanten treffen, von der Hunde-Mafia beschattet werden, Polizeieinsätze. Das tatsächliche Tierleid wird gezeigt, aber sehr punktuell und gut aufbereitet.

Die Social-Media-Begleitung war ein unendlicher Erfolg: Nur auf meinem Account haben Videos rund um das Thema auf Instagram, YouTube und TikTok rund 130 Millionen Aufrufe generiert. Story-Views kommen noch dazu. Aber das Beste: Die Recherchen aus der Doku haben dazu geführt, dass eine der größten privatisierten Hundetötungsstationen Rumäniens von der Polizei gestürmt und geschlossen wurde. Mehr will ich nicht spoilern.

Aber die TV-Quote bei ProSieben war eher mau, oder?

Nathan Goldblat: Ja, die Quote war ziemlich schlecht, und das ist eigentlich nicht zu erklären. Wir haben an dem Sendetag Social Media komplett geflutet, alle großen deutschen NGOs haben gepostet, etliche Influencer:innen und Promis. Ich hatte zwei Postings, die noch vor 20:15 Uhr fast eine Million Aufrufe hatten und nur darüber sprachen, dass abends alle einschalten sollen. Trotzdem schlechte Quoten. Erklären lässt sich das mit dem System der TV-Quotenmessung in Deutschland: Es gibt rund 1.000 Endgeräte mit Messgerät, die aufzeichnen, was geschaut wird. An diesen 1.000 Personen wird hochgerechnet. Das sind aber Menschen, die regelmäßig fernsehen, und genau die Zielgruppe, die wir auf Social Media erreicht haben, ist eben nicht in diesen 1.000 dabei. Außerdem lief gleichzeitig Bayern gegen Real Madrid in der Champions League. Im Nachhinein hätten wir die Massen besser auf YouTube oder Joyn lenken sollen.

Die ehrliche Lösung: Kastration statt Tötung

Was wäre denn die Patentlösung für Rumänien? Was muss unbedingt passieren?

Nathan Goldblat: Das ist eigentlich der wichtigste Fakt überhaupt, die Basis von allem. Laut einer Hochrechnung von PETA sind bisher rund 860 Millionen Euro in diese Hundetötungsstationen geflossen. Konservativ gerechnet. Eine rumänische Abgeordnete spricht eher von 4 Milliarden Euro. Hätte man dieses Geld stattdessen in flächendeckende Kastrationskampagnen investiert, wäre jeder Straßenhund in Rumänien mindestens 35-mal kastriert worden. Das Problem wäre 35-mal gelöst, und kein einziger Hund hätte sterben müssen. Mit den 4 Milliarden wären es eher 60-mal. Das ist der Punkt, an dem ich gesagt habe: Das versteht jedes kleine Kind. Das kann nicht sein, das muss geändert werden.

Du hast vorhin „Mafia“ und „Korruption“ gesagt. Ist das gefährlich für dich?

Nathan Goldblat: Mein Papa sagt das auch. Ehrlicherweise weiß ich's nicht so genau. Klar, da sind Menschen, die enorm viel Kohle machen, denen ich dazwischenfunke. Die finden das bestimmt nicht geil. Aber die sind in Rumänien und ich nicht. Wenn's an der Tür klingelt, gucke ich aber auf jeden Fall, wer da ist, bevor ich aufmache. Und ich bin nicht der einzige. Die Anzeige, die zur Schließung einer Tötungsstation geführt hat, hat eine befreundete rumänische Stadträtin eingereicht, die selbst Tierärztin ist und dort lebt. NGOs in Rumänien machen das seit über einem Jahrzehnt und sind die echten Held:innen.

Boomende vegane Bubble oder doch nur ein Traum?

Frage vom letzten Gast Aljosha Mutardi: Was glaubst du, warum wir als vegane Community stagnieren?

Nathan Goldblat: Mein Gefühl ist komplett konträr. Ich habe das Gefühl, die Vegan-Bubble ist in den letzten Jahren explodiert. Was es in fast jedem Supermarkt mittlerweile an Produkten gibt, im Vergleich zu vor wenigen Jahren, das ist krass. Ich habe das Gefühl, jeder hat heute schon mal ein richtig geiles veganes Essen zu Hause angerichtet. Wir wachsen, wir stagnieren nicht.

Spannend. Wenn man sich die Zahlen anschaut, geht der Fleischkonsum in Deutschland tatsächlich wieder leicht hoch. Trotzdem wächst die vegane Community weiter.

Nathan Goldblat: Wirklich, Fleischkonsum geht wieder nach oben? Wahnsinn. Wir haben doch so eine gute Aufklärung über Social Media. Ich habe das Gefühl, mittlerweile hat jeder mal gesehen, wie es den Tieren in der Massentierhaltung geht. Aber okay, gut zu wissen, dann machen wir einfach weiter.

Drei Promis, ein veganes Dinner und eine Botschaft

Stell dir vor, du könntest für drei bekannte Persönlichkeiten ein veganes Dinner veranstalten. Wen lädst du ein?

Nathan Goldblat: Erst dachte ich an einflussreiche Leute wie Donald Trump oder Elon Musk. Aber wenn ich die da hinsetze und sie das Essen abfeiern, ändert das nichts. Ich würde wahrscheinlich drei sehr bekannte vegane Persönlichkeiten einladen und mit denen gemeinsam weitere Awareness fürs Thema schaffen. Bleibt bei meiner aktuellen Taktik.

Was würdest du grillen?

Nathan Goldblat: Grillen ist eins der Dinge, die man richtig geil vegan machen kann. Veganer Feta mit Tomate, vegane Ersatzprodukte: Grillen geht super als Veganer. Würde ich also auf den Tisch packen.

Stell dir vor, du wärst für einen Tag Politiker und könntest eine Sache sofort umsetzen. Was wäre das?

Nathan Goldblat: Easy. Sämtliches Leid und Töten an Tieren müsste auch dem Verursacher angetan werden, von der Tötung bis zur schlechten Behandlung. Wahrscheinlich noch sinnvoller, wenn man das auf den Krieg überträgt, also eine Art Anti-Kriegs-Verbot. Generell: Wie kann ich möglichst viel Leid abwenden? Vielleicht auch was mit Geld. Geld motiviert Menschen zu so viel Schlechtem. Aber ehrlich gesagt würde ich erstmal ein Team auf die perfekte Strategie ansetzen. Ich bin zu verkopft für so eine Frage.

Letzte Worte an die Community?

Nathan Goldblat: Tragt Liebe und Dankbarkeit in euch. Ja, alles ist gerade wild und schrecklich, die Welt geht überall ein bisschen unter. Aber wenn ihr euch kurz umschaut und das hier hört, dann geht's euch ziemlich sicher gar nicht so schlecht. Ihr habt genug Essen, ein Dach über dem Kopf, einen Ort wo ihr sein könnt. Haltet gute Energie in eurem Herzen. Das hilft.

Nathan Goldblats Doku „Die Hunde-Mafia: How to kill a puppy & get rich“ läuft auf Joyn und ist in der Mediathek von ProSieben abrufbar. Den vollständigen Plantbased Podcast findest du auf Youtube, Spotify, Apple Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt.

Quellen, Studien und weiterführende Links

Im Interview werden mehrere konkrete Zahlen, Gesetze und Statistiken erwähnt. Hier findest du die seriösen Quellen dazu, falls du selbst tiefer einsteigen willst:

  • Zum Tötungsgesetz 258/2013 und der EU-Mitfinanzierung in Rumänien (erwähnt mehrfach im Interview):
    PETA Deutschland, „PETA HELPS ROMANIA“: peta.de/kampagnen/peta-helps-romania
  • Zur Zahl von 150+ staatlichen Tötungsstationen und 200-400 Euro pro Hund (Interview-Part „Hundetötungsstationen, EU-Gelder und ein Millionengeschäft“):
    Joyn Behind the Scenes zur Doku: joyn.de
  • Zur Aussage über über 1,1 Millionen getötete Hunde seit den 2000ern:
    PETA-Schätzung, „Rumänien: Millionen Hunde gefangen & getötet“: peta.de/aktiv/rumaenien-strassenhunde-kastration
  • Zur Schließung von Tötungsstationen während der Dreharbeiten (Interview-Part „130 Millionen Aufrufe, Razzien und schlechte TV-Quoten“):
    PETA-Interview mit Jana Hoger: peta.de/neuigkeiten/hundemafia-interview
  • Zur Aussage, dass der Fleischkonsum in Deutschland wieder steigt (Interview-Part „Boomende vegane Bubble oder doch nur ein Traum?“):
    Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Pro-Kopf-Verzehr 2025 lag bei 54,9 kg, drittes Jahr in Folge steigend. Quelle: BMEL-Statistik: bmel-statistik.de
  • Zur langfristigen Entwicklung des Fleischkonsums in Deutschland:
    Greenpeace-Analyse: greenpeace.de
  • Zur Wirksamkeit von Kastrationskampagnen als Lösung (Interview-Part „Die ehrliche Lösung: Kastration statt Tötung“):
    PETA, „Kastration statt Tötung“: peta.de

Stand der Recherche: Mai 2026.


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