Im Herbst und Winter entscheiden sich viele Menschen für ein heißes Getränk für unterwegs. Coffee-To-Go ist das Zauberwort für die Generation, bei der Zeit ein Fremdwort ist. Doch das verursacht jede Menge Plastikmüll. Ein Start-Up aus dem Schwarzwald schafft hat dafür die Lösung: Heybico produziert nachhaltige Mehrweg-Becher in besonderen Designs: Schadstofffrei, ohne Melamin und BPA. Produziert werden diese ausschließlich im Schwarzwald.

Im Interview verraten uns die Gründer Horst Homm, Florian Hensel und Julian Schirmer, was sie dazu bewegt hat, ein nachhaltiges Start-Up zu gründen, wie sie Nachhaltigkeit in ihren Alltag integrieren und wie ihr durch den Kauf eines “Vegan Cup” etwas Gutes für viele Tiere tun könnt.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, nachhaltige Becher zu produzieren?

Wahrscheinlich so, wie viele neue Ideen entstehen: durch Zufall. Unsere Idee für nachhaltige Becher entstand schon im Jahr 2016, als wir bei einem Treffen in der Stadt versuchten unsere Einweg Kaffeebecher auf einen total überfüllten Mülleimer zu stapeln. Wir haben uns an diesem Tag angeschaut und uns gefragt, ob das nicht anders geht.

Die Idee daraus ein eigenes Start-Up zu machen reifte einige Monate in uns, bis wir damals begonnen haben, Mehrweg-Becher aus Asien zu importieren und weiter zu vertreiben. Wir starteten damals mit Bechern aus Bambus, zu dieser Zeit das nachhaltigste Material für Mehrwegbecher auf dem Markt. Im Laufe der Zeit wurde uns jedoch immer Bewusster, dass die langen Transportwege nicht optimal waren. Wir wollten unsere komplette Produktion so nachhaltig wie möglich gestalten und aus diesem Grund holten wir diese zu uns in den Schwarzwald.

Die Gründer von heybico - Horst Homm, Florian Hensel und Julian Schirmer

Seit Anfang 2020 produzieren wir unsere Mehrwegbecher hier bei uns in Baden-Württemberg, die Lieferwege haben sich drastisch verkürzt, wir produzieren um ein vielfaches weniger CO2 und auch das Material hat sich komplett verändert. Anstelle von Bambus verwenden wir nun einen Bio-Kunststoff auf Basis nachwachsender Rohstoffe.

Auch unser Markenname hat sich dieses Jahr leicht verändert. Wir sind heybico, was so viel heißt wie „hey, i’m biological und compostable“.

"Wir sind heybico, was so viel heißt wie „hey, i’m biological und compostable“."

Warum habt ihr euch dafür entschieden, ein nachhaltiges Unternehmen zu gründen?

Weil heut zu Tage kein nachhaltiges Unternehmen zu gründen keine Option ist.

Unsere Generation, wir sind jetzt alle knapp über 30, hat schon ein sehr starkes Bewusstsein für den Umweltschutz und nachhaltiges Handeln. Die Generationen, die nach uns kommen, haben ein noch stärkeres Bewusstsein in diese Richtung.

Nachhaltigkeit ist kein Trend, welcher in 10 – 20 Jahren zu Ende sein wird. Niemand wird in Zukunft sagen, dass es nun aber genug ist mit dem Schutz der Umwelt, lasst uns wieder fossile Rohstoffe verbrennen und den Abfall in die Natur werfen. Nachhaltigkeit und der bewusste Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten ist ein unumkehrbares Umdenken in den Köpfen aller Menschen. Wir leben in einer Zeit, in der es selbstverständlich sein muss, bei allen Handlungen auch Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen. Unsere Enkel und Urenkel dürfen nicht die Probleme ausbaden, welche wir durch fahrlässiges Handeln verursachen.

Was unterscheidet eure Mehrwegbecher von herkömmlichen Bechern, die wir sonst im Einzelhandel kaufen?

An dieser Stelle können wir uns kurz umsehen, was es denn für Mehrweg-Becher im Handel gibt. Den Klassiker, den die meisten wahrscheinlich auf Anhieb kennen und lieben ist der Becher aus Edelstahl. Dieser ist zwar bruchfest und stabil, wird aber zu 100 % in Übersee, meist in China hergestellt und per Schiff oder Luftfracht zu uns importiert. Nach dem langen Transportweg hat der Becher zum Start eine weniger schöne CO2 Bilanz und die Arbeitsbedingungen vor Ort variieren sehr stark.

Daneben finden wir noch Mehrwegbecher aus Porzellan oder Glas, für beide Varianten gibt es Hersteller in Deutschland, viele kommen jedoch auch hier von Übersee. Leider sind diese Becher sehr schwer und ein Sturz auf den Boden überleben diese sehr selten.

Eine weitere Option im Handel wären konventionelle Kunststoffbecher auf Basis von Erdöl. Diese sind leicht, bruchfest und können in ansprechenden Motiven bedruckt werden. Sogar eine faire Produktion in Deutschland wird hier von einigen Herstellern angeboten. Der größte Nachteil ist hier jedoch der Einsatz von fossilen Rohstoffen. Die Förderung dieser greift massiv in unsere Umwelt ein und die Verbrennung setzt Unmengen an CO2 frei.

Unsere Becher bestehen aus einem Kunststoff auf Basis von Pflanzen und nachwachsenden Rohstoffen. Das verwendete Material ist komplett CO2 neutral und völlig ungefährlich für unsere Umwelt. Wir haben es geschafft alle Nachteile von konventionellen Kunststoffbechern zu beseitigen, haben die Vorteile erhalten können und bieten darüber hinaus eine faire Herstellung mit kurzen Lieferwegen an.

Long story short: Unsere Becher kannst du komplett ohne schlechtes Gewissen und ohne Kompromisse machen zu müssen, jeden Tag verwenden.

Wie integriert ihr Nachhaltigkeit in euren Alltag?

Nicht nur bei unseren Produkten achten wir sehr auf Nachhaltigkeit, auch unser Unternehmen lebt diese Einstellung. Das fängt schon in unserem Büro an. Ganz nach dem Prinzip „reduce, reuse, repair, recycle“, wurde die komplette Einrichtung und sämtliche Elektrogeräte gebraucht gekauft. Wir streben ein Papierloses Büro an, wo es unvermeidbar ist kommt zertifiziertes Recycling Papier zum Einsatz. Strom für unser Büro kommt aus erneuerbaren Quellen, versendet wird alles klimaneutral, Bürobedarf und Utensilien für die Hygiene sind alle Plastikfrei und Einwegartikel werden komplett vermieden.

Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber auch über Prozesse nachzudenken um zum Beispiel Transportwege so gering wie möglich zu halten. Wir sind stets bestrebt unser Handeln zu hinterfragen und immer über bessere Alternativen nachzudenken.

In unserem Privatleben spielt Nachhaltigkeit ebenso eine tragende Rolle. Die Auseinandersetzung mit den Umweltproblemen und die täglichen Auswirkungen haben dafür gesorgt, dass wir unser eigenes Leben permanent umweltfreundlicher gestalten. Bereits der Weg zum Büro wird, wenn das Wetter es zulässt, mit dem Fahrrad bewältigt. Das schont das Klima, den Geldbeutel und fördert ganz nebenbei noch die eigene Fitness. PET Flaschen haben wir komplett aus unserem Leben verbannt. Wir setzen auf Glasflaschen und haben sowohl im Büro als auch zuhause einen Wassersprudler im Einsatz. Das Wasser kommt dabei aus dem Wasserhahn. Das ist lecker, gesund, spart Geld und Nerven, weil das lästige Flaschen sammeln und wegbringen entfällt. Beim Einkaufen achten wir darauf plastikfrei einzukaufen, was zugegeben maßen nicht immer funktioniert. Deswegen nutzen wir den Wochenmarkt um frisch, regional und nachhaltig einzukaufen. Auch das Bad ist nachhaltiger geworden.

Seifenstücke haben Duschgel und Shampoo ersetzt, die Zahnbürste ist aus Bambus und Zahnpasta kommt aus dem Glas. Durch den Verzicht auf unnötigen Zeitungs- und Reklamemüll sparen wir an die 30kg Papier im Jahr ein. Dies lässt sich durch einfaches Anbringen eines Schilds am Briefkasten à la “Bitte keine Werbung und keine Zeitung“ kinderleicht realisieren. Ganz nebenbei spart man sich den ein oder anderen Weg an den Briefkasten.

Wir versuchen Stück für Stück weniger Müll zu produzieren, um unseren Kindern und Nachkommen einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen. Es sind die kleinen Schritte, die am Ende des Tages einen großen Einfluss haben.

Was war denn das schönste Feedback, das ihr zu euren Bechern bekommen habt?

Was wir regelmäßig zu hören bekommen, wenn jemand unseren Becher das erste Mal in der Hand hält ist ein erstauntes „Der fühlt sich ja richtig hochwertig an!“

Viele haben die Vorstellung, so ein Bio-Becher aus Pflanzen kann doch nicht stabil sein. Einige Stimmen dachten auch, die Becher sind aus Blättern zusammengeklebt worden und fühlen sich ähnlich an wie Schalen aus Palmblättern. Diese Reaktionen bringen uns dann immer zum schmunzeln und zeigen uns aber auch, dass Biokunststoffe noch sehr unbekannt sind.

Welche Pläne verfolgt ihr für die Zukunft von heybico?

Wir werden unser Sortiment stetig vergrößern, um die Welt mit weiteren umweltfreundlichen Alternativen nachhaltiger zu machen. Mehrweg ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg. Unser Ziel ist es Einwegprodukte, speziell Einwegbecher komplett verschwinden zu lassen. Dabei legen wir den Fokus nach wie vor auf großartig aussehende Mehrwegprodukte, um die Herzen der Menschen zu erreichen. Denn nur wenn wir es schaffen, den Menschen nachhaltige Lösungen schmackhaft zu machen, werden diese auch angenommen und verwendet. Dies erreichen wir vor allem durch den Ausbau von Marketing und Vertrieb.

Gemeinsam mit „This Is Vegan“ hab ihr den „Vegan-Cup“ in euren Shop integriert. Was passiert mit dem Erlös aus dem Verkauf der Becher?

Mit dem wunderschönen „Vegan-Cup“ in Zusammenarbeit mit „This Is Vegan“ spenden wir einen Teil des Erlöses an den Gnadenhof Papillon in Mulhouse, Frankreich. Das engagierte Team rund um Rebecca und Olivier Bieli bietet Tieren, die bereits schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, lebenslangen Schutz und zeigen Besuchern, wie wichtig die Arbeit für den Tierschutz ist. Das Spendenziel ist ein Wunsch von „This is Vegan“, welches wir sehr gerne unterstützen möchten.

Plastikfreien Coffee-To-Go Mehrweg Becher kaufen und automatisch Gutes tun

Wir waren schon mehrfach auf dem Gnadenhof Papillon vor Ort, um uns einen Eindruck davon zu machen, wie gut es den Tieren dort geht.

Ein ausführliches Interview dazu findet ihr hier.

Was möchtet ihr zum Schluss den Menschen noch mit auf den Weg geben?

Denke immer daran, dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit schon bei dir zu Hause beginnt. Auch kleine Veränderungen im Alltag helfen Ressourcen zu schonen und die Umwelt zu entlasten. Egal ob ihr von Einweg auf Mehrweg umsteigt, unverpackt einkauft, Plastik vermeidet oder gebrauchte statt neuer Waren kauft, jeder Beitrag ist ein wichtiger Beitrag.

Mehr Infos, sowie den “Vegan Cup” findet ihr unter www.heybico.com 

Weitere plastikfreie Produkte findet ihr hier.

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