20 Jahre Verhandlungen, ein Ergebnis: Das steckt im neuen Meeresschutzabkommen
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Sie bedecken zwei Drittel unseres Planeten, produzieren jeden zweiten Atemzug, den wir nehmen, und speichern mehr CO2 als alle Wälder der Erde zusammen – und trotzdem waren die Weltmeere außerhalb der Küstengewässer bisher quasi schutzlos. Das ändert sich jetzt.
Am 17. Januar 2026 tritt das UN-Hochseeschutzabkommen in Kraft – nach über 20 Jahren Verhandlungen. Erstmals gibt es damit einen verbindlichen Rechtsrahmen für die Hohe See, also für alle Meeresgebiete jenseits nationaler Grenzen. Das sind etwa 40 Prozent der Erdoberfläche. Umweltschützer sprechen von einem „historischen Meilenstein“.
Aber was bedeutet das konkret? Welche Regeln gelten jetzt? Und warum ist dieses Abkommen so wichtig für den Klimaschutz? Wir erklären dir alles, was du über das BBNJ-Abkommen wissen musst – und warum es auch dein Leben betrifft, selbst wenn du weit weg vom Meer lebst.
Was ist das Hochseeschutzabkommen?
Das Abkommen trägt den offiziellen Namen „Agreement on Marine Biological Diversity of Areas beyond National Jurisdiction“ – kurz BBNJ-Agreement. Es ergänzt das bestehende UN-Seerechtsübereinkommen und schafft erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen für den Schutz der biologischen Vielfalt in internationalen Gewässern.
Die Hohe See beginnt dort, wo die nationalen Wirtschaftszonen enden – etwa 200 Seemeilen (rund 370 Kilometer) vor den Küsten. Alles dahinter gehört niemandem einzeln, sondern gilt als gemeinsames Erbe der Menschheit. Und genau hier setzt das Abkommen an.
Warum war dieses Abkommen so dringend nötig?
Die Zahlen sprechen für sich:
- Die Hohe See umfasst etwa 40 Prozent der Erdoberfläche
- Sie macht zwei Drittel aller Ozeane aus
- In ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten
- Bisher waren nur etwa 1 Prozent dieser Gebiete geschützt
Gleichzeitig sind die Ozeane unverzichtbar für unser Überleben: Sie produzieren über die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen. Sie nehmen etwa ein Viertel des von Menschen verursachten CO2 auf und speichern 50-mal mehr Treibhausgase als die Atmosphäre. Ohne gesunde Meere kein stabiles Klima.
Doch genau diese Funktionen sind bedroht – durch Überfischung, Verschmutzung, Tiefseebergbau und den Klimawandel selbst.
Was regelt das Abkommen konkret?
Das BBNJ-Abkommen basiert auf vier zentralen Säulen:
1. Schutzgebiete auf der Hohen See Erstmals können Meeresschutzgebiete in internationalen Gewässern eingerichtet werden – mit Fischereiverboten und geschützten Zonen, in denen sich die Natur erholen kann.
2. Umweltverträglichkeitsprüfungen Bevor Aktivitäten wie Tiefseebergbau oder industrielle Fischerei genehmigt werden, müssen ihre Auswirkungen geprüft werden. Das gilt sogar für Aktivitäten in nationalen Gewässern, wenn sie internationale Gebiete beeinträchtigen könnten.
3. Genetische Ressourcen Die Nutzung von Meeresorganismen für Forschung und Industrie soll fair geregelt werden – auch Länder ohne eigene Forschungskapazitäten sollen profitieren.
4. Technologietransfer Wissen und Technik sollen geteilt werden, damit alle Länder am Meeresschutz teilhaben können.
Wer macht mit – und wer nicht?
Stand Januar 2026 haben 145 UN-Mitgliedstaaten das Abkommen unterzeichnet, 81 davon haben es bereits ratifiziert – darunter auch China und die EU. Das ist bemerkenswert, denn solche Ratifizierungsprozesse dauern normalerweise Jahre.
Fabienne McLellan, Geschäftsführerin der Meeresschutzorganisation OceanCare, nennt es „ein starkes Zeichen für den Multilateralismus“. Das Abkommen sei „eine Rettungsleine für die Erhaltung der Hochsee“.
Es gibt aber auch Kritik: Die USA haben das Abkommen unter Trump nicht ratifiziert. Und Wissenschaftlerin Angelika Brandt vom Senckenberg Forschungsinstitut weist auf fehlende Sanktionsmechanismen hin. Wie genau die Regeln durchgesetzt werden sollen und wer das finanziert, ist noch unklar.
Was bedeutet das für den Klimaschutz?
Meeresschutz ist Klimaschutz – das ist keine Floskel, sondern wissenschaftlich belegt:
- Die Ozeane haben seit 1970 über 90 Prozent der überschüssigen Wärme aufgenommen
- Sie speichern 20 bis 30 Prozent des vom Menschen verursachten CO2
- Allein die Tiefsee absorbiert jährlich 1,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid
Wenn Meeresökosysteme durch Verschmutzung oder Übernutzung geschädigt werden, verlieren sie diese Fähigkeit. Das Hochseeschutzabkommen soll genau das verhindern – indem es Schutzgebiete schafft, in denen sich die Natur regenerieren kann.
Wie geht es jetzt weiter?
Das Inkrafttreten ist erst der Anfang. Im Laufe des Jahres 2026 soll die erste Vertragsstaatenkonferenz (Ocean COP) stattfinden. Dort werden die konkreten Umsetzungsschritte besprochen – etwa welche Gebiete als erstes unter Schutz gestellt werden und wie die Finanzierung funktioniert.
Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2030 sollen 30 Prozent der weltweiten Meeresfläche unter Schutz stehen – das sogenannte „30×30″-Ziel aus dem Weltnaturabkommen von 2022.
Was kannst du tun?
Auch wenn die Hohe See weit weg scheint, hat dein Verhalten Einfluss:
- Weniger Fisch essen – oder auf nachhaltige Quellen achten (MSC-Siegel)
- Plastikmüll vermeiden – vieles davon landet im Meer
- Klimafreundlich leben – weniger CO2 bedeutet weniger Druck auf die Ozeane
- Informiert bleiben – und politischen Druck für Meeresschutz aufbauen
Das Hochseeschutzabkommen zeigt: Wenn die Weltgemeinschaft zusammenarbeitet, sind große Fortschritte möglich. Jetzt müssen Taten folgen.
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