Resorts World Sentosa beendet Delfin-Zuchtprogramm: Ein Etappensieg für den Tierschutz

Delfine in Gefangenschaft: Singapur stoppt Wildfang und Zucht bei Resorts World Sentosa
Über 20 Indo-Pazifische Große Tümmler leben seit 2013 im Oceanarium des Mega-Resorts Resorts World Sentosa in Singapur. Jetzt zieht der Konzern überraschend die Reißleine: Es werden keine Delfine mehr aus der Wildnis gefangen, und auch das Zuchtprogramm liegt auf Eis. Was nach einem späten Einlenken klingt, ist für die Tierrechtsbewegung ein wichtiger Etappensieg.
Was sich in Singapur ändert
Laut Recherchen von Mongabay haben Insider bestätigt, dass Resorts World Sentosa (RWS) den Wildfang von Delfinen einstellt und sein Zuchtprogramm aussetzt. Der Konzern selbst kommentiert das Vorgehen offiziell nicht, baut aber ein Expertenpanel auf, das über die Zukunft der Tiere entscheiden soll. Der jüngste Delfin im Becken heißt Kenzo und ist sieben Jahre alt.
Die Vorgeschichte ist hart: 2008 und 2009 holte RWS 27 Indo-Pazifische Große Tümmler von den Salomonen nach Singapur. Mindestens vier Tiere starben während des Transports oder an Infektionen. Die Eröffnung der „Dolphin Island“ im Jahr 2013 war von Anfang an begleitet von Protesten lokaler Tierschutzgruppen wie der Singapurer Organisation ACRES.
Kein Solo-Erfolg: Der globale Druck wirkt
Der Rückzug von RWS passt in ein größeres Bild. Immer mehr Länder verabschieden sich von Delfinarien:
- Mexiko hat im Juni 2025 ein umfassendes Verbot von Delfinshows beschlossen. Rund 350 Tiere sollen innerhalb von 18 Monaten in Meeresgehege umziehen. (Humane World for Animals)
- Kanada verbietet seit 2019 mit dem „Ending the Captivity of Whales and Dolphins Act“ Zucht und Neuaufnahmen.
- Frankreich plant den vollständigen Ausstieg aus Delfinarien bis spätestens 2030.
- Auch Indien, Chile, Costa Rica, die Schweiz und Großbritannien haben Cetaceen-Haltung praktisch unmöglich gemacht.

Was Expert:innen sagen
Anbarasi Boopal, ehemalige Co-Geschäftsführerin von ACRES, nennt den Schritt einen positiven Anfang, fordert aber Transparenz über die langfristigen Pläne für die Tiere. Nachhaltigkeitsexpertin Darian McBain, früher Chief Sustainability Officer beim Meeresfrüchte-Konzern Thai Union, bringt es auf den Punkt: Keine tierärztliche Versorgung und kein noch so gutes Futter könne eine künstliche, beengte Umgebung wettmachen.
Lincoln O'Barry vom Dolphin Project, das ehemals gefangene Delfine in natürlichen Meeresgehegen auf Bali rehabilitiert, vergleicht Gefangenschaft mit Gefängnis: Manche Tiere können sich nach Jahren wieder anpassen, andere nicht. Sea Pens, also abgegrenzte Bereiche im offenen Meer, gelten als wichtiger Zwischenschritt für eine mögliche Rückkehr in die Wildnis. Rob Lott von Whale and Dolphin Conservation mahnt, dass jede Rückführung in die ursprüngliche Population erfolgen sollte, aus der die Tiere gefangen wurden.
Warum der Schritt für die Bewegung wichtig ist
Singapur gilt nicht als Vorreiter im Tierschutz. Genau deshalb ist die Entwicklung so aussagekräftig. Ein internationaler Konzern, der jahrelang gegen jede Kritik immun wirkte, knickt ein. Nicht wegen eines Gesetzes. Sondern weil der gesellschaftliche und wirtschaftliche Druck zu groß wurde. Reputationsrisiken, Investoren mit ESG-Anforderungen und ein wachsendes Publikum, das Delfinshows nicht mehr als harmlosen Familienspaß ansieht, machen das Geschäftsmodell brüchig.

Für die vegane und tierrechtliche Bewegung ist das ein wichtiger Hebel. Die Argumente sind seit Jahrzehnten gleich: Hochintelligente, soziale Tiere gehören nicht in Betonbecken. Was sich geändert hat, ist die öffentliche Wahrnehmung. Dokumentationen wie „The Cove“ oder „Blackfish„, Kampagnen wie „Empty the Tanks“ und sichtbare Aktivist:innen haben über Jahre das Bild verschoben.
Was noch fehlt
Stopp von Wildfang und Zucht ist ein Anfang, kein Ende. Über 20 Tiere sitzen weiter im Becken. Ohne verbindlichen Fahrplan für Sea Pens, ohne unabhängige Begutachtung und ohne öffentliche Berichterstattung bleibt der Schritt unvollständig. Die Forderung lautet jetzt: Volle Transparenz, Zugang für externe Expert:innen und ein klarer Zeitplan für die Umsiedlung in ein artgerechteres Leben.
Die Botschaft an die Branche ist trotzdem klar. Wer 2026 noch in Delfinarien investiert, wettet gegen einen globalen Trend. Und gegen ein Publikum, das immer weniger bereit ist, dafür Eintritt zu zahlen.
This Is Vegan x Good News
Dieser Beitrag ist Teil einer Kooperation zwischen This Is Vegan und dem Good News Magazin. Gemeinsam berichten wir über positive Entwicklungen in Tierschutz, Umwelt und Gesellschaft. Den Beitrag aus Sicht des Good News Magazins findest du hier. Wir glauben: Gute Nachrichten verdienen mehr Reichweite und mehr Stimmen, die sie erzählen.
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