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Weltweit erste Oktopus-Farm gestoppt: Nueva Pescanova zieht Pläne zurück

Die erste industrielle Oktopus-Farm der Welt wird nicht gebaut. Nach Jahren der Kritik zieht Nueva Pescanova seinen Antrag auf Gran Canaria zurück.

Lebender Gemeiner Oktopus schwimmt frei im blauen Meer

Es ist eine der besten Tierschutz-Nachrichten dieses Sommers: Die weltweit erste industrielle Oktopus-Farm wird nicht gebaut. Der spanische Meeresfrüchte-Konzern Nueva Pescanova hat am 23. Juli 2026 seinen Antrag für die umstrittene Anlage im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria offiziell zurückgezogen. Damit endet ein Projekt, gegen das Wissenschaft, Tierschutzorganisationen und eine breite Öffentlichkeit jahrelang Sturm gelaufen sind.

Inhalt4 Kapitel
  1. 01Was auf Gran Canaria geplant war
  2. 02Warum Oktopus-Zucht so heftig kritisiert wird
  3. 03Warum das Projekt wirklich kippte
  4. 04Ein Signal weit über Spanien hinaus

Was auf Gran Canaria geplant war

Die Dimensionen der Anlage waren enorm. Rund eine Million Tintenfische pro Jahr sollten hier heranwachsen, umgerechnet etwa 3.000 Tonnen und damit mehr als ein Zehntel der gesamten spanischen Jahresproduktion. Der Betrieb hätte bereits 2027 starten können. Getötet worden wären die Tiere in einem Eiswasserbad bei minus drei Grad Celsius, einer Methode, die nach Einschätzung von Fachleuten einen langsamen, qualvollen Tod bedeutet.

Warum Oktopus-Zucht so heftig kritisiert wird

Oktopusse sind keine schlichten Meeresbewohner, sondern hochintelligente, neugierige und ausgesprochen einzelgängerische Tiere. Genau das macht Massenhaltung zum Problem. In kahlen, überfüllten Becken gäbe es weder Rückzugsräume noch Reize, an denen sich ein so komplexes Nervensystem abarbeiten kann. Dazu kommen hohe Sterblichkeit in der Aufzucht und ein ökologischer Widersinn: Als Fleischfresser hätten die Oktopusse mit wild gefangenem Fisch gefüttert werden müssen, was den Druck auf ohnehin überlastete Meere weiter erhöht. Eine als tierschonend anerkannte Tötungsmethode existiert für diese Tiere schlicht nicht.

Dass Kraken empfindungsfähig sind, ist wissenschaftlich breit anerkannt. Sie zählen zu den intelligentesten wirbellosen Tieren überhaupt, lösen Aufgaben, erkennen Menschen wieder und zeigen Verhalten, das auf echtes Erleben schließen lässt. Wer sich fragt, wo bei Tieren die Grenze des Fühlens verläuft, findet in unserem Beitrag Pflanzen haben auch Gefühle eine Einordnung, die genau dieses Argument aufgreift.

Warum das Projekt wirklich kippte

Hier lohnt ein genauer Blick, denn die Geschichte hat zwei Seiten. Nueva Pescanova selbst begründet den Rückzug rein geschäftlich und regulatorisch: Die Umweltprüfungskommission der Kanaren habe die Auflagen, den Zeitplan und den Rahmen des Vorhabens so stark verändert, dass sich das Projekt in der ursprünglichen Form nicht mehr habe umsetzen lassen. Von Tierwohl ist in der offiziellen Erklärung keine Rede.

Die Tierschutzseite sieht das anders und feiert einen Kampagnenerfolg. Keri Tietge, Projektleiterin für Ernährungssysteme bei Eurogroup for Animals, führt das Aus auf das jahrelange Zusammenspiel von Netzwerk, Forschung und öffentlichem Druck zurück und spricht davon, dass damit eine „grausame neue Industrie” in Europa verhindert worden sei. Beides dürfte stimmen: Ohne den anhaltenden Gegenwind wären die Auflagen vermutlich nie so streng geworden, dass sich das Geschäft für den Konzern nicht mehr gerechnet hat.

Ein Signal weit über Spanien hinaus

Der gestoppte Bau ist mehr als eine lokale Entscheidung. Er setzt einen Präzedenzfall, bevor die Industrie überhaupt Fuß fassen konnte. In den USA haben bereits mehrere Bundesstaaten die Oktopus-Zucht per Gesetz untersagt, und Tierschutzverbände fordern nun ein EU-weites Verbot, damit das nächste Unternehmen nicht einfach den nächsten Hafen ansteuert. Genau solche politischen Weichenstellungen zeigen Wirkung, wie zuletzt auch das Werbeverbot für Fleisch in Amsterdam gezeigt hat.

Wer Oktopus bisher als Delikatesse gesehen hat, findet die vielleicht überraschende Erkenntnis, dass es längst gute pflanzliche Wege gibt, den Geschmack des Meeres ohne Tierleid auf den Teller zu holen. Einen Überblick geben unsere Top 5 der veganen Fischalternativen.

Über solche Entwicklungen sprechen wir regelmäßig auch im Plantbased Podcast, wo Fachleute die Fakten hinter den Schlagzeilen einordnen. Und wenn du keine gute Nachricht mehr verpassen willst: Abonniere unseren Newsletter, kostenlos und jederzeit kündbar.

Quelle: Eurogroup for Animals.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was auf Gran Canaria geplant war?
Die Dimensionen der Anlage waren enorm. Rund eine Million Tintenfische pro Jahr sollten hier heranwachsen, umgerechnet etwa 3.000 Tonnen und damit mehr als ein Zehntel der gesamten spanischen Jahresproduktion. Der Betrieb hätte bereits 2027 starten können.
Warum Oktopus-Zucht so heftig kritisiert wird?
Oktopusse sind keine schlichten Meeresbewohner, sondern hochintelligente, neugierige und ausgesprochen einzelgängerische Tiere. Genau das macht Massenhaltung zum Problem. In kahlen, überfüllten Becken gäbe es weder Rückzugsräume noch Reize, an denen sich ein so komplexes Nervensystem abarbeiten kann.
Warum das Projekt wirklich kippte?
Hier lohnt ein genauer Blick, denn die Geschichte hat zwei Seiten. Nueva Pescanova selbst begründet den Rückzug rein geschäftlich und regulatorisch: Die Umweltprüfungskommission der Kanaren habe die Auflagen, den Zeitplan und den Rahmen des Vorhabens so stark verändert, dass sich das Projekt in der ursprünglichen Form nicht mehr habe umsetzen lassen.