Anna Schubert und Hendrik Haßel vor dem Oberlandesgericht Oldenburg
Anna Schubert und Hendrik Haßel vor dem Prozess. Foto: Marco Molitor
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Bis morgen, Freitag wird ein Instagram-Kanal zu einem fast weißen Blatt.

Anna Schubert hat es selbst angekündigt, in einem Video, das müde klingt und trotzdem nicht aufgibt. Sie und Hendrik Haßel nehmen ihre Aufnahmen aus der CO2-Betäubung von Schweinen offline. Nicht, weil die Bilder falsch wären. Sondern weil ein Gericht entschieden hat, dass sie das Material nicht mehr verbreiten darf, und weil das Risiko, es trotzdem zu tun, für eine Privatperson nicht tragbar ist.

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Man muss kurz sortieren, was hier passiert ist, weil es leicht misszuverstehen ist. Wir als Medienvertreter dürfen es zeigen und haben uns ausnahmsweise entschieden, das in diesem Fall (unten) zu machen. Normalerweise zeigen wir keine schlimmen Bilder, in diesem Sonderfall sehen wir es als unsere Pflicht der Tierrechtsszene gegenüber.

Was das Gericht entschieden hat

Am 9. Juni 2026 hat das Oberlandesgericht Oldenburg im Berufungsverfahren zugunsten des Schlachtkonzerns Brand Qualitätsfleisch entschieden. Anna Schubert wird verurteilt, die Verbreitung der heimlich aufgenommenen Bilder und Videos aus dem Betrieb zu unterlassen, überall dort, wo Schweine bei der CO2-Betäubung, technische Anlagen oder sie selbst zu sehen sind. Für jeden Verstoß gegen diese Auflage kann ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro verhängt werden.

Dazu kommt: Beide, Anna Schubert und Hendrik Haßel, haften dem Grunde nach für den finanziellen Schaden, der dem Konzern durch die Verbreitung entstanden ist. Der Streitwert des Verfahrens liegt bei 110.000 Euro. Eine Revision hat das Gericht nicht zugelassen. Die beiden ziehen mit einer Nichtzulassungsbeschwerde weiter.

Kein Gericht hat angeordnet, dass der halbe Kanal geleert werden muss. Das machen Anna und Hendrik selbst. Weil sie unter dieser Drohkulisse keine andere Wahl sehen. Genau das ist der Punkt.

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Achtung: Weiter unten sind schlimm Bilder davon zu sehen.

Eine Klage, die abschrecken soll

Die Beklagten und eine unabhängige Anlaufstelle nennen den Fall eine SLAPP-Klage. Die Abkürzung steht für Strategic Lawsuit Against Public Participation, also eine Klage, deren eigentliches Ziel nicht das Urteil ist, sondern die Wirkung davor und danach. Anwaltskosten, Verfahrensjahre, Forderungen, die einen normalen Menschen finanziell erledigen.

Hendrik Haßel bringt es auf den Satz, der hängenbleibt: „Wer kann es sich nach diesem Urteil noch leisten, Kritik öffentlich zu äußern, wenn dafür 100.000 Euro Schadensersatz drohen?”

Das ist keine Frage über Tierschutz allein. Es ist eine Frage darüber, wer in diesem Land öffentlich den Mund aufmachen darf, ohne sein Erspartes zu riskieren. Die Löschung am Freitag ist der Beweis, dass die Methode wirkt.

 

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Was auf den Aufnahmen zu sehen ist

Die Bilder zeigen die CO2-Betäubung, wie sie in vielen deutschen Schweineschlachthöfen Standard ist. Die Tiere werden in Gondeln getrieben und mit einem Aufzug in eine Grube mit hoher CO2-Konzentration abgesenkt. Dort atmen sie das Gas ein, bis sie das Bewusstsein verlieren. Die Methode ist nach EU-Recht als Betäubungsverfahren zugelassen. Wer die Aufnahmen gesehen hat, beschreibt etwas anderes als ein ruhiges Einschlafen.

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Warum wir berichten

Das Urteil bindet Anna Schubert und Hendrik Haßel. Es bindet nicht die Presse. Wir sind ein Magazin, und Berichterstattung über einen Vorgang von öffentlichem Interesse ist unsere Aufgabe, gerade dann, wenn ein Konzern mit viel Geld dafür sorgt, dass niemand mehr hinsieht.

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Anna und Hendrik geben nicht auf. Sie kämpfen weiter, vor dem nächsten Gericht, parallel mit einer Verbandsklage und einer eigenen Kampagne gegen die CO2-Betäubung. Das Mindeste, was wir tun können, ist hinschauen, solange es geht.

Woher wir das wissen. Grundlage dieses Artikels ist das Urteil des OLG Oldenburg vom 09.06.2026 (Az. 13 U 45/25), das uns im Wortlaut vorliegt, sowie die öffentliche Pressemitteilung und die Videoankündigung der Beklagten. Wir geben das Urteil sinngemäß wieder. Stand: 18.06.2026.

Mehr Hintergründe und das Material findest du bei den Aktivist:innen selbst unter schlachthofprozess.org – dort gibt es auch die Petition mit der Unterschrift dort könnt ihr automatisch helfen.

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