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EU verbietet Bleischrot bei der Jagd, mit zwei faulen Kompromissen

Ein Gänsegeier gleitet mit ausgebreiteten Flügeln durch den Himmel
Gänsegeier. Foto: Jesús Esteban San José / Pexels

Jäger*innen in der EU dürfen bald nirgendwo mehr mit Bleischrot schießen. Das Europäische Parlament hat am 8. Oktober 2026 den Weg für ein EU-weites Verbot freigemacht, das für alle Lebensräume gilt und nicht mehr nur für Feuchtgebiete. Tier- und Naturschutzorganisationen haben jahrzehntelang dafür gekämpft. Zwei Haken hat die Sache aber: eine Übergangsfrist von sieben Jahren und eine Ausnahme für Bleikugeln.

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Kurz gesagt

  • Die Entscheidung: Das EU-Parlament hat Einsprüche gegen das Bleischrot-Verbot der Kommission abgelehnt
  • Was verboten wird: Schrotmunition mit mindestens einem Gewichtsprozent Blei bei der Jagd und beim Sportschießen im Freien
  • Ab wann: sieben Jahre nach Inkrafttreten, also frühestens 2033
  • Was erlaubt bleibt: bleihaltige Kugelmunition, etwa für die Jagd auf Wildschweine, Rehe und Hirsche
  • Die Opfer: Schätzungen zufolge sterben in der EU jedes Jahr rund eine Million Vögel an Bleivergiftung
Inhalt6 Kapitel
  1. 01Was das Parlament entschieden hat
  2. 02Warum Blei Vögel tötet
  3. 03Die zwei faulen Kompromisse
  4. 04Tierethische Einordnung
  5. 05Was du tun kannst
  6. 06Häufige Fragen

Was das Parlament entschieden hat.

Den Vorschlag hatte die EU-Kommission auf Grundlage der Chemikalienverordnung REACH gemacht. Im Juni 2026 stimmten die Mitgliedstaaten im zuständigen Ausschuss zu. Danach hatte das Parlament die Möglichkeit, das Vorhaben zu stoppen. Abgeordnete der rechtskonservativen Fraktion EKR und der rechtspopulistischen Patrioten für Europa versuchten das mit zwei Einsprüchen. Beide scheiterten, zuerst im Umweltausschuss, dann am 8. Oktober im Plenum.

Damit kann die Kommission die Regel formell erlassen. Nach Veröffentlichung im Amtsblatt beginnt eine Übergangszeit von sieben Jahren. Danach ist es verboten, Bleischrot bei der Jagd zu verwenden oder dabeizuhaben und es beim Sportschießen unter freiem Himmel zu verschießen. Ausnahmen gibt es für Schießstände in geschlossenen Räumen sowie für Polizei und Militär. Das Verbot gilt in der gesamten EU, im Europäischen Wirtschaftsraum und in Nordirland.

Bisher war Bleischrot nur in und um Feuchtgebiete verboten. Diese Regel gilt seit dem 15. Februar 2023 in allen Mitgliedstaaten und sollte vor allem Wasservögel schützen. Überall sonst durfte weiter mit Blei geschossen werden.

Warum Blei Vögel tötet.

Laut BirdLife Europe landen in der EU jedes Jahr mehr als 44.000 Tonnen Blei durch Jagd, Sportschießen und Angeln in der Umwelt. Mindestens 92 Vogelarten sind gefährdet, rund eine Million Vögel sterben jährlich daran. Dieselbe Größenordnung nennt die EU-Kommission.

Vögel vergiften sich auf zwei Wegen. Enten, Schwäne und Rebhühner picken die Schrotkugeln auf, weil sie sie für kleine Steinchen halten, die sie zum Zerkleinern der Nahrung schlucken. Schon ein einziges Korn kann reichen. Greifvögel wie Rotmilane, Seeadler, Bussarde und Geier fressen dagegen Aas oder die Innereien, die Jäger*innen im Wald zurücklassen. Darin stecken Bleisplitter. Eine Bleivergiftung verläuft langsam: Die Tiere werden schwach, können nicht mehr richtig fliegen und verhungern oft.

Ein Rotmilan gleitet vor grünem Hintergrund durch die Luft
Rotmilane fressen auch Aas und nehmen so Bleisplitter aus erlegtem Wild auf. Foto: Johannes Hess / Pexels

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Die zwei faulen Kompromisse.

Tierschutzorganisationen wie Pro Wildlife begrüßen das Verbot, kritisieren aber zwei Zugeständnisse an die Jagdlobby. Das eine ist die Übergangsfrist: Sieben Jahre lang dürfen weiter Vögel an einem Gift sterben, für das es längst Ersatz gibt. Schrot aus Stahl, Wismut oder Zinn ist seit Jahren auf dem Markt.

Das andere ist die Kugelmunition. Ursprünglich wollte die Kommission auch bleihaltige Geschosse beschränken, wie sie bei der Jagd auf Wildschweine, Rehe und Hirsche verwendet werden. Dieser Teil wurde im Verfahren gestrichen. Gerade diese Kugeln zersplittern im Tierkörper und hinterlassen die Bleireste, an denen Adler und Geier sterben. In Deutschland schreiben einige Bundesländer bleifreie Büchsenmunition bereits vor, ein bundesweites Verbot gibt es nicht. BirdLife Europe kündigte an, weiter für eine Regelung bei Bleikugeln zu kämpfen.

Tierethische Einordnung.

Das Verbot schützt Vögel, die nie das Ziel eines Jägers waren: Schwäne, die am Ufer gründeln, und Seeadler, die von Aas leben. Dass ihr Tod erst nach Jahrzehnten wissenschaftlicher Warnungen ernst genommen wird, und dann mit sieben Jahren Aufschub, zeigt, wie viel Gewicht die Interessen der Jagd in Brüssel haben.

Gleichzeitig bleibt das eigentliche Problem unberührt. Auch mit bleifreier Munition werden jedes Jahr Millionen Wildtiere erschossen, viele davon nicht sofort tödlich getroffen. Bleifrei macht die Jagd sauberer für die Umwelt, an ihrer Grausamkeit für das getroffene Tier ändert es nichts. Wie Wildtiere ins Visier internationaler Jagdinteressen geraten, zeigt unser Artikel über das Importverbot für Jagdtrophäen in Frankreich.

Was du tun kannst.

  • Kein Wildfleisch kaufen. Die Nachfrage nach Wild hält die Jagd auch wirtschaftlich am Laufen.
  • Vergiftete Greifvögel melden. Wer einen geschwächten Greifvogel findet, sollte eine Wildvogelstation oder den Naturschutzbund vor Ort informieren.
  • Organisationen unterstützen. Pro Wildlife, NABU und BirdLife setzen sich weiter für ein Verbot von Bleikugeln ein.
  • Vögel beobachten statt schießen. Mit einem guten Fernglas für die Vogelbeobachtung lassen sich Milane und Adler aus nächster Nähe erleben.

Häufige Fragen.

Ist Bleischrot in der EU jetzt verboten?

Beschlossen ist der Weg dorthin. Das Parlament hat am 8. Oktober 2026 Einsprüche abgelehnt, die Kommission muss die Regel noch formell erlassen. Das Verbot greift dann nach einer Übergangsfrist von sieben Jahren, also frühestens 2033. In Feuchtgebieten ist Bleischrot schon seit Februar 2023 verboten.

Gilt das Verbot auch für Bleikugeln?

Nein. Bleihaltige Kugelmunition, wie sie etwa bei der Jagd auf Rehe und Wildschweine verwendet wird, ist ausgenommen. In Deutschland regeln das teilweise die Bundesländer.

Wie viele Vögel sterben an Bleivergiftung?

Schätzungen der EU-Kommission und von BirdLife Europe zufolge rund eine Million pro Jahr in der EU. Mindestens 92 Vogelarten sind betroffen.

Welche Alternativen gibt es zu Bleischrot?

Schrot aus Stahl, Wismut oder Zinn. Diese Munition ist seit Jahren erhältlich und wird in Feuchtgebieten bereits verwendet.

Quellen ●

Mitteilung von BirdLife Europe vom 8. Oktober 2026, Informationen der Europäischen Chemikalienagentur ECHA, Bericht von Utopia mit Angaben eines Parlamentssprechers, Stellungnahme von Pro Wildlife. Fotos: Jesús Esteban San José und Johannes Hess / Pexels. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

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