Eine Tollwut-Impfung vor der Reise brauchst du vor allem dann, wenn du in ein Land mit hohem Tollwutrisiko wie Indonesien mit Bali oder Indien fährst und dort einfach unterwegs bist, viel draußen machst oder im Ernstfall nicht schnell an Impfstoff und Immunglobulin kommst. Für Länder mit moderatem Risiko wie Thailand gilt das bei Aufenthalten über vier Wochen oder bei wiederholten Reisen. So steht es in den Reiseimpfempfehlungen der STIKO und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) vom 2. Juli 2026.
Heute, am 28. September, ist Welttollwuttag. Wir schauen uns das Thema deshalb aus zwei Richtungen an: aus der Sicht von Reisenden, die wissen wollen, wie viele Termine die Impfung braucht, was sie kostet und was nach einem Hundebiss am Strand zu tun ist. Und aus der Sicht der Tiere, die in vielen Ländern bis heute für eine Krankheit sterben, gegen die es seit Jahrzehnten Impfstoffe gibt. Unser Gründer Yannick lebt auf Bali, wo die Tollwut seit 2008 zirkuliert. Die Fotos in diesem Artikel stammen von dort.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wer: Reisende in Länder mit hohem Tollwutrisiko bei Hunden (etwa Indonesien inklusive Bali, Indien), bei moderatem Risiko (etwa Thailand) ab vier Wochen Aufenthalt oder bei wiederholten Reisen. Bei Kindern empfiehlt die STIKO eine großzügige Indikation.
- Schema: Klassisch drei Dosen an Tag 0, 7 und 21 (oder 28). Für Immungesunde sind laut Fachinformation auch zwei Dosen an Tag 0 und 7 zugelassen, so wie es die WHO seit 2018 empfiehlt.
- Kosten: Rund 81 bis 87 Euro pro Dosis in der Apotheke, dazu das ärztliche Honorar. Viele Krankenkassen erstatten Reiseimpfungen freiwillig.
- Nach Biss oder Kratzer: Wunde sofort mindestens 15 Minuten mit Wasser und Seife waschen, dann ohne Umweg in ärztliche Behandlung. Auch Geimpfte brauchen danach Impfdosen.
- Vegan? Nein, die Impfstoffe enthalten tierische Bestandteile oder werden in tierischen Zellen hergestellt. Verzichte trotzdem nicht darauf: Nach Symptombeginn verläuft Tollwut fast immer tödlich.
Inhalt8 Kapitel
- 01Welttollwuttag: warum am 28. September
- 02Tollwut-Impfung vor der Reise: wer sie braucht
- 03Biss oder Kratzer im Ausland: was jetzt zählt
- 04Tollwut-Symptome: Inkubationszeit und Verlauf
- 05Tollwut-Impfung und vegan: was drinsteckt
- 06Tierschutz: Impfen stoppt Tollwut, Töten nicht
- 07Mit Hund ins Ausland: Heimtierausweis und Tollwutimpfung
- 08Häufige Fragen zur Tollwut-Impfung
Welttollwuttag: warum am 28. September.
Der Welttollwuttag fällt auf den Todestag von Louis Pasteur, der 1895 starb und den ersten Impfstoff gegen Tollwut entwickelt hat. Getragen wird der Tag von der Global Alliance for Rabies Control (GARC), die WHO führt ihn als eigene Kampagne. Der allererste Welttollwuttag fand übrigens am 8. September 2007 statt, organisiert von der damaligen Alliance for Rabies Control und der US-Gesundheitsbehörde CDC, wie die WHO dokumentiert. Das Motto für 2026 lautet „Stronger Together“.
Die Zahlen dahinter sind drastisch. Nach dem aktuellen Faktenblatt der WHO vom 17. September 2026 sterben jedes Jahr 44.203 Menschen an Tollwut, so beziffert es das Modell der Global Health Estimates für 2021. Die STIKO nennt in ihren Reiseempfehlungen rund 60.000 Todesfälle und hält auch diese Zahl vermutlich für zu niedrig, vor allem für Afrika. 99 Prozent der Fälle beim Menschen gehen laut WHO auf Bisse oder Kratzer von Hunden zurück. 40 Prozent der Todesopfer sind Kinder unter 15 Jahren. Über 29 Millionen Menschen erhalten weltweit jedes Jahr eine Tollwut-Impfung. Das gemeinsame Ziel von WHO und Partnern heißt „Zero by 30“: bis 2030 soll niemand mehr an hundevermittelter Tollwut sterben.
Tollwut-Impfung vor der Reise: wer sie braucht.
Die Impfung vor der Reise heißt in der Fachsprache Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP. Laut Epidemiologischem Bulletin 27/2026 empfehlen STIKO und DTG sie bei Reisen in Länder mit hohem oder moderatem Risiko für Hundetollwut, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:

- Die ärztliche Versorgung vor Ort ist unzureichend.
- Impfstoff und Immunglobulin für eine Behandlung nach dem Biss sind vor Ort bekanntermaßen oder vermutlich knapp.
- Du reist unter einfachen Bedingungen oder machst Dinge mit erhöhtem Risiko, genannt werden ausdrücklich Radfahren und Laufen.
In Ländern mit hohem Risiko gelten diese Kriterien unabhängig von der Reisedauer. Bei moderatem Risiko greifen sie nur bei Langzeitaufenthalten über vier Wochen oder wiederholten Kurzreisen. Unabhängig vom Land ist die Impfung angezeigt, wenn du absehbar mit Wildtieren außerhalb Europas, Australiens und Ozeaniens oder weltweit mit Fledermäusen zu tun hast, etwa in Höhlen. Für Kinder gibt es keine Altersgrenze, die Impfung ist ab Geburt möglich. Die STIKO rät, die Indikation bei ihnen großzügig zu stellen, weil kleine Kinder häufiger und öfter am Kopf gebissen werden, was die Inkubationszeit verkürzen kann.
Das Risiko, sich als Reisende oder Reisender tatsächlich anzustecken, ist gering. Nach Daten der europäischen Seuchenbehörde ECDC, die die STIKO zitiert, wurden zwischen 2006 und 2019 in der EU und im EWR 18 importierte Tollwutfälle registriert, 13 davon bei Reisenden. Der letzte Fall in Deutschland stammt von 2007, ein Mann war in Marokko von einem streunenden Hund gebissen worden. Tierbisse selbst sind dagegen häufig: Laut STIKO nennt die Literatur 6,9 relevante Tierkontakte pro 1.000 Rucksackreisenden bei durchschnittlich 30 Tagen Aufenthalt. Und wer ungeimpft gebissen wird, braucht im Reiseland mehrere Impftermine über Wochen, oft zusätzlich ein Immunglobulin. Laut STIKO führt genau das nicht selten zum Reiseabbruch.
Risikoländer: Bali, Thailand, Indien
Die Ländertabellen zu den STIKO-Empfehlungen führen die Tollwut-Impfung für alle drei Länder als Reiseimpfung auf. Die Einstufung unterscheidet sich:
- Indonesien, also auch Bali: hohes Risiko für Tollwut bei Hunden
- Indien: hohes Risiko für Tollwut bei Hunden
- Thailand: moderates Risiko für Tollwut bei Hunden
Wichtig für alle Ziele: Laut STIKO gilt keine Region der Erde als frei von Tollwut bei Fledertieren. Wie die Lage auf Bali gerade konkret aussieht, beschreiben wir weiter unten im Tierschutz-Teil.
Das Impfschema: zwei oder drei Dosen
Die WHO empfiehlt Menschen mit intaktem Immunsystem seit ihrem Positionspapier von 2018 ein verkürztes Schema mit zwei Terminen an Tag 0 und Tag 7. In Deutschland spiegelt sich das inzwischen in den Fachinformationen wider:
- Konventionelles Schema: drei Dosen an Tag 0, 7 und 21 (oder 28). Für Rabipur und Verorab zugelassen, ab Geburt.
- 2-Dosen-Schema: zwei Dosen an Tag 0 und 7, für beide Impfstoffe bei Immungesunden zugelassen.
- Schnellschema: drei Dosen an Tag 0, 3 und 7, bei Rabipur für Erwachsene von 18 bis 65 Jahren, wenn die Zeit für das konventionelle Schema nicht reicht.
Die STIKO ordnet das vorsichtig ein. Nach drei Dosen hält die sogenannte Boosterfähigkeit bei Immungesunden über Jahrzehnte, womöglich lebenslang. Gemeint ist: Nach einem Biss reagiert der Körper auf zwei Auffrischdosen schnell und stark genug. Für das 2-Dosen-Schema zeigen Daten zu Verorab eine Boosterfähigkeit für ein Jahr, für längere Zeiträume gibt es noch keine Daten. Wer weiter reist oder im Risikogebiet lebt, sollte deshalb spätestens nach einem Jahr eine dritte Dosis bekommen. Menschen mit Immunschwäche sollen immer das konventionelle Schema mit drei Dosen erhalten, mit einer Antikörperkontrolle zwei bis vier Wochen danach.
Welche Impfstoffe es in Deutschland gibt
Zugelassen sind laut STIKO zwei Totimpfstoffe mit inaktivierten Tollwutviren: Rabipur von Bavarian Nordic und Verorab von Sanofi. Beide sind ab Geburt für die Vorimpfung und für die Behandlung nach einem Biss zugelassen und werden in den Muskel gespritzt, Verorab darf in anderer Dosierung auch in die Haut gegeben werden. Bei Lieferengpässen dürfen die Impfstoffe innerhalb einer Serie gewechselt werden, idealerweise bleibt es aber beim selben Präparat.
Was kostet die Tollwut-Impfung
Eine Einzeldosis kostet laut Arzneimitteldatenbank Mediately bei Verorab 80,79 Euro und bei Rabipur 87,31 Euro Apothekenverkaufspreis (abgerufen am 28. September 2026). Für den Impfstoff allein ergibt das:
- 2-Dosen-Schema: etwa 162 bis 175 Euro
- 3-Dosen-Schema: etwa 242 bis 262 Euro
Dazu kommt die ärztliche Leistung, die nach der Gebührenordnung abgerechnet wird und je nach Praxis unterschiedlich ausfällt. Eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Reiseimpfung nicht: Paragraf 20i SGB V nimmt Impfungen aus, die wegen eines privaten Auslandsaufenthalts nötig werden. Viele Kassen erstatten sie trotzdem als freiwillige Satzungsleistung nach Paragraf 11 Absatz 6 SGB V, oft über ein jährliches Budget oder mit einem Eigenanteil. Frag vor dem ersten Termin bei deiner Kasse nach, welche Belege sie braucht.
Biss oder Kratzer im Ausland: was jetzt zählt.
Das hier ist der wichtigste Abschnitt des Artikels. Er ersetzt keine ärztliche Behandlung, er soll dafür sorgen, dass du schnell genug dort ankommst. Laut WHO und STIKO gilt:
- Wunde sofort waschen. Alle möglicherweise kontaminierten Stellen mindestens 15 Minuten lang mit Wasser und Seife reinigen und gründlich ausspülen. Die STIKO nennt danach eine antiseptische Behandlung mit 70-prozentigem Alkohol oder einem Jodpräparat.
- Ohne Umweg in ärztliche Behandlung. Die Postexpositionsprophylaxe (PEP) muss unverzüglich beginnen. Das gilt auch, wenn du vorgeimpft bist.
- Nicht abwarten, ob das Tier krank wirkt. Ob die Behandlung abgebrochen werden kann, etwa weil ein Hund zehn Tage lang unauffällig bleibt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
- Auch später noch hingehen. Wegen der langen Inkubationszeit kann eine PEP laut STIKO auch Wochen bis Monate nach dem Kontakt noch sinnvoll sein.
Wie die Behandlung aussieht, hängt vom Grad der Exposition ab. Das RKI unterscheidet drei Stufen:
- Grad I: Tier berührt oder gefüttert, Lecken auf intakter Haut. Keine Impfung nötig.
- Grad II: nicht blutende, oberflächliche Kratzer oder Abschürfungen, Knabbern oder Lecken an verletzter Haut. Impfserie.
- Grad III: Bisse und Kratzwunden, Speichel auf Schleimhäuten oder Wunden, jeder Verdacht auf Biss oder Kratzer durch eine Fledermaus. Impfserie plus Tollwut-Immunglobulin, sofern du nicht vorgeimpft bist.
Wer ungeimpft ist, bekommt laut Fachinformationen je nach Schema vier oder fünf Impfdosen über zwei bis vier Wochen, dazu bei Grad III das Immunglobulin. Wer eine Vorimpfung mit mindestens zwei Dosen hat, braucht als Immungesunder zwei Dosen an Tag 0 und Tag 3 und in der Regel kein Immunglobulin. An eine Tetanus-Auffrischung sollte laut RKI ebenfalls gedacht werden.
Genau hier liegt der praktische Wert der Vorimpfung. Tollwut-Immunglobulin ist laut STIKO in vielen tropischen Ländern nur begrenzt verfügbar, und eine Behandlung nach einem Biss verteilt sich über mehrere Termine. Das kann heißen, dass du die Route änderst, in eine größere Stadt ausweichst oder die Reise abbrichst. Plane deshalb neben der Impfung auch eine Auslandskrankenversicherung* ein. Welche Kosten sie übernimmt, regeln die Versicherungsbedingungen. Prüf vor dem Abschluss, ob ambulante Behandlungen im Ausland, Impfungen nach einem Tierbiss und ein medizinisch notwendiger Rücktransport enthalten sind.
Reiseplanung
Auslandskrankenversicherung vor der Abreise abschließen. Wir arbeiten dafür mit Young Travellers zusammen. Lies vor dem Abschluss die Versicherungsbedingungen, damit du weißt, was im Ernstfall abgedeckt ist.
Tollwut-Symptome: Inkubationszeit und Verlauf.
Zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden vergehen laut STIKO im Durchschnitt zwei bis drei Monate, sehr selten nur wenige Tage oder mehrere Jahre. Die WHO nennt eine Spanne von einer Woche bis zu einem Jahr. Bisse am Kopf können die Zeit verkürzen.
Die Krankheit verläuft in Stadien:
- Vorstadium, bis zu zehn Tage: unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Muskelschmerzen, eventuell Kribbeln oder Muskelzucken an der Bissstelle.
- Enzephalitische Form, etwa 80 Prozent der Fälle: Reizbarkeit, Angst, Schlaflosigkeit, Krämpfe, starker Speichelfluss sowie die typische Angst vor Wasser und vor Luftzug.
- Paralytische Form, etwa 20 Prozent der Fälle: Muskelschwäche, Missempfindungen und Lähmungen, ähnlich einem Guillain-Barré-Syndrom.
- Endstadium: Krämpfe, Koma, Atemlähmung.
Sind die ersten Symptome da, führt die Erkrankung laut STIKO nahezu immer zum Tod, in der Regel innerhalb von sieben bis zehn Tagen. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Deshalb zählt bei Tollwut, was vor der Reise und direkt nach einem Biss passiert. Warte nie auf Symptome.
Tollwut-Impfung und vegan: was drinsteckt.
Nein. Das lässt sich aus den Fachinformationen klar ablesen. Beide in Deutschland zugelassenen Impfstoffe werden in Zellkulturen tierischen Ursprungs hergestellt, einer enthält zusätzlich Gelatine vom Rind.
Was laut Fachinformation im Impfstoff steckt
| Rabipur | Verorab | |
|---|---|---|
| Herstellung | gereinigte Hühnerfibroblasten-Zellen (PCEC) | Vero-Zellen |
| Tierische Bestandteile | Polygelin (verarbeitete Rindergelatine), Rückstände von Hühnereiweiß wie Ovalbumin | im Endprodukt keine genannt |
| Menschliche Bestandteile | humanes Serumalbumin | Humanalbumin |
| Weitere Stoffe | Trometamol, Natriumchlorid, Dinatriumedetat, Kaliumglutamat, Saccharose | Maltose, Eagle-Basalmedium |
| Mögliche Spuren | Neomycin, Chlortetracyclin, Amphotericin B | Polymyxin B, Streptomycin, Neomycin |
Die deutsche Fachinformation von Rabipur nennt Polygelin, ohne dessen Herkunft anzugeben. Die US-Fachinformation des Herstellers für denselben Impfstofftyp, dort unter dem Namen RabAvert, beschreibt es ausdrücklich als verarbeitete Rindergelatine. Vero-Zellen wiederum sind eine seit Jahrzehnten genutzte Zelllinie, die 1962 aus Nierenzellen einer Grünen Meerkatze gewonnen wurde. Als Dauerzelllinie wird sie im Labor weitervermehrt, ihre Herkunft ist trotzdem tierisch. Humanalbumin stammt aus menschlichem Blutplasma.
Tierversuche: der Mäusetest und sein Ende
Jahrzehntelang wurde die Wirksamkeit jeder Charge Tollwut-Impfstoff mit dem sogenannten NIH-Test geprüft. Dabei werden Mäuse geimpft und anschließend mit einer tödlichen Dosis Tollwutvirus direkt ins Gehirn infiziert. Aus dem Anteil der überlebenden Tiere wird die Wirksamkeit im Vergleich zu einem Referenzimpfstoff berechnet. Der Test verbraucht viele Tiere und bedeutet für die ungeschützten Mäuse einen qualvollen Tod.
In Europa ist dieser Test auf dem Rückzug. Eine internationale Studie, unterstützt von der European Partnership for Alternatives to Animal Testing (EPAA), hat 2017 gezeigt, dass sich die Wirksamkeit menschlicher Tollwut-Impfstoffe über einen ELISA bestimmen lässt, einen Labortest, der die Menge des entscheidenden Oberflächenproteins misst. Die aktuelle Fachinformation von Rabipur (Stand 03/2026) gibt die Antigenmenge ausdrücklich als „mittels ELISA“ bestimmt an. Die US-Fachinformation von RabAvert (Stand 02/2025) nennt dagegen weiterhin den NIH-Mäusetest als Wirksamkeitsprüfung des Endprodukts.
Bei Tollwut-Impfstoffen für Tiere ist Europa einen Schritt weiter. Die Kommission des Europäischen Arzneibuchs hat im März 2022 die Monografie 0451 überarbeitet: Der NIH-Test ist seitdem nur noch für die Entwicklung und Qualifizierung von Standards und Referenzpräparaten vorgesehen und darf nicht mehr als Routinetest für einzelne Chargen eingesetzt werden.
Es gibt längst Methoden, die ohne Tiere auskommen: Zellkulturen, Organoide und Organ-Chips, dazu serologische Laborverfahren wie der ELISA, mit dem schon heute die Antigenmenge im Humanimpfstoff Rabipur bestimmt wird. Wir hoffen, dass Zulassungsbehörden und Hersteller künftig konsequent auf solche tierfreien Verfahren setzen, damit der Schutz vor Tollwut ganz ohne Tierleid auskommt. Welche Methoden heute schon funktionieren, steht in unserem Artikel über Alternativen zu Tierversuchen. Warum Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf den Menschen übertragbar sind, erklären die Expert:innen von Ärzte gegen Tierversuche in unserem Interview zu den wichtigsten Fragen rund um Tierversuche und im Podcast-Gespräch, das du hier direkt anschauen kannst. Die Studienlage dazu haben wir hier zusammengetragen: Von 100 Wirkstoffen aus dem Tierversuch kommen 5 an.
Unsere Einordnung: impfen lassen
Die Vegan Society, die 1944 den Begriff vegan geprägt hat, definiert ihn als Lebensweise, die Ausbeutung von Tieren ausschließen will, „as far as is possible and practicable“, also so weit wie möglich und praktikabel. Genau für Situationen wie diese steht der Nebensatz. Die Organisation schreibt selbst, dass Veganerinnen und Veganer bei Impfstoffen oft keine Alternative haben, und rät ausdrücklich nicht davon ab, Medikamente zu nehmen.
Wir sehen das genauso. Lass dich impfen, wenn die Impfung für deine Reise empfohlen ist, und lass dich nach jedem Biss oder Kratzer behandeln. Eine tierfreie Alternative zu diesen Impfstoffen gibt es aktuell nicht, und Tollwut lässt keine zweite Chance. Was du als Veganerin oder Veganer tun kannst: Unterstütze politisch und finanziell die Entwicklung tierfreier Prüfmethoden, und hilf dort, wo das Problem entsteht, bei den Hunden.
Tierschutz: Impfen stoppt Tollwut, Töten nicht.
Die Debatte über Tollwut dreht sich meistens um den Menschen. Die Tiere tauchen darin als Gefahr auf, selten als Opfer. Dabei verläuft die Krankheit laut STIKO bei allen Säugetieren tödlich, also auch bei jedem Hund, der sich ansteckt. Und immer wieder sterben zusätzlich gesunde Hunde, weil Behörden auf Massentötungen setzen, auf Bali waren es Zehntausende. Die WHO ist in diesem Punkt deutlich: Das Töten frei lebender Hunde ist bei der Tollwutbekämpfung nicht wirksam. Die kosteneffektivste Strategie sind Massenimpfungen von Hunden, Welpen eingeschlossen. Wird in gefährdeten Gebieten über mehrere Jahre hinweg eine Impfquote von 70 Prozent erreicht, bricht die Übertragung zusammen.

Bali: Lehren aus 2008
Bali zeigt beides, das Scheitern und den Erfolg. Im November 2008 wurde dort erstmals Tollwut bestätigt. Ab Dezember 2008 wurden Hunde in Denpasar und Badung mit Strychnin-Ködern oder Blasrohrpfeilen getötet, vor der ersten inselweiten Impfkampagne rund 108.000 Tiere. Die Seuche breitete sich trotzdem aus. Von Oktober 2010 bis April 2011 impften dann Teams der Tierschutzorganisation BAWA gemeinsam mit Mitarbeitenden der Regierung 249.429 Hunde, finanziert von der World Society for the Protection of Animals. In den meisten Ortsteilen lag die Quote über 70 Prozent. Die Zahl der menschlichen Todesfälle sank von 4,3 pro Monat vor den Impfungen auf 1,1 pro Monat während der zweiten Kampagne, die bis Ende 2011 lief. Das Fazit der Auswertung von Putra und Kollegen im Fachjournal Emerging Infectious Diseases (2013): Das Töten war wirkungslos und kann sogar kontraproduktiv sein, die Impfkampagnen verringerten die Zahl der Fälle deutlich.

Warum Massentötungen auf Bali trotzdem immer wieder diskutiert werden und was Touristinnen und Touristen für die Hunde tun können, hat uns Manuel Bergmann von BAWA im Podcast erklärt. Nachzulesen in unserem Artikel Straßenhunde auf Bali: Warum das Einschläfern keine Lösung ist.
Die Lage auf Bali 2025 und 2026
Überstanden ist die Epidemie nicht. Die Gesundheitsbehörde der Provinz Bali zählte 2025 laut der staatlichen Nachrichtenagentur Antara 66.760 Menschen, die von potenziell tollwütigen Tieren gebissen wurden. 47.887 von ihnen erhielten eine Impfung. 16 Menschen starben, 2024 waren es sieben. Nach Angaben der Behörde war bei fast allen Verstorbenen keine Gesundheitseinrichtung aufgesucht worden. Von Januar bis August 2026 meldete die Behörde 45.365 Bissverletzungen und sieben Todesfälle, auch hier ohne vorherige Behandlung. Im Bezirk Buleleng starben laut Kompas drei Kinder im Alter von 7, 9 und 13 Jahren nach Hundebissen, die nicht behandelt worden waren. Die Impfquote bei Hunden lag dort laut dem Bericht vom 10. August 2026 bei 31,91 Prozent, weit unter den 70 Prozent, die die WHO für nötig hält.

Vor Ort fangen private Tierschützerinnen und Tierschützer vieles auf. Mia Healing versorgt in ihrem Tierheim über 85 gerettete Hunde, Femke Den Haas setzt sich seit Jahren für Tiere in Indonesien ein. Ihre Geschichte erzählt sie im Interview über Tierschutz auf Bali.
Deutschland: frei dank Impfködern
Dass Impfen funktioniert, zeigt Deutschland. Laut RKI wurde die Tollwut bei Wild- und Haustieren vor allem durch die orale Immunisierung von Füchsen getilgt, also durch Impfköder, die in der Landschaft ausgelegt werden. Der letzte Fall bei einem Fuchs wurde im Februar 2006 festgestellt, seit 2008 gilt Deutschland als frei von terrestrischer Tollwut. Das Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt diesen Status und weist auf zwei Restrisiken hin. Zum einen tragen auch hierzulande Fledermäuse verschiedene Lyssaviren. Wer eine verletzte Fledermaus findet, fasst sie nicht mit bloßen Händen an, die STIKO empfiehlt dicke Handschuhe und überlässt den direkten Kontakt am liebsten geschultem Fachpersonal. Jeder Biss oder Kratzer durch eine Fledermaus gilt als Exposition Grad III. Zum anderen kommt die Krankheit über illegal transportierte Tiere zurück: Zwischen 2000 und 2025 wurden in Europa 31 Tollwutfälle bei solchen Tieren registriert, der letzte in Deutschland 2021 bei einem Hund aus der Türkei.
Die Partei, die in dieser Debatte zu kurz kommt
Hunde sind fühlende Wesen, Artikel 13 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU erkennt Tiere ausdrücklich als solche an. Das deutsche Tierschutzgesetz verlangt für das Töten eines Tieres einen vernünftigen Grund. Eine Maßnahme, die nachweislich keine Tollwut stoppt, liefert diesen Grund nicht, egal in welchem Land. Impfkampagnen dagegen retten beide Seiten: den Hund, der sich nicht ansteckt, und das Kind, das nicht gebissen wird. Wer auf Reisen Straßenhunden begegnet, kann Organisationen unterstützen, die impfen und kastrieren. Und wer sich grundsätzlich fragt, warum Tiere nicht für menschliche Zwecke benutzt werden sollten, findet einen Einstieg in unserem Guide Wie werde ich Veganer und in den besten Büchern zur Tierethik.
Mit Hund ins Ausland: Heimtierausweis und Tollwutimpfung.
Für Reisen mit Hund, Katze oder Frettchen innerhalb der EU brauchst du einen Mikrochip, den EU-Heimtierausweis und eine gültige Tollwutimpfung. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium muss das Tier bei der Impfung mindestens zwölf Wochen alt sein, der Chip muss vor der Impfung gesetzt worden sein, und die Impfung gilt frühestens 21 Tage nach Abschluss der Grundimmunisierung. Auffrischungen müssen innerhalb der Gültigkeit der vorherigen Impfung erfolgen.


Komplizierter wird es bei Reisen in Länder außerhalb der EU, in denen Tollwut vorkommt. Der Zoll nennt als Beispiele unter anderem Thailand und Indien. Reist du mit deinem Tier in ein solches Land, muss vor der Ausreise ein Tollwut-Antikörpertest in einem EU-zugelassenen Labor gemacht werden. Für Tiere, die aus einem Land stammen, das nicht in Anhang I oder II der Durchführungsverordnung (EU) 2026/636 gelistet ist, gilt eine Frist: Die Blutprobe wird frühestens 30 Tage nach der Impfung im jeweiligen Land genommen und muss mindestens drei Monate vor der Einreise in die EU liegen. Das gilt laut Zoll ausdrücklich auch für Tiere, die du im Urlaub ins Herz geschlossen hast, etwa einen Strandhund. Plane diese drei Monate also ein, bevor du einem Hund ein neues Zuhause in Deutschland versprichst.

Wer einen Hund aus dem Ausland adoptieren will, sollte auf seriöse Vermittlung achten. Unseriöse Transporte umgehen genau diese Impf- und Wartefristen, und die oben genannten 31 Tollwutfälle bei illegal transportierten Tieren zeigen, warum das gefährlich ist. Worauf du achten solltest, steht in unserem Artikel Auslandstierschutz seriös erkennen. Was passiert, wenn Hunde zur Ware werden, hat Nathan Goldblat im Interview über die Hundemafia in Rumänien beschrieben. Warum Impfungen auch beim Hund zu Hause zählen, zeigt unser Artikel über Staupe beim Hund.
Ein Tierschutzhund bringt oft eine unbekannte Vorgeschichte mit, und Tierarztkosten können schnell steigen. Eine Tierversicherung fängt das auf, wenn sie abgeschlossen ist, bevor etwas passiert. Wir arbeiten mit Lassie* zusammen, einer Tierversicherung mit App, deren Tarife auch Tierschutzhunden offenstehen. Mit dem Code VEGAN15 bekommst du 15 Euro Rabatt auf die erste Jahresrechnung. Warum gerade Tierschutzhunde bei Lassie gut aufgehoben sind und wie die Anbieter im Vergleich abschneiden, steht in unserem Überblick Tierversicherung für Hund und Katze. Weitere Rabattcodes sammeln wir auf der Seite Community-Deals.
Und falls du selbst nach Südostasien aufbrichst: Tipps für Reisen mit pflanzlicher Ernährung findest du in unserem Guide Vegan auf Reisen.
Häufige Fragen zur Tollwut-Impfung.
Wie lange hält die Tollwut-Impfung?
Nach einer Grundimmunisierung mit drei Dosen bleibt der Körper laut STIKO bei gesunden Menschen jahrzehntelang, womöglich lebenslang boosterfähig. Das heißt: Nach einem Biss reagiert das Immunsystem auf zwei Auffrischdosen schnell genug. Nach dem 2-Dosen-Schema ist das bisher nur für ein Jahr belegt, bei anhaltendem Risiko empfiehlt die STIKO deshalb spätestens nach einem Jahr eine dritte Dosis. Wer beruflich oder dauerhaft exponiert ist, frischt nach den Vorgaben der Fachinformation auf.
Brauche ich nach einem Biss trotz Impfung noch eine Behandlung?
Ja. Auch vollständig Geimpfte brauchen ab Expositionsgrad II eine Postexpositionsprophylaxe, bei Immungesunden meist zwei Impfdosen an Tag 0 und Tag 3. Tollwut-Immunglobulin ist nach einer Vorimpfung mit mindestens zwei Dosen in der Regel nicht nötig. Das erspart dir im Ernstfall die Suche nach einem Mittel, das in vielen Ländern knapp ist.
Wie kurzfristig kann ich mich vor der Reise noch impfen lassen?
Das klassische Schema dauert 21 bis 28 Tage. Das 2-Dosen-Schema an Tag 0 und Tag 7 ist für Immungesunde zugelassen, Rabipur hat zusätzlich ein Schnellschema an Tag 0, 3 und 7 für Erwachsene von 18 bis 65 Jahren. Welches Schema zu dir passt, klärst du am besten früh in einer reisemedizinischen Sprechstunde.
Brauche ich die Tollwut-Impfung für Bali?
Indonesien gehört laut STIKO-Ländertabelle zu den Ländern mit hohem Tollwutrisiko bei Hunden, die Empfehlung gilt dort unabhängig von der Reisedauer, sobald eines der Kriterien zutrifft: einfache Reisebedingungen, viel Bewegung draußen oder unsichere Versorgung mit Impfstoff und Immunglobulin. 2025 meldete die Gesundheitsbehörde der Provinz Bali 66.760 Bissverletzungen durch potenziell tollwütige Tiere und 16 Todesfälle.
Ist die Tollwut-Impfung vegan?
Nein. Rabipur wird in Hühnerzellen hergestellt und enthält Polygelin aus Rindergelatine sowie Spuren von Hühnereiweiß, Verorab wird in Vero-Zellen gezüchtet, einer Zelllinie aus Affennierenzellen. Nach der Vegan-Definition der Vegan Society, die ausdrücklich auf das Mögliche und Praktikable abstellt, ist eine medizinisch empfohlene Impfung trotzdem vertretbar. Verzichte nicht darauf.
Dürfen Schwangere und Kinder gegen Tollwut geimpft werden?
Die Impfstoffe sind ab Geburt zugelassen, und die STIKO empfiehlt, die Indikation bei Kindern großzügig zu stellen, weil sie häufiger gebissen werden, oft am Kopf. In Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Vorimpfung möglich, wenn der Nutzen größer erscheint als ein mögliches Risiko. Für eine nötige Behandlung nach einem Biss gibt es laut STIKO keine Gegenanzeigen.
Gibt es in Deutschland noch Tollwut?
Deutschland gilt seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut, der letzte Fall bei einem Fuchs wurde im Februar 2006 festgestellt. Fledermäuse können aber auch hier Lyssaviren tragen, und über illegal eingeführte Hunde kommt die Krankheit gelegentlich zurück, zuletzt 2021 mit einem Hund aus der Türkei.
Was kostet die Tollwut-Impfung?
Eine Dosis kostet in der Apotheke rund 81 bis 87 Euro (Apothekenverkaufspreis, Stand September 2026), dazu kommt die ärztliche Leistung. Für zwei Dosen liegst du beim Impfstoff also bei etwa 162 bis 175 Euro, für drei bei etwa 242 bis 262 Euro. Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen Reiseimpfungen freiwillig, frag vorher nach.
Wie wir recherchiert haben
Stand: 28. September 2026. Alle medizinischen Angaben stammen aus Primärquellen: den Reiseimpfempfehlungen von STIKO und DTG (Epidemiologisches Bulletin 27/2026 vom 2. Juli 2026) samt Ländertabellen, dem RKI-Ratgeber Tollwut (Stand 05.02.2026), dem WHO-Faktenblatt (17.09.2026), dem WHO-Positionspapier zu Tollwut-Impfstoffen (2018) sowie den Fach- und Gebrauchsinformationen von Rabipur, Verorab und RabAvert. Zu Tierversuchen haben wir die Übersicht der EDQM und die EPAA-Validierungsstudie ausgewertet, zu Bali die Studie von Putra et al. (2013) und die von Antara und Kompas berichteten Behördenzahlen, zu Deutschland FLI, BMLEH und Zoll. Preise sind Apothekenverkaufspreise laut Mediately, abgerufen am 28.09.2026, und können sich ändern.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder reisemedizinische Beratung. Lass dich vor der Reise in einer reisemedizinischen Praxis oder einem tropenmedizinischen Institut beraten. Nach einem Biss, Kratzer oder Fledermauskontakt gilt: Wunde waschen und sofort ärztlich abklären lassen.
Transparenz: Mit * markierte Links zu Young Travellers und Lassie sind Affiliate- beziehungsweise Partnerlinks. Schließt du darüber etwas ab, erhalten wir eine Provision, der Preis für dich bleibt gleich. Auf die Inhalte hat das keinen Einfluss. Die Fotos zeigen unseren Gründer Yannick auf Bali.


