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New South Wales verbietet das Steigenlassen von Luftballons

Schon ein einziger Ballon ist künftig strafbar: New South Wales verbietet Ballonstarts, um Seevögel und Meeresschildkröten zu schützen.

Ein hellblauer Luftballon liegt am Strand in der Brandung
Ein Luftballon in der Brandung am Strand von Tampico. Foto: Alan Cabello / Pexels

Im australischen Bundesstaat New South Wales ist es bald verboten, Luftballons in den Himmel steigen zu lassen, und zwar schon einen einzigen. Das Parlament hat die Regel am 22. Oktober 2026 als Teil eines großen Plastikgesetzes verabschiedet. Tierschützer*innen hatten jahrelang dafür gekämpft. Ihr wichtigstes Argument: Ballons, die in der Luft verschwinden, landen irgendwann wieder, oft im Meer und im Magen von Seevögeln und Schildkröten.

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Kurz gesagt

  • Was neu ist: In New South Wales ist künftig jedes absichtliche Steigenlassen von Helium-Ballons verboten
  • Was bisher galt: Strafbar war es erst ab 20 Ballons auf einmal, kleinere Starts waren legal
  • Die Strafe: bis zu 10 Strafeinheiten, derzeit 1.100 australische Dollar
  • Warum: Für Seevögel sind verschluckte Ballonreste laut einer Studie 32-mal tödlicher als Hartplastik
  • Wer gekämpft hat: unter anderem die Abgeordnete Emma Hurst von der Animal Justice Party und die Initiative No Balloon Release Australia
Inhalt7 Kapitel
  1. 01Was das Parlament beschlossen hat
  2. 02Wer dafür gekämpft hat
  3. 03Warum Luftballons Tiere töten
  4. 04Wo Ballonstarts sonst verboten sind
  5. 05Tierethische Einordnung
  6. 06Was du tun kannst
  7. 07Häufige Fragen

Was das Parlament beschlossen hat.

Das Ballonverbot steckt in einem Gesetz mit langem Namen: dem Environmental Legislation Amendment (Plastic Reduction and Container Recycling) Bill 2026. Laut Gesetzesdatenbank von New South Wales haben beide Kammern es am 22. Oktober 2026 verabschiedet. Es soll Plastikmüll im Bundesstaat verringern, von Brotclips über Lutscherstiele bis zu Einweg-Kaffeebechern.

Für Ballons ändert es das Umweltschutzgesetz von 1997. Bisher war es dort nur verboten, 20 oder mehr Ballons gleichzeitig steigen zu lassen. Wer bei einer Hochzeit, einer Trauerfeier oder einem Schulfest 19 Ballons losließ, handelte legal. Künftig gilt das Verbot schon für einen einzigen Ballon, der mit Helium oder einem anderen leichteren Gas als Luft gefüllt ist. Die Höchststrafe liegt bei 10 Strafeinheiten, das sind derzeit 1.100 australische Dollar. Ausgenommen waren bisher Ballons, die versehentlich davonfliegen, Starts in geschlossenen Räumen, Heißluftballons und Wetterballons für die Forschung.

Umweltministerin Penny Sharpe sagte in der Mitteilung der Regierung, Tiere, Gewässer und die Gesundheit der Menschen würden von dem Gesetz profitieren. Das Ballonverbot nennt die Regierung als eine der Änderungen, die sofort gelten sollen. Ein genaues Datum für das Inkrafttreten hat sie nicht genannt.

Viele rote und weiße Luftballons steigen in einen blauen Himmel
Was beim Fest schön aussieht, kommt als Müll zurück auf die Erde. Foto: Enrico Hänel / Pexels

Wer dafür gekämpft hat.

„Wir haben es geschafft!“, schrieb Emma Hurst nach der Abstimmung auf Instagram. Die Abgeordnete der Animal Justice Party sitzt seit 2019 im Oberhaus von New South Wales und hatte mit einer Petition für das Verbot geworben. „Ein paar Momente der Feier sollten niemals ein Tier das Leben kosten“, schrieb sie. Ihr Dank ging an alle, die unterschrieben haben, und an die Initiative No Balloon Release Australia, die seit 2016 für ein Verbot kämpft.

Auch die Grünen hatten Druck gemacht. Die Abgeordnete Kobi Shetty hatte schon 2024 einen eigenen Gesetzentwurf für ein Ballonverbot eingebracht. Die Labor-Regierung lehnte ihn damals ab. „Ich will gar nicht daran denken, wie viele Tiere hätten gerettet werden können, wenn die Reform vor zwei Jahren gekommen wäre“, sagte Shetty laut einer Mitteilung der Grünen.

Warum Luftballons Tiere töten.

Ein Ballon aus Latex oder Folie steigt einige Kilometer hoch, platzt oder verliert Gas und fällt dann zurück. Oft landet er im Meer. Ein Team um Lauren Roman von der Universität Tasmanien und der australischen Forschungsbehörde CSIRO hat dafür 1.733 tote Seevögel aus 51 Arten untersucht. Das Ergebnis, veröffentlicht 2019 in Scientific Reports: Ballons waren das gefährlichste Material von allen. Verschluckte Ballons töteten die Vögel 32-mal häufiger als harte Plastikteile. Bei 18,5 Prozent der Vögel, die Ballonreste im Magen hatten, war das die nachgewiesene oder wahrscheinliche Todesursache. Der weiche Gummi verstopft den Verdauungstrakt, die Tiere verhungern.

Meeresschildkröten trifft es ähnlich. Zerfetzte Ballons treiben im Wasser und sehen Quallen und Tintenfischen ähnlich, die auf dem Speiseplan der Tiere stehen. Eine Studie mit gestrandeten Schildkröten aus Queensland fand Hinweise darauf, dass junge Tiere im offenen Meer gezielt weiche Gummiteile wie Ballons fressen. Dazu kommen die Schnüre: Vögel verfangen sich darin, schnüren sich Flügel oder Beine ab und sterben. Eine große Auswertung von über 10.000 Obduktionen kam 2025 in PNAS ebenfalls zu dem Schluss, dass Gummi für Seevögel das tödlichste Plastik ist.

Infografik: Luftballons sind für Seevögel 32-mal tödlicher als Hartplastik, Zeitstrahl der Ballonverbote in Australien
Was oben fliegt, kommt unten an: Ballons und Wildtiere in Zahlen. Grafik: This Is Vegan
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Wo Ballonstarts sonst verboten sind.

New South Wales ist in Australien nicht allein. In Victoria gilt das Steigenlassen von Ballons seit Juli 2021 als Vermüllung, in Queensland ist es seit September 2023 verboten. In den USA haben mehrere Bundesstaaten wie Florida, Virginia, Maryland und Connecticut Ballonstarts verboten oder begrenzt. In Großbritannien gibt es kein landesweites Verbot, aber viele Gemeinden untersagen Ballonstarts auf ihren Flächen.

In Deutschland ist das Steigenlassen von Luftballons nicht generell verboten. Für größere Ballonstarts kann in der Nähe von Flughäfen eine Genehmigung der Flugsicherung nötig sein. Verboten sind in den meisten Bundesländern dagegen Himmelslaternen, allerdings wegen der Brandgefahr und nicht zum Schutz von Tieren.

Eine Meeresschildkröte schwimmt über ein felsiges Riff in klarem Wasser
Meeresschildkröten halten treibende Ballonreste leicht für Quallen. Foto: David Willis / Pexels

Tierethische Einordnung.

Das Verbot ist ein kleines Gesetz mit großer Wirkung, weil es eine Gewohnheit infrage stellt, über die kaum jemand nachdenkt. Ballons steigen zu lassen gilt als harmloses Ritual, bei Geburtstagen, Gender Reveals oder zum Gedenken an Verstorbene. Die Tiere, die später daran sterben, sieht dabei niemand. Auf der einen Seite stehen ein paar Sekunden Freude, auf der anderen ein Albatros oder eine Schildkröte, die mit vollem Magen verhungern.

Zugleich zeigt der Fall, wie lange es dauert, bis der Schutz von Tieren Gesetz wird, selbst wenn die Belege eindeutig sind. Die Studie über die Seevögel ist von 2019, der erste Gesetzentwurf von 2024. Dass sich jetzt eine Regierung bewegt, liegt an Menschen, die Petitionen unterschrieben und Abgeordnete angeschrieben haben. Für Tiere im Meer zählt jede Plastikquelle weniger, ob Ballons, Bleischrot oder Fischereimüll. Wie internationale Abkommen die Ozeane schützen sollen, zeigt unser Artikel zum UN-Hochseeschutzabkommen.

Was du tun kannst.

  • Keine Ballons steigen lassen. Auch nicht einzeln und auch nicht aus „Naturlatex“, denn der zersetzt sich im Meer nur langsam.
  • Alternativen nutzen. Seifenblasen, Wimpelketten aus Stoff, Blumen oder Kerzen funktionieren bei Festen und Trauerfeiern genauso.
  • Ballons sichern. Wer Ballons drinnen nutzt, sollte sie beschweren und danach im Restmüll entsorgen.
  • Ansprechen. Kitas, Schulen und Vereine planen Ballonstarts oft ohne an die Folgen zu denken. Ein freundlicher Hinweis hilft.

Häufige Fragen.

Ist es in New South Wales jetzt verboten, Luftballons steigen zu lassen?

Ja. Das Parlament hat am 22. Oktober 2026 beschlossen, dass schon ein einziger absichtlich losgelassener Ballon strafbar ist. Bisher galt das erst ab 20 Ballons. Ein genaues Datum für das Inkrafttreten hat die Regierung nicht veröffentlicht.

Wie hoch ist die Strafe?

Bis zu 10 Strafeinheiten, das sind derzeit 1.100 australische Dollar.

Warum sind Luftballons gefährlich für Tiere?

Seevögel und Meeresschildkröten verschlucken Ballonreste, die ihren Verdauungstrakt verstopfen. Laut einer Studie in Scientific Reports sind sie für Seevögel 32-mal tödlicher als Hartplastik. Dazu kommen Schnüre, in denen sich Tiere verfangen.

Darf man in Deutschland Luftballons steigen lassen?

Grundsätzlich ja, ein allgemeines Verbot gibt es nicht. Für große Ballonstarts in der Nähe von Flughäfen kann eine Genehmigung nötig sein. Aus Tierschutzsicht solltest du trotzdem darauf verzichten.

Quellen ●

Beitrag von Emma Hurst auf Instagram, Mitteilung der Regierung von New South Wales vom 22. Oktober 2026, Gesetzesstatus auf legislation.nsw.gov.au, Mitteilung der Grünen (Kobi Shetty), Roman et al. in Scientific Reports (2019), Schuyler et al. in PLOS ONE (2012), Murphy et al. in PNAS (2025). Fotos: Alan Cabello, Enrico Hänel und David Willis / Pexels. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.

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