Veganz wird zur Holding: Was die Insolvenz für die Marken im Regal bedeutet
Aus einer veganen Supermarktkette wurde ein Lebensmittelhersteller, aus dem Hersteller eine Aktiengesellschaft mit vier Töchtern, und daraus wird jetzt eine Beteiligungsholding im Insolvenzverfahren. Die Geschichte von Veganz ist inzwischen vor allem eine Geschichte von Umbauten.
Der jüngste Schritt: Das Amtsgericht Potsdam hat das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung über das Vermögen der Planethic Group AG eröffnet, Aktenzeichen 650 IN 179/26. Das Datum der Eröffnung ist der 25. August 2026, bekannt gegeben hat das Unternehmen es am 9. September. Den Antrag hatte der Vorstand Ende Juni gestellt.
Was jetzt beschlossen ist
Die wichtigsten Punkte aus der Unternehmensmitteilung:
- Das Verfahren läuft in Eigenverwaltung. Das Management bleibt am Ruder, das Gericht hat Prof. Dr. Torsten Martini von der Kanzlei GÖRG als Sachwalter bestellt. Dazu kommt ein Gläubigerausschuss.
- Sascha Voigt ist alleiniger Vorstand. Die Bestellung von Anja Brachmüller zum Vorstandsmitglied hat der Aufsichtsrat Ende August widerrufen.
- Vorstand und Gründer finanzieren privat. Voigt und Firmengründer Jan Bredack stellen nach Unternehmensangaben die Mittel für den laufenden Betrieb und das Verfahren bereit. Ein zentraler Baustein ist der Erlös aus dem Verkauf der Indoor-Farming-Tochter OrbiFarm.
- Der Geschäftsbetrieb läuft weiter. Betroffen ist die Konzernmutter, die Töchter und Beteiligungen sind es nach Darstellung des Unternehmens nicht.
- Ziel ist das Jahresende. Bis dahin sollen Verfahren und Umbau abgeschlossen sein, vorbehaltlich der Zustimmung der Gläubiger und der Bestätigung durch das Gericht.
Vom Hersteller zur Holding
Der eigentliche Kern der Mitteilung steckt in einem Satz, der nach Bilanzsprache klingt: Planethic wandelt sich vom operativ geführten Lebensmittelunternehmen zur reinen Beteiligungsholding. Personal- und Fixkosten seien deutlich reduziert, ein Teil der Flächen am Sitz in Ludwigsfelde sei an neue Mieter übergeben.
Übersetzt heißt das: Die AG stellt selbst nichts mehr her. Sie hält Anteile an Gesellschaften, die es tun. Im Fokus stehen dabei Mililk und Peas on Earth.
Wer das für einen Rückzug hält, sollte die Zahlen dahinter kennen. 2021 machte der Konzern noch rund 30 Millionen Euro Umsatz, 2024 waren es 10,8 Millionen, im ersten Halbjahr 2025 noch zwei Millionen. Der Umbau in Töchter, den die Hauptversammlung beschlossen hatte, war der Versuch, für die einzelnen Geschäftsbereiche Investoren zu finden. Das Insolvenzverfahren ist die Fortsetzung dieses Versuchs unter Aufsicht.

Was heißt das für dich im Supermarkt
Kurz: erst einmal wenig. Veganz-Produkte, Happy-Cheeze-Alternativen, Mililk und Peas on Earth werden weiter produziert und verkauft, die Gesellschaften dahinter sind vom Verfahren der Mutter nicht erfasst.
Was du im Blick behalten kannst:
- Sortimentslücken sind normal in solchen Phasen. Wenn ein Produkt verschwindet, liegt das oft an Listungsentscheidungen des Handels, nicht am Verfahren selbst.
- Marken können den Eigentümer wechseln. Genau darauf zielt der Umbau. Wem eine Marke gehört, ändert für den Geschmack nichts und für die Frage, wohin dein Geld fließt, eine Menge. Wir haben das am Tofu-Markt durchgespielt, als Berief zu Müller ging.
- Anleihegläubiger sind eine eigene Baustelle. Die 2020 begebene Unternehmensanleihe über zehn Millionen Euro mit 7,5 Prozent Zins läuft bis 2030. Was mit ihr passiert, entscheidet sich im Verfahren. Wir bewerten hier keine Wertpapiere und geben keine Anlageempfehlung.
Der Reflex, den wir uns sparen können
Jedes Mal, wenn ein veganes Unternehmen in Schieflage gerät, kommt derselbe Kommentar: Der vegane Markt sei eben eine Blase.
Die Zahlen sagen etwas anderes. Nach dem Marktreport von GFI Europe lag der Umsatz mit pflanzlichen Alternativen im deutschen Einzelhandel 2025 bei 1,71 Milliarden Euro, 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Ausgerechnet die Kategorie, in der Mililk unterwegs ist, wächst am deutlichsten: Pflanzendrinks legten um 8,1 Prozent auf 632 Millionen Euro zu. Zugleich halten Eigenmarken dort inzwischen 60 Prozent der Menge. Genau das ist die Klemme, in der Veganz steckt. Die Marke hat bewiesen, dass die Produkte massentauglich sind, und wurde von den Handelsketten überholt, die dasselbe billiger konnten. Wie sich der gesamte Markt entwickelt, haben wir im Überblick zum pflanzlichen Markt in Deutschland aufgeschrieben.
Was daraus für dich folgt, ist unspektakulär und wirksam: Marken, die du behalten willst, brauchen deinen Einkauf, bevor die Meldung kommt.
Methodik und Quellen
Grundlage sind die Unternehmensmitteilung zur Eröffnung des Verfahrens, wiedergegeben unter anderem bei anleihen-finder.de und retail-news.de, sowie die Berichterstattung von Green Queen zu Umsatz- und Beteiligungszahlen. Die Marktzahlen stammen aus dem Report „Entwicklung des Marktes für pflanzenbasierte Lebensmittel im deutschen Einzelhandel 2023-2025” von GFI Europe (Breewood, 2026), Basis sind Circana-Handelsdaten und das NIQ-Homescan-Haushaltspanel. Die Gastronomie ist darin nicht erfasst. GFI Europe ist eine Organisation, die den Umstieg auf pflanzliche Lebensmittel fördert, also in dieser Frage Partei.
Alle Angaben zu Finanzierung, Fortführung und Zeitplan sind Angaben des Unternehmens, nicht des Gerichts oder des Sachwalters. Ob die Gläubiger dem Plan zustimmen, ist offen. Wir aktualisieren den Artikel, sobald das Verfahren einen neuen Stand hat.
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