Getrocknete Fische hängen dicht an dicht in einem Geschäft für Meeresprodukte
Switch Language

Es gibt einen Millionenmarkt, von dem die wenigsten je gehört haben, und genau das ist sein Problem. Getrocknete Fisch-Schwimmblasen erzielen auf dem asiatischen Markt Preise von mehreren zehntausend Dollar pro Stück. Bei den begehrtesten Arten ist die Blase Gramm für Gramm mehr wert als Gold, manche Händler zahlen bis zu 100.000 Dollar für ein einziges Kilogramm. Der Naturschutzorganisation Pro Wildlife zufolge treibt dieser Handel eine stille, aber massive Zerstörung im Meer voran.

Schwimmblasen sind das Organ, mit dem Fische ihren Auftrieb regulieren. In der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM, gelten die getrockneten Blasen bestimmter Arten zunehmend als Delikatesse und als Heilmittel. Der Spitzname in der Branche sagt alles über die Preise: „aquatisches Kokain”.

Warum eine Fischblase teurer sein kann als Gold

Der Wert entsteht nicht durch einen belegten Nutzen, sondern durch Status und Nachfrage. In der TCM werden den Blasen Wirkungen nachgesagt, die sich wissenschaftlich nicht halten lassen, etwa dass sie Leber und Nieren stärken, die Haut verbessern oder die Durchblutung fördern. Serviert werden sie meist in teuren Suppen. Je seltener eine Art wird, desto höher steigt der Preis, was einen fatalen Kreislauf in Gang setzt: Knappheit macht die Jagd noch lohnender.

Besonders deutlich zeigt sich das an der Preisentwicklung. Laut Pro Wildlife hat sich der Marktpreis für die Schwimmblase des Schuppen-Umberfisches zwischen 2019 und 2022 verfünffacht. Ein Auslöser für diesen Boom ist der Ausbau der neuen Seidenstraße, die auch der weltweiten Verbreitung der TCM dienen soll. Mit den Handelswegen wächst die Nachfrage, und mit der Nachfrage der Druck auf die Bestände.

Fischer wirft ein großes Netz über das Meer

Die Nachfrage nach Schwimmblasen befeuert die Überfischung großer Fischarten weltweit.

Die Folgen: Überfischung, immer neue Arten, weltweite Lieferketten

Was als Nischenprodukt begann, ist längst ein globales Geschäft. Die Importmengen steigen rasant, und inzwischen liefern über 110 Länder aus aller Welt Schwimmblasen in die Handelszentren. Sobald ein Bestand zusammenbricht, verlagert sich die Jagd auf die nächste Art mit ähnlich großer Blase. Genau diese Verlagerung macht den Handel so gefährlich: Er frisst sich durch eine Fischart nach der anderen, oft schneller, als der Schutz reagieren kann.

Getroffen werden vor allem große Fische, die ohnehin langsam wachsen und sich spät fortpflanzen. Wird eine solche Art gezielt für ein einziges Organ befischt, ist der Zusammenbruch programmiert. Der Rest des Tieres ist dabei oft Nebensache, es geht allein um die Blase.

Regal-Funde direkt aufs Handy

Neue vegane Produkte, Deals und Regal-Alarm aus dem Supermarkt, kostenlos per WhatsApp.

Jetzt kostenlos anmelden

Der dramatischste Fall: Totoaba und Vaquita

Kein Beispiel zeigt die Zerstörungskraft dieses Handels so deutlich wie der Golf von Kalifornien in Mexiko. Dort wird der bedrohte Totoaba gejagt, ein großer Fisch aus der Familie der Umberfische, dessen Schwimmblase auf dem Schwarzmarkt Höchstpreise bringt. Gefischt wird mit Stellnetzen, und in genau diesen Netzen verfängt sich als Beifang ein kleiner Schweinswal: der Vaquita.

Ein kleiner Schweinswal blickt unter Wasser in die Kamera

Der Vaquita, ein naher Verwandter dieses Schweinswals, ist fast verschwunden. Weniger als zehn Tiere leben noch.

Der Vaquita ist das seltenste Meeressäugetier der Welt und lebt ausschließlich in diesem einen Meeresgebiet. Weil er in den Totoaba-Netzen ertrinkt, ist sein Bestand auf weniger als zehn Tiere zusammengeschmolzen. Diese Schweinswale sind kein Ziel der Wilderer, sie sterben schlicht mit. Ein Tier steht damit kurz vor dem Aussterben, weil die Blase eines anderen Tieres als Delikatesse gilt.

Ein verlorenes Fischernetz hat sich an einem Korallenriff verfangen

In den Netzen der Wilderer sterben auch Tiere, die niemand fangen wollte.

Was hilft: Aufklärung und pflanzliche Alternativen

Das eigentliche Problem ist, wie unsichtbar dieser Handel bleibt. Wo kaum jemand von den Folgen weiß, entsteht auch kein Druck, etwas zu ändern. Genau hier setzt Pro Wildlife an. Die Organisation arbeitet mit der Fachzeitschrift „Chinesische Medizin” zusammen, klärt praktizierende TCM-Ärztinnen und -Ärzte über die Herkunft und die Folgen der Schwimmblasen auf und wirbt für unbedenkliche pflanzliche Alternativen.

Chinesische Heilkräuter in Schalen neben Mörser und Stößel

Für die meisten Anwendungen gibt es unbedenkliche pflanzliche Alternativen.

Der Ansatz ist klug, weil er nicht die TCM als Ganzes verurteilt, sondern konkret dort ansetzt, wo Tierprodukte durch Pflanzen ersetzt werden können. Das ist derselbe Grundgedanke, der auch beim Essen greift: Die Nachfrage entscheidet, was gefangen und getötet wird. Wer bei Fisch zu pflanzlichen Alternativen greift, nimmt genau diesen Druck aus dem System. Dass sich dieser Hebel lohnt, hat zuletzt auch der Stopp der weltweit ersten Oktopus-Farm gezeigt.

Solche Recherchen und gute Nachrichten für Tiere behalten wir für dich im Blick. Abonniere den Newsletter, kostenlos und jederzeit kündbar.

Wer tiefer einsteigen will: Pro Wildlife hat einen Fachartikel veröffentlicht, der zeigt, wie eng Wildtierhandel, Politik und globale Handelswege inzwischen miteinander verwoben sind.

Quelle: Pro Wildlife.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Warum eine Fischblase teurer sein kann als Gold?
Der Wert entsteht nicht durch einen belegten Nutzen, sondern durch Status und Nachfrage. In der TCM werden den Blasen Wirkungen nachgesagt, die sich wissenschaftlich nicht halten lassen, etwa dass sie Leber und Nieren stärken, die Haut verbessern oder die Durchblutung fördern.
Was hilft: Aufklärung und pflanzliche Alternativen?
Das eigentliche Problem ist, wie unsichtbar dieser Handel bleibt. Wo kaum jemand von den Folgen weiß, entsteht auch kein Druck, etwas zu ändern. Genau hier setzt Pro Wildlife an.
Über 75.000 Menschen folgen This Is Vegan auf YouTube, Instagram und dem Sparradar Vegan Alarm.

Schon den Plantbased-Podcast gehört?

Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.

Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.

Seit 2019 · This Is Vegan · unabhängig, vegan, manchmal unbequem


Mitmachen, nicht nur mitlesen

Wir finanzieren uns über Affiliate-Empfehlungen und die Community. Schau auf unseren Community Deals vorbei für exklusive Rabattcodes bei sorgfältig ausgesuchten plant-based Partnern. Du zahlst nichts extra, wir können weiterschreiben. Fairer Deal.

Oder folg uns einfach hier:

In eigener Sache

Dieser Tierschutz-Journalismus ist gratis und werbearm, weil Leser:innen ihn tragen. Schon 3 € helfen – für die Tiere, für die Sache.

Jetzt spenden

Unsere Partner, die die Mission mittragen: Vriends 🌱

Please install and activate Powerkit plugin from Appearance → Install Plugins. And activate Opt-in Forms module.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletter Mehr News