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Niederlande wollen keine Delfine mehr in Gefangenschaft: Zuchtverbot für Delfinarium Harderwijk

Die niederländische Regierung will die Delfinhaltung beenden und die Zucht im Delfinarium Harderwijk verbieten. Die 22 Großen Tümmler sollen die letzte Generation sein.

Eine Gruppe wild lebender Delfine schwimmt im tiefblauen Meer
Wild lebende Delfine vor Loreto, Mexiko. Foto: Nico Marín / Pexels

Die Niederlande wollen keine Delfine mehr in Gefangenschaft halten. Die Regierung hat am 14. Oktober 2026 angekündigt, im einzigen Delfinarium des Landes in Harderwijk die Zucht zu verbieten. Die 22 Großen Tümmler, die dort leben, dürfen bleiben. Sie sollen aber die letzte Generation sein.

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Kurz gesagt

  • Die Entscheidung: Die niederländische Regierung will Delfinhaltung langfristig beenden und arbeitet an einem Zuchtverbot
  • Der Zeitplan: Bis das Verbot rechtlich gilt, rechnet die Regierung laut Medienberichten mit etwa zwei Jahren
  • Die Tiere: 22 Große Tümmler im Dolfinarium Harderwijk dürfen bleiben, eine Auswilderung ist nicht möglich
  • Der Widerstand: Das Delfinarium lehnt das Zuchtverbot ab und verlangt eine wissenschaftliche Begründung
  • In Deutschland: Delfine leben noch im Zoo Duisburg und im Tiergarten Nürnberg
Inhalt7 Kapitel
  1. 01Was die Regierung angekündigt hat
  2. 02Warum das Ende trotzdem dauern kann
  3. 03Was Tierschützer*innen sagen
  4. 04Und in Deutschland?
  5. 05Tierethische Einordnung
  6. 06Was du tun kannst
  7. 07Häufige Fragen

Was die Regierung angekündigt hat.

Zuständig ist Silvio Erkens, Staatssekretär im Landwirtschafts- und Naturministerium. In der Mitteilung der Regierung begründet er den Schritt so: „Delfine sind intelligente, soziale und besondere Tiere. Gerade deshalb müssen wir ehrlich sein bei der Frage, ob wir diesen Tieren bieten können, was sie brauchen. Mein Fazit ist, dass wir das in den Niederlanden nicht können. Deshalb will ich, dass keine neuen Delfine mehr gezüchtet werden.“

Die Regierung will damit nach eigenen Worten dem gesellschaftlichen Wunsch nachkommen, keine Delfine mehr in Delfinarien zu halten. Die 22 Großen Tümmler in Harderwijk bleiben trotzdem dort. Für sie gebe es derzeit keine geeignete andere Unterbringung, auch nicht im Ausland. Tiere, die im Delfinarium geboren oder aufgewachsen sind, können nicht einfach ins Meer entlassen werden. Erkens will deshalb gemeinsam mit dem Delfinarium, Fachleuten und Tierschutzorganisationen eine Lösung für ihre Zukunft finden.

Laut der Walschutzorganisation WDC leben in Harderwijk außerdem vier Schweinswale. Die Vorführungen gehen vorerst weiter, das Delfinarium hat aber einige unnatürliche Kunststücke aus dem Programm genommen. Selfies mit den Tieren soll es künftig nicht mehr geben.

Mehrere Große Tümmler schauen über den Rand eines Beckens in einem Zoo
Große Tümmler in einem Delfinarium. Das Foto zeigt den Zoo in Lissabon, nicht Harderwijk. Foto: Efrem Efre / Pexels

Warum das Ende trotzdem dauern kann.

Das Zuchtverbot gilt noch nicht. Die Regierung muss es erst per Verordnung regeln, laut niederländischen Medien wie BNNVARA rechnet Erkens dafür mit etwa zwei Jahren. Ein Datum, an dem das Delfinarium ohne Delfine auskommen muss, nennt die Regierung nicht. Große Tümmler können in Gefangenschaft mehrere Jahrzehnte alt werden. Delfine könnte es in Harderwijk also noch sehr lange geben.

Das Dolfinarium selbst ist nicht einverstanden. Es teile die Bedenken zum Tierwohl nicht und habe keinem Zuchtverbot zugestimmt, berichtet BNNVARA. Der Park fordert vom Ministerium die wissenschaftlichen Grundlagen der Entscheidung. Direktor Alex Tiebot warnt laut der Harderwijker Courant, ein Zuchtverbot könne bedeuten, dass männliche und weibliche Tiere getrennt werden oder dauerhaft Verhütungsmittel bekommen.

Was Tierschützer*innen sagen.

WDC begrüßt den Ausstiegsplan, warnt aber vor überstürzten Lösungen. „Die plötzliche Schließung von Delfinarien kann zu Problemen führen, wenn nicht klar ist, was mit den dort gehaltenen Delfinen passieren soll“, sagt Ulla Ludewig, bei WDC für den Ausstieg aus Delfinarien zuständig. Ein Transport in andere Einrichtungen, teils ins Ausland, verlagere das Problem oft nur. Die Betreiber, die jahrelang an den Tieren verdient haben, müssten Verantwortung übernehmen. Im Zweifel könne die beste Lösung auch sein, die Tiere bis an ihr Lebensende in den vorhandenen Becken zu versorgen.

Die Niederlande reihen sich damit in eine wachsende Liste ein. Laut WDC haben Kanada, Mexiko, Frankreich und Belgien bereits beschlossen, aus der Delfinhaltung für Shows auszusteigen. Auch Singapur hat angekündigt, keine Delfine mehr in Gefangenschaft zu halten.

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Und in Deutschland?.

In Deutschland gab es einmal über ein Dutzend Delfinarien. Heute halten nur noch der Zoo Duisburg und der Tiergarten Nürnberg Delfine. Nürnberg hat seine Delfinlagune 2026 für rund 5,9 Millionen Euro saniert und im April wieder geöffnet. Ein Zuchtverbot oder einen Ausstiegsplan gibt es in Deutschland nicht. Warum Zoos aus Tierrechtssicht grundsätzlich problematisch sind, erklären wir in unserem Artikel Warum Zoos nicht cool sind.

Drei Delfine springen in einem blauen Becken einer Show durch einen Reifen
Sprünge durch Reifen: Kunststücke wie diese gehören in vielen Delfinarien bis heute zum Programm. Symbolbild. Foto: Marian Florinel Condruz / Pexels

Tierethische Einordnung.

Große Tümmler schwimmen in freier Wildbahn täglich viele Kilometer und tauchen tief. Sie leben in komplexen Gruppen und orientieren sich mit Echoortung. In einem Betonbecken ist davon kaum etwas möglich. Dass eine Regierung das so offen ausspricht und daraus Konsequenzen zieht, ist ein echter Erfolg für die Tiere und für alle, die seit Jahren gegen Delfinarien protestieren.

Ein Zuchtverbot ist dabei die ehrlichste Lösung für die Tiere, die schon da sind. Sie können nicht zurück ins Meer, also kommt es darauf an, dass keine weiteren Delfine in diese Situation hineingeboren werden. Die Kehrseite: Die 22 Tümmler werden möglicherweise noch Jahrzehnte im Becken leben, und ihr Alltag ändert sich durch die Ankündigung erst einmal kaum. Der nächste Schritt wäre ein Schutzgebiet im Meer, in dem ehemalige Delfinariumstiere unter naturnahen Bedingungen leben können. Für Große Tümmler gibt es in Europa dafür bisher Pläne, aber noch kein fertiges Schutzgebiet.

Was du tun kannst.

  • Kein Ticket kaufen. Delfinshows, Schwimmen mit Delfinen und Fotos mit Meeressäugern finanzieren die Haltung.
  • Im Urlaub aufpassen. Viele Delfinarien stehen in Urlaubsländern. Wer Delfine sehen will, wählt eine zertifizierte Walbeobachtung mit Abstand zu den Tieren.
  • Hintergründe ansehen. Die oscarprämierte Doku „Die Bucht“ (The Cove) zeigt, wie Delfine für Delfinarien gefangen werden.
  • Organisationen unterstützen, die sich für den Ausstieg aus Delfinarien und für Meeresschutzgebiete einsetzen.

Häufige Fragen.

Verbieten die Niederlande Delfinarien?

Nicht sofort. Die Regierung will die Zucht von Delfinen verbieten, damit die Haltung langfristig endet. Das Dolfinarium Harderwijk darf seine 22 Großen Tümmler behalten und weiter Vorführungen zeigen.

Ab wann gilt das Zuchtverbot?

Die Regierung muss es noch per Verordnung regeln. Laut Medienberichten rechnet sie mit etwa zwei Jahren.

Warum werden die Delfine nicht freigelassen?

Delfine, die in Gefangenschaft geboren oder aufgewachsen sind, können in freier Wildbahn meist nicht überleben. Laut der niederländischen Regierung gibt es derzeit auch keine geeignete andere Unterbringung.

Wo gibt es in Deutschland noch Delfinarien?

Im Zoo Duisburg und im Tiergarten Nürnberg. Ein Ausstiegsplan existiert in Deutschland nicht.

Quellen ●

Mitteilung der niederländischen Regierung vom 14. Oktober 2026, WDC Deutschland vom 19. Oktober 2026, Berichte von BNNVARA und der Harderwijker Courant. Fotos: Nico Marín, Efrem Efre und Marian Florinel Condruz / Pexels. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.

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