Eine der größten veganen Online-Kochschulen im deutschsprachigen Raum hat den Besitzer gewechselt. Das Linzer Start-up 7hauben übernimmt die Vegan Masterclass, dazu das Weiterbildungsangebot der vefa Fernschule. Das berichten MeinBezirk und Trending Topics. Einen Kaufpreis nennt niemand.
Der Haken, den keine der beiden Meldungen erwähnt: 7hauben ist keine vegane Plattform. Im Kurskatalog stehen „Rinderfilet Total“, „Steak Essentials“, „Vier feine Lammgerichte“ und „Fisch Basics“. Eine vegane Kochschule mit nach eigenen Angaben über 35.000 Mitgliedern gehört jetzt einem Anbieter, der auch beibringt, wie man ein Lamm zubereitet.
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Wer hier wen kauft
7hauben wurde von Johannes Sailer, Wolfgang Strimmer und Markus Auzinger gegründet und produziert Kochkurse im Stil von Streaming-Serien: Profiköche, aufwendig gefilmt, im Abo. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen rund 30.000 aktive Abonnent:innen, der Umsatz liegt knapp 40 Prozent über dem Vorjahr. Mit den neuen Kursen wächst das Angebot auf über 150.

Bezahlt wird der Kauf teils aus eigenem Geld, teils aus einer frischen Finanzierungsrunde im mittleren sechsstelligen Bereich. Mit drin ist Traxit, ein Zusammenschluss von 19 ehemaligen Führungskräften von Tractive, dem Linzer Hersteller von GPS-Trackern für Hunde und Katzen. Einer davon ist Tractive-Mitgründer Michael Hurnaus. Sein Satz dazu klingt nach Pitch-Deck: 7hauben habe bewiesen, „dass sich hochwertige digitale Inhalte und ein skalierbares Abo-Geschäftsmodell erfolgreich verbinden lassen“.
Das Ziel ist ehrgeizig. Bis Ende 2026 will 7hauben über drei Millionen Euro wiederkehrenden Jahresumsatz erreichen. Mit 7flavor.com startet zusätzlich eine englischsprachige Plattform, die Kurse werden per KI übersetzt.
Was die Vegan Masterclass mitbringt

Gegründet hat die Vegan Masterclass 2018 unter anderem der Koch Sebastian Copien. Rund 40 Kurse mit gut 1.100 Videolektionen sind seitdem entstanden, unterrichtet unter anderem von Sophia Hoffmann und Stina Spiegelberg. Ebenfalls im Dozentenkreis: Niko Rittenau, mit dem Copien mehrere Kochbücher geschrieben hat. Rittenau war jahrelang eines der bekanntesten Gesichter der veganen Szene, inzwischen hält er Hühner und isst wieder Fleisch. Wer bei der Vegan Masterclass bucht, lernt also schon heute zum Teil bei jemandem, der selbst nicht mehr vegan lebt. Die Website spricht von über 35.000 Mitgliedern. Dazu kommt die vefa Fernschule mit dem Lehrgang „Plant-Based Pro“ für Leute, die pflanzliche Küche beruflich machen wollen.
Copien klingt zufrieden. Ihm sei wichtig gewesen, einen Partner zu finden, „der unsere Vision teilt und die Marke eigenständig weiterführt“, sagte er MeinBezirk. Zwei neue Kurse mit ihm sind schon abgedreht. Im Impressum der Vegan Masterclass steht inzwischen die FR Media GmbH aus Linz, dieselbe Firma wie bei 7hauben.

Was das für dich heißt
Wenn du einen Kurs oder ein Abo bei der Vegan Masterclass hast, ändert sich laut 7hauben erst mal nichts. Die Marke soll eigenständig bleiben, die Inhalte bleiben pflanzlich. Ob das in zwei Jahren noch so aussieht, entscheidet eine Firma, deren Geschäftsmodell auf möglichst vielen Abos beruht. Ein gemeinsames Abo, in dem Copiens Pilzbraten neben dem Rinderfilet läuft, wäre aus Sicht eines Abo-Anbieters naheliegend. Angekündigt ist so etwas nicht.
Wir kennen das Muster aus dem Supermarkt. Als der Tofu-Pionier Berief an die Müller-Gruppe ging, haben wir aufgeschrieben, welche Tofu-Marken noch unabhängig sind. Bei Kochkursen ist die Frage dieselbe: Wohin fließt dein Monatsbeitrag? Bei der Vegan Masterclass fließt er ab jetzt in ein Unternehmen, das mit demselben Geld auch Fischkurse produziert.
Das muss niemanden vom Kochenlernen abhalten. Es ist eine Information, die du haben solltest, bevor du ein Jahresabo abschließt.

Kochen lernst du am Ende in deiner eigenen Küche. Foto: DisobeyArt / Adobe Stock
Wer lieber ohne Abo anfangen will: Unser Guide zum vegan kochen lernen kommt mit Grundausstattung, Vorratsliste und den ersten vier Wochen aus.
Warum der Deal trotzdem ein Signal ist
Man kann das auch andersherum lesen. Ein Abo-Anbieter, der von Steaks und Fisch lebt, kauft sich eine komplette vegane Kochschule ein, statt selbst zwei vegane Kurse dazuzudrehen. Das spricht dafür, dass Sailer und seine Investoren pflanzliche Küche für ein Wachstumsfeld halten. Für eine Nische gibt man so viel Geld nicht aus.
Für die Tiere ist die Rechnung trotzdem simpel. Jeder Mensch, der lernt, wie ein guter Pilzbraten gelingt, braucht das Rinderfilet ein Stück weniger. Ob er das bei einer veganen Firma oder bei einer gemischten gelernt hat, ist dem Rind egal. Uns wäre trotzdem lieber gewesen, die Vegan Masterclass wäre in veganer Hand geblieben.
Methodik und Quellen
Grundlage sind die Berichte von MeinBezirk (18. Oktober 2026) und Trending Topics (15. Oktober 2026), außerdem die Websites und Impressen von 7hauben, der Vegan Masterclass und der vefa Fernschule, abgerufen am 19. Oktober 2026. Umsatz, Abozahlen, Mitgliederzahlen und Wachstumsziele sind Angaben der Unternehmen und nicht unabhängig geprüft. Eine Pressemitteilung von 7hauben haben wir nicht gefunden, das genaue Datum der Übernahme ist offen. Die Fotos stammen von 7hauben und der Vegan Masterclass.
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Wer hier wen kauft?
Was die Vegan Masterclass mitbringt?
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