Mann und Frau sitzen vor weißem Hintergrund, beide mit weißen Speaker, schwarzer Hose und Khaki T-Shirt
Shop Like You Give A Damn
Switch Language

Der Online-Marktplatz Shop Like You Give a Damn bringt Mode und Mitgefühl unter einen Hut

Weite Hemden, Dad-Blazer, Ugly Sneaker im Retro-Look: die Modeindustrie gibt die Trends vor. Und wer up-to-date sein will, geht shoppen – gemütlich im Laden oder schnell mal online. Die Folgen sind allerdings deutlich weniger schön als die Klamotten, die wir uns in die Schränke hängen. Zumal rund 40 Prozent der Kleidung ohnehin zum Wegwerfen produziert werden. Weil Ramsch billiger zu produzieren ist, als zu höheren Stückkosten weniger herzustellen, ist das machbar.

Der zweite Skandal: das Modesystem ist nicht kreislauffähig. Aus Kosten- und Modegründen werden Hunderte verschiedene Faser- und Materialmischungen verwendet, die sich nicht recyceln lassen. Hinzu kommen Chemiecocktails wie Weichmacher oder Färbemittel.

Rund 140 Milliarden Kleidungsstücke hat die weltweite Textilindustrie allein im vergangenen Jahr produziert. Damit gehört sie zu den Top Drei der globalen Plastikmüllproduzenten.

Als einer der Haupttreiber gilt Billigmode: Der kurzen Nutzungszeit steht eine lange Haltbarkeit der Materialien gegenüber – und damit eine beständige Vermüllung der Umwelt. Schon heute treiben nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 30 Millionen Tonnen Plastik im Meer, 100 Millionen Tonnen bedrohen das Leben in Flüssen und Seen.

Auch wer auf vermeintlich natürliche Materialien wie Wolle, Leder und Seide zurückgreift, tut dies auf Kosten der Tiere. Und auch hier kommen oft unzählige Chemikalien zum Einsatz, die Mensch und Umwelt schädigen. Für eine Handtasche aus Leder können es locker zwei Dutzend verschiedene sein, von Gerbemitteln über Färbe- und Fettungsmittel bis hin zu Stoffen zur Behandlung der Oberfläche.

Mann mit lockigen Haaren und Sonnenbrille beißt in einen Apfel und hält in der anderen Hand einen weiß roten Sneaker

Bei Kosmetik sieht es leider nicht besser aus: Noch immer finden sich tierische Bestandteile in Cremes, Shampoos und Make-up. Zudem setzt die weltweite Kosmetikindustrie jedes Jahr rund 500.000 Versuchstiere ein, schätzt die US-amerikanische Humane Society. Wegen rechtlicher Grauzonen geht das auch in Europa. Besonders groß ist hier auch der Markt in Deutschland.

Die vielen Schattenseiten des schönen Scheins waren Stephan Stegeman ursprünglich gar nicht bewusst: Der Online-Marketing-Experte aus Amsterdam war einfach nur genervt, weil es so schwierig war, für ihn als ethischen Veganer Klamotten zu finden. Daraus entstand eine Geschäftsidee – und schließlich Shop Like You Give a Damn, Europas größter, zu 100 Prozent veganer Online-Marktplatz für faire und nachhaltige Mode, Kosmetik und Wohnaccessoires.

Auf der Plattform, die Stegeman zusammen mit seinen Kompagnons Alex Jansen und Kim van Langelaar entwickelte, gibt es heute über 18.000 Artikel von rund 300 ethischen Marken aus aller Welt. Die Auswahlkriterien der Gründer sind streng.

Das Ziel: es den Menschen so einfach wie möglich machen, beim Einkaufen ethische Entscheidungen zu treffen – und Mitgefühl, Fairness und Nachhaltigkeit mit Mode und Lifestyle verbinden.

Wir haben ihn für euch interviewt und gefragt, warum es ihm wichtig war den Marktplatz zu schaffen.

Das erfährst du in diesem Interview:

Mann sitzt auf einem Geländer über einem Fluss und lacht
Shop Like You Give a Damn - Gründer Stephan Stegeman

Shoppen und dabei die Umwelt schützen – ist das nicht ein Widerspruch an sich?

Stephan Stegeman: Ja, das ist es – und diesen Widerspruch kann man auch nicht auflösen. Um Dinge herzustellen, nimmt man immer der Erde etwas weg, ganz egal, wie viele Bäume dafür zur Kompensation gepflanzt werden. Selbst in einer perfekten Kreislaufwirtschaft würde es Jahre dauern, bis der Aufwand der Produktentstehung vollständig kompensiert ist. Darum sollte man nur dann etwas kaufen, wenn es nötig ist. Bei Kleidungsstücken am besten Second Hand und aus natürlichen Materialien wie Baumwolle, Lyocell und Leinen. Wenn es etwas Neues sein soll, dann sollte man wenigstens Produkte kaufen, die der Umwelt am wenigsten schaden – und auf keinen Fall Menschen oder Tieren.

Kennst du schon unseren Podcast?

Jetzt abonnieren!
Wir würden uns über eine Bewertung und ein Abo freuen. Danke für deinen Support! 💚

„Als wir 2019 mit unserer Plattform gestartet sind, hatten wir keine Ahnung von der Modebranche. Wir wollten einfach nur vegane Kleidung für alle leichter zugänglich machen.“

Und für diese Fälle gibt es Euren Online-Marktplatz Shop Like You Give a Damn?

Stephan Stegeman: Genau. Nicht jeder mag gebrauchte Unterwäsche – aber vielleicht bin nur ich da komisch (lacht). Als wir 2019 mit unserer Plattform gestartet sind, hatten wir keine Ahnung von der Modebranche. Wir wollten einfach nur vegane Kleidung für alle leichter zugänglich machen. Aber wir haben schnell realisiert, dass zu einem ethischen Produkt noch viele andere Aspekte gehören. Wie werden die Menschen behandelt, die es herstellen? Wie stark leidet die Umwelt, etwa durch Chemikalien, die ins Wasser gelangen, und giftige Abfälle? Unsere Liste, nach der wir passende Brands aussuchten, wuchs von einfach nur vegan auf 32 Kriterien an.

Klingt nach einer ziemlichen Sisyphos-Arbeit…

Stephan Stegeman: Allerdings. Wir haben tausende Marken geprüft: unzählige Fragen geschickt, immer wieder nachgehakt, Nachweise angefordert. Doch selbst eine von uns beauftragte Zertifizierungsfirma kam zu dem Schluss, dass zuverlässige Daten nicht verfügbar waren. Das war für uns zunächst total entmutigend. Aber wir haben gelernt, worauf wir achten müssen – und einen vertrauenswürdigen Prozess entwickelt, der große und kleine ethische Marken berücksichtigt. Heute ist unser Marktplatz zu 360 Grad ethisch – und wir sagen „nein“ zu den meisten Marken, weil sie unseren fünf Auswahlkriterien nicht entsprechen.

Welche Kriterien sind das?

Stephan Stegeman: Alle Produkte bei Shop Like You Give a Damn sind vegan und fair. Das heißt, sie sind ohne tierische Bestandteile, tierversuchsfrei und werden von angemessen bezahlten Leuten hergestellt, unter fairen und sicheren Bedingungen. Das ist das Minimum. Aber wir wählen vor allem Marken aus, die außerdem noch besonders nachhaltig, inklusiv und sozial sind. Je mehr unserer Kriterien eine Marke erfüllt, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie einen Platz auf unserer Plattform findet.

Heutzutage schreiben sich ja viele Hersteller Nachhaltigkeit auf die Fahne. Wie findet man heraus, welche Produkte wirklich fair, vegan und nachhaltig sind?

Stephan Stegeman: Das ist ohne langwierige Recherchen und Branchenkenntnisse kaum möglich. Wir führen intensive Recherchen durch und haben im Laufe der Jahre ein umfassendes Wissen über die komplexe Modebranche erworben. Auf unserer Website erklären wir den gesamten Überprüfungsprozess und Symbole zeigen an, welche Kriterien ein Produkt erfüllt. Und man kann nicht nur nach Farbe, Größe, Materialien und so weiter filtern, sondern auch nach Zertifizierungen und Ländern, aus denen ein Produkt versendet wird. Damit lassen sich Emissionen beim Transport sparen.

vier Frauen im Bikini von Hinten halten sich an der Hand und laufen am Strand entlang.

„Es gibt auf der Welt nicht nur weiße, dünne Menschen mit perfekter Haut und perfekten Haaren, die sich nach den vorherrschenden kulturellen Normen kleiden.“

Auf Eurer Website sieht man Fotos von Menschen in allen Hautfarben und Größen, mit Down-Syndrom und Beinprothesen. Warum ist euch Diversität so wichtig?

Stephan Stegeman: Es gibt auf der Welt nicht nur weiße, dünne Menschen mit perfekter Haut und perfekten Haaren, die sich nach den vorherrschenden kulturellen Normen kleiden. Wir wollen, dass sich alle auf unserem Marktplatz willkommen fühlen. Unser Angebot ist nicht nur für Privilegierte, auch Menschen beispielsweise mit Behinderungen brauchen Kleidung. Darum achten wir bei der Wahl unserer Partner auch sehr auf deren Marketingmaterial. Wir wollen alle Körpergrößen, Altersgruppen und Hautfarben sehen – ohne Wegretuschieren und Lösungen für vermeintliche „Problemzonen“. Und wir lassen es nicht zu, wenn eine Kleiderfarbe als „nude“ bezeichnet wird – denn was das ist, ist bei jeder Person anders.

Wie habt Ihr Gründer zueinander gefunden?

Stephan Stegeman: Kim und ich sind seit 15 Jahren auch privat ein Paar, 2015 wurden wir vegan. Und mit Alex arbeite ich schon seit über 20 Jahren zusammen. Wir hatten vorher schon eine Firma gegründet, einen Fahrrad-Lieferdienst für veganen Lunch. Dann kamen die großen Essenslieferdienste, und wir sattelten um.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, einen Online-Marktplatz für nachhaltige Mode und veganen Lifestyle zu gründen?

Stephan Stegeman: Den Anstoß gab mein Frust bei der Suche nach veganer Kleidung: Hier ein Lederetikett an der Jeans, da ein unerwartetes Woll-Mischgewebe oder ein fragwürdiger Print – als Veganer braucht man ja beim Einkaufen einen Doktor in Materialkunde! Mit einem Marktplatz ausschließlich für vegane Produkte wollten wir es den Menschen so leicht wie möglich machen, ethische Entscheidungen beim Shoppen zu treffen.

Ein Vorwurf bei veganer Mode lautet ja oft: Plastik ist doch auch schädlich.

Stephan Stegeman: Es gibt inzwischen tolle Schuhe aus recycelten Kunststoffen oder aus pflanzlichen Alternativen zu Leder, ob aus Mais, Traubentrester, Kaktus, Apfel- oder Ananasabfällen. Piñatex beispielsweise ist ein Ananasleder, das im Gegensatz zu anderen Lederalternativen nicht mit PU-Kunststoffen vermischt wird. Und es gibt neben natürlichen Materialien wie Lyocell auch nachhaltige Kleidung aus recyceltem Meeresplastik. Zum Beispiel haben wir auf unserem Marktplatz Outdoor-Jacken und Badeanzüge aus Econyl. Das sind Polyamidfasern aus ausrangierten Fischernetzen.

Zalando, Otto… viele Online-Marktplätze haben gerade ganz schön zu kämpfen. Wie läuft es bei Euch?

Stephan Stegeman: Die schwierige Wirtschaftslage trifft uns natürlich auch: Die Leute kaufen weniger, und es gibt praktisch keine Investitionen mehr. Trotzdem wachsen wir jedes Jahr um 35 Prozent. Und viele Marken, die unter den gestiegenen Rohstoffpreisen und den oft knallharten Bedingungen der großen Online-Händler leiden, klopfen bei uns an. Wir freuen uns, wenn wir denen, die wirklich Gutes tun, eine Plattform bieten können.

Wo steht Ihr jetzt – und wo geht die Reise hin?

Stephan Stegeman: In den Niederlanden und in Belgien ist Shop Like You Give a Damn schon gut bekannt. Ursprünglich hatten wir auf eine Expansion nach Großbritannien hingearbeitet, aber der Brexit hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Letztes Jahr sind wir in Deutschland gestartet. Wir versenden aber auch in alle anderen Euroländer. Unser Ziel ist klar: Wir wollen das ethische Amazon mit weltweiter Präsenz werden – und bewussten Konsum zum neuen Normal machen.

Wie geht Ihr mit Retouren um?

Stephan Stegeman: Wir übernehmen die Versand- und Rückgabebestimmungen der Verkäufer auf unserer Plattform und bieten einen zusätzlichen Kundenservice, um den gesamten Rückgabeprozess so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Was ist Euer Wunsch an andere Onlinehändler?

Stephan Stegeman: Das Schlimmste an den großen Marktplätzen ist, dass sie Marken vertreten, die nicht nachhaltig, nicht fair und nicht vegan sind – und sie zu Preisen anbieten, die auf lange Sicht nicht realistisch sind. Wenn du dich beim Einkaufen für einen ethischeren Marktplatz entscheidest, stimmst du für die Veränderungen, den du in der Welt sehen willst.

👇🏼 Regelmäßige News aus der veganen Community findest du auf Instagram! 👇🏼

This Is Vegan unterstützen - so geht´s!

Auf der Seite findest du Affiliate-Links. Wenn Du deine Lieblingsprodukte über diese kaufst, erhalten wir eine Provision, womit du uns unterstützt.

Alternativ kannst du uns auf Instagram, TikTok, YouTube,  LinkedIn oder Pinterest folgen, unseren Podcast hören, abonnieren und bewerten hier direkt unterstützen:

Jeder Cent hilft, unsere Vision voranzutreiben.

🙏🏽💚

Please install and activate Powerkit plugin from Appearance → Install Plugins. And activate Opt-in Forms module.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert