Gemüse im Napf – ist veganes Hundefutter überhaupt artgerecht? Mit dieser Frage haben sich Tessa Zaune-Figlar und Valerie Henssen intensiver auseinandergesetzt. Sie haben VEGDOG gegründet.

VEGDOG ist das erste zu 100% pflanzliche und glutenfreie Alleinfuttermittel für Hunde, das in einer einjährigen Entwicklungsphase in Zusammenarbeit mit Fachtierärzten und Fachlaboren entwickelt wurde. Die unterschiedlichen Futtersorten versorgen den Hund mit allen essenziellen Nährstoffen. Zudem werden ausschließlich regionale, hochqualitative Zutaten verwendet, die schonend und unter Einhaltung der höchsten Qualitätsstandards zu einem schmackhaften Futter verarbeitet werden.

Im Gegensatz zu andere Hundefutter Marken ist VEGDOG ist frei von Lock-, Farb-, und Konservierungsstoffen und verzichtet zudem auf Tierversuche.

Im Interview verraten uns VEGDOG-Gründerin und Geschäftsführerin Tessa Zaune-Figlar, sowie Mitgründerin und Geschäftsführerin Valerie Henssen, wie sie auf die Idee kamen das Start-Up für veganes Hundefutter zu gründen, ob sie ihre Hunde auch vegan ernähren, welche Werte sie in ihrem Unternehmen transportieren möchten und wie es nach dem Deal bei „Die Höhle der Löwen“ weiterging.

Außerdem fragten wir eine, die sich mit Tieren auskennen muss: Tierärztin Carla Steffen erzählt uns, was sie von veganer Hundeernährung hält und ob es Sinn macht, seinen Hund vegan zu ernähren. 

Am Schluss verlinken wir euch noch eine Studie zum Thema vegane Hunde- & Katzenernährung.

"Inzwischen weiß ich, dass der Hund Proteine und Nährstoffe braucht… und nicht das Fleisch. Diese können wir ihm auch pflanzlich zur Verfügung stellen."

Tessa Zaune-Figlar (Gründerin, VEGDOG)

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, veganes Hundefutter herzustellen?

Tessa Zaune-Figlar: Mein Schäferhund-Mischling Nelson litt an einer Futtermittelallergie, weshalb der Tierarzt empfohlen hat, tierische Bestandteile aus Nelsons Speiseplan zu streichen. Nelson vegan ernähren?! Ich war zunächst skeptisch, aber um Nelson zu helfen, wollte ich nichts unversucht lassen. Ich ließ mir vom Fachtierarzt bedarfsdeckende Rezepturen zum Selberkochen erstellen und nach kurzer Zeit war mein Hund beschwerdefrei. Da ich jahrelang alles versucht hatte, war das für mich ein kleines Wunder. Das Selberkochen wurde mir nach einiger Zeit zu zeitaufwendig. Nach ausführlichen Recherchen kam ich zu dem Schluss, dass es kein veganes Hundefutter auf dem Markt gibt, welches eine volle Bedarfsdeckung gewährleistet. Um die Marktlücke eines veganen, bedarfsdeckenden Alleinfuttermittels für Hunde zu füllen und somit auch Hundehalter:innen in ähnlichen Situationen eine gesunde Alternative zu fleischhaltigen Futtermitteln zu bieten, entschied ich mich, mit Fachtierärzt:innen ein Hundefutter auf pflanzlicher Basis zu entwickeln. Eines, das dem Hund all die Nährstoffe liefert, die er für ein gesundes Leben braucht. Denn inzwischen weiß ich, dass der Hund Proteine und Nährstoffe braucht… und nicht das Fleisch. Diese können wir ihm auch pflanzlich zur Verfügung stellen. Das ist die Geschichte hinter VEGDOG.

Wie ging es nach eurem Auftritt bei "Die Höhle der Löwen" für euer Start-Up weiter?

Tessa Zaune-Figlar: 2015 startete ich mit drei Sorten Nassfutter, die 2016 an den Markt gingen. 2017 stieg Mitgründerin Valerie Henssen mit ein und 2018 hatten wir unseren Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“, durch die Familie Wöhrl eingestiegen ist. Nach der Ausstrahlung brachten wir auch eine Sorte Trockenfutter und den ersten Snack auf den Markt. 2020 haben wir uns im Positiven von Familie Wöhrl getrennt, kurze Zeit später stieg der nächste Investor Katjesgreenfood ein. Daraufhin haben wir seither weitere Snacks gelauncht und diesen Sommer eine nachhaltige Innovation: Nassfutter im Tetra Pak. 2020 haben wir es erstmalig geschafft, die 1-Millionen-Umsatz-Marke zu knacken! Wir bei VEGDOG stehen nicht still und haben spannende, aufregende Jahre hinter uns und können stolz auf eine sehr erfolgreiche Entwicklung sein. Unser Ziel ist es, weiterhin den Fokus auf Innovationen zu setzen und bis 2023/2024 den europäischen Markt für veganes Hundefutter anzuführen. Dank unserem schnell wachsenden Team motivierter, kreativer und engagierter Menschen mit dem gleichen Ziel vor Augen, den Hundefuttermarkt zu revolutionieren und dabei Tiere und Umwelt zu schützen, sind wir auf dem besten Weg.

Kann ich das vegane Hundefutter an jeden Hund verfüttern?

Carla Steffen (Tierärztin): Grundsätzlich kann man jeden Hund vegan ernähren, sofern es ihm schmeckt und er es verträgt. Wichtig ist stets, dass eine Bedarfsdeckung gewährleistet ist. Bei gewissen Erkrankungen wie Futtermittelunverträglichkeiten oder Nierenerkrankungen kann der Umstieg auf eine pflanzliche Diät sogar die Symptome lindern. Einige unserer Kund:innen berichten von Schicksalen wie auch Nelson und dass es ihnen nach der Umstellung auf eine vegane Kost endlich gut ging.

Welche Zutaten finden sich denn in eurem veganen Hundefutter?

Valerie Henssen: Wir setzen auf hochwertige, größtenteils regionale Zutaten, da wir den höchsten Qualitätsanspruch an unsere Produkte haben. Immerhin sind wir selbst unsere strengsten Kundinnen. Gleichzeitig spielt aber auch Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle sowohl bei der Produktion als auch im Büroalltag. Wir verwenden alternative Proteinquellen, wie z.B. Lupine, Erbsen oder Linsen, die die Hunde mit allen Aminosäuren versorgen, die er benötigt. Ergänzt werden die Rezepturen mit Superfoods wie Chia- und Leinsamen und jeder Menge gesundem Obst und Gemüse. Abgerundet wird das Alleinfutter von einem speziell angepassten Mineralfutter, so dass eine volle Bedarfsdeckung sichergestellt wird.

"Viele Menschen stellen unseren Haushund noch immer auf die gleiche Stufe wie den Wolf. Doch der Hund hat mit dem Wolf nicht mehr viel gemein."

Carla Steffen (Tierärztin)

Was antwortet ihr Menschen, die vegane Hundeernährung als "Tierquälerei" bezeichnen?

Carla Steffen: Viele Menschen stellen unseren Haushund noch immer auf die gleiche Stufe wie den Wolf. Doch der Hund hat mit dem Wolf nicht mehr viel gemein. Eingedrückte Nasen, durch die kaum Atmung möglich ist, Stummelschwänze, mit denen die Hunde kaum noch kommunizieren können und zu kurzes Fell, das bei kalten Temperaturen einen Mantel fordert – aber bei der Ernährung soll der Hund dann wieder ganz Wolf sein? Der Hund hat sich während der Domestikation zu einem großen Teil pflanzlich ernährt, da Fleisch selten und kostbar war und Hunde ohnehin nur Essensreste bekommen haben. Dadurch ist es ihm heute möglich, Stärke sehr gut zu verdauen, was ihn – wie uns Menschen – zu einem Allesfresser macht. Hunde sind an das Leben mit Menschen angepasst, er unterscheidet sich deutlich vom Wolf. Und genau diese Aufklärung ist uns wichtig, um auch andere davon zu überzeugen, dass Hunde sehr gut pflanzlich und gesund leben können. Immer mehr Menschen erkennen diesen hinkenden Vergleich und steigen auf vegane Hundenahrung um. Viele starten hierbei mit pflanzlichen Snacks oder mit ein bis zwei Veggie-Days pro Woche. Anhand unserer steigenden Kundenzahlen merken wir die größer werdende Akzeptanz und Nachfrage nach pflanzlicher Nahrung für Hunde in der Gesellschaft.

Mögen die Hunde eurer Kund:innen das Futter direkt oder gibt es erst so etwas, wie eine "Umgewöhnungsphase"?

Valerie Henssen: Unsere Kund:innen und deren Fellnasen sind überdurchschnittlich zufrieden mit unserem Futter. Wir haben eine Akzeptanzquote von etwa 90%! Viele ehemals verzweifelte Halter:innen sind begeistert, weil ihr Hund seitdem er VEGDOG bekommt, Leiden und Krankheiten (z.B. Futtermittelallergien) abgelegt hat. Solch erfreuliches Feedback bekommen wir regelmäßig, motiviert uns immer wieder aufs Neue und bestärkt uns in unserer Mission. Selbstverständlich liegt uns das Feedback unserer Kund:innen sehr am Herzen, so dass wir insbesondere Kritik auf- und annehmen. Die Zufriedenheit unserer Kund:innen hat höchste Priorität für uns. Grundsätzlich sollte man einen Hund aber behutsam umstellen, wir empfehlen eine Umgewöhnung von 3 Wochen. Hierbei steht unsere Tierärztin Carla unseren Kund:innen auch gerne zur Seite.

Auf was dürfen wir uns in Zukunft noch von VEGDOG freuen?

Tessa Zaune-Figlar: Aktuell fokussieren wir uns noch auf den Ausbau unseres Sortiments für pflanzliche Hundenahrung. Wir haben einiges geplant und können schon verraten, dass bald ein weiteres Alleinfuttermittel in unser Sortiment aufgenommen wird. Wir werden häufig nach veganer Katzennahrung gefragt. Sobald hier die Forschungsgrundlage so weit ist, dass eine pflanzliche Ernährung auch für Katzen bedarfsdeckend und gesund umgesetzt werden kann, stehen wir auch der veganen Katzennahrung offen gegenüber.

Welche Werte vertritt VEGDOG als Unternehmen?

Valerie Henssen: Wir sind positiv, glaubwürdig, empathisch und professionell. Bei VEGDOG ist das Großartige, dass das gesamte Team mit Herzblut, Leidenschaft und Motivation dabei ist. Wir alle setzen uns gemeinsam für eine bessere Welt ein. Vor allem eine bessere Welt für Tiere. Angefangen bei den Hunden, die von Mitarbeiter:innen adoptiert wurden, bis hin zu all den Tieren in der Massentierhaltung, deren Leben wir durch unsere pflanzlichen Produkte verschonen. Nachhaltigkeit und Umweltschutz spielen außerdem eine entscheidende Rolle bei der Produktion und natürlich auch dem Büroalltag.

Wie integriert ihr selbst die Themen Nachhaltigkeit und Veganismus in euren persönlichen Alltag?

Tessa Zaune-Figlar: Das VEGDOG-Team lebt entweder schon vegan oder integriert Veganismus immer mehr in den Alltag. Wir alle haben hier eine gemeinsame Leidenschaft und motivieren uns gegenseitig. Veganismus hängt unweigerlich mit Nachhaltigkeit zusammen, so dass wir alle bemüht sind, unseren ökologischen Fuß- und Pfotenabdruck so gering wie möglich zu halten. Viele von uns kommen z.B. mit dem Rad oder den Öffentlichen ins Büro, wir unterstützen das Jobrad, machen Upcycling-Projekte und essen regelmäßig gemeinsam vegan zum Mittag.

Wie wird sich der Markt für pflanzenbasiertes Tierfutter Eurer Einschätzung nach über die nächsten Jahre entwickeln?

Valerie Henssen: Früher war veganes Hundefutter eine Seltenheit. Es gab daher auch keinerlei Marktzahlen außer die aus dem Lebensmittelbereich (20faches Wachstum über 10 Jahre). Wer seinen Hund vegan ernähren wollte, kam meist um das Kochen nicht umher. Auch nach pflanzlichen Snacks musste man länger suchen. Doch heute bekommt man in jedem Zoofachhandel auch vegane Alternativen. Es gibt nun auch Zahlen, die bestätigen, dass veganes Hundefutter lange keine Nische mehr ist (ein Viertel aller Hundebesitzer würden diese Form der Ernährung in Betracht ziehen). Entweder von rein veganen Herstellern oder von Marken, die neben der „konventionellen“ Hundenahrung auch eine pflanzliche Alternative anbieten. Auch große Hersteller, die schon lange im Geschäft sind, erkennen diese Nachfrage und erweitern ihr Sortiment. Im veganen Hundefutterangebot muss dasselbe geschehen wie auch bei der menschlichen veganen Ernährung: Die Regale müssen sich füllen!

Kann man seine Hunde auch nur zwischendurch im Rahmen eines "Veggie Day" vegan ernähren?

Carla Steffen: Hunde lieben Abwechslung! Und durch eine vegane Alternative kann mit jedem Schritt viel bewegt werden. Und gerade für Hundehalter:innen, die ihren Hund noch nicht komplett auf eine pflanzliche Kost umstellen möchten, sind Veggie-Days eine hervorragende Alternative. Hierbei können vegane Tage eingelegt oder pflanzliches mit fleischhaltigem Futter gemischt werden, sofern die Kombination bedarfsdeckend ist. Außerdem eignen sich vegane Snacks hervorragend, um den Fleischkonsum zu reduzieren und den geliebten Vierbeiner dennoch zu verwöhnen.

"80 Hühner jedes Jahr dürfen weiterleben, wenn ein 15kg schwerer Hund vegan ernährt wird."

Valerie Henssen (Gründerin, VEGDOG)

Wie schneidet das VEGDOG-Futter im Vergleich zu herkömmlichem Futter in der CO2-Bilanz und der geretteten Tiere ab?

Valerie Henssen: Egal ob wir über die menschliche Ernährung oder die des Hundes sprechen: tierische Produkte haben eine enorme Auswirkung auf unser Klima. Der hohe Ausstoß der Klimagase CO2 und Methan hängt damit zusammen. Ebenso riesige Plantagen mit Futterpflanzen, die in den Trögen der Tiere in der Massentierhaltung landen. Regenwälder werden tatsächlich hierfür gerodet und nicht für das Soja der Veganer:innen wie häufig irrtümlich angenommen. Wir sprechen nicht umsonst von einem grünen Pfotenabdruck, die unsere Produkte hinterlassen: Unsere VEGGIES, BEEVYS und JERKEYS beispielsweise sparen 1kg CO2 pro Packung, was einer 6km langen Autofahrt entspricht. Eine 800g Dose unseres Nassfutters hingegen spart so viel CO2 wie bei einer 30km langen Autofahrt und ein 12kg Sack unseres Trockenfutters GREEN CRUNCH spart CO2 einer 225km langen Autofahrt ein. Und natürlich rettet man mit einer pflanzlichen Ernährung unzähligen Tieren das Leben und erspart ihnen ein qualvolles Leben in den Ställen der Massentierhaltung. Denn vielen Menschen ist nicht bewusst, dass tatsächlich Tiere für Hundefutter geschlachtet werden und es sich nicht „nur“ um Schlachtabfälle handelt. 80 Hühner jedes Jahr dürfen weiterleben, wenn ein 15kg schwerer Hund vegan ernährt wird.

Gibt es etwas, das ihr zum Schluss noch loswerden möchtet?

Tessa Zaune-Figlar: Wir danken allen Menschen, die hinter uns stehen und gemeinsam mit uns daran arbeiten, dass vegane Hundenahrung in die Mitte der Gesellschaft bewegt wird. Ein besonderer Dank geht dabei an unsere Kund:innen, die uns durch ihr grandioses Feedback bestärken und motivieren, dass wir auf dem richtigen Weg sind und vielen Menschen und Hunden eine Alternative bieten. Ohne euch wäre all das nicht möglich und wir freuen uns auf alles, das noch kommt!

Hier bekommst du VEGDOG:

Wenn du das vegane Hundefutter von VEGDOG jetzt auch mal für deinen Vierbeiner ausprobieren möchtest – schau mal hier bei Amazon rein oder direkt auf der Website von VEGDOG.

Was sagt die Wissenschaft?

Dass eine vegetarische Ernährung Hunden oder Katzen nicht schadet, hat die Metastudie der University of Winchester gezeigt. Lies gerne mal rein!

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