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Dänemark beendet die Nerzzucht: Letzte Farmen schließen bis 2029

Dänemark verzichtet auf eine Ausnahme vom EU-Verbot. Die letzten sieben Nerzfarmen des einstigen Pelz-Weltmarktführers müssen bis August 2029 schließen.

Ein wild lebender Amerikanischer Nerz steht auf einem Felsen
Ein wild lebender Nerz in Patagonien. Foto: Juan Marcos Alvarez / Pexels

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem Good News Magazin.

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Dänemark war einmal das Land, aus dem mehr Nerzpelze kamen als aus jedem anderen. Jetzt ist dort endgültig Schluss mit der Nerzzucht. Die Regierung hat am Freitag, 23. Oktober 2026, entschieden, bei der EU keine Ausnahme vom Verbot zu beantragen. Die letzten sieben Nerzfarmen des Landes müssen damit spätestens im August 2029 schließen.

Kurz gesagt

  • Die Entscheidung: Dänemark verzichtet auf einen Antrag, mit dem die Nerzzucht trotz EU-Verbot hätte weiterlaufen können
  • Die Grundlage: Die EU hat den Amerikanischen Nerz als invasive Art gelistet, Zucht und Haltung sind ab 7. August 2027 verboten
  • Das Enddatum: Bestehende Farmen haben zwei Jahre Übergang, also bis 7. August 2029
  • Was noch übrig ist: sieben Farmen mit gut 15.000 Nerzen
  • Was offen bleibt: Ein EU-weites Verbot aller Pelzfarmen und von Pelzimporten gibt es weiterhin nicht
Inhalt8 Kapitel
  1. 01Was die Regierung entschieden hat
  2. 02Warum ein Gesetz gegen invasive Arten Nerzfarmen beendet
  3. 03Vom größten Pelzproduzenten zu sieben Farmen
  4. 04Was Tierschutzorganisationen sagen
  5. 05Wo in Europa noch Pelztiere gezüchtet werden
  6. 06Tierethische Einordnung
  7. 07Was du tun kannst
  8. 08Häufige Fragen

Was die Regierung entschieden hat.

Zuständig ist das dänische Ministerium für Natur und Tierschutz, das es in dieser Form erst seit dem Regierungswechsel 2026 gibt. Minister Christian Rabjerg Madsen von den Sozialdemokraten begründete den Schritt laut dem Sender DR und der Zeitung Avisen.dk so: „Ein Wirtschaftszweig soll nicht weiterbestehen, nur weil es ihn schon lange gibt. Er muss auch für die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Tiere Sinn ergeben. Die Regierung hat sich für den Tierschutz entschieden.“

Die Vorgängerregierung aus Sozialdemokraten, Venstre und Moderaten hatte 2025 in Brüssel noch gegen die Listung des Nerzes gestimmt und eine dänische Sonderregelung angekündigt. Die bestehenden Betriebe hätten damit auf ihrem jetzigen Niveau weitermachen können. Sophie Løhde von der liberalen Partei Venstre nannte die Kehrtwende gegenüber DR „natürlich“. Schon unter der alten Regierung sei klar gewesen, dass eine Ausnahme mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu bekommen war.

Ganz ohne Streit geht es nicht. Die Dänemarkdemokraten werfen der Regierung vor, die Züchter*innen hingehalten zu haben. Der Branchenverband Danske Mink will, dass das Parlament entscheidet und nicht ein Minister allein. Offen ist auch die Entschädigung. Das Ministerium will nach Angaben von DR Betrieb für Betrieb prüfen, was den sieben Firmen zusteht.

Warum ein Gesetz gegen invasive Arten Nerzfarmen beendet.

Ein eigenes Pelzfarm-Verbot hat die EU bis heute nicht. Das Ende der Nerzfarmen kommt über den Naturschutz. Mit der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1422 vom 17. Juli 2025 hat die EU-Kommission den Amerikanischen Nerz (Neogale vison) auf die Liste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung gesetzt. Für den Nerz gilt diese Listung ab dem 7. August 2027. Dann sind Zucht, Haltung, Transport und Verkauf verboten.

Der Grund für die Listung: Nerze, die aus Farmen entkommen, breiten sich in der Natur aus. Sie jagen Wasservögel, Amphibien und kleine Säugetiere und verdrängen heimische Arten wie den stark bedrohten Europäischen Nerz. Die Verordnung schreibt selbst, dass der Termin bewusst nach hinten gelegt wurde. Mitgliedstaaten mit Nerzfarmen sollten Zeit bekommen, eine Ausnahme aus „zwingenden Gründen des öffentlichen Interesses“ zu beantragen. Genau diesen Antrag stellt Dänemark nun nicht.

Ein schwarzer Nerz liegt auf einem Felsen am Ufer neben einem gefangenen Fisch
Nerze leben am Wasser, schwimmen, tauchen und jagen Fische. Auf Pelzfarmen ist nichts davon möglich. Foto: Teterin Oleg / Pexels

Vom größten Pelzproduzenten zu sieben Farmen.

Bis 2020 war Dänemark der größte Nerzpelz-Produzent der Welt. Über 1.000 Betriebe hielten Millionen Tiere, das Auktionshaus Kopenhagen Fur in Glostrup bei Kopenhagen war der wichtigste Handelsplatz der Branche weltweit. Dann kam die Pandemie. In Nerzfarmen in Nordjütland verbreitete sich das Coronavirus, eine dort entstandene Variante sprang auf Menschen über. Ein Forschungsteam des Statens Serum Institut beschrieb die Ausbrüche Anfang 2021 in der Fachzeitschrift Eurosurveillance.

Im November 2020 ordnete die Regierung an, alle Nerze im Land zu töten. Eine Untersuchungskommission stellte später fest, dass für diese Anordnung zunächst die Rechtsgrundlage fehlte. Kopenhagen Fur kündigte noch im selben Monat seine Schließung an und hielt 2024 die letzte Auktion ab. Seit 2023 war die Zucht wieder erlaubt, doch kaum jemand fing neu an. Laut dem zentralen dänischen Tierhaltungsregister gab es im August 2026 noch sieben Nerzfarmen. DR beziffert ihren Bestand auf gut 15.000 Tiere.

Infografik: Zeitstrahl der Nerzzucht in Dänemark von 2020 bis zum Ende 2029
Vom Weltmarktführer zum Ausstieg: die Nerzzucht in Dänemark seit 2020. Grafik: This Is Vegan
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Was Tierschutzorganisationen sagen.

Für die Tierrechtsorganisation Anima International ist die Entscheidung das Ende einer langen Kampagne. Der dänische Zweig, gegründet im Jahr 2000, kämpft nach eigenen Angaben seit 26 Jahren gegen die Nerzzucht. Direktor Joh Vinding sprach laut Avisen.dk von einer großen Erleichterung. Britta Riis, Direktorin von Dyrenes Beskyttelse, Dänemarks größter Tierschutzorganisation, nannte den Beschluss einen „riesigen Sieg für die Nerze“.

Anima verbindet die Freude mit einer Forderung an Brüssel: Jetzt sei es Zeit für ein EU-weites Verbot von Pelzfarmen und Pelzimporten. Die Europäische Bürgerinitiative „Fur Free Europe“ hat dafür 2023 über 1,5 Millionen gültige Unterschriften gesammelt. Die EU-Kommission hatte angekündigt, bis März 2026 über ihr weiteres Vorgehen zu entscheiden. Einen Gesetzesvorschlag hat sie bislang nicht vorgelegt.

Wo in Europa noch Pelztiere gezüchtet werden.

Das Nerz-Verbot der EU trifft nicht nur Dänemark. In Finnland, Griechenland, Spanien und Litauen werden ebenfalls noch Nerze gehalten. Finnland hatte schon 2025 angekündigt, eine Ausnahme zu beantragen. Bei Marderhunden hatten Finnland und Polen das bereits geschafft, als diese Art 2019 auf die Liste kam. Andere Pelztiere wie Füchse und Chinchillas erfasst die Regel nicht, weil sie nicht als invasiv gelten.

Polen, lange der größte Pelzproduzent Europas, hat die Pelztierzucht im Dezember 2025 gesetzlich verboten. Die Farmen dürfen dort aber noch bis Ende 2033 weiterlaufen. Die Schweiz hat am 2. Oktober 2026 beschlossen, Import und Handel von Pelz aus tierquälerischer Haltung gesetzlich zu verbieten. Mehr dazu in unserem Artikel zum Pelzverbot in der Schweiz. Warum Nerzfarmen auch ein Seuchenrisiko sind, haben wir im Artikel über Vogelgrippe auf einer US-Nerzfarm beschrieben.

Tierethische Einordnung.

Nerze sind Einzelgänger, die in freier Natur große Reviere am Wasser durchstreifen, schwimmen, tauchen und mehrere Baue nutzen. Auf Pelzfarmen leben sie in Drahtkäfigen, oft zu zweit, bis sie nach wenigen Monaten für ihr Fell getötet werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA kam 2025 in ihrem wissenschaftlichen Gutachten zu einem klaren Ergebnis: Die größten Probleme wie Bewegungsmangel und fehlende Beschäftigung lassen sich im Käfigsystem kaum lösen. Dass Nerze Wasser brauchen, zeigte schon 2001 eine Studie in Nature: Die Tiere arbeiteten für den Zugang zu einem Schwimmbecken härter als für fast alles andere.

Bemerkenswert ist, auf welchem Weg das Ende kommt. Die EU verbietet Nerzfarmen nicht, weil Nerze darin leiden, sondern weil entkommene Tiere der heimischen Natur schaden. Das Ergebnis ist trotzdem dasselbe: Es werden keine Nerze mehr für Mäntel und Bommelmützen geboren. Dass der dänische Minister ausdrücklich den Tierschutz als Grund nennt, ist ein wichtiges Signal. Für Füchse, Marderhunde und Chinchillas ändert die Entscheidung allerdings nichts, und auch Pelz aus China oder den USA darf weiter in die EU eingeführt werden. Wie Modemarken freiwillig aussteigen, zeigt unser Artikel über Woolrich.

Ein Amerikanischer Nerz schaut aus einem verschneiten Bau
Ein wild lebender Amerikanischer Nerz im Winter. Foto: Erik Karits / Pexels

Was du tun kannst.

  • Kein Echtpelz, auch nicht als Besatz. Bommel, Kapuzenränder und Schlüsselanhänger sind oft echter Pelz, selbst bei günstiger Ware.
  • Etiketten lesen. In der EU muss ein Hinweis stehen, wenn ein Kleidungsstück „nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ enthält.
  • Organisationen unterstützen. Anima, Humane World for Animals und die Fur Free Alliance setzen sich weiter für ein EU-weites Verbot ein.
  • Gute Nachrichten teilen. Wer mehr davon lesen will, findet im Buch „Good News“ des Good News Magazins viele Beispiele dafür, dass sich die Welt oft besser entwickelt, als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Häufige Fragen.

Ist Nerzzucht in Dänemark jetzt verboten?

Ab dem 7. August 2027 gilt das EU-Verbot für Zucht und Haltung des Amerikanischen Nerzes. Bestehende Farmen haben zwei Jahre Übergang. Weil Dänemark keine Ausnahme beantragt, müssen die letzten Farmen bis spätestens 7. August 2029 schließen.

Wie viele Nerzfarmen gibt es in Dänemark noch?

Laut dem zentralen dänischen Tierhaltungsregister waren es im August 2026 sieben Farmen. Zusammen halten sie nach Angaben von DR gut 15.000 Nerze. Vor 2020 waren es über 1.000 Betriebe.

Verbietet die EU jetzt alle Pelzfarmen?

Nein. Das Verbot betrifft nur den Amerikanischen Nerz, weil er als invasive Art gilt. Fuchs-, Marderhund- und Chinchillafarmen sind davon nicht erfasst. Über ein allgemeines Pelzfarm-Verbot hat die EU-Kommission noch nicht entschieden.

Gibt es in Deutschland noch Nerzfarmen?

Nein. Seit 2019 gibt es in Deutschland wegen strenger Haltungsvorschriften keine Pelzfarmen mehr. Ein ausdrückliches Verbot der Pelztierhaltung gibt es aber nicht.

Quellen ●

Beitrag von Anima International auf Instagram, Berichte von DR und Avisen.dk vom 23. Oktober 2026 mit Angaben des Ministeriums für Natur und Tierschutz, Durchführungsverordnung (EU) 2025/1422, EFSA-Gutachten zum Tierschutz in der Pelztierhaltung (2025), Larsen et al. in Eurosurveillance (2021), Mason et al. in Nature (2001). Fotos: Juan Marcos Alvarez, Teterin Oleg und Erik Karits / Pexels. Dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem Good News Magazin. Er enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.

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