Moby stellt sich hinter Anna Schubert und Hendrik Haßel. Die beiden Tierrechtsaktivist:innen haben heimlich in einem Schlachthof in Niedersachsen gefilmt, wie Schweine in CO₂ betäubt werden, und wurden dafür vom Betrieb verklagt. Am 24. September 2026 hat die Kampagne @schlachthofprozess Fotos veröffentlicht, auf denen der Musiker mit den beiden und einem Pappschild posiert: „Tierleid zeigen ist kein Verbrechen“. Fotografiert hat Aglaja Brix.
Kurz gesagt: Worum geht es?
Anna Schubert und Hendrik Haßel haben 2024 mit versteckten Kameras die CO₂-Betäubung von Schweinen in einem Schlachthof in Lohne dokumentiert. Das Oberlandesgericht Oldenburg hat im Juni 2026 entschieden, dass sie dem Betrieb grundsätzlich Schadensersatz schulden. Wie viel, ist noch offen. Moby unterstützt die beiden öffentlich, unter dem Motto „Undercover investigation is not a crime“.

Was Moby unterstützt.
Der Beitrag erschien zweisprachig auf dem Instagram-Kanal der Kampagne, mit Ortsangabe Berlin. Anna und Hendrik hätten dokumentiert, wie Schweine bei der CO₂-Betäubung ersticken, heißt es dort. Dafür seien sie verklagt worden, sollten Schadensersatz zahlen und dürften ihre eigenen Aufnahmen nicht mehr zeigen. „@moby steht hinter Anna und Hendrik“, schreibt die Kampagne.
Die Forderung dahinter: Es braucht Menschen, die dorthin gehen, wo Tiere hinter verschlossenen Türen leiden, und die dieses Leid sichtbar machen. Statt die Menschen zum Schweigen zu bringen, die Tierleid aufdecken, müsse das Leid selbst aufhören. Moby hält auf den Fotos zwei Schilder, eines auf Deutsch („Tierleid zeigen ist kein Verbrechen“) und eines auf Englisch („Undercover investigation is not a crime“).
Undercover investigation is not a crime
Der Beitrag von @schlachthofprozess mit Moby, auf Instagram.
Der Schlachthofprozess in Kürze.
Im Frühjahr 2024 installierten Anna Schubert und weitere Personen nachts versteckte Kameras im Schlachthof Brand Qualitätsfleisch in Lohne im Landkreis Vechta. Die Aufnahmen zeigen, wie Schweine in Gruppen in eine Grube mit hochkonzentriertem Kohlendioxid abgesenkt werden. Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch veröffentlichte das Material, die ARD-Sendung Plusminus griff es auf. Der Betrieb reagierte mit Strafantrag und Zivilklage.
Das Landgericht Oldenburg urteilte am 11. Juni 2025. In zweiter Instanz verkündete das Oberlandesgericht Oldenburg am 9. Juni 2026 sein Urteil (Az. 13 U 45/25). Die wichtigsten Punkte:
- Schadensersatz dem Grunde nach: Beide haften für den Schaden, der dem Betrieb durch die Aufnahmen und ihre Verbreitung entstanden ist. Wie hoch er ist, muss ein eigenes Verfahren klären.
- Unterlassung und Betretungsverbot: Anna Schubert muss die Verbreitung unterlassen, beide dürfen das Gelände nicht mehr betreten.
- Kein Totalverbot: Ein weitergehendes Verbot künftiger Veröffentlichungen hat das Gericht abgewiesen. Posts von Dritten bleiben zulässig.
- Keine Revision: Das OLG hat sie nicht zugelassen. Die beiden haben angekündigt, dagegen beim Bundesgerichtshof vorzugehen. Einen Beschluss dazu haben wir bis heute nicht gefunden.
Bemerkenswert ist eine Stellungnahme des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), die in das Urteil eingeflossen ist. Die Behörde hat die Aufnahmen ausgewertet. Die vorgeschriebene Höchstdauer zwischen Betäubung und Entblutungsschnitt von 20 bis 30 Sekunden scheint demnach „in keinem Fall eingehalten worden zu sein“. Gemessen wurden mindestens 45 bis 55 Sekunden, bei einzelnen Tieren mehr als drei Minuten.
Wir haben das 72 Seiten lange Urteil ausgewertet: Schlachthofprozess: Was das Urteil aus Oldenburg bedeutet. Wie die beiden danach ihre Videos löschen mussten und wer sie stattdessen geteilt hat, steht in diesem Artikel. Die Verhandlung im April haben wir hier begleitet.

Moby und die Tiere.
Für Moby ist das Thema nicht neu. Der Musiker lebt seit 1987 vegan und spricht seit Jahrzehnten über Tierrechte. Auf seinem Hals steht „Vegan for Life“, auf den Unterarmen „Animal Rights“. Seine Geschichte mit dem Veganismus haben wir auf Englisch aufgeschrieben: Is Moby vegan?
Mit seinem Auftritt für die Kampagne erreicht der Fall ein Publikum weit über Deutschland hinaus.

Hinter der Kamera: Aglaja Brix.
Die Fotos stammen von Aglaja Brix. Viele kennen sie als Vivi aus der Kinderserie „Die Pfefferkörner“, heute arbeitet sie als Fotografin und setzt sich seit Jahren für Tiere ein. Bei uns im Podcast hat sie erzählt, wie sie vegan wurde, warum sie Aktivismus und Fotografie verbindet und wie sie auf KI-Bilder blickt. Das ganze Gespräch steht in unserem Interview mit Aglaja Brix. Hier kannst du die Folge direkt anschauen:
Lieber hören? Die Folge mit Aglaja Brix auf Spotify.
Warum es diese Aufnahmen braucht.
Rund 80 Prozent der in Deutschland geschlachteten Schweine werden mit CO₂ betäubt. Die Tiere werden in Gondeln in einen Schacht gefahren, in dem die Kohlendioxid-Konzentration bei rund 90 Prozent liegt. Das Gas reizt die Schleimhäute, die Schweine geraten in Atemnot und Panik, bevor sie das Bewusstsein verlieren. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat die Methode schon 2004 kritisiert und empfohlen, sie schrittweise zu ersetzen. Erlaubt ist sie nach EU-Recht trotzdem, vor allem weil sie schnell ist und viele Tiere gleichzeitig betäubt.
Was in Schlachthöfen passiert, sieht die Öffentlichkeit fast nie. Verstöße werden deshalb häufig erst durch Aufnahmen wie die aus Lohne bekannt. Dass die Behörde LAVES die Bilder später selbst auswerten und Verstöße festhalten konnte, war nur möglich, weil jemand sie gemacht hat. Im Zivilprozess ging es trotzdem um das Filmen und seine Folgen für den Betrieb.
Dabei ist auch eine Betäubung nach allen Regeln keine Lösung für die Tiere. Jedes Jahr werden in Deutschland Millionen Schweine geschlachtet, die Zahlen stehen in unserem Überblick Wie viele Tiere werden geschlachtet? Es gibt keine Methode, ein Tier zu töten, das leben will, die diesem Tier gerecht wird. Wer das nicht mehr mittragen will, findet in unserem 30-Tage-Plan zum Vegan-Starten einen Einstieg.
Im Vereinigten Königreich haben Aktivist:innen eine CO₂-Anlage gefilmt, inzwischen ist sie abgerissen. Mehr dazu hier.

So kannst du Anna und Hendrik unterstützen.
- Petition unterschreiben: Die Kampagne sammelt Unterschriften, laut schlachthofprozess.org sind es über 40.000 (Stand 25. September 2026).
- Spenden: Die Prozesskosten tragen die beiden selbst. Wichtig zu wissen: Hinter der Spendenseite steht kein Verein, das Konto läuft privat auf Anna Schubert. Spendenquittungen gibt es deshalb nicht.
- Teilen: Den Beitrag mit Moby weiterleiten oder in der Story teilen. Posts von Dritten hat das OLG ausdrücklich als zulässig eingestuft.
- Folgen: Neuigkeiten zum Verfahren gibt es auf @schlachthofprozess.

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Credits und Quellen ●
Fotos: Aglaja Brix, @studio_aglajabrix und @aglaja_brix, veröffentlicht mit Genehmigung. Video im eingebetteten Beitrag: Till Feldt, @till1feldt.
Grundlage sind der Instagram-Beitrag von @schlachthofprozess vom 24. September 2026, die Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Oldenburg zum Urteil vom 9. Juni 2026, das von uns ausgewertete Urteil (Az. 13 U 45/25) und die Kampagnenseite schlachthofprozess.org. Die Zahlen zur CO₂-Betäubung stammen aus unseren früheren Recherchen zum Verfahren, die EFSA-Einschätzung aus dem Gutachten von 2004. Stand: 25. September 2026.
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Was Moby unterstützt.?
Warum es diese Aufnahmen braucht.?
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