Amsterdam macht Schluss mit Fleischwerbung – ziehen deutsche Städte nach?
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Stell dir vor, du läufst durch eine Großstadt und siehst keine einzige Werbung mehr für saftige Burger, verlockende Kreuzfahrten oder das neueste Diesel-SUV. Klingt unrealistisch? Nicht mehr. Denn Amsterdam macht genau das ab Sommer 2026 zur Realität – und schreibt damit Geschichte.
Die niederländische Hauptstadt hat gerade als erste Metropole weltweit beschlossen, Werbung für Fleischprodukte komplett aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Doch das ist noch nicht alles: Auch Reklame für Kreuzfahrten, Flugreisen, Dieselautos und alles andere, was fossile Energie verbraucht, verschwindet von Plakaten, Bushaltestellen und LED-Wänden.
Was steckt hinter diesem radikalen Schritt? Ist das übertriebene Regulierung oder ein längst überfälliger Gamechanger für den Klimaschutz? Und vor allem: Könnte das bald auch in deutschen Städten passieren? Wir haben alle Fakten für dich zusammengefasst – und erklären, warum dieses Werbeverbot mehr verändert, als du vielleicht denkst.
Amsterdam macht ernst: Erste Hauptstadt verbietet Fleischwerbung
Es ist offiziell: Der Gemeinderat von Amsterdam hat mit großer Mehrheit beschlossen, Werbung für Fleisch und klimaschädliche Produkte im öffentlichen Raum zu verbieten. Ab Sommer 2026 – ursprünglich war Mai geplant, der genaue Termin wird noch festgelegt – ist Schluss mit Burger-Plakaten an Bushaltestellen, Kreuzfahrt-Werbung auf Litfaßsäulen und Diesel-SUV-Reklame auf LED-Wänden.
Das Verbot betrifft sämtliche städtisch kontrollierten Außenflächen. Das bedeutet: An Straßen, Plätzen und Haltestellen wird keine Werbung mehr zu sehen sein für:
- Fleisch und Fleischprodukte (Burger, Steaks, Wurstwaren)
- Kreuzfahrten
- Flugreisen
- Dieselautos und Verbrenner-Fahrzeuge
- Produkte und Dienstleistungen, die fossile Energie nutzen
Wichtig zu wissen: Das Verbot greift nicht in Medien, im Internet oder innerhalb von Supermärkten. Es bezieht sich ausschließlich auf den öffentlichen Raum, den die Stadt kontrolliert.
Warum gerade jetzt?
Die Grüne Partei GroenLinks, eine der treibenden Kräfte hinter dem Verbot, spricht von einem „wichtigen Sieg für das Klima und die öffentliche Gesundheit“. Stadtabgeordnete Jenneke van Pijpen bringt es auf den Punkt: „Für Werbung großer Unternehmen, die die Klimakrise vorantreiben, ist in Amsterdam kein Platz mehr.“
Interessant ist: Der Plan existiert schon seit 2020. Damals wollte Amsterdam bereits sogenannte „fossile Reklame“ verbieten – doch die Umsetzung ließ auf sich warten. Jetzt, fünf Jahre später, wird das Vorhaben endlich Realität. Und diesmal geht die Stadt noch einen Schritt weiter: Fleischwerbung war ursprünglich gar nicht Teil des Plans.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Entscheidung kommt nicht aus dem Nichts. Studien zeigen immer wieder, wie stark der Fleischkonsum das Klima belastet:
- Pro Kilogramm Rindfleisch fallen laut WWF rund 25,5 Kilogramm CO2-Äquivalente an
- Bei Schweinefleisch sind es etwa 10,3 Kilogramm, bei Geflügel 9,2 Kilogramm
- Zum Vergleich: Ein Kilogramm Äpfel verursacht nur 0,5 Kilogramm CO2-Äquivalent
Die Fleisch- und Milchviehhaltung ist für fast 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Würden sich Menschen stärker pflanzlich ernähren, könnten laut Umweltbundesamt jährlich 40 bis 52 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente allein in Deutschland eingespart werden.
Und Werbung? Die wirkt. Eine britische Studie zeigte, dass Werbung etwa 28 Prozent zum jährlichen CO2-Fußabdruck pro Person beiträgt – hauptsächlich durch gesteigerten Konsum.
Vorreiter in den Niederlanden
Amsterdam ist nicht die erste niederländische Stadt mit einem solchen Verbot – aber die erste Hauptstadt weltweit. Bereits 2022 beschloss Haarlem als erste Stadt überhaupt, Fleischwerbung zu verbieten. Das Verbot trat 2024 in Kraft.
Den Haag verbot 2024 Werbung für fossile Brennstoffe flächendeckend – auf öffentlichen und privaten Werbeflächen. Auch Utrecht und Bloemendaal haben ähnliche Regelungen eingeführt oder diskutieren sie.
Reiseveranstalter haben sich gegen solche Verbote gewehrt – erfolglos. 2025 wies ein Gericht in Den Haag eine Klage gegen das Werbeverbot ab.
Könnte das auch in Deutschland passieren?
In Deutschland gibt es bisher keine vergleichbaren Verbote. Aber: Die Initiative „Hamburg Werbefrei“ sammelt bereits Unterschriften für ein Volksbegehren, das unter anderem ein Verbot fossiler Werbung fordert.
Auf EU-Ebene gab es 2022 eine Europäische Bürgerinitiative für ein europaweites Verbot von Werbung und Sponsoring für fossile Brennstoffe. UN-Generalsekretär António Guterres forderte 2024 in einer viel beachteten Rede ein weltweites Werbeverbot für Öl-, Gas- und Kohleunternehmen – nach dem Vorbild der Tabakindustrie.
Frankreich ist übrigens bereits einen Schritt weiter: Seit 2022 gilt dort ein nationales Werbeverbot für die meisten fossilen Energieträger.
Was bedeutet das für uns?
Das Verbot in Amsterdam ist mehr als nur eine lokale Entscheidung. Es ist ein Signal. Wenn eine der bekanntesten Städte Europas zeigt, dass es möglich ist, klimaschädliche Werbung zu regulieren, werden andere folgen.
Für alle, die sich bereits pflanzlich oder flexitarisch ernähren, ist das eine Bestätigung: Der Trend geht in die richtige Richtung. Und für alle anderen ist es vielleicht ein Denkanstoß – denn manchmal merken wir erst, wie sehr Werbung unsere Entscheidungen beeinflusst, wenn sie plötzlich fehlt.
Amsterdam zeigt: Klimaschutz beginnt auch im Stadtbild.
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