In Washington, D.C., und in Denver darf ab dem 1. Juli 2027 keine Stopfleber mehr verkauft werden. Die Wählerinnen und Wähler beider Städte haben am 3. November über Volksinitiativen abgestimmt, und beide gingen deutlich durch. In der US-Hauptstadt stimmten nach den vorläufigen Zahlen rund drei Viertel mit Ja, in Denver rund zwei Drittel. Nach unserer Recherche entscheiden damit in den USA zum ersten Mal die Bürger selbst über ein Foie-gras-Verbot und nicht ein Parlament oder ein Stadtrat.
Kurz gesagt
- Washington, D.C.: Initiative 86, vorläufig rund 73 Prozent Ja, in allen acht Stadtbezirken über 70 Prozent
- Denver: Ordinance 311, vorläufig 66,6 Prozent Ja
- Was verboten wird: Stopfmast sowie Verkauf, Vertrieb und Import der Produkte, ab dem 1. Juli 2027
- Strafen in D.C.: 1.000 bis 5.000 Dollar pro Verstoß, bei Wiederholung droht der Entzug der Gewerbelizenz
- Noch offen: In D.C. kann der US-Kongress das Gesetz kippen, und ein Hersteller kündigt eine Klage an
Inhalt7 Kapitel
Was in Washington beschlossen wurde.
Die Initiative heißt „Prohibiting the Force-Feeding of Birds Act of 2026“. Sie verbietet, Vögel zwangsweise zu füttern, und untersagt zugleich Verkauf, Vertrieb und gewerblichen Import von Foie gras und anderen Produkten aus der verfetteten Leber gestopfter Vögel. Das gilt für Restaurants genauso wie für Feinkostläden und Händler. Wer dagegen verstößt, zahlt laut WTOP 1.000 bis 5.000 Dollar pro Fall. Bei wiederholten Verstößen kann die Lizenz weg sein.
Nach dem vorläufigen Ergebnis der Wahlbehörde vom Wahlabend stimmten 97.432 Menschen mit Ja, rund 73 Prozent. In jedem der acht Bezirke der Stadt lag die Zustimmung über 70 Prozent. Spätere Auszählungen sehen den Wert eher noch etwas höher, das amtliche Endergebnis steht aus.
Hinter der Initiative steht Pro-Animal DC, eine Kampagne der Organisation Pro-Animal Future aus Portland. Die Freiwilligen sammelten 46.020 Unterschriften, 31.726 davon waren gültig. Das ist mehr als nötig. Einen Rekord, wie es auf Social Media heißt, stellt das aber nicht auf: Die Sprecherin der Kampagne sagte selbst, nur die Initiative zur Freigabe von Cannabis habe in D.C. mehr Unterschriften gehabt.
„Heute Abend hat D.C. entschieden, dass das Stopfen eines Vogels hier keinen Platz hat“, sagte Kampagnenleiterin Cady Witt gegenüber City Cast DC.
Und in Denver.
In Denver lief die Abstimmung als Initiated Ordinance 311, der „Prohibit Force-Feeding Birds Act“. Inhaltlich geht sie in dieselbe Richtung: Verboten sind die Stopfmast und der Verkauf, Vertrieb, Import und Transport der Produkte. Nach dem vorläufigen Ergebnis der städtischen Wahlbehörde stimmten 136.559 Menschen mit Ja, das sind 66,55 Prozent. Gesammelt hatte die Unterschriften die Schwesterkampagne Pro-Animal Colorado. Betroffen sind nach Medienberichten bis zu 15 Restaurants der Stadt.
Bemerkenswert ist das Ergebnis, weil Denver vor zwei Jahren noch anders abgestimmt hat. 2024 lehnten die Wählerinnen und Wähler dort ein Pelzverbot mit 42 Prozent Ja ab, ein Verbot von Schlachthöfen sogar mit nur 36 Prozent. Beim Stopfen von Enten und Gänsen sieht die Mehrheit offenbar eine klarere Grenze.

Wer dagegen war.
In Washington stellten sich der regionale Gastronomieverband, mehrere Köche und der Starkoch José Andrés gegen die Initiative. Bart Hutchins, Inhaber des Restaurants Butterworth’s, nannte sie gegenüber WJLA „Feigheit, verkleidet als Mitgefühl“. Bürgermeisterin Muriel Bowser deutete an, aus Prinzip mit Nein zu stimmen. Eine große, finanzierte Gegenkampagne gab es in D.C. nicht. Für Denver berichten Lokalmedien von rund 326.000 Dollar auf der Ja-Seite und 198.500 Dollar dagegen, diese Zahlen konnten wir nicht an der Quelle prüfen.
Ganz vorbei ist es noch nicht. Gesetze, die in D.C. per Volksentscheid beschlossen werden, gehen nach dem sogenannten Home Rule Act für 30 Sitzungstage an den US-Kongress, der sie mit einer gemeinsamen Resolution aufheben kann. Konkrete Pläne dafür sind bisher nicht bekannt. Außerdem kündigt Hudson Valley Foie Gras aus dem Bundesstaat New York, einer der großen Hersteller der USA, eine Klage an. Vizepräsident Marcus Henley hält das Verbot für „in mehrfacher Hinsicht verfassungswidrig“.
Wo Stopfleber in den USA schon verboten ist.
Kalifornien verbietet Herstellung und Verkauf seit 2012. Die Hersteller haben dagegen bis zum Supreme Court geklagt, der den Fall 2014, 2019 und zuletzt im Mai 2023 nicht angenommen hat. Das Verbot gilt also weiter. Portland in Oregon hat im Juni 2026 per Stadtratsbeschluss nachgezogen.
In New York ist die Lage verfahrener. Der Stadtrat hat 2019 mit 42 zu 6 Stimmen ein Verkaufsverbot beschlossen, über das die Bürger allerdings nie abgestimmt haben. Ein Gericht in Albany kippte es 2024, weil das Landwirtschaftsministerium des Bundesstaats Vorrang habe. Im März 2026 hob die nächsthöhere Instanz das einstimmig wieder auf. Durchgesetzt wird das Verbot trotzdem noch nicht, weil in einem zweiten Verfahren eine einstweilige Verfügung gilt. Die Hersteller gehen vor das höchste Gericht des Bundesstaats.
Und in Deutschland.
Hier ist die Stopfmast nach dem Tierschutzgesetz verboten, Import und Verkauf aber nicht. Stopfleber liegt in Feinkostabteilungen und steht gerade vor Weihnachten auf Restaurantkarten, obwohl niemand sie hierzulande legal herstellen dürfte. In der EU stopfen vor allem noch Frankreich, Ungarn, Bulgarien und Spanien sowie die belgische Wallonie. Brasilien ist im August 2026 weiter gegangen und hat neben der Herstellung auch Import und Verkauf verboten. Die Hintergründe stehen in unserem Artikel zum Stopfleber-Verbot in Brasilien.
Tierethische Einordnung.
Für Foie gras wird Enten und Gänsen in den letzten zwei bis drei Wochen ihres Lebens mehrmals täglich ein Rohr in die Speiseröhre geschoben, durch das Maisbrei gepresst wird. Die Leber schwillt dabei auf ein Vielfaches ihrer normalen Größe an, je nach Quelle bis zum Zehnfachen. Der wissenschaftliche Tierschutzausschuss der EU kam schon 1998 zu dem Schluss, dass die Zwangsfütterung, so wie sie praktiziert wird, dem Wohlergehen der Vögel schadet.
Die beiden Verbote ändern für die Tiere zunächst wenig, denn weder in Washington noch in Denver wird Stopfleber hergestellt. Sie nehmen aber Absatzmärkte weg, und sie zeigen etwas, das über Foie gras hinausgeht: Wenn Menschen direkt gefragt werden, ziehen große Mehrheiten eine Grenze bei Tierleid, das sie für unnötig halten.
Ehrlich gehört dazu, wo diese Grenze verläuft. Dieselben Wählerinnen und Wähler in Denver haben 2024 Schlachthöfe und Pelz nicht verbieten wollen. Die meisten Enten und Gänse, die in den USA gegessen werden, leben und sterben ohne Stopfrohr, aber nicht ohne Leid. Ein Foie-gras-Verbot ist ein Anfang, und es lässt die viel größere Zahl von Tieren in der normalen Mast außen vor.
Was du tun kannst.
In Deutschland bleibt Stopfleber legal im Regal. Wenn du sie in deinem Supermarkt oder auf der Weihnachtskarte deines Lieblingsrestaurants siehst, sprich die Leute an und frag, warum ein Produkt im Angebot ist, dessen Herstellung hier verboten ist. Für das Festessen gibt es Pasteten und Aufstriche ohne Tier, etwa vegane Pastete, die zu Brioche und Feigensenf passt.
Wie wir recherchiert haben
Anlass ist ein Instagram-Beitrag der US-Organisation Voters for Animal Rights. Die Ergebnisse sind vorläufig, die Seiten der Wahlbehörden in D.C. und Denver waren für uns nicht abrufbar. Wir stützen uns deshalb auf Berichte von WTOP, WJLA, City Cast DC, Ballotpedia und Reason sowie auf die Pressemitteilung der Kampagne. Die Angaben zum Kongress haben wir am Gesetzestext des District of Columbia geprüft. Zwei Aussagen aus dem Beitrag haben wir nicht übernommen: Die Unterschriftenzahl in D.C. war kein Rekord, und das New Yorker Verbot hat der Stadtrat beschlossen, nicht die Wähler. Mit den beteiligten Organisationen bestehen keine geschäftlichen Beziehungen.
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