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Artgerecht ist nur die Freiheit“, eine Aussage, ein Ausruf, eine Kritik, die besonders in den letzten Jahren immer häufiger von Zoo-Gegnern verwendet wird.

Die kritischen Stimmen häufen sich. Zoos geraten immer mehr in das Kreuzfeuer der Medien, Tierschützer, Tierrechtsorganisationen und mittlerweile auch Influencern.

Die Kritik gegenüber der Gefangenschaft von Tieren in Zoos vieler Persönlichkeiten wie Biologe Dr. Mark Benecke, Content Creator wie Jonas Ems, Rezo, Alicia Joe, oder auch der bekannte Meeresbiologe Robert Marc Lehmann, haben einiges in der Gesellschaft sowie auch innerhalb der Zoos bewegt.

Dies zeigte ein neulich veröffentlichtes Video, einer Tagung der VdZ – Verband der Zoologischen Gärten e.V., in denen offenbar neue Strategien entwickelt werden sollen, um künftig auf Kritik durch Social Media zu reagieren. Die Zoos scheinen sich somit auf Einfluss der Social Media-Welt zu wappnen.

Videotipp - Robert-Marc Lehmann über Zoos:

Podcast-Tipp:

Wenn ihr bei Lesen mehr zum Autor Marc-Antoine Oberhoff erfahren möchtet, hört in den Plantbased Podcast rein. Dort erzählt er noch mehr zum Thema.

Doch wohin und wie bewegt sich nun die Waage der Verhältnismäßigkeit? Ist alles so schwarz und weiß, wie die Kritiker es behaupten, sind Zoos tatsächlich eine Arche, um bedrohte Tierarten zu schützen und sind sie überhaupt eine geeignete Bildungseinrichtung?

In diesem Artikel stellen wir uns diesen Fragen. Wir blicken dabei hinter die Kulissen der Zoos, welche vor den Augen der Besucher verborgen bleiben.

Glückliche Kindheitserinnerungen?

Wer sich den Zoobesuch der Kindheit vor Augen führt, wird sich vielleicht noch an die lange Fahrt im Auto, das Warten an der Zoo-Kasse und die Aufregung endlich sein Lieblingstier sehen können erinnern. All die schönen, gefährlichen und gruseligen Tiere. Die Gerüche gewisser Gehege, der Spielplatz, Currywurst, Zuckerwatte und am Ende des Tages, gab es manchmal auch noch ein Kuscheltier. Ein nahezu perfekter Familienausflug.

Viele werden daher positive Assoziationen wohl mit dem Zoo in Verbindung bringen. Da fällt es einem schwer zu glauben, dass der Zoo, die angeblich behüteten und glücklichen Tiere sich nicht mehr so positiv abzeichnen.

Man wird mit einer Thematik konfrontiert, in dem eine Kindheitserinnerung in ein anderes Licht gerückt wird und auf einmal wird die persönliche Betrachtungsweise infrage gestellt.

Doch die Erkenntnisse und das Verständnis für zoologische Zusammenhänge haben sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt. Immer häufiger kommen Vorfälle innerhalb zoologischer Gärten ans Tageslicht. Tötungen bedrohter Arten durch Zoos, Inzucht, Todesfälle, mangelnde Haltungsbedingungen und leidende Zootiere. Selbst der Artenschutz, einer der vier Hauptargumente der Zoos, scheint in den meisten Fällen nicht umsetzbar.

Die Besucherzahlen deutscher Zoos sind jedoch weiterhin rekordverdächtig. Jährliche Subventionierungen in Millionenhöhe und die Zusammenarbeit mit Universitäten bleiben bestehen. Alles, obwohl die rezente Form der Zoos nicht mehr zeitgemäß scheint.

Hat unsere Gesellschaft und Politik den Anschluss verloren?

Verhaltensstörungen bei Zootieren

Vielleicht ist es dem einen oder anderen Zoobesucher schon einmal aufgefallen, wie ein Tier immer wieder genau den gleichen Pfad entlangläuft, dieselben Bewegungen wiederholt oder mit dem Kopf hin und her schaukelt. Das Tier wirkt beinahe geistesabwesend. Lediglich die präzise gesetzten Schritte und oder Bewegungen, diese über Stunden andauern können, scheinen für das Tier von Bedeutung zu sein.

Die Rede ist von sogenannten Stereotypien: völlig gleichmäßige, sich ständig wiederholende

Bewegungsabläufe, diese in verschiedenen Variationen vorkommen können. Bei Großkatzen, Bären, Huftieren, Elefanten, Menschenaffen, Meerestieren und vielen weiteren lassen sich Stereotypien häufiger nachweisen.

So kann man beobachten, wie Tiere zum Beispiel im Kreis gehen, einen Pfad hin und zurück oder eine schleifenförmige Acht laufen, mit dem Kopf schaukeln, ein Bein vor und zurückbewegen, sich um die eigene Achse drehen, Exkremente fressen, Gitterstäbe ablecken, sich die Haare oder Federn ausreißen oder mit dem Kopf gegen Wände schlagen. Die unterschiedlichsten Variationen sind vorzufinden.

Ausgeprägte Stereotypien sind psychische Störungen, da die Bewegungen oder Handlungen ohne Ziel verlaufen und bei frei lebenden Tieren nicht vorzufinden sind. Die Tiere wirken wie unter Zwang und führen Bewegungen, Schrittfolgen oder auch Selbstverletzungen über einen Großteil des Tages dauerhaft durch.

Zahlreiche Studien konnten diese gestörten Verhaltensweisen bei unterschiedlichen Tierarten belegen. So auch die Arbeit von Barbara Kießwetter, diese 59 Großkatzen in mehreren zoologischen Einrichtungen untersuchte. Bei jeder dieser Großkatzen, wie Tiger, Geparden oder Panther konnten Stereotypien festgestellt werden.

Die Ergebnisse eine Studie von 2011 zeigt, dass bei allen 40 untersuchten Schimpansen, diese in sechs Zoos in Großbritanien und USA durchgeführt wurden, mehrere abnormale Verhaltensweisen vorhanden sind.

Und anhand einer Studie in Großbritannien, bereits aus dem Jahre 1991, konnten Stereotypien bei allen 16 Eisbären, die in acht Zoos gehalten wurden, ebenfalls nachgewiesen werden. Sowie wurde bei weiteren Untersuchungen festgestellt, dass Tiere bis zu 2/3 der gesamten Tagesaktivität mit Stereotypien verbringen können und dies über Jahre hinweg.

Die Ursachen für diese psychischen Störungen sind vielfältig, jedoch eindeutig auf die Gefangenschaft zurückzuführen. Davon leiten sich viele weitere Aspekte ab, diese Stereotypien hervorrufen:

Gestörtes Sozialverhalten

Tiere, diese in Gefangenschaft heranwachsen, werden gelegentlich vom Menschen aufgezogen. Es kommt vor, dass sie die ersten Jahre dadurch kaum oder gar kein Kontakt zu Artgenossen pflegen können. Häufig entstehen dadurch soziale Störungen, durch die künstliche Aufzucht des Pflegepersonals.

Der Mangel an sozialen Kontakten hat dadurch einen negativen Einfluss auf die Tiere, sich in einer Gruppe einzufügen oder zurechtzufinden. So kommt es auch vor, dass Tiere nicht mehr in der Lage sind, mit anderen Artgenossen zusammenzuleben und in völliger Isolation gehalten werden.

Stress

Täglich kommen je nach Zoo tausende Besucher. Zootiere sind damit akustischen und optischen Reizen ausgesetzt. Schreiende Kinder, klopfen und schlagen gegen Glasscheiben oder Musik durch Lautsprecher bei Vorführungen in Delfin-Shows. So zeichnet sich der Alltag der Tiere.

Aber auch Veranstaltungen wie Kinderfeste, Partys und Paraden, in denen Tiere mitlaufen, müssen sie erdulden. Die schwierigste Hürde im Jahr ist dabei die Silvesternacht. Jährlich kommt es zu Zwischenfällen. Schließlich fürchten sich davor nicht nur unsere Hunde und Katzen. Natürliche Ausweichreaktionen sind in den begrenzten Räumen im Zoo nicht möglich.

Im Zoo Zürich finden in den Wintermonaten täglich Paraden statt, in denen die Pinguine durch den Zoo marschieren. Zoogäste können vor oder hinter den Tieren mitlaufen.

Langeweile

Der Alltag im Zoo ist einer ständigen Routine unterworfen. Nahrung wird je nach Tierart täglich zu festen Zeiten dargeboten, so auch regelmäßige Reinigung der Gehege und gewisse

Beschäftigungsmöglichkeiten, diese sich ständig wiederholen. Hinzu kommen kleine und kahle Gehege. Für die Tiere ist es ein Ort der Langeweile, diese eine Reizarmut hervorbringt. Dadurch beginnen Tiere gewisse Verhaltensmuster zu entwickeln. Ein Versuch, der Langeweile zu entkommen.

Traumata

Viele Tiere haben traumatische Erlebnisse der Kind- und Jugendphase hinter sich. Vor allem Wildfänge: frei lebende Tiere, die aus ihren natürlichen Lebensräumen entrissen wurden. Dabei hat man es meist auf Jungtiere abgesehen, aufgrund ihrer Belastbarkeit, der künftigen Zucht und Lebenserwartung. Ihr Zuhause, ihre Familien, ihre Muttertiere werden sie nie wiedersehen. Das Ziel ist folgend der Zirkus, Privatpersonen, Tierversuchslabore oder der Zoo. Diese Erlebnisse können manche Tiere nicht überwinden und leiden ein Leben lang an den Folgen.

Konflikte

In freier Wildbahn haben Tiere die Möglichkeit, einem Konflikt aus dem Weg zugehen. Die Begrenzungen der Zoos, die Gehege oder Delfin-Becken verhindern dies. Ein Ausweichen ist nicht möglich. Sie leben in Relation zur Freiheit, auf engstem Raum. Hinzu kommen Stressfaktoren. Immer wieder kommt es dadurch zu Auseinandersetzungen, in denen sich die Tiere schwer oder auch tödlich verletzen.

Artenschutzreiche Bilanz?

Artenschutz, ein selbsterklärender sowie einfach zu verstehender Begriff, den Zoos im Laufe der Zeit für sich beansprucht zu haben scheint. Schließlich ist es eines ihrer Hauptargumente und viele Besucher werden diesen Begriff wohl mit dem Zoo in Verbindung setzen. Aber so kurz wie die drei Silben sich aneinanderreihen, so vielfältig und enorm sind die Aufgaben, um Arten zu schützen.

Wo beginnt Artenschutz eigentlich, gibt es die eine Lösung und können Artenschutz-Maßnahmen der zoologischen Gärten überhaupt umgesetzt werden?

Die Ergebnisse einer Anfrage „Import von geschützten Tieren durch Zoos“, aus dem Jahre 2021, der Bundestagsfraktion Die Linke, zeigen ein deutliches Bild. Von 2005 bis 2020, wurden 1.900 Tiere in deutsche Zoos importiert. Bei 43 % dieser importierten Tiere handelt es sich um Wildfänge. Darunter Menschenaffen, Nashörner, Elefanten, Großkatzen, Eisbären und Papageien. 2.500 Tiere wurden ins Ausland in andere Zoos exportiert und 147 Tiere wurden ausgewildert.

Eine Pflicht zur Berichterstattung an die Bundesregierung bezüglich getöteter Tiere durch Zoos existiert nicht.

Wie viele vom Aussterben bedrohte Tierarten durch Zoos getötet wurden, ist daher nicht ersichtlich.

In 15 Jahren wurden somit mehr als 800 frei lebende Tiere aus ihren natürlichen Lebensräumen „entnommen“, während nur ein Bruchteil ausgewildert wurde. Ob diese Auswilderungen auch mit einem Erfolg verzeichnet werden können, ist nicht ersichtlich. Denn für den Großteil der Tiere in Zoos ist eine Auswilderung nahezu ausgeschlossen.

Nicht im Fall gewisser Organisationen, wie zum Beispiel „BOS – Borneo Orang-Utan Survival„. Sie haben seit 2012, 500 Orang-Utans ausgewildert, 461.000 Hektar Regenwald unter Schutz gestellt sowie im Jahre 2022, 83 Hektar Regenwald aufgeforstet. Und das, obwohl sie keine Tiere zur Veranschaulichung den Besuchern zur Verfügung stellen.

Der Lebensraum der Orang-Utans ist stark bedroht. Durch Rodung und das Niederbrennen der Wälder, wird ihr Lebensraum in rasanter Geschwindigkeit zerstört. Grund dafür sind Palmöl-Plantagen, diese flächendeckend angelegt werden. Seit 1900 ist der Bestand um 90 Prozent gesunken. Derzeit gibt es nur noch 50.000 Orang-Utans auf Borneo und 14.000 auf Sumatra.

Diese Organisationen arbeiten direkt vor Ort. Und das ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Auswilderung. Denn Artenschutz findet vor Ort statt. Denn Tiere, diese in der Nähe von Menschen in Gefangenschaft heranwachsen, sind domestiziert. In der Wildnis haben sie daher meist keine Chance zu überleben.

In Gefangenschaft geborene Zootiere haben nämlich nie ihre natürlichen Lebensräume kennengelernt. Sie mussten sich niemals Nahrung selbst beschaffen, mit anderen Individuen um ein Revier kämpfen oder jagen. Ebenso sind sie die heimischen Pflanzen, Temperaturen, Keime und Witterungsverhältnisse nicht gewöhnt.

Das Immunsystem der Tiere in Zoos ist daher schwächer. Eine Auswilderung würde für manche den Tod bedeuten.

So auch beim Orca-Bullen „Kaiko“ oder besser bekannt als „Free Willy„, der tierische Protagonist des gleichnamigen Films. Er wuchs in Gefangenschaft in einem kleinen Becken auf und hatte täglich engen Kontakt zu Pflegern, Trainern sowie Besuchern. Nach mehr als 20 Jahren in Gefangenschaft, wurde er ausgewildert. Er war jedoch an Menschen gewöhnt und kam immer wieder zurückgeschwommen, hatte Schwierigkeiten mit eigenständiger Nahrungsbeschaffung, dem Schwimmen und Tauchen. Kaikos Immunsystem war ebenso zu schwach. Er starb nach 18 Monaten in Freiheit, an einer Lungenentzündung.

Ein Tier, wie zum Beispiel einen Orang-Utan auf eine Auswilderung vorzubereiten, kann bis zu zehn Jahre dauern. Wobei der Kontakt zum Menschen so weit wie möglich eingeschränkt wird, um die Tiere so gut wie möglich auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten.

Sie werden daher täglich, vor Ort an ihren Lebensraum gewöhnt und wachsen mit den Temperaturen und Witterungsverhältnissen auf. Sie lernen, wie man klettert, an Nahrung kommt, was sie essen dürfen, wie sie sich ein Nest bauen und auf welche Gefahren sie zu achten haben. Eben alles, was ein Orang-Utan wissen muss, um in der Wildnis zurechtzukommen.

Doch der wichtigste Faktor bezüglich Artenschutz ist die Aufklärung, Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Politikern, Regierungen, Behörden und Menschen der Regionen. Wälder werden vor Ort unter Schutz gestellt und aufgeforstet, Menschen werden mit dem Umgang von Tieren und der Wichtigkeit zum Schutz der Natur sensibilisiert. Dies ist entscheidend, um die Tiere und ihren Lebensraum langfristig schützen zu können.

Artgerechte Haltung? Gibt es so etwas?

Die Entscheidungsfreiheit der Tiere im Zoo, ihre Handlungen und Bewegungen sind eingeschränkt.

Schließlich befinden sich Gitterstäbe, Fensterscheiben, Elektrozäune, Gräben oder Mauern um die Gehege der verschiedenen Tiere. Dabei versucht man, die unterschiedlichen Lebensräume zu simulieren.

Der Begriff „Simulation“ trifft es sehr gut. Denn die Ausstattungen eines Geheges sind in erster Linie den Bedürfnissen der Menschen unterworfen. Technische sowie auch ökonomische Faktoren, zur allgegenwärtigen Sichtbarkeit der Tiere, so auch in Ruhephasen, Sicherheit von Personal und Besucher, Reinigung der Anlagen und besonders der ästhetische Aspekt, sollen erfüllt werden. Besucher sollen sich schließlich wohlfühlen.

Um diesen Voraussetzungen gerecht zu werden, müssen die Tiere so manches entbehren und hinnehmen. Vollständige Rückzugsmöglichkeiten gibt es wie erwähnt nicht, denn die Besucher wollen die Tiere schließlich zu Gesicht bekommen. Dafür wird bezahlt.

Die Tiere sind der Gegenwart der Besucher also ständig ausgeliefert. Ebenso den menschlichen Gegenständen, diese für viele Tiere lebensbedrohlich werden können. So kommt es immer wieder zu Verletzungen oder auch Todesfällen, durch fremde Gegenstände der Besucher, diese in die Gehege gelangen.

2014 wurde zum Beispiel ein Tennisball ins Gehege der Flusspferde im Frankfurter Zoo geworfen. Ein Flusspferd-Bulle hatte diesen verschluckt und starb letztlich an einem Darmverschluss.

Dementsprechend ist eine „artgerechte“ Haltung nicht umsetzbar. Dieser Gesichtspunkt ist entscheidend, wenn man sich die Biologie gewisser Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen in Relation zur Gefangenschaft vor Augen führt.

Die Reviergröße eines Tigers kann mehrere 100 Quadratkilometer betragen. Im Gutachten „Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“, des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, wird einem Tiger gerade einmal eine Mindestanforderung von 100 Quadratmeter zugesprochen. Elefanten wandern um die 25 Kilometer pro Tag. In Gefangenschaft ist dies nicht möglich. Orcas können pro Tag mehrere 100 Kilometer zurücklegen.

Doch was passiert mit solch einem Tier, wenn man es in einen 45x28x9 Meter Delfin-Becken einsperrt?

Vergleicht man Zwischenfälle von Orcas in Freiheit und Gefangenschaft, erhält man ein eindeutiges Ergebnis. Bei in Freiheit lebenden Orcas gibt es keinen einzigen dokumentierten Bericht, von Angriffen auf Menschen (nur auf Segelboote, wo aber kein Mensch zu Schaden kam). In Gefangenschaft hingegen sind dutzende Angriffe, schwere Verletzungen und Todesfälle dokumentiert.

So kam es 2009 im Delfinarium „Loro Parque“ auf Teneriffa zu einem Todesfall eines Delfintrainers Alexis Martinez (29). Oder Trainierin Dawn Brancheau (40), diese 2010 vom Orca-Bullen „Tilikum“ getötet wurde, der zuvor bereits für zwei Todesfälle mitverantwortlich war. Mehr dazu findet ihr auch in der Dokumentation Blackfish.

Auch wenn Zoos sich bemühen, die generelle Haltung zu verbessern, so handelt es sich mehr um ästhetische Veränderungen. Denn so groß und so schön ein Gehege auch aussehen mag, die Ansprüche der Tiere, um ihrer Biologie gerecht zu werden, können in Gefangenschaft nicht umgesetzt werden.

Im Falle der Delfinarien werden diese Missstände wesentlich objektiver. Delfine – so auch Orcas, die die größten und schnellsten unter ihnen sind -, leiden besonders in Gefangenschaft. Bis zu 10 tonnenschwere Tiere, die hunderte Kilometer pro Tag, gemeinsam mit ihrer Familie sich frei durch die Ozeane bewegen, müssen sich in Delfinarien in Relation zu ihrer Körpergröße, mit einer Badewanne als „Lebensraum“ begnügen.

„Man beraubt sie ihres Lebenssinnes. Wildtiere sind vom Körperbau und Leistungsfähigkeit dafür geschaffen, weite Distanzen zurückzulegen und mit ihren Sinnesorganen Beute oder Nahrung zu erfassen.“ (Austermühle, Stefan – 1996, S. 56).

Am Ende bleiben Tiere in von Menschen errichteten Gebilden zurück, von denen man ausgeht, sie würden „artgerecht“ sein. Das Verhalten der Tiere zeigt jedoch eines ganz deutlich, dass der Begriff „Artgerecht“ im Widerspruch mit der Haltung von Tieren in Gefangenschaft steht.

Eine alternative zu Zoos

So sehr die lokale Arbeit gewisser Organisationen in gewissen Ländern auch Früchte trägt, sollte man die Bildung und Aufklärung in unseren westlichen Ländern berücksichtigen. Ebenso ist bei uns die Sensibilisierung für Bürger:innen ein wichtiger Schritt, um ihnen die Natur näherzubringen.

Auch Deutschland hat mit dem Rückgang von Lebensräumen und Arten zu kämpfen. Die Folgen sind seit Jahren schon spürbar.

Zoologische Institutionen sehen sich daher auch als Bildungseinrichtungen. Doch abgesehen von dem äußeren Erscheinungsbild der Tiere, grundlegende Informationen zur Biologie, ist eine nachhaltige Bildung bei Kindern und Erwachsenen nachweislich kaum möglich.

Dies belegen mehrere Studien, diese hervorbringen, dass Besucher, vor allem Kinder, im Durchschnitt nur wenige Sekunden vor einem Tier „verweilen“. Was kann man in dieser kurzen Zeitspanne also lernen?

Lediglich fehlerhafte Eindrücke und Vorstellungen von Tieren, die sich anders in Gefangenschaft verhalten, als ihre Artgenossen in Freiheit.

Statt einen Tiger zu sehen, der mit Vorsicht durch den Dschungel schleicht, um seine Beute nicht aufzuscheuchen, immer mit einem wachen und konzentriertem Blick, sieht man ein träges Abbild des Tieres im Zoo. Müde Augen, ein schlaffer Muskeltonus, herumliegend und verhaltensgestört. Ist das noch ein Tiger? Ist das Bildung, die wir unseren Kindern vermitteln sollten?

Was den Kindern im Zoo fehlt, ist der direkte Kontakt, eine persönliche Interaktion, mit der Natur.

Denn Kinder erleben ihre Welt spielerisch und wollen interagieren.

Zahlreiche Zoo-Alternativen konnten sich in den letzten Jahren dahingehend etablieren und finden immer mehr Zuspruch. Kreative und nachhaltige Ideen können somit die Natur und Tierwelt den Menschen näherbringen. Ohne, dass Tiere dafür in Gefangenschaft leben müssen.

Der Elephant Nature Park in Thailand - eine Auffangstation für gerettete Elefanten

Kreative Aufklärungsarbeit lindert Tierleid und schafft Empathie

Immer mehr Parks gehen einen nachhaltigeren Weg und entscheiden sich für Alternativen zur Tierhaltung. Hier möchten wir euch zeigen, welche es unter anderem gibt.

Virtuelle Aquarien

In New York City hat man die Möglichkeit ein virtuelles Aquarium auf 60.000 Quadratmetern zu erleben, in denen die unterschiedlichsten Lebensräume, Meerestiere wie Haie, Delfine und Wale bestaunt werden können. Die Ausstellung ist so gestaltet, dass der Besucher den Eindruck bekommt, er würde sich unter Wasser befinden. Thema Naturschutz spielt dabei eine besondere Rolle. Wissenschaftliche Erkenntnisse fließen dabei mit ein. Ebenso hat man die Möglichkeit, mit gewissen Meerestieren zu interagieren.

Auch in China wurde ein virtueller Zoo errichtet, in denen Besucher mit neuester Technik Tiere bestaunen können.

Naturkunde Museen

Wenn man jedoch nicht nach New York City fliegen möchte, um ein virtuelles Aquarium zu besuchen, bieten Naturkundemuseen die unterschiedlichsten Ausstellungen verschiedenster Lebensräume und Tierarten an. So wie das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, das seit 2021 eine lebensechte Darstellung eines Korallenriffs mit mehr als 3.000 Objekten darstellt. Tanzende Haarsterne, Anemonenfische, Seeigel, Oktopusse, Haie und viele mehr, lassen sich entdecken.

Natur Touren & Expeditionen

Wildnisschulen, Wildnispädagogen, Wildnisführer oder auch Pfadfinder bieten Touren und Kurse an, in denen vor allem Kinder direkt mit der Natur in Berührung kommen können. So auch bei Peter Wohlleben und seiner Waldakademie.

Zahlreiche Erlebnisse für Groß und Klein lassen sich dort entdecken. Naturspiele, Spurenlesen, klettern, Pflanzen-, Bäume- sowie Pilzwanderungen, Abenteuertouren oder auch Übernachtungen im Freien. Kinder und Familien können somit direkt mit der Natur interagieren und mitwirken.

Auffangstationen und Sanctuaries

Auch Anlagen, in denen Tiere aus schlechten Bedingungen gerettet wurden, können eine Alternative sein. Sie werden häufig auch als Auffangstationen oder „Sanctuaries“ bezeichnet. So wie zum Beispiel der Alternative Wolf & Bärenpark Schwarzwald oder der Elephant Nature Park. Wir haben uns dort selbst einen Eindruck verschaffen können und darüber berichtet. Der Park ist so gestaltet, dass die Bedürfnisse der Tiere im Vordergrund stehen. Besucher haben somit die Möglichkeit zahlreiche Tiere wie Bären, Wölfe und Luchse in einem natürlichen Umfeld kennenzulernen.

Im Ausland sollte man jedoch auf die Seriosität solcher „Sanctuaries“ achten. Viele geben vor, Tiere gerettet zu haben und hinter dem Tierschutz zu stehen. Häufig handelt es sich jedoch um kommerzielle Zwecke und Touristen werden ahnungslos um ihr Geld gebracht.

Gnadenhöfe oder Lebenshöfe

Lebenshöfe sind einer Auffangstation sehr ähnlich. Dort bekommen Tiere, häufig aus der Tierindustrie, die Möglichkeit auf ein liebevolles Zuhause. Gewisse Lebenshöfe lassen sich besuchen. Auch Urlaube bieten manche Höfe an.

Wir haben uns zum Beispiel mehrfach einen Eindruck vom „Gnadenhof Papillon“ machen können und sind begeistert von dem Engagement dort.

Der direkte Kontakt zu den Tieren vermittelt ein tiefer gehendes Bewusstsein. Besonders Kinder können davon nachhaltig profitieren. Sie lernen, was es bedeutet, Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen, sie zu respektieren und das Leben eines Tieres zu schätzen.

Einfach mal rausgehn!

Wer sich auf die Suche nach einer ethischen Alternative bezüglich Zoos begibt, wird definitiv fündig werden. Genügend Möglichkeiten sind vorhanden. Die eigene Kreativität kann man ebenso einsetzen, um solche Themen im Alltag mit Kindern einzubringen. Denn Bildung und Artenschutz beginnt bei uns, in unseren Köpfen, vor unserer Haustür.

Die wohl einfachste Methode um Tier und Natur hautnah zu erleben, ist es einfach rauszugehen. Ob Wald, See, Fluss, Bach, Berg, Feld oder Garten. Ein Spaziergang, das Suchen und Beschäftigen mit Pflanzen und Bäumen, mit Kindern eine Bude bauen, in der Erde graben, Spuren wilder Tiere suchen oder auch Wildtiere beobachten. All das, steht jedem von uns zur Verfügung. Und Eltern wissen, wie gerne sich Kinder dreckig machen!

Ein geretteter Bär im alternativen Wolf- & Bärenpark

Tiere, ebenso die Exoten, lassen sich mit all diesen Alternativen erleben, ohne dass wir sie einsperren müssen. Denn in einem Zoo verbringen die Tiere ihr gesamtes Leben in einer „Darstellung“ ihres Lebensraumes. Sie haben nicht die Möglichkeit, die eigene Identität ihrer Art ausleben zu können. Es ist eine Vermenschlichung eines Tieres, in einem Gehege, welches eine Nachbildung der jeweiligen Heimat sein soll.

Betonfelsen, künstliche Wassergräben, Kunststoffvorrichtungen, Glasscheiben oder auch gemalte Bäume, Wälder auf Betonwänden. Wo unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen, mit ihren Händen über diese Wände streichen.

Es ist der Versuch, die Bäume und die gemalte Weite, die Tiefe des Motivs zu erfassen.

Einen Ast, die Blätter, die Rinde, frischer Wind eines Waldes, der Geruch vom Waldboden, wird nicht fühlbar und erfassbar sein. Was bleibt, ist nur das Gefühl des rauen Betons, auf der Handfläche des Tieres.

Geht raus! Es lohnt sich!

PS: Wenn ihr mehr zum Thema erfahren wollt, lest das Buch „Mission Erde – warum die Welt es wert ist, um sie zu kämpfen!“ von Robert Marc Lehmann – große Empfehlung!

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Quellenverzeichnis:

Online:

(1) Robert Marc Lehmann – Mission Erde (2023): Geheime Aufnahmen: Zoos wappnen sich vor Influencern | @rezomusik @AliciaJoe @jonas_ems @MissionErde, www.youtube.com, [online] https://www.youtube.com/watch?v=WLfDAVj7msE [abgerufen am 20.09.2023]

(2) Robert Marc Lehman – Mission Erde (2022): Das ist ein Albtraum für Tiere! – Talk mit Marc Benecke über Zoos | Robert Marc Lehmann, www.youtube.com, [online] https://www.youtube.com/watch?v=0XNMdByV_Rk [abgerufen am 29.09.2023]

(3) Deutscher Bundestag (2021): Wildtierhandel durch Zoos und Tierparks in Deutschland, dserver.bundestag.de, [online] https://dserver.bundestag.de/btd/19/283/1928309.pdf [abgerufen am 29.09.2023]

(4) Borneo Orangutan Survival – BOS Deutschland (2022): Jahresbericht 2022, www.orangutan.de, [online] https://f5x4z4k5.rocketcdn.me/wp-content/uploads/2023/05/BOS-Jahresbericht-2022.pdf [abgerufen am 29.09.2023]

(5) Mission Natur (2022): Free Willy, www.mission-natur.de, [online] https://mission-natur.de/free-willy/ [abgerufen am 26.09.2023]

(6) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2014): Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren, www.bmel.de, [online] https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Tiere/Tierschutz/HaltungSaeugetiere.pdf? __blob=publicationFile&v=8 [abgerufen am 20.09.2023]

(7) Pro Wildlife (o. D.): Orcas in Gefangenschaft – Eingesperrt fürs Entertainment, www.prowildlife.de, [online] https://www.prowildlife.de/aktuelles/hintergrund/orcas-in-gefangenschaft/ [abgerufen am 30.09.2023]

(8) Whale and Dolphin Conservation – WDC (o. D.): Was geschah mit Orca Tilikum?, www.whales.org, [online] https://de.whales.org/wdc-ziele/delfinarien-schliessen/orcas-gefangenschaft/was-geschah-mit-orca-tilikum/ [abgerufen am 25.09.2023]

(9) Plose One (2011): How abnormal is the behaviour of captive, zoo-living chimpanzees?, www.journals.plos.org, [online] https://journals.plos.org/plosone/article? id=10.1371/journal.pone.0020101 [abgerufen am 20.09.2023]

(10) ZDF – Zweites Deutsches Fernsehen (2023): Schutz von Tieren und Pflanzen – 9.000 Arten in Deutschland gefährdet, www.zdf.de, [online] https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/artenschutz-tiere-pflanzen-gefaehrdet-100.html#:~:text=

%C3%84ndere%20sich%20nichts%2C%20k%C3%B6nnten%20bis,Artensterben%20sind%20eng %20miteinander%20verwoben. [abgerufen am 30.09.2023]

(11) NewYorkCity.de (o. D.): National Geographic Encounter: Ocean Odyssey,

www.newyorkcity.de, [online] https://www.newyorkcity.de/national-geographic-encounter-ocean-odyssey/ [abgerufen am 30.09.2023]

10

(12) Blick (2018): Erster VR-Zoo in China eröffnet, www.blick.ch, [online] https://www.blick.ch/interaktiv/interaktiv/erster-vr-zoo-in-china-eroeffnet-hier-koennen-besucher-erstmals-mit-wildtieren-interagieren-id7828427.html [abgerufen am 30.09.2023]

(13) Senckenberg Museum Frankfurt (o. D.): Koralenriff, www.museumfrankfurt.senckenberg.de, [online] https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/ausstellung/dauerausstellungen/korallenriff/ [abgerufen am 30.09.2023]

(14) Wohllebens Waldakademie (o. D.): Erlebnisse, www.wohllebens-waldakademie.de, [online] https://www.wohllebens-waldakademie.de/erlebnisse [abgerufen am 30.09.2023]

(15) Alternativer Wolf & Bärenpark Schwarzwald (o. D.): Ziele, www.baer.de, [online] https://www.baer.de/ueber-uns/ziele [abgerufen am 25.09.2023]

(16) Vegan auf Reisen (o. D.): Vegane Bauern – & Lebenshöfe in Deutschland & Östereich, www.veganaufreisen.de, [online] https://veganaufreisen.de/vegane-bauernhoefe-deutschland-osterreich/ [abgerufen am 29.09.2023]

(17) Zoo Zürich (2021): Die Pinguine parodieren wieder, www.zoo.ch, [online] https://www.zoo.ch/de/medien/medienmitteilung/die-pinguine-paradieren-wieder [abgerufen am 30.09.2023]

(18) Tierpark Berlin (2016): Besucher-Rekord vom Vorjahr geknackt!, www.tierpark-berlin.de, [online] https://www.tierpark-berlin.de/de/aktuelles/alle-news/artikel/besucher-rekord-vom-vorjahr-geknackt [abgerufen am 03.10.2023]

(19) Peta Deutschland (2023): Wussten Sie, dass Zoos gesunde Tiere töten?, www.peta.de, [online] https://www.peta.de/themen/zoo-toetet-tiere/ [abgerufen am 03.10.2023]

(20) Hamburger Abendblatt (2011): So viel staatliche Zuschüsse erhalten die Zoos in Deutschland, www.abendblatt.de, [online] https://www.abendblatt.de/hamburg/article108147496/So-viel-staatliche-Zuschuesse-erhalten-die-Zoos-in-Deutschland.html [abgerufen am 03.10.2023]

(21) Ökoleo (2014): Tod durch Tennisball: Zoo fordert Respekt vor Tieren, www.oekoleo.de, [online] https://www.oekoleo.de/tiere-natur/artikel/tod-durch-tennisball-zoo-fordert-respekt-vor-tieren/ [abgerufen am 03.10.2023]

Print:

(22) Austermühle, Stefan (1996): „…hinter tausend Stäben keine Welt!“ – Die Wahrheit über Tierhaltung im Zoo, Hamburg: Rasch und Röhring Verlag.

(23) Lehmann, Robert Marc (2021): Mission Erde – Die Welt ist es Wert gerettet zu werden, München: Ludwig Verlag

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